Bahnhof Neuhof + Tettenborn

[„Diese beiden Häuser stehen heute in Tettenborn als Wohnhäuser“, mdl. Burkhard Schmidt]
Infrastruktur erzeugt „Traffic“
Im Jahr 1869 fuhr zwischen Herzberg und Nordhausen der erste Zug.
Bad Sachsa ging vorerst leer aus, die nächstgelegenen Bahnhöfe waren Tettenborn, später „Tettenborn-Sachsa“ genannt, und Walkenried.
Aus topographischen Gründen und weil das Königreich Preußen und das Herzogtum Braunschweig sich auf eine entsprechende Linienführung geeinigt und dies per Staatsvertrag besiegelt hatten, führte die Strecke hier entlang, überbrückte die Uffe-Niederung mittels eines beachtlichen Dammes und verschwand dann im Einschnitt des Sachsensteins.

[Rechung an die „Liedertafel“. Slg. R. Boehm]
Bahnhof Tettenborn, seit 1869 [*1869 – †1969]
Einige Hotels boten ihren Gästen die Abholung am Bahnhof Tettenborn und später am Bahnhof Bad Sachsa mit eigenem Fuhrwerk an. Das war auch nötig, denn hätten die Gäste laufen sollen, wäre ihre Begeisterung für Bad Sachsa sicher weniger groß gewesen. Beamte, so ist es im damaligen Fahrplan vermerkt, durften sich bei Dienstreisen ob der weiten Wege ab „Tettenborn-Sachsa“ ein Fuhrwerk bestellen und dies dann auch abrechnen…
Nach 100 Jahren wird das Empfangs- und Schaltergebäude inkl. Bahnhofsgaststätte 1969 abgerissen (vgl. Burkhard Schmidt)

Bahnhof Bad Sachsa in Neuhof, Baujahr 1896
Der lange Kampf der Sachsaer um einen eigenen Bahnhof wurde schließlich 1896 belohnt, als auf Neuhöfer Gemarkung eine Haltestelle „Sachsa“ in Betrieb ging.
Trotz der etwas abseitigen Lage wurde die Station – mangels Weichen übrigens offiziell immer nur ein „Haltepunkt“ – zum Verbindungspunkt Bad Sachsas mit der großen weiten Welt. In „Richters Reiseführer“ vom Harz ist für das Jahr 1912 festgehalten, dass die Post dreimal täglich zum Bahnhof und zurück transportiert wurde . Fünfmal täglich verkehrte eine Personenpost zum Preis von 30 Pfennig zwischen der Stadt und dem Bahnhof. „Hotelomnibusse, die immer in genügender Zahl vorhanden sind“, kosteten 50 Pfennig, für „Extrawagen“ wurden 2 bis 3 Mark
fällig. Mit Omnibus ist hier noch ein Pferdefuhrwerk gemeint, später übernahm aber ein richtiger „Kraftomnibus“ diese Verbindung…
[Fortsetzung weiter unten…]
Rechts:
Hotel Warteberg
Hôtelwagen am Bahnhof „Bad Sachsa“ zu jedem Zuge.“
Fr. Beiermann.





Bahnhofs=Restaurant
am Sachsenstein.
Prächtige Aussicht auf das Gebirge.
Reine Weine
ff. Biere u. Kaffee.
Aug. Wiedekind
[1904. Kurliste]


[Fortsetzung von weiter oben] …Am 29. September wurde der Güterbahnhof eröffnet, wo nunmehr Wagenladungen abgefertigt werden konnten.
Die Gipsindustrie in Neuhof und Brennstoffhändler in Bad Sachsa waren die wichtigsten Kunden. 1989 wurde der Güterbahnhof, dessen Waggons immer über Walkenried zugeführt und auch nach dorthin abgeholt wurden, wieder aufgegeben und zurückgebaut. 1990 wurde Bahnsteig in Richtung Nordhausen auf die andere Seite der Schranke verlegt. 1996 erfolgte der Ausbau des Vorplatzes zu einer Park- & Ride-Anlage. Aktuell (2015) halten in Bad Sachsa 17 Züge in Richtung Nordhausen und ebenso viele in Richtung Northeim und Göttingen, und zwischen 15 (an Schultagen) und 3 (an Sonntagen) Omnibusse pro Richtung verbinden Bahnhof und Stadt.“

