KURWESEN: 100 JAHRE BAD
Kurgäste berichten
und
Berichte über Kurgäste
Vorab:
1845
1845, also vor rund 180 Jahren [2026] wird Sachsa für den Fremdenverkehr entdeckt. Regierungsrat Folk [Bezirksregierung Erfurt] weilte in Sachsa, um finanzielle Angelegenheiten zu regeln; er erkennt die Schönheit der Natur um Sachsa herum und empfielt, diese Schönheiten Naturfreunden und auswärtigen Gästen zugänglich zu machen.
Der 660m hohe Ravensberg soll Anziehungspunkt werden.
Einige Stadtbewohner Sachsas, vor allem aber der damalige Bürgermeister Scheidel, überzeugten den Landwirt Kohlhaase [a.a.O.: Kohlhase], hochoben auf dem Ravensberg ein Häuschen zu bauen, überhaupt den Gipfel des Berges zu einem Ausflugsort zu gestalten.
1848 schuf Kohlhaase erst ein kleines Bretterhäuschen mit Milchausschank [andere „Quellen“ sprechen von „Bierausschank“].
Offensichtlich hatte man den Nerv der Zeit getroffen, denn bereits 1854 wurde auf unserem Hausberg eine Gaststätte für „Sommerfrischler“ eröffnet, ein Aussichtsturm von etwa 13 m Höhe errichtet.
Im Jahr zuvor wurde bereits der Weg zum Schützenhaus geebnet und beschottert, die Straße mit Bäumen bepflanzt [damalige Lindenstraße, heute Hindenburgstraße]
Die einen sagen, der Beginn als Kur- oder Badeort ist in 1864 zu sehen –
die anderen meinen, den Beginn in 1874 zu sehen.
Wieder andere nehmen die Namensänderung 1905 zum Anlaß –
aber der Reihe nach:
Der Stadtarchivar Günter König sprach von:
1864 ff
Vom kleinen Badehaus zum heutigen Kurmittelzentrum in Bad Sachsa
Kurzgefaßte Geschichte dieser Einrichtung von 1864 bis 1982
Der „Heilgehilfe“ Carl Degenhardt

Rechts: Carl Degenhardt (sic!)
[Das Foto, basierend auf einer sehr alten Kopie, wurde mit KI bearbeitet]

„Bad Sachsa. Am Sonnabend, dem 10. Juni, wurde hier ein Sachsaer Bürger beerdigt, dessen Name über Deutschlands Grenzen bekannt ist, welcher trotz seiner Schlicht- und Einfachheit mehr geleistet hat für Sachsa, als mancher ahnt. Um ein Bild dieses einfachen Mannes, des Heilgehilfen Carl Degenhardt, zu zeichnen, müssen wir lange Zeit zurückgreifen. Ehe Sachsa als Kurort bekannt wurde, arbeitete er schon dahin, fremde Gäste herbei zu führen. Ihm zur Seite ging, von der freundlichen Lage Sachsas beeinflußt, Herrn Professor Schenck, s.Z. in Edinburgh, welcher in Zeitungen und Broschüren unsern Ort rühmte und selbst eine Gesellschaft junger Engländer mit hierher brachte, und noch heute ist unsere geehrte Mitbürgerin, Frau Schenck, der Mittelpunkt vieler unseren Ort besuchender Engländer. Schon im Jahre 1864 beschäftigte sich Herr Degenhardt mit der Aufnahme von Kranken, welche ihm von ärztlicher Seite, u.a. von Herrn Sanitätsrat Dr. med. Bötticher in Nordhausen, der D. veranlaßt hatte, Heilgehilfe zu werden, zugewiesen wurden. Bötticher in Nordhausen war der Sohn von Dr. med. Bötticher, der noch in den 60er Jahren Arzt und Stadtverordneter in Sachsa war. Im Jahre 1873 erschien von ihm in dem „Nordhäuser Courier“ die erste Anzeige, welche Sachsa als Sommeraufenthalt empfielt, und ein Jahr später baute Herr Gelpke sen. die erste Privatbadeanstalt, welche der Verstorbene für seine Kranken benutzen konnte. Viele unserer Mitbürger gedenken wohl noch der früheren Zeit, als sie Herrn Degenhardt bei Unglücksfällen und sonstigen kleinen Leiden holten. Jederzeit war er hilfsbereit, ob früh oder spät. jedem wußte er Rat und Trost, ohne daß seine Mitbürger in die Tasche zu greifen brauchten; er ließ sich keine Mühe verdrießen und seine Arbeit nicht vergelten. Er war ein Mitbürger im wahren Sinne des Wortes. Möge ihm die Bürgerschaft ein treues Andenken bewahren!“
[Ludwig Kamphenkel, Zeitung für den Harz, 10. Juni 1899]


1980, also zum 75jährigen der Namensänderung von Sachsa auf Bad Sachsa wird auch auf das Jahr 1864 bezug genommen; so heißt es „ZUM GELEIT“:
„Zwar wurde man bereits im Jahre 1864 auf Sachsa aufmerksam, und die ersten Ärzte verschrieben ihren Patienten hier Kuren, jedoch setzte die eigentliche Entwicklung zum Bad und später zum heilklimatischen Kurort erst sehr langsam ein, wurde dafür aber stetig fortgeführt…
Seifert [Bürgermeister] Meyer [Stadtdirektor] Fuchs [Kurdirektor]

„Carl Degenhardt
in Sachsa“
(30.04. + 07.05.1873
Leipziger Tageblatt].
Auch damals war man sich der Bedeutung des Ravensbergs bewusst!
Zwei Jahre zuvor schreibt Herr Degenhardt von sich selbst:
„Ich bin seit 1864 Heilgehülfe, bis dahin kleiner Oeconom und ging auf Veranlassung des Herrn Sanitätsrat Dr. med. Bötticher und unseres früheren Bürgermeisters [Herr Scheidel] nach Göttingen und wurde dann in Erfurt als Heilgehilfe geprüft,
habe mancherlei Kranke behandeln müssen, welche als unheilbar erklärt waren.
Jetzt habe ich in schönster Lage am Walde ein Haus
[das heutige „Haus Bergsegen“ am Schmelzteich]
und ist im Sommer Alles besetzt und haben die Gesunden die Kranken verdrängt.“

Für Leidende. Unterzeichneter empfielt, gestützt auf vielfache Erfolge, seine Kurmethode bei Krankheiten des Nervensystems, wie Neural-gien, Lähmungen (spinale und cerebrale), sowie bei Veitstanz, chronischem Rheumatismus u.s.w.
Ferner finden Reconvalescenten in der stärkenden Bergluft und dem herrlichen Laub= und Fichtenwalde Erholung und Kräftigung. Pensionspreis pro Tag 3 Mark. Prospekte gratis und franco. C. Degenhardt [Führer R. von Schlieben, 1884]

1869 wird die Eisenbahnlinie Nordhausen-Northeim eröffnet [mit zuerst Bahnhof Walkenried, dann Bahnhof Tettenborn, dann erst 1898 Bahnhof Bad Sachsa]
Der Heimatforscher Otto Löhnis spricht von:
1874 – 1934
Sachsa als Badeort.
…Als das Geburtsjahr des „Bades und Luftkurortes Sachsa“ ist also das Jahr 1874 anzunehmen. [BSN 05.07.1934]

1874 – 1934
Sachsa als Badeort
„Ueber den eigentlichen amtlichen Anfang des Bades war man sich nicht recht klar. Wenn auch dieser Verschönerungsverein den Anstoß
dazu gab, so fehlte doch immerhin die Anerkennung durch den Rat der Stadt. Diese fand dann auch bald durch die Versammlung am 20.30.1874 statt und zwar durch die Bewilligung dr Inserationskosten bis zu 25 Mk. Als das Geburtsjahr des
Bades und Luftkurortes Sachsa ist also das Jahr 1874 anzunehmen.„


10. April 1873
Die Stadtverordneten-Versammlung ist nicht so richtig zufrieden mit dem Lauf der Dinge; man will sich nun Anregungen in der Nachbarschaft holen. „Die Anlage ist aber so bald wie möglich auszufertigen, damit dieselbe noch in diesem Jahre zur Benutzung gelange…
… Am 20. März 1874 ist man sich schließlich einig: „Dem Comite zum Zwecke der Herrichtung eines Bades wurde eine Beihilfe zur Deckung der Inserationskosten bis zu 25 Mk. aus der Kämereikassese bewilligt.
Auch soll „der Weg vom Katzenstein bis zu dem Wege am Schweinsrücken der nach dem kleinen Ratsthale führt in der angenommenen Breite von etwa 5-6 Fuß hergestellt werden.“.

1871: Der Verschönerungsverein wird auf dem Ravensberg gegründet. 1880: Dem Gastwirt Riemenschneider wird die Baustelle auf dem Katzenstein überlassen. Für die Verschönerung der Haupt-straße muß etwas getan werden.
Mit dem Bau einer „Badeanstalt“ beschäftigte sich die Stadtverordneten-Versammlung schon seit dem 25. Juli 1870… Dieser Bau war dem Dr. Schoetensack zu verdanken, der am 10.01.1878 zum „Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung“ [heute etwa Bürgermeister!] gewählt worden war und der von ihm gegründeten „Sachsaer Badegesellschaft“, der Gesellschaft, die im heutigen [1982] „Kur- und Verkehrsverein e.V., Bad Sachsa“ fortlebt [1978 konnte das 100jährige Jubiläum begangen werden].
Diese Gesellschaft beantragte, „daß ihr ein Bauplatz im Ostertal gelegen und etwa 1/2 Morgen groß, gegen ein Kaufgeld von 60 Mark abgetreten würde“. Dieses wurde unter der Bedingung des „unbedingten Vorkaufsrechtes bei Weiterverkauf“ genehmigt. Für den Bau dieses Badehauses wurden von der Stadt 3000 Mark bewilligt.
Auch wird in 1874 durch den Mühlenbesitzer Carl Gelpke das erste Bad eingerichtet.
spätestens:
1878
Welch` ein Geniestreich!
Bad „Sachsa“

© SLUB Dresden / Digitale Sammlungen, Oktober 2024]
Nur wenige Monate später greift im selben Jahr Frau Oberpostsecretär Buchheister den neuen Duktus auf für ihre Anzeigen für ihr
Töchter=Pensionat. in
Bad Sachsa am Harz, Station der Northeim=Nordhäuser Eisenbahn“.

