RECHTE DER SCHMERLs: 3. Braurecht



Hier also die Vorgeschichte zur
Brauerei Sachsenstein.
Zur Arbeit der Gebrüder Kellner finden Sie ausführlich hier in der

Brauerei Sachsenstein

BIER BRAUEN – aber der Reihe nach

Braurecht besaßen in der Stadt Sachsa natürlich wie andernorts diverse Häuser. Gebraut selbst wurde aber nicht dort, sondern in hierfür geeigneten Räumlichkeiten. Diese befanden sich zwischen dem Rathaus in der Marktstraße und dem Gebäude Uffestraße 1, also unter Kontrolle des Rates. Das „Reihebrauen“ wurde bis um 1840 betrieben. Damit ist gemeint, dass jedes Haus mit Braurecht irgendwann an die Reihe kam und dann sein Bier in jenem Gebäude braute. Das städtische Brauhaus wurde 1841 verkauft.

Das Brauhaus ist auf dem Gelände der heutigen Uffestraße 1 /Markstraße 10 gelegen

Vor 1853 galt für das Stadtbrauhaus die Adresse „Haus Nr. 210 in der Marktstraße“ (rückseitig des Rathauses gelegen).
Ab 1853 galt für das Stadtbrauhaus die Adresse „Haus Nr. 12 in der Marktstraße“, (rückseitig des Rathauses); handschriftlich ist in der Liste ergänzt „abgebrochen“

Das Brauhaus + das Braurecht

Bestand im StABS
(zusammengestellt von Anja Danneberg und Ralph Boehm, Juni 2016)

1647
„Es ist aber alhier so beschaffen, es ein Jedweder das recht hat zu brauen, und man keine gewiße brauhäuser hat, aber wer brauet muß mehr geben in der contribution alß wer nicht brauet, und steiget und felt daßelbe weil ist kriegs weiße“ [Kriegsweise]

(StABS 1.q.1: Flurregister von 1647)

  •  StABS IV.e.1: Brauordnung der Stadt Sachsa 1671 – 1752 
  •  StABS IV.e.2: Brauwesen und Einrichtungen 1714 / 1722 
  • StABS IV.e.3: Anlegung eines Braukellers 1730 / 1736 
  • StABS IV.e.5: Braurechnung mit Ellrich 1752 
  • StABS IV.e.6: Verkauf von Braugerechtigkeit 1753 
  • StABS IV.e.7: Abbrauung der Verlose auf dem Aschenhofe 1754 
  • StABS IV.e.9: Protokolle der Braulose 1758 / 1759 
  • StABS IV.e.11: Verordnungen über das Brauwesen 1765 / 1766 
  • StABS IV.e.15: Allgemeines Inventar des Brauhauses 1819, Rechnungen über Böttchergeld 1804 / 1828 usw.
[Ausbau des Rathauses, StABS XII.I.6]
Situations=Plan Nord
Städtisches = Brauhaus
Gemiesegarten
Spritzen
haus
Gemiesegarten

Schweineställe
Pferdestall ….haus Holz
Hofraum

Rektor
Schule Gefängnis 1 2 3

Rathaus

Marktstraße
Süd


[Ausbau des Rathauses, StABS XII.I.6]

Gemiese=Garten
Kegelbahn

Rathausgasse N2 An den Ort der Schweinestelle ,……
… Gegangenen Wärter=Wohnung und
zwar….gestellt werden können.

Das Brauereiwesen in Bad Sachsa

1752

gab sich der Verein der 72 brauberechtigten Bürger [Anm.: Holz- und Braurecht klebten am Grund/Boden] eine neue Satzung mit einem Braudirektorium an der Spitze.

1833

gehörten diesem folgende Bürger an: Stecher Euling, Lautenbach, Steinicke und Picht .
Die Aufgaben waren:

  1. die durch Los bestimmte Reihenfolge des Brauens einzuhalten
  2. beim Magistrat Anträge auf die Erhöhung oder Herabsetzung der Getreidepreise zu stellen, somit auch den Bierpreis festzulegen. Damit sollte den Erzeugern und Verbrauchern gleichermaßen gerecht werden.
    Die technische Leitung hatte Braumeister Seidenstücker. Ihm zur Seite stand die Braumagd Witwe Wentzel. Es wurde besonders darauf geachtet, dass die Zutaten in gehöriger Menge und Güte verwendet wurden.. Von jedem fertig gebrauten Bier wurde eine Probe genommen und verwahrt. Dann durfte das Bier verkauft werden. Hätte man das Bier nachträglich verdünnt, hätte es mit der Probe verglichen werden können.

