Abwasser
1901 wird im Stadtgebiet mit dem Bau einer Kanalisation begonnen
[Horst Möller, a.a.O]
In der ZEITUNG für den HARZ kann man am 11.08.1904 lesen:
„Die Wohlhabenheit des Ortes hat die Anlegung einer Kanalisation ermöglicht.
Dadurch freilich, daß der Kanal unter dem Bette des durch den Ort gehenden Gebirgsbaches, der Uffe, angelegt ist, hat dieser Bach während des Sommers sein Wasser verloren, und wo einst helles, freundliches murmelndes Gebirgswasser Auge und Ohr erfreut hat, starrt uns jetzt graues, totes Steingeröll an; zudem machen sich an manchen Stellen des Kanals unangenehme Gerüche spürbar. Hoffentlich gelingt es der Stadtverwaltung, diese Uebelstände zu beseitigen. Es dürfte dies um so weniger Schwierigkeiten machen, da auch die Kommune als solche vermögend ist. Sie besitzt eine Wald von etwa 2.500 Morgen und ist in der Lage, nur sehr mäßige Kommunalsteuern zu erheben, ja sie ist imstande, ihren alten Bürgern alljährlich ein Quantum Brennholz unentgeltlich zu gewähren.“
„Klärteiche“
an den Seelöchern (zwischen Uffe sowie „Plantage“ und „Sachsenstein)
(o.J., Privatbesitz)
in ROT = KLÄRwasser
in BLAU = FRISCHwasser
in LILA = MÖNCH
Die seit 1931 geplante Kläranlage wird 1933 gebaut

„In den Jahren 1930/31 wurde in Bad Sachsa für ca. 2000 angeschlossene Einwohner eine mechanische Kläranlage mit nachgeschalteten Abwasserfischteichen (Gesamtfläche über 35.000 qm) erstellt.
Die sieben Teiche wurden in dem Wiesengebiet vor dem Sachsenstein (Ortsrand von Bad Sachsa) errichtet, wobei der unterste Teich (Teich 7) durch die Überstauung von dort schon vorhandenen tiefen Naturteichen entstanden ist.
Der Zulauf der Teiche wurde damals nicht allein durch den Ablauf der Kläranlage gespeist, sondern auch durch ein Zuleitungssystem mit Frischwasser vom Buchtgraben (Mischungsverhältnis: 1 Teil Schmutzwasser zu 5 Teilen Frischwasser)…„

[Lageplan der Gesamtanlage 1954. Bad Sachsa, den 17.7.1988. Mit KI aufgehübscht]
… Kurz danach, im Laufe der Jahre nach dem Krieg, wurde die Kläranlage allerdings allmählich für die inzwischen angewachsene Bevölkerungszahl (ca. 6000 Einwohner) zu klein. Besonders die großen Mengen an Fremdwasser bereiteten der Abwasserreinigung der Stadt große Probleme.
Bis dahin wurden die im Lageplan von 1954 dargestellten Teiche noch als Fischteiche genutzt und von der Stadt Bad Sachsa als solche verpachtet. Im Jahre 1956 stellte sich heraus, daß der Abfluß der Kläranlage bedeutende Mengen schlecht ausgefaulten Klärschlamms enthielt.
In Folge der ungenügenden Wirkungsweise der Vorklärung hatten sich die Teiche am Sachsenstein über die Jahre hinweg mit großen Mengen von Faulschlamm angefüllt, welcher bis zu einer Mächtigkeit von 1,50 m entstand und u.a. auch die Zuleitungen teilweise verstopfte.
Im Laufe der nachfolgenden Zeit machten einige Fischsterben in den oberen Teichen (Teich 1 bis 6) die Ausübung der Fischerei und einen Neubesatz unmöglich. Die Anlage verfiel dann mehr und mehr. Im Jahre 1960 drangen infolge eines Dammbruchs die kaum geklärten Abwässer auch noch in das Seeloch (Teich 7) ein und vernichteten dort fast den gesamten Bestand an Lebewesen und viele der dort vorkommenden Pflanzen.
An Stelle einer vorher vielzahlig vorhandenen Flora und Fauna stellten sich Bisamratten in erheblicher Anzahl ein und ein Schwefelgeruch umgab das sterbende Gewässer…. Damit waren zu dieser Zeit die nachgeschalteten Abwasserfischteichanlagen nahezu außer Funktion..
Eine Renaturierung … wurde damals stadtseitig erwogen… tatsächlich wurde später nur noch einer der sieben Teiche vom Schlamm geräumt und die Gesamtanlage ab 1969 allmählich aus der Nutzung genommen, da bis 1971 der Neubau einer mechanisch-biologischen Sammelkläranlage für die Stadt im Ortsteil Neuhof erfolgte.
In dieser Zeit fanden sich einige an der Fischerei interessierte Bad Sachsaer Bürger zu einer Sportfischereigemeinschaft zusammen und pachteten den gesamten Komplex zum Zweck einer zukünftigen fischereilichen Nutzung.“
Text + Grafik: Peter Lehmann: „Biologischer Wasserbau: Ausarbeitung über die Renaturierung von Schönungsteichen“ 1988
[Lageplan der Gesamtanlage (1954), Maßstab 1:2500]
Offensichtlich haben sich die Klärteich geklärt:
denn seit spätestens 2016 ist der Biber zurück



