1945 ff

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Was hat der Feuersturm auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945
mit Bad Sachsa zu tun?

Blick vom Turm der Kreuzkirche auf die durch die Luftangriffe zerstörte Innenstadt Dresdens in Richtung des Pirnaischen Platzes
[1945, Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / G. Beyer / CC-BY-SA 3.0, Wikipedia]

„Die Luftangrife auf Dresden und den Großraum der Stadt im Zweiten Weltkrieg fanden erstmals im Herbst 1944 statt und fanden ihren Höhepunkt in vier Angriffswellen derRoyal Air Force (RAF) und United States Army Air Forces (USAAF) vom 13. bis 15. Februar 1945. Diese forderten zwischen 22.700 und 25.000 Todesopfer, zerstörten große Teile der Innenstadt und Teile der industriellen und militärischen Infrastuktur Dresdens.“
[Wikipedia 26.04.2021: Luftangriffe auf Dresden].

Unmittelbar vor dem 13.02.1945 wurde die Kinderheilanstalt Dresden evakuiert – sie wurde komplett Opfer der Angriffe.

Aus dem Bericht einer Praktikantin, die 1945 in Kronbergs Sanatorium,
Eulingswiese 2, arbeitete:

„Oma Kronberg führte das Haus mit ihrer Tochter Elfriede; Otto Kronberg war als Soldat an der Ostfront, Doktor Erika Kronberg als Ärztin in Dresden.
Am 8. Mai 1945 stand Dr. Erika Kronberg mit Dr. Wilhelm
abends um 8 Uhr vor der Tür.
40 Säuglinge, 19 elternlose Kinder, Ärzte mit ihren Familien und den Schwestern kamen in diesem Hause unter…“
In der Brandnacht hatten das Rote Kreuz und Soldaten auf LKW die Kinderheilanstalt Dresden evakuiert und über Kesselsdorf nach Bad Sachsa gefunden in der Hoffnung, und auf Anregung von Dr. Erika Kronberg,
hier eine vorläufige Bleibe zu finden.


„Auf Anordnung des amerikanischen Gouverneurs für den Landkreis Hohenstein Colonel Camerun in Nordhausen und des Obermedizinalrates Dr. Hesse als Gesundheitsdezernent für den Landkreis Grafschaft Hohenstein soll das aus Dresden evakuierte Säuglings- und Kinderkrankenhaus KINDERHEILANSTALT in das Bremer-Kinderheim verlegt werden.“, so die Anweisung in einem Brief vom
16. Mai 1945  an Dr. Wilhelm (Sanatorium Kronberg / Säuglings- und Kinderkrankenhaus der  Stiftung Kinderheilanstalt Dresden).

[StABS 471/11: Landeskinderkrankenhaus Borntal]

„Im November zog die Kinderheilanstalt dann ins Borntal, es war der Anfang
des dortigen Kinderkrankenhauses (im Borntal) nach dem II. WK.“. 
(vgl. auch: http://www.dresdner-stadtteile.de/Sud/Plauen/Strassen_Plauen/Chemnitzer_Strasse/chemnitzer_strasse.html)

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Mehr zum Sanatorium auf dem Pfaffenberg
siehe unter

Eulingswiese 2



vmtl. 1946
„Bad Sachsa. Landes-Kinderkrankenhaus“
[Aufbrauch einer AK
aus circa 1943 mit Schwärzungen und Ergänzung:
Slg. R. Boehm]

L.K.K. Haus 4
Bad Sachsa d 16.8. (1947)
Liebe Mutti!
Heute möchte ich Dir ein mal schreiben. Warum habt ihr mir nicht früher geschrieben ? Mir geht es gut, dasselbe hoffe ich auch von Dir. Wann ist Gitta nach Hause gekommen. Mutti ich war vorrige Woche krank ich hatte Kopfschmerzen, aber Du brauchst Dir kein Sorgen zu machen ich darf schon wieder aufstehen.
Seih gegrüßt und geküßt von Inge.
[18.8.1947, AK: Slg. G. Angermüller]

[AK: Slg. R. Boehm]

15.08.1956, Kinderkrankenhaus im Borntal mit Haus 5:
Ihr lieben Alle
Seit ihr gut zu Hause angekommen. Mutti kommt ja andern mal mit. Heute will ich euch nur eine Karte schreiben weil ich noch rechnen machen muß. Viele Grüße und Küße von Deiner Ursel.