1831

gibt es eine Aufstellung, aus dem der Überschuss des „Reihebieres“ erkennbar ist.
Die Ausgaben für:

Weizen, Gerste, Brauabgabesteuer, Beköstigung und Braulohn, Holz, Öl, Gewerbesteuer (!), Brauschoß, Hefe, Botenlohn, Hopfen, Schroten, Malzrösten, Salz, Böttchergeld, Braulos   =   114 Reichsthaler, 28 Groschen, 9 Pfennig
Einnahmen für 56 Tonnen Bier:
je Tonne 2 Reichsthaler, 2 Groschen, 6 Pfennig
somit gesamt 116 Reichsthaler, 20 Groschen, dazu für Treber und Konvent (Dünnbier) =  1 Reichsthaler, 10 Groschen, zusammen 118 Reichsthaler.
Als Verkaufspreis wurden festgesetzt:
für 1  Quart  =  1,15 ltr    8 Pfennig,
für 1 Tonne zu 100 Quart 2 Reichsthaler, 6 Groschen und 8 Pfennig.

1833

Seit dem 19. September 1833 wird von der Familie Kellner Bier gebraut. Der Sattlermeister Wilhelm Kellner erhält die Genehmigung, in der Marktstraße 49 „Gasthaus Zur Krone“ Bier zu brauen. Zum selben Zeitpunkt wird das Reihebrauen eingestellt worden sein.

[Zum Teil entnommen dem Göttinger Tageblatt/Bad Sachsa Nachrichten
vom 21/22. September 1957,
neu zusammengestellt von Horst Möller, Goethestraße 12, 37441 Bad Sachsa]

„RATHAUS UND GERICHT // ANNO 1728“
Der „große Brand“ , am 2. April 1718: „…damals brannten innerhalb zwei Stunden die nördliche Seite der Marktstraße mit dem kaum vollendeten Rathaus (Haus Nr. 209) und sämtliche Akten und dem Hofrat Röpenack`schen Freigut…“. Der Schaden belief sich auf für die damalige Zeit hohe Summe von 15090 Taler. Das Rathaus und das Freigut waren z.B. mit je 800 Taler, die abgebrannten Bürgerhäuser mit 25-500 Taler bewertet (BSN, 04.04.1918). 1728 konnte der NEUBAU nach alten Unterlagen wieder gerichtet werden, und zwar an selber Stelle“ (Haus Nr. 209).

„RATHAUS UND GERICHT / ANNO 1728“
Dieser Türsturz ist neueren Datums und wurde erst später in das Haus Uffestr. 1 verbaut. Insbesondere hat das Brauhaus eben genau hier gestanden

Noch eine Notiz zum Schluß:

Irgendwie ist hier doch jeder mit jedem verwandt [pardon! …jede mit jeder verwandt]; dazu hier noch eine Abschrift aus unserem Stadtarchiv [StABS IV.a.8.] betreffend der „Familiengeschichte: Friedrich Wilhelm Wiedemann“:

„Wilhelm Wiedemann, Bürger, Brauherr und Ackermann, wohnhaft im Flecken (das ist die ältere Bezeichnung für die spätere Marktstrasße) über dem Rathause, ein Wittber unter 60 Jahre, hat sich den 15ten Martii mit Anna Catharina, sel. Steinhofs gebohr. Zeitzen, als Wittbe unter 45 Jahren allhier colpulieren lassen. Anno 1767. Mit der Grundstücks-Bezeichnung kann entweder das frühere Brauerei-Grundstück vor dem früheren Rathause, dem jetzigen Ratskeller, oder das Grundstück Marktstr. 15 (jetzt „Pitts Bierstuben“) gemeint sein. In beiden Grundstücken wurden früher gewerbliche Brauereien betrieben, die wahrscheinlich von der Stadt verpachtet wurden und die vor Wilhelm bereits von seinem Vater Adam (Wiedemann) pachtweise betrieben sein dürften. Deshalb erschien Adams Name nicht in der Liste der Grundstückseigentümer (Anm.: 1710, 1730, 1733).
Mit dem hier erworbenen Vermögen wird er dann um 1725 die Schenke in Clettenberg erworben haben, wo auch die weiteren 7 Kinder geboren wurden.
Nach Aufgabe der städtischen Pachtung übersiedelte sein Sohn Wilhelm in das Grundstück Schulstraße 3 – 4. Hier betrieben seine Nachfahren nur noch Landwirtschaft. Durch Einheirat der Familie Neumeyer ging das Grundstück später auf diesen Namen über.“