[19.11.1878]

[29.12.1878]
Spätestens 1878 wußten die damaligen Ratsherren genau, in welche Richtung sich dieses Sachsa entwickeln sollte; die Gründung der „Badeverwaltung“ – und damit einhergehend – wird die Werbung umgestellt:
Statt „Sachsa“ nun Bad „Sachsa“
und ab spätestens 1882 „Bad Sachsa“!
.—.
Es war Dr. med. Schoetensack, dem es 1878 gelungen war, eine
„Sachsaer Badegesellschaft„
zusammenzubringen; noch im selben Jahr wurde durch sie das erste kleine Badehaus erbaut, zwei Badezellen waren nun vorhanden, die mit im Waschkessel aufgeheiztem Wasser befüllt wurden.
(vgl. Dietze: „75 Jahre Kurort. 1939)
Das erste Badehaus
1878-1890

Kurgast aus Bad Sachsa auf eigene Gefahr in der Einhornhöhle
DAS wird nicht vom Arzt verordnet gewesen sein:
Kurgast aus Bad Sachsa auf eigene Gefahr in der Einhornhöhle
Hier geht es zur Homepage der

1882
„Nu esses so wieht“
Aus „Sachsa“
wurde
„Bad Sachsa“
[Kölnische Zeitung 25.05.1882]

„kräftige Douchen, Bäder aller Art, insbesondere Fichtennadel-Dampfbäder. Ausgezeichneter klimatischer Kurort für Nevenleidende, angenehmer und billiger Sommer-Aufenthalt in romantischer Lage am Südhuß des Harzes.
Eröffnung der Saison am 20. Mai c. H die Badeverwaltung.“
.—.
1889 wird der Kurpark angelegt.
.—.
Betreff: „Sachsaer Badegesellschaft„
„Es war jedenfalls eine mehr als einfache und unzweckmäßige Einrichtung, so daß die „Sachsaer Badegesellschaft“ 1889 ihre Auflösung beantragte“ und die Stadt die hiesige Badeanstalt übernahm.
Vermutlich war der Wunsch nach einem größeren Badehaus die Begründung.
„Im Jahre 1890 begann der Neubau des in Renaissance=Stil errichteten Badehauses. Die Maurerarbeiten führte der heute [1939] noch lebende Baumeister Friedrich Kälz, die Zimmerarbeiten Zimmermeister August Heise aus.
(vgl. Dietze: „75 Jahre Kurort. 1939)
In 1890 fertiggestellt, enthielt dieses nun schon 14 Badezellen und im Obergeschoß ein Gästeheim.
1903 erhielt es (gleichzeitig mit dem „alten Rathaus/Marktstraße und dem Bahnhofs-Restaurant) eine elektrische Lichtanlage.
Richtfest 1890

1892
Heilwasser: Das Sachsa`er Stahlwasser
Dem bei Bruno Bürger, Leipzig-Reudnitz,
wohl 1892 herausgegebenen
Prospect
über
Bad Sachsa am Südharz
klimatischer Kurort
und
Fichtennadelbad.
läßt sich die Bedeutung des Wasser für unseren „klimatischen Kurort“ nachlesen:








Sie finden hier noch mehr
zum Heilwasser, genauer zum
1894


Frau Maria Hippmann,
Pächterin der städtischen Badeanstalt,
bietet alle erdenklichen Bäder an, u.a. auch „Russische Bäder“ und „Kastendampfbäder“.
„Das Badehaus ist von Morgens 6 Uhr bis Abends 7 Uhr geöffnet und ist es im Interesse des Badepersonals sehr erwünscht, daß zur letztgenannten Zeit die verlangten Kurformen beendet sind.
[1894]
Ab 1895 werden in Sachsa Wasserleitungen verlegt.
Ab 1901 wird Kanalisation unter die Erde gebracht.
1903 wird das Elektrizitätswerk gebaut.
1905
Offiziell wird aus „SACHSA“ erst 1905: „BAD SACHSA“
13. September 1905
75 Jahre Bad Sachsa –
es gibt keine Alternative
[HK 1980]
„Der heilklimatische Kurort lebt davon – es gibt keine Alternative!„

Den Bad Sachsaer Nachrichten vom 12. September 1905 können wir folgende Notiz entnehmen:
„Sachsa ist in Bad Sachsa umgetauft worden.
Der hiesige Magistrat hatte sich infolge Drängens des hiesigen Postamtes und der Eisenbahnverwaltung veranlaßt gefühlt, bei der zuständigen Behörde den Antrag zu stellen, daß Sachsa offiziell den Namen BAD SACHSA erhält. Daraufhin scheinen die Behörden eingegangen zu sein, denn das hiesige Postamt erhielt heute von der Oberpostdirektion die Mitteilung, daß Sachsa durch ergangene Verfügung den Namen BAD SACHSA erhalten habe. Beim Magistrat ist jedoch noch keine Nachricht eingegangen. Man muß die Nachricht noch abwarten.“
Aus dieser Lokalnotiz kann man mit Sicherheit folgendes schließen:
Nicht die Stadtverwaltung, sondern die hiesige Post= und Eisenbahnverwaltung haben die obige Namensänderung beantragt und gleichzeitig auch die Stadtverwaltung veranlaßt, daß Gleiche zu tun.
Die Antwort der zuständigen Stelle ist bei den beiden Verwaltungen am 12 September eingegangen, beim Magistrat jedenfall am 13. oder 14. September 1905; denn unter dem 14. September unterzeichnet der Magistrat seine Bekanntmachungen zum erstenmal: Bad Sachsa, den 14. September 1905. Der Bürgermeister.
[vgl. 75 Jahre Kurort. Dietze, S. 19]

[Zu dieser siehe weiter unten] [sw-AK: Slg. R. Boehm. Mit KI bearbeitet]
Wer kann eigentlich von sich sagen, daß er diesen Titel, besser: diese Namensänderung, tatsächlich erreicht hat???
War es die Post?? War es die Stadtverwaltung?? Oder war es jemand anders??
Im Stadtarchiv befindet sich ein Brief von vermutlich 2000, der ein anderes Licht auf die Entstehung des Bades wirft:
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin [Anm. R. Boehm: Helene Hofmann]
Sie werden entschuldigen, wenn ich Sie in folgender Angelegenheit behellige.
Ich nehme an, daß Sie über die Erhebung von Sachsa zum Bad weiter nichts in den Akten finden können, als das Telegramm des Herrn Regierungspräsidenten in Erfurt, das Sachsa sich ab sofort Bad Sachsa nennen darf.
Die Stadt hat hierzu keinen Antrag gestellt.
Meine Mutter, Agnes Reinhard (geb. Spicher) war die Gespielin von Nora Deibel. Ihre Mutter, Frau Deibel, war eine geborene Freifrau von Fleckinger. Sie hatte ihren Mann (Louis Deibel) während eines Empfangs des deutschen Botschafters in Petersburg kennen gelernt. Der Empfang wurde zu Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen (Bruder von Kaiser Wilhelm II) und seiner Ehefrau, der Prinzessin Irene von Hessenund bei Rhein gegeben. Frau Nora Deibel geb. Freifrau von Fleckinger gehörte zu den Hofdamen der Prinzessin von Preußen. Auf diesem Empfang lernte sie ihren späteren Ehemann kennen.
Als die Villa Nora eingeweiht werden sollte, hat sie hierzu die Prinzessin von Preußen eingeladen. Um hierzu die Genehmigung des Kaisers zu erhalten, ging Prinz Heinrich zu seinem Bruder (Kaiser Wilhelm II) und bat diesen um die Genehmigung (Es war so üblich).
Dieses sind ungefähr die Worte meiner Mutter, die bei dem Gespräch zwischen der Prinzessin und Frau Deibel anwesend war.
Der Kaiser fragte seinen Bruder, wohin die Reise gehen sollte und dieser sagte – nach Sachsa. Worauf der Kaiser geantwortet hat (Sachsa liegt am Harz, eine ehemalige Hofdame meiner Frau, deren Mann hat dort eine Villa gebaut, die eingeweiht werden soll.
Aber Du weist doch, daß Mitglieder des Kaiserhauses nur in Kurorte fahren dürfen, die als Bad anerkannt sind. Ja, das schon, aber meine Frau möchte gern fahren, wenn Du Erlaubnis gibst. Ein Millionär wird sich doch keine Villa in einen Ort bauen, das für ihn nicht ansprechend ist und Sachsa ist ihm von einem Professor in Bad Nauheim, wo Frau Deibel wegen ihrer Herzkrankheit war, als ständigen Aufenthalt vorgeschlagen worden.
Ja, was machen wir da, fragte der Kaiser. Kannst Du nicht deinen Staatsminister fragen, der hat doch für vieles eine Lösung.
Dann wurde der Staatsminister gerufen und als er kam, da schilderte ihm der Kaiser die Situation. Der Minister schlug vor, nachzusehen in welchem Kreis Sachsa liegt und dann den Landrat anzurufen, was er von der Angelegenheit halten würde.
Nach einer kurzen Zustimmung verließ er das Zimmer und kam nach einer Weile wieder. Er berichtete dann, daß Sachsa am Südharz im Landkreis Grafschaft Hohnstein bei Nordhausen liegen würde und ihre Majestät auch Graf von Hohnstein wären und der Landrat sich lobend über Sachsa ausgesprochen habe, wo von Gästen des Ortes schon viele Villen gebaut worden sind.
Der Staatsminister wurde dann beauftragt, den Regierungspräsidenten in Erfurt anzurufen, das Sachsa ab sofort die Bezeichnung BAD führen darf.
Wie meine Mutter noch erzählte, hat sich die Prinzessin noch 4 Wochen im Kurhotel SCHÜTZENHAUS aufgehalten und sie soll die Anweisung gegeben haben, daß die tägl. Überreste des Mittagessens an die Armen von Sachsa ausgegeben werden sollten. Sachsa hätte ihr sehr gut gefallen und sie sei mehrmals auf dem Ravensberg gewesen.
Ja, so ist Sachsa zum BAD geworden!“
Ein weiteres Indiz liefert ein Artikel in der ZfdH (Zeitung für den Harz) vom 11.08.1904 in dem die damalige Lage und Entwicklung umfassend dargestellt wird:
„…Bad Sachsa kann selbstverständlich nur in Sachsen liegen… Es gehört zur Provinz Sachsen (nicht zum Königreich!), genauer zum Regierungsbezirk Erfurt, zum Kreise Nordhausen… … Gebirgshöhenluft … mit schattiger Kühle…
Da zudem die Luft des Ortes durch keinerlei Rauch, weder von Fabriken noch durch die Eisenbahn verunreinigt wird, so ist Sachsa in die Reihe der klimatischen Kurorte eingetreten und erfreut sich als Bad eines von Jahr zu Jahr steigenden Besuchs Erholungsbedürftiger oder auch von Rekonvaleszenten.
Ueber eine heilkräftige Quelle, wie die eigentlichen Bäder sie besitzen, verfügt es nicht. Es bietet ebenfalls Gelegenheit, Sol= und Fichtennadelbäder zu gebrauchen. Aber eben seine durch seine Lage bedingte vorzügliche heilkräftige Luft wirkt Wunder der Kräftigung und Heilung. Bad Sachsa gehört zu den jüngeren Bädern. Erst vor einem Vierteljahrhundert hat man angefangen, es zu einem Luftkurort einzurichten und es aufzusuchen.
Das Verdienst, die vorzüglichen Eigenschaften des Ortes erkannt und den Grund zu dem Bade gelegt zu haben, gebühren zwei Männern, von denen der eine noch am Leben ist. Es sind dies der frühere Sanitätsrat Dr. Schötensack in Sachsa und der in der Lehrerkreisen bekannte, noch jetzt als Schulmann und Herausgeber von Volksschulbüchern und Sagen wirkende Rektor Steger in Hall a.S.. Alljährlich sucht letzterer in den Sommerferien sein geliebtes Sachsa auf. Eine Bank im Katzental, die Stegerbank, gewährt ihm erquickende Rast und erhebenden Ausblick auf den Ort umgebenden bewaldeten Täler und Höhen.
Seltsam ist ja der Name, den das erwähnte Tahl führt: Katzental. An seine Lieblichkeit und Schönheit wird ihm dadurch nichts genommen. Nicht minder schön ist ihm ein parallel laufendes Tal trotz seines ebenfalls seltsamen Namens: Kuckanstal (Kuck-ans-Tal). In diesem Tahl sprudelt unermüdlich und trotz Hitze und Dürre unvermidert ein erfrischender Bergquell, der Reinhardtsbrunnen…
Auf allen Seiten ist der Ort von freundlichern gelegenen Villen umsäumt. Es erstehen aber auch fort und fort neue Häuser und Villen. Denn infolge der sich verbreitenden Erkenntnis von der gesundheitlich so vorzüglichen Lages des Ortes, verlegen immer mehr Familien hierher ihren Wohnsitz, wie denn auch die Zahl der Badegäste von Jahr zu Jahr wächst. Auch die vorzügliche Verpflegung, die man hier findet und die im ganzen zivilen Preise wirken nach dieser Seite anregend.
Unter diesen Umständen haben denn auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bewohner Sachsa, deren Zahl von 1600 vor 20 Jahren auf etwa 2400 gestiegen ist, eine wesentliche Besserung erhalten ..Armut… Gegenwärtig gibt es hier keine Armen. Die Grundbesitzer von Sachsa haben reichlich Gelegenheit, ihre Grundstücke, die sie zum Teil als Abfindung für die abgelöste Weidegerechtigkeit in dem städtischen Forst erhalten haben, als Baustellen höcht vorteilhaft zu verwerten. Werden doch für einen Quadratmeter bereits 1520 Mk. gezahlt, für einen Grund und Boden, der als Ackerland wenig Wrt hat…
Die Wohlhabenheit des Ortes hat die Anlegung einer Kanalisation ermöglicht…
Auch die Kommune als solche ist vermögend. Sie besitzt einen Wald von 2.500 Morgen und ist in der Lage, nur sehr mäßige Kommunalsteuern zu erheben, ja sie ist imstande, ihren alten Bürgern alljährlich ein Quantum Brennholz unentgeldlich zu gewähren…“
Von der Anzeige 1878 BAD „SACHSA“ bis hin zur offiziellen Namensänderung in 1905 zu „BAD SACHSA“ haben offensichtlich diverse Personen ihr Scherflein dazu beigetragen.
Wer auch immer für diese drei kleinen Buchstaben B A D gesorgt hat, er hat für diese unsere Stadt Segensreiches geschaffen.
Der heilklimatische Kurort lebt davon – es gibt keine Alternative!
Der Kurbetrieb in den 1910 und 1920 Jahren folgt demnächst genau hier.
1924/1937
Der Kurbetrieb erfordert ganzjährig einen Direktor
[bzw. eine Direktorin]
Die Verwaltung der Badeangelegenheiten von Sachsa lag seit den 1877er Jahren in den Händen der Stadtverwaltung, die eine besondere Kommission für die Badeverwaltung wählte, bei deren Sitzungen der jeweilige Bürgermeister den Vorsitz führte. Die Badeverwaltung brachte der Stadtverwaltung sehr viel Arbeit, namentlich während und nach der Inflation. Darum entschloß sich die Badeverwaltung im Frühjahr 1924, für die Zeit vom 15. Mai bis 15. September einen Badekommissar anzustellen.

