Am Kurpark 1-3

„Schützenhaus 1860“, signiert WF [Zeichnung, wohl Walter Frind sen., wohl um 1910. Für das Wintersport- und Heimatmuseum Bad Sachsa erhalten von Manfred Berger]
1878 – „Schützenhaus in Sachsa a/H 17. Febr. 1878 – 17. Juni“.
[CDV, 03.09.2023 auf EBAY angeboten gewesen]

„Eine besondere Bedeutung für das gesellige Leben des Kurortes hatte von jeher das heutige „Schützenhaus. Die ersten Anfänge des Hotels liegen weit zurück. Bereits im 17. Jahrhundert bestand das Schützenhaus als Gaststätte, dann wurde es Försterwohnung. Im Jahre 1842 erhielt der damalige Förster die Erlaubnis, unter den noch heute vor dem Haus stehenden Linden einen Ausschank einzurichten. Der Aufstieg des Hauses von einer einfachen Waldschänke zu dem heutige modernen Hotel beginnt um das Jahr 1870…“
[Richard Hallbauer, Bd. III, S. 140 ff]

Über der Veranda ist zu lesen „Hôtel / Schützenhaus / Frind“.
Betitelt ist diese frühe Ansichtskarte „.Hotel Schützenhaus   Bad Sachsa.“
1893 geht diese seltene Lithographie an Herrn Professor H. Fischer
(genauer Friedrich Wilhelm Hermann Fischer, geb. 1840 in Rödermühle/bei Osterode am Harz–1915). Dieser war ein bedeutender deutscher Maschinenbauingenieur und Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Hannover (heute Leibniz Universität Hannover), bekannt für seine wegweisenden Vorlesungen zur Fabrikanlagenplanung und -konstruktion ab 1877, was die Gründung des heutigen Instituts für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) maßgeblich prägte. (mehr auf Wikipedia)
[1893, Ansichtskarte/Lithographie. Slg. Ralph Boehm]
  • 1732: Seit 1732 ist vor Ort ein Forsthaus bekannt, welches schon an der Stelle stand, wo heute [2026] „Goebel`s Vitalhotel“ steht.
  • 1865: August Frind [gest. 1886] kauft dieses Haus, welches er, um dem wach-senden Fremdenverkehr zu genügen, von der Waldschänke zum kleinen Hotel ausbaute.
  • Inzwischen hatte auch der Schützenhauswirt August Frind eine Veranda an der Ostseite des Hauses angelegt, sowie einen Tanzsaal angebaut. Im Jahre 1878…
  • 1882/1884: In dieser Zeit übernahm sein Sohn August Frind [jun.],
  • 1888: … der dann 1888 den Saal,
  • 1890: … das Parkhaus und
  • 1898: … das Lindenhaus anbaute. Das alte, mehrfach umgebaute Forsthaus wurde 1904 abgerissen und dafür
An der Stelle des heutigen „Göbel‘s Vital Hotel Bad Sachsa“ stand seit 1732 das Sachsaer Forsthaus. Es wurde 1825 erneuert, dabei vergrößert und nahm zugleich das „Schützenhaus“ auf. Ab 1842 durfte der Stadtförster am Haus „unter den Linden“ einen Bierausschank betreiben. Geschossen wurde durch den heutigen Kurpark auf Scheiben, die man am Damm des Schmelzteiches aufstellte. 1889 wurde das Schießen wegen Lärmbelästigung in das Ostertal verlegt.
„Eigene Jagd und Fischerei. Aug. Frind.“ [1900]
  • 1904/1905: das Hotel Schützenhaus errichtet.
  • 1905: Bereits am 05.05.1905 konnten im neuerbauten Schützenhaus die ersten Gäste einziehen
Hôtel Schützenhaus [1904, AK: Slg. R. Boehm]
1904, vmtl. zur Einweihung des Hotels [Foto, Slg. R. Boehm]
In allen drei Rundbögen sind Fenster verbaut.
1905/1906 [AK: Slg. R. Boehm]
Hotel Schützenhaus mit Parkhaus und Lindenhaus, Bad Sachsa, Glanzpunkt des Südharzes.
[1906, AK vs+rs: Slg. R. Boehm]
Die Gäste wurden mit dem Pferdefuhrwerk vom Bahnhof abgeholt.
Zu Essen gab es reichlich, täglich wechselte das Menu-Angebot.
1914. Vor dem Schützenhaus: Das Cabriolet ist zur Ausfahrt bereit.
[Foto: Slg. R. Boehm]