1962: Die Hamburger Sturmflut vom 16./17.02.1962

Das Wasser der Elbe stieg auf 5,70 Meter über dem mittleren Hochwasser; nachts brachen die Deiche.
Mehr als 300 Menschen starben und tausende wurden obdachlos; das führte zu großer Hilfsbereitschaft in ganz Deutschland, so auch in Bad Sachsa und insbesondere im Evang. Kinderkurheim der Frau Erika Krüsmann [Steinaer Straße 13] sowie im BORNTAL

Die Kinder kamen mit Koffern, aber sie waren leer…
sie kamen mit dünnen Schuhen und waren auf den Sachsaer Schnee nicht vorbereitet…“ [???. So hat jeder seine Sichtweise…]
Oben: BSN, 21.02.1962

Rechts: 16.02.1962
[Chronik der DRK-Bereitschaft, S. 35]

links: Hannah Börgardts, 1. Vorsitzende des Ortsvereins von 1948-1970, hält in der „Chronik der DRK-Bereitschaft“ fest (auf S. 7).

Hannelore Klaus erinnert sich auf Facebook (ca. 02.02.2026):
Ich war 5 Jahre und kann mich daran erinnern, dass in Tettenborn ein Bus mit Kindern aus Hamburg ankam, die hatten alle Pappschilder um mit Namen drauf.
Ein Mädchen in meinem Alter hat dann bei uns gewohnt. Meine Eltern haben ihr Kleidung gekauft. Später kam als Dank ein Paket mit einem Teddybär für mich an.


Kurdirektor Wilfried Meyer 1977 zu einem Pressegespräch in Berlin
„…Umgeben von bunten Mischwäldern mit uralten Baumbeständen liegt der Kurort in windgeschützten sonnigen Tälern.
Es gibt eine Diabetesklinik seit einem Jahr und andere hervorragend ausgestattete Kurkliniken, die bislang keinen Belegungsrückgang hatten.
1976 entfielen von rund 600.000 Übernachtungen insgesamt rund 250.000 Übernachtungen auf Kurkliniken, Sanatorien und Kurheime.
Im Kinderkrankenhaus im Borntal wird neben der Akutversorgung eine kurklinische Abteilung für asthmakranke Kinder aus der ganzen Bundesrepubok angeboten. Im Jahresschnitt werden dort 1.000 Kinder erfolgreich behandelt.
In einer weiteren Abteilung werden übergewichtige Kinder von ihren Pfunden befreit. Auch hier kommen die Patienten aus der ganzen Bundesrepublik. Im Jahresschnitt werden ca. 150 Kinder dort behandelt.
Das Klima, die Höhenlage und die unterschiedlichen Möglichkeiten dieser Landschaft mit Termperaturgleichheit und Nebelfreiheit sind mit Grundlagen der Heilerfolge…“
[StABS, ohne Nummer]

Dem Herbert Ahrens-Bildarchiv verdanken wir die folgenden Aufnahmen aus dem Sommer 1977 [Mehr zu seinem Archiv: https://harz-history.de/archives/1%5D

Die neuerbauten Schwesternwohnheime

„1984: Erweiterung des Kinderkrankenhauses „Im Borntal“ um einen Kliniktrakt“

Ärzte im Borntal:

Dr. Kronberg
Dr. Wilhelm
Dr. Karg (u.a. Behandlung von Mukoviszidose)
Dr. Abdel Rahman Mohamed el Nur

Dr. Abdel Rahman Mohamed el Nur:
Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des Fachbereichs Medizin der Universität Hamburg, 1984

Titel
„Aus dem Kinderkrankenhaus
IM BORNTAL, Bad Sachsa / Chefarzt Dr. med. F. Karg“
Lebenslauf
„… 1974 – 1976 Kinderarzt am Kinderkrankenhaus
IM BORNTAL in Bad Sachsa…“

Danksagung
„Die Untersuchungen zu dieser Arbeit konnten am Kinderkrankenhaus in Bad Sachsa durchgeführt werden. Dafür gebührt mein Dank dem Leiter des Kinderkrankenhauses, Herrn Dr. med. F. Karg.“

O. W. Metz und Sigrid Metz:
Schwangerschaft und Geburt bei Mukoviszidose – Resultate der Deutschland Studie [May 1992 Klinische Pädiatrie 204(03):145-149) (20.03.2026, http://www.researchgate.net/publication/235794902%5D