Circa 1930,
Kurpark-Wärter Karl Schmidt
[Foto bei Günter König, S. 45]
In der Sitzung der Badeverwaltung vom 16. Dezember 1924 regte Dr. med. Haupt an, einen Kurdirektor für das ganze Jahr zu bestellen und alle Kureinrichtungen einem Kurverein zu übertragen an dem die Stadt mit ihren Einrichtungen sich beteiligen müßte. Als geeignete Person für das Amt des Kurdirektors wurde vorgeschlagen Dr. Ulrich, der am 12. März 1925 für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1925 gewählt

wurde. Am 4. September desselben Jahres beschloß die Badekommission einstimmig, den Magistrat zu ersuchen, ihrem Beschlusse beizutreten, daß der Kurdirektor bis auf ein weiteres im Dienst bleibt, um die Wintersaison zu leiten und Vorbereitungen für die Sommersaison zu treffen. In der Sitzung vom 25. Januar 1926 empfiehlt die Badekommission die Anschaffung einer Wettersäule.

Diese Anschaffung soll aber noch hinausgeschoben werden. Im März wurde der Beschluß gefaßt, den Tennisplatz auf 16×32 m zu erweitern. Am 8. Dezember 1926 beschließt die Badekommission den Ankauf der Wettersäule von der Firma Fr. Lambrecht in Göttingen zum Preise von ca. 1700 M. Diese Säule wurde im Kurpark aufgestellt. Nach dem Kriege wurde sie dort entfernt, sie sollte an anderer Stelle einen neuen Platz finden.


[Quelle unbekannt]
Im Herbst 1926 wird Major a. D. Hans Kleemann zum Kurdirektor gewählt. Er blieb es bis zum Herbst 1937.
Während dieser 11 Jahre entwickelte sich Bad Sachsa den bewegten Zeiten entsprechend. Nach den Jahren der Scheinblüte 1928 bis 1930 sank die Zahl der Kurgäste bis 1933 rapid. Erst 1934 begann der Aufstieg. Das wichtigste, das Major Kleemann durchführte, war der Umbau des Badehauses 1936/37, daneben die Umgestaltung des Kurparks, wie er sich bis 1945 präsentierte.
[vgl. Hallbauer III, S. 82]
Kurdirektor Kleemann tritt wieder in den Heeresdienst.
„Major Kleemann entstammt einer sehr alten, namentlich in der hiesigen Gegend weitverzweigten Familie. Der Stammsitz der Familie Kleemann ist Mauderode, wo er 1881 als Sohn des Rittergutbesitzers und Oekonomierats Kleemann geboren wurde. Nach Besuch des Gymnsasiums … und der Klosterschule Ilfeld“. Nächste Stationen waren u.a. Militär, Kolonien
[„Niederwerfung des Hereroaufstandes in Deutsch-Südwest“], Studium in Oxford…
nahm 1920 seinen Abschied [Anm.: vom Militär] und verzog mit seiner Familie nach Bad Sachsa, wo er eine eigene kleine Landwirtschaft betrieb. Später gab er diese auf.
Major Kleemann hat seit 1926 ununterbrochen bis Ende OKtober d. J. die Geschäfte des Kur-direktors geführt. Durch seine selbstlose Hinga-be an seine Arbeit ist es gelungen, eine ständige Aufwärtsentwicklung des Fremdenverkehrs und damit eine wesent-liche Verbesserung der wirtschaftlichen Verhält-nisse der Stadt zu erreichen. Seiner mühe-vollen Arbeit ist es mit zuzuschreiben, daß sich

Bad Sachsa in den ver- gangenen Jahren einen besonderen Platz unter den Kurorten des Harzes erwerben konnte…
… Insbesondere muß die Einrichtung einer Wetterstation … hervor-gehoben werden, die heute zu einem wichtigen Faktor in der Meteorologie des Harzes geworden ist. Seine rastlose Tätigkeit wurden gekrönt durch den Umbau des städt-ischen Badehauses, das aus einem veralteten Betriebe in ein neuzeit-liches Kurmittelhaus umgewandelt wurde…“

1926
Amtlicher Wohnungsnachweis für Kurgäste.
Aufgestellt von der Kurverwaltung für 1926
inklusive der A.Hotels, B.Gasthäuser, C.Sanatorien und D.Fremdenheime sowie E.Privatwohnungen und F.“Wohnungen mit Küche“.
[Prospekt + Stadtplan, Slg. Ralph Boehm]


Evtl. gehört zu diesem Wohnungsnachweis dieser Übersichtsplan
[Spätestens 1929, vs. + rs., Slg. R. Boehm]


1931
Amtlicher Wohnungsnachweis für Kurgäste.
Aufgestellt von der Kurverwaltung für 1931
inklusive der A.Hotels, Gasthäuser, B.Fremdenheime sowie C.+D.Privatwohnungen und E.Kinderheime. [Prospekt + Stadtpan, Slg. Ralph Boehm]




1934
Amtlicher Wohnungsnachweis für Kurgäste.
Aufgestellt von der Kurverwaltung für 1934
inklusive der A.Hotels, Gasthäuser, B.Fremdenheime sowie C.+D.Privatwohnungen, E.Kinderheime und F.Jugenderziehung= und Töchterheime.
[Prospekt, Slg. Ralph Boehm]


Die Kurverwaltung Bad Sachsa
informiert 1936 über die
„Kurtaxordnung“
Für die Zeit vom
15. Mai bis 15. September
xxxxx
vom 16. September bis 14. Mai
wird die Hälfte erhoben.

1937/1945
„Der Kurbetrieb erfordert ganzjährig einen Direktor/bzw. eine Direktorin.“ [1924/1937]
Das war gestern!
Jetzt liegt die Leitungsarbeit beim jeweiligen Bürgermeister, dem ein Geschäftsführer für den Kurbetrieb zur Seite steht.
Nach dem Scheiden von Major Kleemann ist eine Neuordnung auch in der Kurverwaltung getroffen worden. Die Leitung der Kurverwaltung hatte seit Ende Januar 1938 als Kurdirektor Bürgermeister Werges, der mit Unterstützung seines Geschäftsführers Mohr die umfangreichen Arbeiten leitete. Seit 1938 hat die Verschönerung des Kurortes durch den Bau der Wandelhalle und der Verkaufshallen Fortschritte gemacht. Durch intensive Werbung für den Kurort ist viel getan und erreicht worden. Das beweisen die statistischen Zahlen über den Besuch, der in dieser Saison ganz bedeutend war. [vgl. Hallbauer III, S. 83]
Von Mitte Januar 1938 bis zur Kapitulation 1945 stand Bürgermeister Werges an der Spitze der Stadtverwaltung und als Kurdirektor an der Spitze der Badeverwaltung. Während des Krieges war Gärtnereibesitzer Krautz Kurdirektor. Im Sommer 1945 kam der Fremdenverkehr gänzlich zum Erliegen. 1946, 1947 und 1948 stieg die Zahl der Kurgäste wieder erfreulich an. Einen Strich durch die Entwicklung machte Ende Juni 1948 die Währungsreform. Fluchtartig verließen am 20. Juni fast alle Gäste die Stadt. Im Herbst 1948 wurde, wie schon oben berichtet, der Fremdenverkehr auf eine neue Grundlage gestellt. Wie in anderen Harzstädten wurde eine Kurbetriebsgesellschaft gegründet. Auf diese Weise hoffte man, den Fremdenverkehr, auf den die Stadt jetzt ganz besonders angewiesen ist, wieder in die Höhe zu bringen.