[18.04.2016 Gewässerschau des Bode-Zorge-Verbandes, 3 Fotos: R. Boehm]
Aber zurück zur Kläranlage:
Der Ausschnitt des oben bereits gezeigten Lageplanes aus 1954 zeigt zwischen der Bahnhofstraße und der Sachsensteinstraße mittig die „Sammelkläranlage“, deren Zuführungen im „Regenwasserkanal“ sowie „Schmutzwasserkanälen“. Aus der „Sammelkläranlage“ führt Richtung Neuhof die „Zuleitung zur Nachklärung“ zu den Teichen.

Bürgermeister Daniel Quade auf Facebook 15.11.2024
Die Sitzungsperiode ist beendet – Hier der erste Teil der wichtigsten Beschlüsse des Rates der Stadt Bad Sachsa vom gestrigen 14.11.2024:
Beiträge, Gebühren & Kosten für die Abwasserbeseitigung:
Gebühren werden für einen Zeitraum von 3 Jahren kalkuliert & müssen am Ende kostendeckend sein. Ist ein Überschuss da, muss dieser an die Bürger zurückgegeben werden.
Zum 01.01.2022 wurde u.a. aus diesem Grund die Gebühr von 2,95€ auf 2,60€ pro Kubikmeter gesenkt. Für den neuen Kalkulationszeitraum muss ab 01.01.2025 die Gebühr auf 3,05€ erhöht werden.
Hintergrund sind u.a. die anhaltend hohen Strompreise für die Kläranlage & gestiegene Aufwendungen im Kanalnetz. Allein die Stromkosten haben sich mehr als verdreifacht.
Gebühren für die Wasserversorgung:
Ab 01.01.2025 erfolgt die Trinkwasserversorgung öffentlich-rechtlich.
Alle bisherigen Aufgaben in Zusammenhang mit der Wasserversorgung, werden unverändert von unseren Stadtwerken fortgeführt.
Für den dreijährigen Kalkulationszeitraum vom 01.01.2025 bis zum 31.12.2027 ergibt sich so ein Wasserpreis von 2,60€ netto (vorher: 2,24€).
Hintergrund sind u.a. die rund 3,5 Mio. Euro-Investition in unsere Talsperre Steina & die jährlich hohen Investitionen, die in den kommenden Jahren für ein zukunftsfähiges Trinkwassernetz unabdingbar sind.
Die zwei größten Vorteile für diese Entscheidung sind folgende:
. Unsere Trinkwasserversorgung bleibt in unseren eigenen Hände, wir bleiben autark & schaffen die Grundlage dafür, dass das auch noch Jahrzehnte so bleibt,
. Wir sorgen für moderate und planbare Preise. Diese bestimmen wir durch unsere 3-Jahres-Kalkulation selbst. Maßgebend für den Preis ist jedoch, wie viel & wie gut wir die Trinkwasserversorgung für unsere Heimat durch stetige Investitionen ausbauen.
Kurze Info am Rande: Deutschlandweit gibt es in der Spitze bereits vereinzelt einen Trinkwasserpreis von über 7,-€ pro Kubikmeter.
Morgen folgt der zweite Teil der wichtigsten Ratsbeschlüsse
Ihr & Euer Daniel Quade Von euch – FÜR EUCH