Die von O. W. Metz und Sigrid Metz aus der „Klinik für Kinder- und Jugendmedizin,
Im Borntal 1-7, Bad Sachsa“
veröffentlichte Arbeit aus dem Jahr 1992 (veröffentlicht in Klinische Pädiatrie und Monatsschrift Kinderheilkunde) untersuchte 31 Schwangerschaften bei 27 Frauen mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) im Zeitraum von 1980 bis 1990/1991 (Google KI 20.03.2026):
In einer Studie in Deutschland wurden 31 Schwangerschaften bei 27 Frauen mit Mukoviszidose erfaßt, die im Zeitraum 1980 bis 1991 schwanger wurden. Diese Studie ist die derzeitig umfargreichste Datensammlung über Schwangerschaft und Geburt bei Mukoviszidose nach US-amerikanisch-kanadischen Studie von 1980. In der deutschen Studie erwies sich, daß offensichtlich nur symptomarme Frauen sciwanger werden: Diagnose der Mukoviszidose erst mit durchschnittlich 9,2 Jahren und bei 96,5 % zufriedenstellender prägravider Shwachman-Kulczycki-Scorewert. Die Schwangerschaftskomplikationen waren gering. Im Vordergrund standen pulmonale Exazerbationen (18 Schwangerschaften) und unzureichende Gewichtszunahme der Frauen mit durchschnittlich 7,2 kg. Artefizielle Aborte wurden bei fünf Schwangerschaften durchgeführt und Spontanaborte wurden nicht beobachtet. Mütterliche Todesfälle während der Schwangerschaft und Geburt wurden nicht berichtet. Mehr als Œ der Neugeborenen waren Frühgeborene. Alle Kinder hatten normale Schweißtestergebnisse. 21 Frauen konnten erfolgreich stillen. Der mütterliche Gesundheitszustand verschlechterte sich bei 15 Frauen, allerdings nur leichten (10) bis mäßigen Grades (4). Bemerkswert war, daß unter 26 Kindern 21 männlich waren. In dieser Studie wurde das unerwartete Ergebnis erreicht, daß unaffizierte, heterozygote Kinder von Frauen mit Mukoviszidose bevorzugt männlich sind.

Vorwort
Wenn Eltern eines Kindes mit der Diagnose Mukuviszidose konfrontiert werden, bricht zunächst einmal eine Welt zusammen.
Alle Träume, die man für die Zukukunft seines Kindes und die ganze Familie hatte, scheinen zu zerplatzen. Der Gang zum Medizinlexikon zu Hause eröffnet ihnen bedrohliche Aussichten eine unheilbare Erkrankung, die durch langsame Zerstörung der Lunge zu einem frühen Tod führt.
Auch wenn die Ärzte die Prognose dieser Erkrankung heute wesentlich günstiger einschätzen, bleibt eine starke Verunsicherung und viele Fragen, wie man mit dieser Krankheit leben kann, bleiben offen.
Nicht alle Eltern haben die Möglichkeit oder auch den Wunsch, gleich den Kontakt zu anderen Betroffenen zu suchen.
In dieser Phase kann das vorliegende Buch eine wertvolle Hilfe sein…

Ärztlicher Direktor  der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin IM BORNTAL war Herr Priv.-Doz. Dr. med. O. Metz.

Zu den Ansprechpartnern der Selbsthilfegruppe Erwachsene mit CF gehörte auch die Familie Pfeiffer, die aufgrund der Erkrankung ihres Kindes nach Bad Sachsa zogen
(Peter Pfeiffer, Uffestr. 43, 37441 Bad Sachsa)

Seit 1989 das Mukoviszidose-Gen entdeckt worden ist, setzen alle ihre Hoffnung
auf die Gentherapie. Vielleicht wird Mukoviszidose in nicht allzu ferner Zukunft
die erste Krankheit sein, die sich durch genetische Behandlung ursächlich
therapieren läßt.
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Wichtiger Hinweis:
Die moderne Mukoviszidose-Behandlung (Cystische Fibrose) findet heute in hochspezialisierten, zertifizierten Mukoviszidose-Ambulanzen und Zentren
[wie dem Christiane Herzog-Zentrum] statt, welche an große Universitätskliniken angebunden sind. Für aktuelle Behandlungen ist das Borntal in Bad Sachsa keine primäre Fachklinik mehr.