1939 wurde gefeiert: „75 Jahre Kurort“.
Man bezog sich also wieder auf das Jahr 1864!
„Die Geschichte des Luftkurortes Bad Sachsa.“



Nach dem II. Weltkrieg
Ein Teil der Flüchtlinge, die im „Freien Westen“, direkt diesseits der „Zonengrenze“, eine Bleibe gefunden hatten, wurde in Bad Sachsa heimisch; den anderen Teil zog es weiter westwärts. Stadtdirektor Willi Müller setzte sich vor Ort für einen Neubeginn des Lebens ein, der aufgrund fehlender Infrastruktur nur über den Tourismus gehen konnte.
1947/19..
Musik kann Balsam sein für die geschundenen Seelen
Neben der notwendigen Wiederherstellung der Infrastruktur hatte Willi Müller besonders den Wintersportbereich [siehe auf den entsprechenden Seiten] und eben die Kureinrichtungen im Sinn, um die Wirtschaft in Bad Sachsa wieder auf gesunde Beine stellen zu können. Beispielsweise so:
Als in den Jahren 1947/48 der Kurpark einer grundlegenden Umgestaltung unterzogen wurde, mußte auch der über 30 Jahre alte eiserne Musikpavillon weichen; er wurde im Volksmund Vogelkäfig genannt. Von vielen Einwohnern wurde seine „Demontage“ bedauert, erinnerte er doch an einstmals glücklichere Zeiten des Kurortes

Neben der Wandelhalle nun der
neue „Vogelkäfig“
Mehr Informationen finden Sie hier zur

1950
Ein frühes Prospekt, vermutlich um 1950 gedruckt, fordert potentielle Gäste auf:
„komm, verweile, nimm teil an allem,
was der Kurort und Wintersportplatz
Bad Sachsa
bietet:
gesunde!“
im Heilklimatischen Jahreskurort – Wintersportplatz – Märchenstadt im Südharz (brit. Zone)


1954
„Unterkunftsverzeichnis“ inkl. Beilage
„Wichtiges in Kürze“
HERAUSGEBER: KURVERWALTUNG BAD SACHSA
DRUCK: L. KAMPHENKEL`s BUCHDRUCKEREI, BAD SACHSA
3 54 40 – Printed in Germany – Imprimé en Allemagne
[Prospekt: Slg. Ralph Boehm]
Nachdem viele Flüchtlinge sich nach Westdeutschland orientierten, Bad Sachsa`s Quartiere wieder freier wurden, unterstreicht diese Auflistung der Häuser, welche Betten für den Kurbetrieb/Fremdenverkehr anbieten, die Bedeutung dieses Bereiches für unsere Stadt Bad Sachsa:
3 Sanatorien, Kuranstalten, usw.,
1 Privatklinik („Haus im Garten“),
1 Kinderkrankenhaus („Im Borntal“).
Zu diesen umsatzstarken Häusern kommen weitere
9 Erholung- u. Genesungsheime,
3 Schulen sowie 4 „Kindererholungs- u. Genesungsheime“.
Nicht zu vergessen sind die über 90 „Privatzimmervermieter“ (!!!).








1955

Bad Sachsa, d. 4.7.55.
…Seit dem 24.6. bin ich hier zur
4 wöchigen Kur
von der
Landesversicherung.
Es gefällt mir sehr gut…
1961
„Rübezahl“
kommentiert
in den Bad Sachsaer Nachrichten:
Sein blaues Band…
Oder
Jeder hat seine Piefkese
Oder
Berliner in Bad Sachsa
„Im Schwimmbad auf der Campingwiese in Bad Sachsa ist schon der erste Zelter eingetroffen. Aus Berlin. Was sagst Du nun…?“
[BSN 22.03.1961]

1962
Heute zur Unterstützung der Kuren im neuen Kurmittelhaus
von 7 bis 13 Uhr:
Medizinische Bäder und Massagen
[BSN 21.02.1962]

1963

1964



1964
Das Neue Kurhaus in Bad Sachsa
[4 Fotos:
Herbert-Ahrens-Bilderarchiv
https://harz-history.de/picture/10795]

1965

Um 1970
[AK: Slg. R. Boehm]
1965 erfolgt die Anerkennung „Heilklimatischer Kurort“ [Prospekt von 1976]
1970er Jahre
GOLDENE ZEITEN IM KURWESEN
oder:
Die glücklichen Jahre des Kurbetriebes
(und somit auch der Stadt Bad Sachsa)
Diese Geschichte verdient eine Extraseite.
Deshalb sehen Sie bitte unter:

[AK: Slg. R. Boehm. Die üppigen Blumen im Vordergund sind durch eine Fotomontage integriert worden, in der Vor-KI-Zeit]






Da Bad Sachsa leider über kein „bodenständiges Heilmittel“ verfügte, wurde Sole mit solchen Fässern über viele Jahre herbeigeschaft, wohl aus Sülbeck [s.u.].
1980
„SOLEFASS“…
…BIS. 1978″


Links:
Bad Sachsaer Echo August 1981
Unten:
Im April wurde eine Buche gefällt, die dann zielsicher das Solefaß in 1000 Teile zerschlug…



Das neue Sohle-Bewegungsbad
Richtfest
[12.12.1980 im
Stadtspiegel Februar 2023]



1981/1982

Bad Sachsaer Echo 18.09.1981

Im Hallenbad-Restaurant…“
Zum 4. November 1981 lädt der Kurdirektor Rüdiger Fuchs, im Einvernehmen mit dem Kurausschussvorsitzenden Dr. med. Kirchhoff,
„zu einer Besichtigung unseres nunmehr fertiggestellten Kurmittelhauses“
und kurz darauf wird [03.02.1982] im Harz Kurier festgestellt:
Bad Sachsas neues Kurmittelzentrum ist fertiggestellt.
Das Grußwort unterschrieben
Bürgermeister Karl-Otto Wienecke
Stadtdirektor Horst Meyer
Kurdirektor Rüdiger Fuchs







Nach zweijährigem Um- und Neubau möchten wir Ihnen unser neues Kurzentrum vorstellen.
Sie finden in unserem großzügig ausgestatteten Haus alle für die Durchführung einer Kur notwendigen Einrichtungen.
Unter einem Dach in unmittelbarer Verbindung befinden sich im Kurzentrum:
- Die Kurverwaltung
- Das Kurmittelhaus
- Der Kursaal
- Der Leseraum
- Die Fernsehräume
- Die Bastel- und Freizeiträume
Das Kurmittelhaus bietet dem Kurgast Einrichtungen nach den neuesten Erkenntnissen:
- Zwei unterschiedlich temperierte, chlorarme, ozonierte Sole-Bewegungsbäder
- Medizinische Bäder – Kohlensäure, Sauerstoff, Moorlauge, Sole usw.
- Fangopackungen und Massagen aller Art
- Krankengymnastische Behandlungen
- Gesundheitsschwimmen im Sole-Bewegungsbad
- Trinkbrunnen (Staatl. Fachingen und Vitaminsäfte)
- Ruheräume
- Liegeterasse im Freien und überdacht
Unser medizinisch fachlich geschultes Personal im ganzjährig geöffneten Kurmittelhaus wird dazu beitragen, daß eine Kur in Bad Sachsa zum Erfolg führt.
Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Mitglieder, Patienten und andere Organisationen auf unser Angebot aufmerksam machen.
MfG Kurdirektor Fuchs
Anlage u.a. dieses Prospekt mit den Neuigkeiten: Solebewegungsbäder, Sauna und Solarium.
(StABS ohne Nummer)

Das neue Kurzentrum umfaßt das „Haus des Gastes“ und das „Kurmittelhaus“ nun in 1982 in einer Einheit.


03.12.1982
„Mit ihrem Hallenbad hält die Stadt
Bad Sachsa ein interessantes Freizeitangebot für Gäste und Einwohner bereit. Nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer kann man im 26 Grad warmen Wasser schwimmen. Außerdem…
Sauna,
Solarium,
Massagen,
Schwimmbadrestaurant
1983
Sehr geehrte… (Ärzte inner und ausserhalb Bad Sachsa)
mit dem Neubau des Kurzentrums Bad Sachsa verfügen wir über
zwei unterschiedlich temperierte, chlorarme, ozonierte
S O L E – B E W E G U N G S B Ä D E R,
die wir mit den Wassertemperaturen
30° – Herz- und Kreislauferkrankungen
und 34° – rheumatischer Formenkreis
betreiben.
…Aus diesem Grunde erlauben wir uns, Ihnen beigefügt ein Faltblatt zu überreichen, dem Sie die Leistungen unseres Kurmittelhauses entnehmen können….
MfG Kurdirektor Fuchs
Mit folgender Aussage aus 1981 kann nicht viel Gutes gemeint gewesen sein: „Hervorragend essen und speisen zu volkstümlichen Preisen. Der Chef ist als hervorragender Koch bekannt, wo? Im Hallenbad-Restaurant…“ – jedenfalls werden im Dezember 1983 die neuen Pächter im Hallenbad-Restaurang Ingrid Krummel und Gert Kaffke vorgestellt

Hallenbad-Disco

1984


„Diese Kurkarte berechtigt zum unentgeltlichen Besuch und kostenloser Benutzung
folgender Kureinrichtungen in BAD SACHSA und Steina:
Kurpark, Kurkonzerte, Fernseh- und Lesezimmer, Kurgastwanderungen.
Ermäßigungen für die Benutzung des Hallenbades, des Schwimmbades, sowie bei Sonderveranstaltungen.“ [1984, Kurkarte: Slg. R. Boehm]
1985
Die touristische Bedeutung der Ravensbergstraße
Kurdirektor Rüdiger Fuchs [Durchschrift. Slg. Ralph Boehm]:

Auch der Kurgarten in Steina will gestaltet sein. [Ortsrat Steina 11.03.1985]

1986
1986 beginnt der Ausbau des Schwimmbades mit dem Einbau eines BHKW

1987
Auf zu neuen Wegen… … auch wenn es alter Wein in neuen Schläuchen ist…:
Der Kurausschussvorsitzende Ratsherr Karl Otto Wienecke fragt in der Sitzung des Kurausschusses, 27. Juli 1987, an, ob die ortsansässigen Badeärzte mit der Terrainkurwegekarte vertraut sind. Er schlägt vor, eine „Terrainkur“ einzuführen.
Kurdirektor Fuchs teilt sodann mit, dass den Badeärzten verschiedene Unterlagen dieser Art (auch Klima-Kur) bereits zugeschickt wurden.