Mehr Informationen zu diesen
Ausfahrten siehe unter

Hindenburgstraße 8
Hindenburgstraße 9

  • 1933: Kurhotel Schützenhaus [Buch „DER KREIS OSTERODE AM HARZ)
  • 1935/1936: Kurpark 1-3: Hotel Schützenhaus. August Frind. 205.
    1935/1936: Kurpark 1-3: Kurhotel Schützenhaus. August Frind. 205.
    [beide Einträge: Einwohnerbuch 1935/36]
  • ca. 1940-1945: Technische Entwicklung der Dynamit AG [Troisdorf/Köln),
    aufgelöst spätestens im Juli 1945
  • 1945/1947: „Ende des Krieges waren dort Teile des OKH, soweit ich gehört habe, zu der Zeit war ich noch an der Flag bei Emden. Nach dem Kriege Standort der englischen Besatzung“; von der Militärregierung beschlagnahmt [Brief 07.11.1947 und Herbert Lemmer auf Facebook in 2022]
  • 1947: Am Kurpark 1-3: Verpachtung des Hotels zu seinem größten Teil an den Reichsbund für Körperbeschädigte, Sozialrentner und Hinterbliebene
    [Brief 07.11.1947]
  • 1948: Am Kurpark 1-3: Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Nachkriegssituation wurden 1948 zunächst das Linden- und das Parkhaus genutzt.

Nach dem II. Weltkrieg war auch Papier kostbar. Die folgende Karte ist auf sehr dünnem, einfachen Papier gedruckt [und dementsprechend leider auch sehr anfällig für Beschädigungen. Postkarte, 1951 genutzt, Slg. R. Boehm] 

Kurhotel Schützenhaus
(20b) BAD SACHSA (Südharz)
(Brit. Zone)
AUGUST FRIND
Fernruf 205
Speisenfolge
am  9. Juni 1951 Hochzeitsfeier des Brautpaares
Gelfort – Heberling

Ochsenschwanzsuppe / Forelle blau mit geschlagener Butter / Rehrücken
auf Försterin Art / Eisbombe mousseline