1987: Tschernobyl und das Borntal

„Atomkatastrophe vor 32 Jahren  –  Die Kinder von Tschernobyl“

„Werden sie in einem Jahr noch spielen?“

„Tschernobyl-Kinder brauchen dringend chemotherapeutische Behandlung“

In der „taz. die tageszeitung“ wird am 14. März 1996 auf Termine zum 10. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl hinweisen; u.a. auf „16.3. Salzgitter-Lebestedt, 17.3. Bad Sachsa: Rock-Requiem „Die Kinder von Tschernobyl“ Info: Kontakte Musikverlag, Koltackerweg 26, 59558 Lippstadt, Tel.: 02941/6582,86, Fax: 02941/658287″. Bereits 1991 fand die Uraufführung dieses Rock-Requiems „Die Kinder von Tschernobyl“ statt, das auf 200 Aufführungen kam. Auf Einladung des Ministerpräsidenten Johannes Rau war der deutsche Kinderliedermacher Reinhard Horn mit seiner Gruppe in Minsk (vgl. Wikipedia,  https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Horn, 05.01.2024).

In der „Süddeutschen Zeitung“ wird am 17. Mai 2010 (sic!) der Bad Sachsaer Einwohner zitiert im Artikel
„20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe,
TSCHERNOBYL – WO LIEGT DAS EIGENTLICH?“ :

Carsten Salander, 72, Bad Sachsa, Kernphysiker, Ex-Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen

Es gibt eigenartige Zufälle: Genau am Tag des Reaktorunglücks haben wir mit einem Siemens-Konsortium den Vertrag zum technischen Bau der WAA Wackersdorf unterzeichnet. Es war wie ein Omen. Wir haben ja vom Störfall erst Tage später erfahren. Zwar bin ich heute noch der Meinung, dass ein Unfall in dieser Form bei uns nicht passieren kann. Doch auch uns Kernphysiker hat das Ereignis bestürzt. Bei den radioaktiven Auswirkungen war schnell klar, dass es sich um das bis dahin schlimmste Reaktorunglück handelte. Wir wollten verstehen, was da physikalisch abgelaufen sein könnte. Über den Reaktortyp war ja im Westen praktisch nichts bekannt. Ich habe deshalb mit Kollegen in England telefoniert, die Erfahrungen mit Graphitreaktoren hatten. Nach und nach mussten die Sowjets Details preisgeben. Da war unser Entsetzen über die Konstruktion und die grobe Fahrlässigkeit der Reaktormannschaft noch größer.

Kinder aus Weißrussland besuchen Bad Sachsa
Viel Spaß im Spaßbad

Mittlerweile ist es schon zur schönen Tradition geworden, dass das Salztal Paradies Bad Sachsa jedes Jahr 20 Kinder und Betreuer aus der Region Gomel einlädt. Diese liegt in Weißrussland unweit der Stadt Tschernobyl.
Seit über 20 Jahren organisiert die Dritte-Welt-Initiative Nordhausen bereits Ferienaufenthalte für Kinder aus dieser Region, die von unzähligen freien Helfern erst ermöglicht werden.
Bei einem dreistündigen Badevergnügen haben die Kinder die Möglichkeit den Sorgen des Alltags zu entfliehen. Alle Kinder genossen sichtlich den Besuch im Salztal Paradies und werden zu Hause jede Menge über die tollen Tage in der Region zu berichten haben.

Der Geschäftsführer der Bädergesellschaft Bad Sachsa, Martin Völz, freut sich über so viel Anklang und würde sich freuen, auch im nächsten Jahr wieder helfen zu dürfen.

[29.07.2019 Harzkurier 15.07 Uhr online]
[Foto © Bädergesellschaft Bad Sachsa | Theresa Kirchner]

2024: „So weit ist es bis zum nächsten Kreißsaal“

Durch die Abschaffung der kinderärztlichen Versorgung im Borntal sind die Wege weit geworden. Eine weitere Verschärfung erfolgte duch die Schließung der Geburtsstation und der Gynäkologie im Krankenhaus Herzberg.
Der Harz Kurier fasst es am 06.07.2024 wie folgt zusammen:


ab 2000:
Auch hier übernimmt der Tourismus die Regie


[Nützenadel: Verzeichnis der Heime 1945-1989:
Kinderkrankenhaus IM BORNTAL
Früheste Erwähnung: 1956
Träger: Diakonissen-Mutterhaus Kinderheil, Bad Harzburg, Innere Mission.
Vertragspartner: Vertragsheim der LVA Rheinprovinz (1977).
Zielgruppe: 60 Kleinkinder, 80 Schulkinder, 30 Jugendliche, 10 Erwachsene; Schulkinder, Jugendliche, männlich und weiblich (1968), Bettenzahl: 180 (1977)
Quellen: Folberth 1964, S. 158, Folberth 1956, S. 121;
VDR 1977, S. XII/67f;
Kubale 1968, S. 47]