Das Kurhaus Bad Sachsa seit dem 1. September 1987 unter neuer Bewirtschaftung durch
Familie Raab
[HK, 100 Jahre BSN, 03.10.1987]
Das bisherige Hallenbad wird durch die Bädergesellschaft Bad Sachsa mbH zum
Freizeit- und Erlebnisbad
„Salztal-Paradies“
ausgebaut und am 18. und 19. September 1987 eingeweiht
und 1989 die Tennishalle sowie darunter ein Parkdeck gebaut.
Gerade rechtzeitig zur Grenzöffnung.

Aus einem Hallenbad wurde ein Paradies.
Schwimmen, Sonnen und Saunen unter einem Dach.
[BSN 03.10.1987]
Mehr Informationen finden Sie hier zum
1988
Eine Art Zeitenwende: Der Harz Kurier titelt am 13. Juli 1988:
Nach der Arbeit auf die „Schulbank“ – Mitarbeiter der Kurverwaltung „fit“ in EDV
Die Softwareschulung hatte zum Gegenstand eine „Einführung in das Betriebssystem MS-DOS“, eine „Rationelle Textverarbeitung mit dem Textprogramm Star-Writer PC V 3.0“, sowie „Kalkulationsmodelle mit dem Kalkulationsprogramm Supercalc 3“ durch einen Mitarbeiter der PRAGER SCHULE.
Der Kurs wurde über 40 Stunden in Bad Sachsa vollzogen vom 5. Mai bis zum 4. Juli 1988.

Der Kurausschußvorsitzende Karl-Otto Wienecke (stehend) eröffnet die Mitarbeiterschulung des Kurbetriebes. Zu seiner rechten Kurdirektor Rüdiger Fuchs (mittig im gelben Hemd).
1. Reihe vlnr.: Marita Schwanert, Silvia Bierwisch, Ria Böttcher, Diplom-Handelslehrer Wolf-Dieter Scherbaum und Johann Schulze.
2. Reihe vlnr.: Kurausschussvoristzender Karl-Otto Wienecke, Irene Weide, Adolf Fürkötter, Kurdirektor Rüdiger Fuchs, Anita Meißner, Karla Schmidt und Walter Aurin.
1989
Eine weitere Zeitenwende:
In einem Brief fasst Kurdirektor Fuchs seine Gedanken aus touristischer Sicht zusammen:

In einem Entwurf zu diesem Schreiben heißt es im 1. Absatz nach „positive Aspekte.“ „…, wie zum Beispiel die Erweiterung des „Salztalparadieses“ mit drei Hallen-Tennisplätzen, zwei Squash-Kabinen und einer Indoorgolf-Anlage, dazu im Kurpark der neue und erweiterte Bereich „Hobby und Freizeit“ mit einer Nutzfläche von 400 qm. Dazu kommt die Neugestaltung des unteren Kurparkbereiches. – Also auch einige Glanzpunkte. Unter dem Strich gesehen, müssen und wollen wir auch dankbar sein. In diese Dankbarkeit ziehen wir Ihr Wirken für den Heilklimatischen Kurort Bad Sachsa und den Luftkurort Steina ein. Dafür ein herzliches Dankeschön.
Die rasante Entwicklung…“
[2 Briefdurchschläge, Dezember 1989. Slg. Ralph Boehm]
Parallel ist in den 1980/90er Jahren zu verzeichnen
Aufstieg und Fall der Stadt Sachsa, Teil II:
Vom mondänen Kurort zur klammen Gemeinde…
… durch den Niedergang der Kur.
Die Gesundheitsgesetzgebung mit dem Haushaltsbegleitgesetz 1983
[Einführung der Zuzahlung zur Kur: 10 DM/Tag],
dem Gesundheitsstrukturgesetz 1997 [Budgetierung der Kassenausgaben] sowie dem Beitragsentlastungsgesetz 1997
[Verkürzung der Kur von 4 auf 3 Wochen, Verdoppelung der Zuzahlung von 12 auf 25 DM/Westdeutschland sowie 9 auf 20 DM/“Neue Länder“],
veranlaßten diverse Träger von Kurheimen, diese zu schließen und zu verkaufen.
So verlor Bad Sachsa in den 1990er Jahren mehr als 10 große Häuser
[AOK, DAK, Eisenbahner, VW, Post… zogen sich zurück] mit jeweils ca. 30 bis 50 Arbeitskräften [mit Familien ein Aderlaß von rund 1.000 Menschen bei einer Bevölkerung von circa 9.000 Einwohnern!] und die absolute Zahl der Gäste, in der Spitze wurden ehedem über 600.000 Übernachtungen verzeichnet, ging runter bis auf 180.000 [!]
Der damit einhergehende Verlust an Kaufkraft konnte durch die Umstellung der hiesigen Gastgeber und städtischen Bereiche vom Kur- auf den neuzeitlichen Gast noch nicht vollständig kompensiert werden.
Die folgende Aufstellung über die Kurtaxe-Einnahmen des Jahres 1963 ff mag verdeutlichen, welches Gewicht der Kurbetrieb in unserer Stadt spielte [insbesondere, wenn man bedenkt, daß es aus Infrastrukturgründen und mangels Bodenschätzen keine industrielle Fertigung gab, gibt und geben kann/wird!]. Allein die Kinderheime haben damals einen Beitrag von 6.500 DM an Kurtaxe in die Stadtkasse gespühlt; und deren tatsächliche Bedeutung der AOK-Klinik wie auch des Reichsbundheimes mit zusammen rund 50.000 DM wird deutlich:
sie haben 18 % der Gesamteinnahmen ausgemacht. Auch die Privatkurgäste, zum einen tatsächliche Kurgäste, welche die ambulante Badekur vor Ort in Anspruch genommen haben, zum anderen die Besucher der Kurgäste [deren Kinder, Eltern, Ehepartner] haben mit 120.000 DM den Löwenanteil beigetragen und den vielen kleinen Privatvermietern ein Zubrot gebracht wie auch Existenzen ermöglicht. Viele der bereits in die Jahre gekommenen großen Villen hatten einen Nutzen und konnten wieder hergerichtet werden.
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In diesem Rückgang der Gäste- und Übernachtunszahlen liegen die eigentlichen Probleme der Stadt Bad Sachsa begründet, insbesondere die monetären.
Seit 2012 hat durch gezielte Investitionen in das Stadtbild
[hervorzuheben ist die sog. „Stadtsanierung“] und den Fremdenverkehr
– weg vom Kurgast / hin zum Touristen,
der das einzigartige Klima und seine wunderschöne Umgebung zu schätzen weiß –
eine Umkehr stattgefunden: Die Übernachtungszahlen konnten kontinuierlich gesteigert werden auf über 300.000 in 2024/2025.
1988/1993
Dass für einen Heilklimatischen Kurort das Klima existentiell ist,
das einzige „bodenständige“ Heilmittel ist, sollte jedem einleuchten!
[natürlich nicht nur für Bad Sachsa – generell für alle Menschen].
1988 gab es allerdings „die ersten Warnschüsse:
In der fälligen Klima-Beurteilung, die zur Sicherung des Prädikates heilklimatischer Kurort erforderlich ist,
wurde von zu hoher Staubbelastung durch den Strassenverkehr gewarnt.
Es gab die ersten einschränkenden Wertungen“.
1994 sind die nächsten amtlichen Luftmessungen in Bad Sachsa fällig.
Zwischen 1988 und 1994 lag die Wende. Was seither auch auf den Straßen in Bad Sachsa los ist, weiß jedes Kind.
Die Stadt Bad Sachsa muß ihren innerstädtischen Verkehr so in den Griff bekommen, daß vor allem eine deutliche Reduzierung des Autoverkehrs im oberen Bereich (Hindenburgstraße und Nebenstraßen bis Kurparkbereich) erreicht wird. Diesem Ziel versucht die Stadt Bad Sachsa mit einem Bündel von Maßnahmen beizukommen“.
Nach der gelb/roten Karte für unseren Kurort konnten durch insbesondere vier Verehrsmaßnahmen die Werte erfolgreich in den Normbereich zurückgeführt werden, es wurden die Parkplätze
1) in der Marktstraße herausgenommen und
2) mehr Parkplätze in
3) konzentrierter Form in
4) unmittelbarer Nähe der Marktstraße
geschaffen.

Die Basis, die Herausnahme der Parkplätze aus der Marktstraße, wurde aufgrund sinnvoller Gegebenheiten [Polizei sowie Notarzt] teilweise angepasst; daß aber diverse Parkplätze in die Marktstraße dann wieder neu eingerichtet wurden nach dem Motto „Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln“ ist aus diversen Gründen zu hinterfragen! Nach dem damals abgestimmten Verkehrskonzept hatte die Stadt Bad Sachsa den Anwohnern/Geschäftsleuten der südlichen Marktstraße angeboten, ihnen einen Teil der rückwärtigen [damals noch nicht bebauten] Grundstücke abzukaufen, um dort weitere Parkplätze zu bauen [nach den oben genannten Kriterien! Und jeder kann weiterhin sein Grundstück erreichen!] und somit auch den Bereich der Ringstraße gestalterisch aufzuwerten. Diese Chance haben insbesondere die damaligen Geschäftsleute verpaßt…
Man könnte gewillt sein zu sagen: Schade drum! Aber diese immanenten Probleme werden uns wieder einholen. [Ralph Boehm 03.10.2026]