(Zu einer gleichen Postkarte heißt es auf Facebook am 27.07.2020 [„Trecker Melli“]:
„Links das Haus von Günther Pfeiffer`s Eltern,
rechts Bahnwärterhäuschen von Opa Willi Schrader mit 3 Jungs + 3 Mädels“.
1914: Viele von diesen Sachsaer Bürgern kamen nie zurück….

[2 Fotos: Slg. R. Boehm]



1930: PS ersetzen Pferde-Stärken


Circa 1940: Viele von diesen Sachsaer Bürgern kamen nie zurück….
„Erst siegen / dann reisen“
„Räder müssen rollen für den Sieg!“


Diese Gedenktafel, ehedem in der St. Nikolai-Kirche, hängt heute im Wintersport- und Heimatmuseum Bad Sachsa [Foto: R. Boehm]


rechts:
Bahnhof
Tettenborn – Sachsa ?
[BSN 07.09.1959]

Circa 1960,
Bahnhof Tettenborn,
[Thomas Wegener auf Facebook am 19.6.2022]
Unten:
Oberbahnhofsvorsteher i.R. Adolf Schmidt im Alter von 80 Jahren
[BSN 07.01.1961]


„Hier wurde am 1. Dezember 1869 der Bahnhof Tettenborn-Sachsa eingeweiht.
In Spitzenzeiten waren hier 15 Bedienstete beschäftigt, um täglich bis zu 130 Züge zu bewältigen. War es anfangs Personen- und ländlicher Güterverkehr, so ent-wickelte sich der Raum schnell zu einem Industriestandort samt Wendeschleife und drei Speditionsbetrieben. Umgeschlagen wurden Brennstoffe, Holz, Dünger, Pflastersteine, Gips und Agrarprodukte.“
„1944/45 wurde der Bahnhof mit westlich angrenzender Baustelleneinrichtungs-fläche, Umladerampen und Abzweig einer Feldbahn örtlicher Ausgangspunkt für den Bau der Umgehungsbahn Osterhagen-Nordhausen, der Helmetalbahn. Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und SS-Personal prägten das Bild der Baustellen.
Mit dem Rückgang des Personen- und Güterverkehrs, insbesondere infolge der deutschen Teilung kam 1969 der Abriss des Fachwerkbaus und am 29. Mai 1976 hielt hier der letzte fahrplanmäßige Personenzug.“
[Text: Auszug Karstwanderweg de]

Bad Sachsa hat erst seit 1972 einen Bahnhof !
Denn zu diesem Zeitpunkt sind Tettenborn und Neuhof (wie auch Steina) eingemeindet worden.
1983. Bahnhof Bad Sachsa zu verkaufen [BSN 18.08.1983]

Der Bad Sachsaer Bahnhof in Neuhof ist zum 1. Februar an Privatleute verkauft worden. [BSN 03.02.1989]

Nun steht fest, daß zumindest ein „Haltepunkt“ bestehen bleibt.
[BSN Februar 1989]:





„Der Bürgermeister der Stadt Bad Sachsa, Dr. Axel Hartmann, über-brachte dem Ortsrat in seinem Bericht erfreu-liche Nachricht: Die Renovierung des maroden Bahnhofs-gebäudes werde in naher Zukunft in Angriff genommen. Die Eigen-tümerin investiere eine hohe Summe, um das Gebäude wieder in einen guten Zustand zu versetzen.“

[HK 19.01.2017]