  • 1953: Am Kurpark 1-3: „Seit einigen Tagen weilt die jetzt in Hamburg wohnende Witwe des anläßlich des 17. Juni 1953 in Ostberlin von den Russen erschossene Willi Göttling mit ihren Kindern als Gäste des Reichsbundes im Reichsbund-Erholungsheim Bad Sachsa. Mit ihr zugleich traf ein Spätheimkehrer aus Hamburg, der 11 ½ Jahre unter den allerschwersten Bedingungen in Kriegs-gefangenschaft weilte und zum Tode verurteilt war, mit seiner vierköpfigen Familie im Reichsbunderholungsheim, wo auch sie einen kostenlosen Erholungsurlaub verleben.“ [OKA 20.10.1953]
  • 1958: Am Kurpark 2: Erholungs- und Genesungsheim: Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. Zimmer mit Fließ-wasser, Bad im Hause. Nur für Mitglieder, 37 Zimmer, 86 Betten [Prospekt 1958]
  • 1961: an den Reichsbund verpachtet und im Oktober 1961 das ganze Hotel an diesen verkauft [Gunter König: Bad Sachsa. Vom Bauernstädtchen zum Kurort, 1988]
Wiedereröffnung im April 1985 [HK 01.11.1983]
  • 1985: Abschluß einer grundlegenden Sanierung des Reichsbund-Erholungs-heims [in Verbindung mit einem optisch gelungenen Neubau des Seitentraktes]
    [750 Jahre BAD SACHSA]
  • 2009: Am Kurpark 1: „Seit 2009 ist es ein Best Western Hotel, vorheriger Betreiber und Eigentümer war die meravis Hotelbetriebsgesellschaft mbh aus Hannover, eine Tochter des Sozialverband Deutschland (SoVD)“
    [www.goebel-hotels.com]
  • 2014: Am Kurpark 1: Die Göbel Hotelgruppe erwirbt zum 01.01.2014 das Best Western Premier Vital Hotel, Direktor ist Maik Krüger; 37 Mitarbeiter, 60 Gästezimmer; im angrenzenden Appartemenhaus 12 Ferienwohnungen [www.goebel-hotels.com]
  • 2014: „Hotel Bar FRIND`S [Werbebanner am Park, Hindenburgstr. 10 [01-2014]
  • 2015: Gerd Göbel plant… ein Schwimmbad mit Außenliegewiese und einen Verbindungsgang zum Appartementhaus mit 12 Wohnungen [05-2015]; man kauft von der Stadt den Verbindungsweg von „Schmunzels Brücke“ zum Vitalpark und reißt die alten Bretterbuden des Kurbetriebes genauso ab wie den alten Eiskeller [von diesem steht wohl noch ein Teil]. Das Stromhäuschen der Stadtwerke soll/muss stehen bleiben.
  • 2018: Am Kurpark: Entgegen allen Absprachen mit Bau- sowie Forst-Ausschuß läßt Göbel alle Bäume zwischen seinem Haus und der Uffe fällen.
  • 2018: Anteil an den ca. 290.000 Übernachtungen in Bad Sachsa:
    Romantischer Winkel: 35.000
    Göbel`s Vital Hotel: 28.000
    Landal: 103.000 [Quelle: Stadt Bad Sachsa]
  • 2022: Eine Etage wird bei der ehemaligen Remise aufgestockt [Goebel auf Facebook 17.03.2022.

Vom Forsthaus zum 4*plus-Hotel

Das „Göbel‘s Vital-Hotel“ in der Hindenburgstraße (Am Kurpark 1) hat eine interessante Geschichte. 

1865 wurde das Gebäude von August Frind übernommen, der es zu einem kleinen Hotel ausbaute. Sein Sohn August Frind junior nahm 1888 (Saal), 1893 (Parkhaus) und 1898 (Lindenhaus) nach Plänen des Nordhäuser Architekten Habermann Erweiterungen vor. 

Der Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg war mühsam, weswegen bereits 1948 das Linden- und Parkhaus an den „Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen e.V.“ (heute Sozialverband Deutschland SoVD) verpachtet wurden. 1961 wurde das komplette Hotel vom „Reichsbund“ als Erholungsheim übernommen – eine späte Parallele übrigens zu „Eulings Wiese“, wo das gleichnamige Berghotel von August Dreger allerdings schon im Jahre 1907 auf den „Gemeindebeamtenbund“ als Erholungsheim überging. Unter der Regie des Reichsbundes, der hier zeitweise bis zu 140 Erholungssuchende unterbrachte, wurde 1983-85 der Seitentrakt (früher Lindenhaus und Parkhaus) durch einen Neubau ersetzt.     

Heute ist das „Reichsbundheim“ wieder Hotel. Und ein wahrhaft prächtiges Gebäude, oder nicht? Es fällt angesichts eines solchen Baus nicht schwer, sich in die Bad Sachsaer Hotelszene des ausgehenden 19. Jahrhunderts hinein zu denken, in welchem in ambitioniert gestalteten Häusern mit prächtigen Namen eine Menge Personal sich um die erholungssuchenden Gäste bemühte.