2024-07-01 FACEBOOK Ralph Boehm
wunderbare Aufnahme. Sie dokumentiert die damaligen Parkverhältnisse (1. rechtwinklig zur Fahrbahn; wer rückwärts ausparkte, konnte weder Motorrad noch LKW von oben kommend sehen: es krachte regelmäßig. Und 2. der Parkplatz-Suchverkehr der Einheimischen (!), die, auch für den Kurzeinkauf (Brötchen) hier einen Parkplatz erhofften, ihn nicht direkt fanden, an der Kirche drehten für einen zweiten Anlauf oder am Uffeplatz bei Heidecke für einen dritten Anlauf. Das hatte nichts mit Gästen zu tun, die damals vermehrt mit der Bahn anreisten, sondern es war ein durch Einheimische belegtes Problem, welches dazu führte, dass das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ wegen schlechter Luftqualität an uns nicht wieder vergeben werden sollte. Dem ist die Politik 1988 ff damit begegnet, in dem man 1) mehr Parkplätze als bisher in 2) unmittelbarer Nähe (Ringstraße) in 3) konzentrierter Form (Krieghoffsches Grundstück Jugendherbergstraße Ecke Ringstraße sowie ALDI-P) umsetzte. Die weiterhin angedachten P in der oberen Ringstraße, sie wären von der Stadt gestaltet und bezahlt worden (parallel zur Marktstraße auf den rückwärtigen Grundstücken von der Apotheke bis zur damaligen Deutschen Bank/Schäfer mit dortigem Durchgang) scheiterte an den dort ansässigen Kaufleuten!!! Die umgesetzten Maßnahmen reichten immerhin für den Erhalt des Prädikates „Heilklimatischer Kurort“. Bis heute…
Frank Imse Ralph Boehm:
unsere Ortsstreifenfahrten gingen aber damals mindestens bis zur Schleife am Päda, mussten ja den Ort im Überblick behalten
, aber Scherz beiseite, wahrscheinlich hast Du Recht, wobei mir bisher nicht klar war, das diese Maßnahme auch dazu diente das Prädikat zu erhalten ….
Ralph Boehm Frank Imse:
Wir, die Stadt, bekamen damals eine Gelbe Karte nach dem Motto, wenn Ihr Politiker an den Werten bzw. Verkehrsverhältnissen nichts ändert, wird die auf 10 Jahre angelegte Bestätigung des Prädikats „Heilklimatischer Kurort“ nicht erneut erteilt – dann gibt`s nur die Rote Karte. Ende der 1980er, die Veränderung der Gesundheitspolitik des Bundes hatte sich noch nicht in Gänze bis nach Bad Sachsa ausgewirkt, nahmen einige politische Kollegen (hier brauche ich nicht gendern!) das auch nicht so ernst und meinten, sie können das hausgemachte Verkehrsproblem auf die einfallenden Trabbis durch die Grenzöffnung schieben – und das Problem werde sich ja von selbst lösen….(So nachhaltig kolportiert!) Diese Kollegen verkannten allerdings, dass die entsprechenden Messungen in 1988 stattfanden (und zu dem Zeitpunkt träumte nur der „Dart Club Thüringen 2000“ in Pitt`s Bierkeller von einer Grenzöffnung
). Insofern bin ich den Kollegen und Kolleginnen dankbar, die das Verkehrsgutachten in Auftrag gaben und gegen viele Widerstände gehandelt haben. Die parallel stattfindende sog. „Stadtsanierung“ war das geeignete Mittel dafür. – Im Nachhinein stelle ich fest, dass das Geld gekostet hat und auch einen Teil der heutigen Verschuldung unserer Stadt darin begründet ist. Wenn andere heute, insbesondere Auswärtige, unsere Stadt bzgl. Aussehen und Ausstattung mit der Nachbarschaft vergleichen, fällt ihr Urteil eindeutig aus – der Einsatz hat sich gelohnt! und das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ kann weiter werbewirksam eingesetzt werden: Wir haben die beste Luft weit und breit und: Die Luft kann sich in ganz Deutschland ändern/verschlechtern – sie wird in Bad Sachsa aufgrund der geographischen Lage immer besser sein können als anderswo! Wenn wir darauf achten! – Derzeitige Bauvorhaben und das damit verbundene hereinziehen des Autoverkehrs in die Innenstadt, insbesondere dann weiter in Tallagen hinein machen mir allerdings mehr als große Sorgen…
Zurück zur chronologische Abfolge:
1991
30 Jahre Kurmittelhaus in Bad Sachsa
[Wochen-Chronik 25.12.1991]

1993
Auf dem Wege der weiteren Anpassung an die sich stark veränderten Gegebenheiten
[HK 21./22.08.1993]:
„Sole-Licht-Therapie und Aktive Klimakur“.
„50.000 Gäste pro Jahr – 500.000 Übernacht-ungen – 55 Mio Mark direkter und indirekter Umsatz! Das sind Zahlen, die der heilklimatische Kurort und Wintersport-platz Bad Sachsa erzielt…

Kurdirektor Uwe Werner analysiert den Kurbereich treffend:
Sie unterstreichen die Bedeutung des Kur- und Fremdenverkehrs für die schön gelegene Kurstadt im Südharz.
Kurgäste haben mit rund 80 Prozent den größten Anteil an den Gästeanreisen. Aber auch die der `klassische` Urlauber und Feriengast fühlt sich in Bad Sachsa wohl.
Bad Sachsa hat eine Reihe hervorragender Kurheime unterschiedlicher Träger für Vollkuren. Ein wichtiges Standbein des Kurbetriebs sind aber auch die sogenannten offenen oder ambulanten Badekuren. Daß sie florieren, setzen gute Unterkunftsmöglichkeiten voraus. Bad Sachsa besitzt sie in zahlreichen Kurheimen und Pensionen.
„In Bad Sachsa ist dieses Angebot gut“, urteilt Kurdirektor Uwe Werner, dessen erste „100 Tage“ an der Spitze der Kurverwaltung schon eine Weile vorüber sind. Er ist voll im Geschäft und bewegt viel.
„Der Markt wird schwieriger“, beschreibt Uwe Werner die aktuelle Situation der Bäder und Kurorte. Bad Sachsa setzte deshalb unter anderem auf Spezialisierung. Dafür nennt Kurdirektor Werner zwei Stickworte: Die Sole-Licht-Therapie und die Aktive Klimakur.
Bad Sachsa hat, direkt am Kurpark gelegen, ein schönes Kurmittelhaus. 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier pro Jahr über 100.000 Anwendungen und schaffen einen Umsatz von 1,6 Mio Mark…
…Vielleicht erhalten die Bad Sachsaer am kommenden Montag positive Signale zu ihrem Finanzierungsantrag, wenn Regierungspräsident Karl-Wilhelm Lange in den schönen Bad Sachsaer „Vorgarten“ Steina kommt, um die Urkunde über die staatliche Anerkennung zum heilklimatischen Kurort zu überreichen – eine Anerkennung, um die sich die „Mutter“ Bad Sachsa für ihre „Tochter“ Steina sich lange intensiv bemüht hat.“
1994
Café-Restaurant
Kurhaus
Bad Sachsa
Das vegetarische
Vollrestaurant im Harz
Ihre Familie Both
[06./07.08.1994]


Harz Kurier 06.10.1995:
Neue Hiobsbotschaft für Kurdirektor Uwe Werner:
Die lange Zeit gefärdete Südharz-Klinik der Bundesbahn-Betriebs-krankenkasse ist gerettet (Harz Kurier berichtete), der Bad Sachsaer Kurbetrieb atmet auf – da flattert schon die nächste Hiobs-botschaft auf den Schreibtisch von
Uwe Werner. Die DAK muß die in Bad Sachsa angewendeten Festigungskuren, die bei allgemeinen Erschöpfungszuständen verschrieben werden, langfristig streichen. Der Grund sei das Gesundheitsreformgesetz, das diese Kurform nicht mehr vorsehe, erklärte der Kurdirektor… Betroffen sind das Kurmittelhaus und das DAK-Kurhotel mit seinen 55 Betten. Monatlich werden 50 Festigungskuren im Kurmittelhaus verabreicht. Die Patienten übernachten und essen im Kurhotel. Allein dort seien 15 bis 20 Arbeitsplätze gefährdet, so Werner…
2005

2007



Das Kurmittelhaus im Dezember 2007
[3 Fotos: Horst Möller]
2008
„Das Land Niedersachsen hat Bad Sachsa dazu aufgefordert, die freiwilligen Leistungen bis 2011 um mehr als die Hälfte herunterzufahren. Und unter diesen freiwilligen Leistungen ist die Fremdenverkehrsförderung der größte Einzelposten.
…Problem 1: … „seien die Erlöse aus dem Kur- und Gesundheitszentrum seit den frühen 90er Jahren auf ein fast ein Viertel geschrumpft – von umgerechnet mehr als 820.000 Euro im Spitzenjahr 1994 auf unter 220.000 Euro 2006. Fast in Gänze verantwortlich dafür sei der Rückgang bei den Zuschüssen der Krankenkassen für Kuranwendungen oder Ähnliches als Folge mehrerer Gesundheitsreformen“.
…Problem 2: … Das Gebäude ist „Für heutige Maßstäbe viel zu groß, technisch noch auf dem Stand aus dem Bauzeitraum… Als Folge enorme Betriebskosten…“.
Deshalb will Bad Sachsa „seine Gesundheitsanwendungen auf jeden Fall aufrechterhalten, stellt die Bürgermeisterin klar. Diese sollen nun aber definitiv vom Kurzentrum in das Salztal-Paradies verlagert werden…“

2009

Ein Aushängeschild
[02.05.2009,
Foto: Ralph Boehm]
2015


Seit wenigen Tagen ist das Kurhaus-Café wieder geöffnet.
Ganz oben/rechts: 11.04.2015



Oben: 12.12.2015
[Foto: R. Boehm]
2016
Gesundheit Heilbäderverband sucht neue Wege für die Kurorte
[19. Oktober 2016 14:30]
Bad Bevensen (dpa/lni) – Der Heilbäderverband Niedersachsen will auf Veränderungen reagieren und mit neuen Kurangeboten die Zahl der Gäste erhöhen. Unter dem Motto «Vom Kurort zum Ort der Kur» hat sich der 3. Bädertag des Verbands am Mittwoch in Bad Bevensen mit Zukunftskonzepten beschäftigt. Dabei gehe es etwa um das gewachsene Interesse an der Vorsorge, natürliche Heilmittel und den Gesundheitstourismus aus anderen Ländern, sagte Christina Degener, Geschäftsführerin des Heilbäderverbandes.
Das Bild der Kur sei im Wandel. «Wir setzen auf das gewachsene Interesse bei der Vorsorge», betonte Degener. Natürliche Heilung sei auch ein sehr wichtiger Trend. «Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist Teil der Kur», so Degener. «Das wollen wir künftig verstärken.» Im Heilbäderverband sind 29 Kurorte und Heilbäder vertreten.
2017
Rechts: 16.01.2017
Unten: 25.05.2017
Frau Dornieden


2018


2022
Im Herbst 2022 hat das Magazin Focus-Gesundheit 355 Kurorte in Deutschland untersucht, Bad Sachsa gehört zu den 81 Besten und das Siegel „Top-Kurort“ verliehen bekommen. „Vor allem bei den Punkten Kurtypische Angebote und Infrastruktur konnte die Uffestadt punkten und die Bestnote SEHR GUT erhalten.
Bürgermeister Daniel Quade: “ Ich habe gemerkt, dass wir selbst vielleicht oftmals sehr kritisch sind, gerne sagen dies und jenes kann besser sein. Sieht man jetzt aber, wie Außenstehende unsere Stadt wahrnehmen ist es manchmal schon ein Nörgeln auf hohem Niveau, dass wir einheimischen vornehmen.“.
Besonders deutlich sei dies beim Thema Kurtypische Angebote nachzuvollziehen. „Wir haben seit vielen Jahren keine Kliniken mehr vor Ort, ich dachte somit auch dass das Angebot weggebrochen ist, aber die Analyse zeigt anderes auf“ beschreibt Daniel Quade. Auch die Infratstruktur, sei es beim ÖPNV, den Einkaufsmöglichkeiten usw. stehe immer wieder vor Ort in der Diskussion. Doch auch gerade hier konnte Bad Sachsa die Bestnote SEHR GUT erzielen.
„Manchmal ist es einem sicher nicht bewusst, aber Bad Sachsa hat ein gutes und breites Angebot an medizinischer Versorgung, wir haben alle Optionen Dinge für den täglichen Bedarf hier vor Ort zu erwerben.“ Und nicht nur das: In die Infrastruktur zählen auch touristische Angebote, wie beispielsweise die Kletterhalle Clip`n`Climb im Ravensberg Basecamp. „Alle Highlights in unserer Stadt sind innerhalb von maximal fünf Minuten mit dem PKW zu erreichen, auch das hat die Erhebung gezeigt, beschreibt der Bürgermeister.
Insgesamt freue er sich natürlich, dass Bad Sachsa das Siegel TOP-KURORT erhält – insbesondere auch mit dem Wissen, dass Bad Sachsa neben den bewerten Kriterien auch seine nachweislich gute Luft zu bieten habe.
Wir merken, dass die Gäste gern hierher zu uns in den Südharz kommen. Aber uns als Einwohnerinnen und Einwohnern ist manchmal gar nicht bewusst, dass wir all dieses Gute jeden Tag erleben dürfen“, bilanziert der Verwaltungschef.
Doch die Auszeichnung sei auch eine gewisse Verpflichtung für die Zukunft.
„Wir versuchen gerade Bad Sachsa unter anderem im Bereih Energie neu bzw. künftig autark aufzustellen. Ebenso aber auch Entscheidungen im Bereich Tourismus, der lebens- und Geldquelle unserer Stadt zu treffen, die uns helfen sollen.“ Da bilde das Siegel natürlich gerade im Bereich Tourismus einen Aspekt mit dem man werben kann und will, „auch wenn mir klar ist, dass ein Erfolg schwer messbar ist“. Aber: Bad Sachsa sei seit dem Jahr 1905 bereits Luftkurort – und jetzt im Jahr 2022 hätten Außenstehende gezeigt, welch Qualität die Uffestadt weiterhin habe. „Das freut uns, dass wollen wir nutzen und ausbauen“, so Bürgermeister Daniel Quade. [HK aktualisiert 01.12.2022 6.54 Uhr]

Rechts: 26.05.2023:
„Bad Sachsa wird auch in den kommenden zehn Jahre das Prädikat Heilklimatischer Kurort tragen“, gut so!
Aber stutzig mach mich, dass die Luftwerte nicht erwähnt werden…

… und das insbesondere vor dem Hintergrund, dass Bad Sachsa in den vergangenen Jahren sehr viel versiegelt hat und das innerstädtische Stadtgrün über die Jahre deutlich ausgedünnt wurde; die schwarz hervorgehobenen Bereich zeigen einige problematische Bereiche auf:

Mit dem Siegel des Focus [vgl. 2023] können wir auch in 2024 werben – gut so!

Auch wenn solchen Siegeln mit einer gewissen Skepsis begegnet werden sollte:
Mit dem Siegel des Focus
[vgl. 2023] können wir auch in 2024 werben – gut so!
Und dass wir zu den TOP 10 Reisezielen im Dezember 2023 laut FeWo-direkt gezählt werden, schadet uns auch nicht!

Bürgermeister Daniel Quade
(auf Facebook 16.11.2023)
Die Stadt Bad Sachsa ist erneut „Top-Kurort des Jahres“
Das renommierte Ratgebermagazin FOCUS-GESUNDHEIT hat uns, das zweite Jahr in Folge, als „Top-Kurort des Jahres“ ausgezeichnet.
Dieses Mal für das Jahr 2024 .
Gerade im Bereich der „Infrastruktur“ erhielten wir die Bewertung „sehr gut“. In den Bereichen „kurortypischen Angebots“ und „medizinisches Angebot“ gab es ein „gut“.
Besonders positiv ist die Beurteilung des „sehr reichhaltigen Kulturangebotes“
Wir sind laut FOCUS weiterhin der beste Kurort im Landkreis und im Harz (in der Kategorie: Kurorte und Heilbäder)
Die Bewertung erfolgte in vier Stufen:
1. Befragung der Gemeinde
2. Recherche durch die Redakteure in öffentlichen Quellen
3. Scoring
4. Überprüfung der Datenqualität
Bis 30.11.2024 dürfen wir das neue Siegel führen und sind sehr stolz darauf
Ihr & Euer Daniel Quade

Bürgermeister Daniel Quade
(auf Facebook 20.02.2024)
Auch in 2023 Übernachtungsrekord in Bad Sachsa
Weitere gute Nachrichten für uns:
2023 konnten wir unseren Übernachtungsrekord aus dem bisherigen Rekord-Jahr 2022 übertreffen (rund 311.500 Übernachtungen)
Die endgültigen Zahlen werden zurzeit ermittelt, es erreichen uns noch täglich Meldungen. Aber wir liegen bereits jetzt – mit rund 316.400 Übernachtungen – über den Werten aus dem Jahr 2022.
Schön, dass nicht nur die Experten von FOCUS-Gesundheit erneut die Qualität unserer Stadt bescheinigt haben, sondern vor allem unsere Besucherzahlen wieder einmal für die Attraktivität und Gastfreundlichkeit unserer Stadt sprechen.
Dafür ein großes Dankeschön an Sie alle.
Ein besonderer Dank gilt unserem gesamten Team der Tourist-Info Bad Sachsa und auch unseren städtischen Gesellschaften, ohne deren Einsatz solche Leistungen nicht möglich wären
Die Gäste, die uns besuchen, fühlen sich bei uns wohl, weil sie stets herzlich willkommen geheißen werden
Ihr & Euer Daniel Quade

Den Post des BGM Daniel Quade vom 20.02.2024 ergänzte Ralph Boehm am 25.02.2024 mit dem hierüber stehenden Graph sowie dem folgenden Text:
Gästezahlen Bad Sachsa 1880-2018.
Habe ich mal für mich in 2019 angefertigt. Im Grundsatz drückt der Graph aus, dass die „ANKÜNFTE“ seit beginn kontinuierlich in Bad Sachsa gestiegen sind – außer in den Kriegszeiten – und außer in den 1977ff des durch die Kostendämpfungsgesetze veranlaßten Kliniksterbens: vereinfacht ausgedrückt hat Bad Sachsa in diesen Zeiten ca. 10 Kliniken verloren – und somit ca. 350 bis 500 Arbeitsplätze in einer Spanne von 10 Jahren verloren – und somit auch einen erheblichen Einwohnerschwund zu verzeichnen gehabt. Dieser Aderlaß/Trend, durch bundespolitische Gesetze verursacht, konnte vorort erst durch insbesondere die Stadtsanierungsmaßnahmen aufgefangen und erfolgreich gedreht werden. So haben sich die „ANKÜNFTE“ seit Ende der 1990er Jahre nahezu verdoppelt!!!
Neben der damaligen örtlichen Politik hat sich hier vor allem auch die Einführung der Sterne-Klassifizierung durch die DEHOGA ausgewirkt, welche zu einer deutlichen Verbesserung der Hotels und (später) Ferienwohnungen führte. – Bei den „ÜBERNACHTUNGEN“ sieht es deutlich extremer aus! Die höchsten Zahlen sind mit dem Kurbetrieb auf über 650.000 in den 1970er Jahren gestiegen (überliefert ca. 680.000) – danach erfolgte der Einbruch durch die oben erwähnten Kostendämpfungsgesetzte in 1977 und 1982 auf rund 220.000 (überliefert sogar nur 180.000)!!! der nur sehr kurz durch die Grenzöffnung aufgehalten wurde. Erst durch die Auslagerung der städtischen Werbung etc. mit der Hereinnahme der GLC, Auslagerung der Salztal-Ferienhaus-Siedlung an Landal, stärkere Kontrollen bei den Anbietern und die Aktivitäten des Geschäftsführers der städtischen Gesellschaften M. Völz konnte sich der Trend seit 2010 bei den ANKÜNFTEN von ca. 49.200 auf fast 78.000 steigern lassen und die ÜBERNACHTUNGEN in dieser Zeit von rund 220.000 auf über 300.000 gewonnen werden – jeweils eine Steigerung von annähernd 50 PROZENT in der Zeit von 2010 bis 2018!

Bad Sachsa. Titel-Hattrick im Harz: Das Magazin Focus Gesundheit kürt Bad Sachsa zum dritten Mal in Folge zu einem der besten Kurorte in Deutschland.
[HK 16.11.2024 8.06 Uhr]
Noch einzuarbeiten sind u.a.
Dr. Scholten und die Terrain-Kurwege
1845, also vor rund 180 Jahren wird Sachsa für den Fremdenverkehr entdeckt.
Regierungsrat Folk [Bezirksregierung Erfurt] weilte in Sachsa, um finanzielle Angelegenheiten zu regeln; er erkennt die Schönheit der Natur um Sachsa herum und empfielt, diese Schönheiten Naturfreunden und auswärtigen Gästen zugänglich zu machen.
Der 660m hohe Ravensberg soll Anziehungspunkt werden.
DAS PRÄDIKAT
„Heilklimatischer Kurort“
„Man sollte sich auch mit der Geschichte beschäftigen. Dann wüsste man das bereits 1600 /1700 die heilende Wirkung unseres Wässerchens erwähnt wurde (wahrscheinlich schon früher bekannt war) und damit der Grundstein für das Bad gelegt wurde. Erst 1905 Sachsa als zusatz bekommen hat. Mit dem Hintergrund : Heilbad. Lg“ xxxxxxx xxxxxx
auf Facebook am 17.11.2023)
Persönliche Stellungnahme durch Ralph Boehm zu diesem Post am selben Tag auf Facebook
(geringfügig später ergänzt):
Sehr geehrter Herr xxxxxxxxxxxx!
Ihre Auslassungen sind einfach nur Quatsch (und ich drücke mich noch milde aus!).
1) „Sachsa“ darf sich seit 1905 „Bad Sachsa“ nennen – es ist Teil des Namens! Die genaue Ursache ist NICHT BEKANNT! (Vermutungen spekulieren über einen Einfluß des Generalpostdirektor des Deutschen Reichs Ernst Heinrich Wilhelm von Stephan, der auf dem Ravensberg häufiger zu Gast war über die Absicht des Herrn Deibel, den Deutschen Kaiser nach Sachsa zur Hochzeit seiner Tochter Nora einzuladen – und der Kaiser reiste offiziell gern in „Bäder“ (z.B. Bad Ischl). Wie auch immer, den Bad Sachsaer Nachrichten vom 12. September 1905 kann man entnehmen „Sachsa ist in Bad Sachsa umgetauft worden. Der hiesige Magistrat hatte sich infolge Drängens des hiesigen Postamtes und der Eisenbahnverwaltung veranlaßt gefühlt, bei der zuständigen Behörde den Antrag zu stellen, daß Sachsa offiziell den Namen BAD SACHSA erhält. Daraufhin scheinen die Behörden eingegangen zu sein; denn das hiesige Postamt erhielt heute von der Oberpostdirektion die Mitteilung, daß Sachsa durch ergangene Verfügung den Namen „Bad Sachsa“ erhalten habe.
[bitte weiterlesen bei Dietze, 75 Jahre Kurort, S. 19].
[spätere persönliche Anmerkung: Auch wenn das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ wegfallen sollte, trägt unsere Stadt also weiterhin den Nahmen „BAD SACHSA“].
2) Von „Heilenden Wässern“ ist in Bad Sachsa, bis auf eine Ausnahme, in den vergangenen 1000 Jahren nichts bekannt! Und die eine Ausnahme ist um 1970, denn dort ist bei der Suche und den damit verbundenen Probebohrungen medizinisch interessantes Wasser in der Nähe des Bahnhofes auf dem sogenannten „Ochsenplan“ nachgewiesen worden. Da der Ochsenplan aber über lange Zeit als Müllkippe gebraucht und mißbraucht wurde, haben die Verantwortlichen auf eine weitere Nutzung sinnvoller Weise verzichtet. Darüber hinaus konnte für z.B. das Wasser der Reinhardtsquelle im Kuckantal, das Wasser ist wunderbar – Aquarianer und Teetrinker schwören darauf – keine medizinische Wirkung nachgewiesen werden.
3) waren der „Heilgehülfe“ Carl Degenhard und der Sanitätsrat Dr. med Bötticher entscheidend daran beteiligt an der Gründung des heilklimatischen Kurorts Bad Sachsa. Degenhard beherbergte die ersten Kurgäste 1864 im Haus der Marktstr. 49.
(„A bis Z“, Bad Sachsa Nachrichten 15.05.1971 u.a., Dietze a.a.O).
4) Unser besonderes Klima hat mit seiner besonderen Lage am Rande der Berge -gleichzeitig geschützt durch den hohen Ravensberg- zu tun; aus diesem Grunde, so hat es die Bioklimatische Forschungsstelle Braunlage zusammengefasst, liegen die klimatischen Vorzüge in
a) der langen Sonnenscheindauer, die sich auf den Herbst erstreckt,
b) Luftreinheit infolge der Filterwirkung ausgedehnter Wälder,
c) Milderung von Kälteeinbrüchen durch das Gebirge und
d) das es keine Lärmbeästigung hier gibt, weil ohne Durchgangsverkehr.
Auf dieser Basis hat der Landesfremdenverkehrsverband Harz e.V., Braunschweig, den 19. August 1939, die „Anerkennung der Bezeichnung HEILKLIMATISCHER KURORT“ durch den Staatssekretär Esser uns zuerkannt (StABS XV.a.55).
Das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ wird in neuerer Zeit i.d.R. alle 10 Jahre auf den Prüfstand gestellt und wurde zuletzt in diesem Jahr wieder bestätigt (HK 26. Mai 2023).
Zu einem weiteren Punkt hatte Ralph Boehm auf Facebook geantwortet:

Die erneute Prädikatisierung war tatsächlich einmal in Gefahr, nämlich 1989 ff aufgrund der sich damals verschlechterten Luft, die, so haben es damals Gutachten ergeben, an dem sogenannten „Parkplatzsuchverkehr“ in der Marktstraße und seinen Nebenstraßen in unserer Stadt gelegen haben.
(Daß die Luftmessungen VOR Grenzöffnung stattfanden, wollten Teile des Stadtrates später nicht wahrhaben und schoben die dreckige Luft auf die NACH Grenzöffnung nach Bad Sachsa „einfallenden Trabbis“. Dieses „Problem“ mit den 2-Taktern löste sich innerhalb kurzer Zeit von selbst und somit löste sich für diese Ratsmitglieder auch das Verkehrs- bzw. Luftproblem).
Die anderen Teile des Rates gingen das Problem, gegen starke Widerstände aus Politik und Wirtschaft, jedoch gezielt und schließlich erfolgreich an durch:
a) Schaffung von mehr Parkplätzen, als bis dato vorhanden in
b) unmittelbarer Entfernung der Marktstraße in
c) konzentrierter Form.
Diese Gelbe Karte bzgl. einer möglichen Versagung der Prädikatisierung sollte gerade heute den Enstscheidungsträgern bei baulichen Veränderungen eine Mahnung sein; ich denke an große Hotelprojekte in Tallage (angedachte Überbauung großer Teil des Pferdeteiches, seines Dammes und des Reinhardtsweges) einhergehend mit einem Parkhaus (auf 200 Parkplätze ausgelegt) sowie eines Hotels im Stadtkern (mit 40 Zimmern für 80 Gäste bei 9 Parkplätzen zwischen Hindenburg- und Schützenstraße) und auch den Bau von Großkindergärten im Zentrum (mit über 100 zusätzlichen An- wie auch Abfahrten bei einem bereits bestehenden Kindergarten!).
Wenn schon kein Verzicht auf diese Baumaßnahmen angedacht werden sollte (zumindest Verlegung an andere Stellen der Stadt Bad Sachsa wäre sinnvoll), dann sind zumindest Ausgleichsmaßnahmen inbezug auf Bepflanzung, Wasserregulierung, Verkehrssteuerung etc. zwingend, will man das einzige Standbein, die gute Luft und den dadurch funktionierenden Tourismus, aufrechterhalten!
Manfred Götzke stellte im Deutschlandfung am 15. Juli 2023 die Frage:
„Flut im Ahrtal: Lernen wir aus Katastrophen ? … Katastrophen wie im Ahrtal werden sich durch den Klimawandel verstärken“.
Re-PRÄDIKATISIERUNG 2022/2023
Dem Protokoll der öffentlichen Sitzung des Tourismus-Ausschusses ist unter Punkt 5b am 14.06.2022 zu entnehmen:
„Das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung hat der Stadt Bad Sachsa am 05. November 2010 das Prädikat
„staatlich anerkannter tHeilklimatischer Kurort“ verliehen.
Das Ministerium überprüft im Abstand von zehn Jahren die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung der Stadt Bad Sachsa als Heilklimatischer Kurort.
Die Überprüfung dient der Feststellung, ob die Anerkennungsvoraussetzungen, die zur Prädikatisierung geführt haben, auch weiterhin erfüllt werden.
Die ursprünglich in 2020 vorgesehene Überprüfung wurde seitens des Ministeriums aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend ausgesetzt. Am 13.04.2022 wurde die Stadt Bad Sachsa vom Ministerium aufgefordert, die Unterlagen für die Anerkennung bis zum 31.01.2023 einzureichen.
Die Überprüfung der Anerkennungsvoraussetzungen erfolgt anhand eines von der Stadt Bad Sachsa auszufüllenden Erhebungsbogens sowie einer Ortsbegehung durch Vertreter des Ministeriums unter Mitwirkung des Beirats für Kurorte, der das Ministerium aufgrund seiner Kenntnisse in verschiedenen Fachbereichen unterstützt und zum Ende des Verfahrens eine abschließende Einschätzung abgibt.
Der Beirat setzt sich zusammen aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung – Referatsleitung Tourismus und Kreativwirtschaft, der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände, dem Deutscher Wetterdienst, der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen, dem Institut für Balneologie und Medizinische Klimatologie der MH Hannover, dem Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, dem Heilbäderverband Niedersachsen e. V., der Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH und dem Tourismusverband Niedersachsen e. V. In dem 15-seitigen Erhebungsbogen sind u. a. Angaben zu den Anerkennungsvoraussetzungen wie Kurortcharakter, Straßenverkehr, Lärmschutz, Barrierefreiheit, Kurpark, Tourist-Information, Unterkunft und Verpflegung, Ärzte, Therapeuten und Apotheken zu machen. Darüber hinaus wird nach Heilanzeigen, Bioklima, Einrichtungen zur therapeutischen Nutzung des Heilklimas und weiteren ortsspezifischen
Voraussetzungen wie Sportanlagen, Spielangebote, Freizeiteinrichtungen,
Schwimmbäder und Terrainkurwegenetz gefragt. Weiterhin sind Analysen und Gutachten über die bioklimatische Beurteilung, Luftqualitätsgutachten und eine Bescheinigung der Rattenfreiheit in der Stadt vorzulegen.
Die Bearbeitung dieser Aufgaben obliegt Frau Urban in Zusammenarbeit mit der
Bad Sachsa Holding GmbH & Co. KG und der Tourist-Information Bad Sachsa.
Das Verfahren wurde erfolgreich durchlaufen.
So konnte man dem Harz Kurier am 26. Mai 2023 entnehmen:

2026: Es folgt eine
persönliche Einschätzung/Anmerkung von Ralph Boehm :
Nachdem bereits 1988 die Re-Prädikatisierung stark gefährdet war
[Verkürzt: der innerstädtische Parkplatz-Suchverkehr hatte zu schlechten Luftwerten geführt. Erfolgreich wurden daraufhin Gegenmaßnahmen umgesetzt, indem
1) mehr Parkplätze in
2) unmittelbarer Entfernung in
3) konzentrierter Form
geschaffen wurden in der Ringstraße mit dem ALDI-P und dem P an der Ecke Jugendherbergstraße/Ringstraße]
sehe ich nun in 2026 mit den Plänen des Neubaus eines Hotels in der Talstraße (teilweise Überbauung des Pferdeteichs!!) inklusiv des Baues eines Park-Hauses am Forstmeister Baer-Platz eben genau diese Re-Prädikatisierung wiederum stark gefährdet.
Meines Erachtens wird durch die Umsetzung der geplanten Maßnahmen sehr viel Verkehr über u.a. die Jugendherbergstraße (von Süden und Westen) und die Bahnhofstraße (von Osten) über die Markt- und Kirchstraße in die Talstraße und somit in die Tallagen hereingezogen. Der weitere Bau eines Hotels in der Stadtmitte (Hindenburgstraße/Pfaffenwiese/Schützenstraße) wird zusätzlich erheblichen Einfluß auf die hiesigen klimatischen Bedingungen haben.
Die Überarbeitung des damaligen Verkehrsgutachtens ist das Mindeste und zwingend erforderlich.
À propos: Unsere Partnerstadt Castelnau de Medoc hat 2020 Erfahrungen mit Regenwasser machen müssen!
(3 Fotos: Jean Bottaro, 11. Mai 2020)
