Bismarckstraße 1: Villa Nora

Der Rentier Coventes erbaut sich 1885/1886, „am Rande der Stadt“ ein für damalige Verhältnisse großzügiges Haus; das äußere Erscheinungsbild ist allerdings noch recht bescheiden.
In den Folgejahren wird es zeitweilig als Mädchenpensionat geführt:
[ob das Haus tatsächlich erst 1885/1886 erbaut wurde, oder aber bereits 1882 oder davor, ist noch nicht endgültig geklärt!]

Über Erfolge ist nichts bekannt – über Mißerfolge aber auch nicht!
[Kölnische Zeitung, 06.05.1882; Christiane Laurig auf Facebook am 28.12.2022]



Mehr Informationen zu Herrn Coventes
sind zu finden unter
Wohnhaus – Töchterschule – Privatvilla – Rathaus – Museum…?

[CDV, Fritz Hartung, Bismarckstr. 13. Nachlaß „Deibel“, StABS bisher ohne Nr.]

Bereits 1900 hatte sich in Sankt Petersburg im fernen Russland der millionen-schwere Holzindustrielle Louis Deibel mit seiner Familie auf den weiten Weg nach Deutschland begeben, da seine junge Frau das russische Klima nicht vertrug; Elisabeth, geb. von Fleckinger, war an den Bronchien schwer erkrankt und der konsultierte Arzt hatte Sachsa als den geeignetsten Ort für sie empfohlen.
Von der großen weiten Welt in St. Petersburg in das kleine dörflich geprägte Städtchen am Rande des Harzes.
Ein wenig Luxus soll es dann aber schon sein – oder besser:
Wenn schon – dann eben nur vom Feinsten!:
Man kam gerade zur rechten Zeit, um die Villa des Ziegeleibesitzers Conventes erwerben zu können. Der ebenfalls vermögende Schwiegervater, der Münchner Großkaufmann und Brauereibesitzer [auf Herrenchiemsee und die Fleckinger`sche Brauerei in Herzogenaurach] ließ es sich nicht nehmen, das zukünftige Haus zu bezahlen.
Um das Gebäude seinen gesellschaftlichen Ansprüchen anzupassen, ließ Deibel es zunächst durch die besten Kunst- und Handwerker im nordischen Stil umbauen und ergänzte es um eine Parkanlage [dem heutigen Stadtpark] mit Palmenhaus. Während der sechs Jahre dauernden Renovierung und Umgestaltung logierte die Familie im Hotel Schützenhaus [heute Vitalhotel Schützenhaus] und ging zum Essen regelmäßig auch in das Hotel Schröder [heute Schützenstraße 20].
Zur Hochzeit der Tochter Nora am 18.08.1910 wurde das Essen aus dem Berliner Hotel Adlon (sic!) nach Bad Sachsa gebracht…

[1910, Foto: Slg. R. Boehm]
Die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre und die kaufmännisch ungeschickte Hand des Schwiegersohnes ließen Deibel die nach seiner Tochter Nora benannte Villa 1929 an die Stadt Bad Sachsa verkaufen, die es seit dem als Rathaus nutzt.
Deibel starb 1933 in bescheidenen Verhältnissen und wurde posthum zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, eine Ehre die lediglich vier Sachsaer Bürgern zuteil wurde.
Der Internist und Kurarzt Dr. Ludwig Kirchhoff [Bad Sachsa], Kurausschuß-vorsitzender im Rat der Stadt Bad Sachsa (auch ehrenamtlicher Bürgermeister 1991 bis 1993), hält im Juni 1976 in einem maschinegeschriebenen Skript fest
[Slg. R. Boehm]:
„Das Rathaus im Stadtpark verdankt Bad Sachsa einer Erkrankung der Atmungsorgane, respektive dem unwirtlichen Klima Russlands. Die Gattin
des Gelsenkirchner Grandseigneurs Louis Deibel war es, die im Zuge der kaufmännischen Karriere ihres Gattin nach Osten verschlagen wurde und mit Kurzatmigkeit reagierte. Louis Deibel handelte sofort und etablierte sich im Heil-klima von Bad Sachsa. Aus einem bereits vorhandenen Bau entstand durch die üppige Lebensführung des Grosskaufmanns und elffachen Goldmarkmillionärs die Villa Nora. Leider verarmte Louis Deibel infolge etlicher Fehlinvestitionen, und die Villa fiel 1929 unter den Hammer. Die Stadt kaufte den Bau und richtete nunmehr dort das Rathaus ein. Louis Deibel starb übrigens noch eben rechtzeitig 1933.“
Reich und Arm…
Die Aktivitäten von Louis Deibel und seinem Schwiegersohn Ostermann im Südharz

Sachsawerke G.m.b.H. Fabriken für Leder-, Textil- und Holzbearbeitung, Bahnhofstr. 27 + 29
Bitte an den Magistrat um Weiterleitung des städtischen Wasserleitungshauptrohres, das derzeit am Grundstück Bahnhofstraße 27 endet, bis zum Grundstück Bahnhofstraße 29, um
eine moderne Feuerlöscheinrichtung schaffen zu können.
[15. April 1918, StABS]
Mehr Informationen finden Sie
zum Betriebsgelände
unter
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zu den unternehmerischen Aktivitäten unter
Von der Fabrikantenvilla zum Rathaus
Das heutige Rathaus ist eines der bemerkenswertesten Gebäude der Stadt, welches seine Entstehung dem Ruf Sachsas als Kurort mit guter Luft verdankt. Untrennbar verbunden mit dem Gebäude ist einer der größten Wohltäter der Stadt Bad Sachsa, der Unternehmer Louis Deibel.
Dass er einmal diese Rolle in Bad Sachsa spielen sollte, war Louis Deibel nicht in die Wiege gelegt worden. Diese stand inmitten des sich formenden Ruhrgebiets in Gelsenkirchen, wo er 1856 als Sohn eines Architekten geboren wurde. Seiner kränkelnden Frau wegen wurde ihm um die Jahrhundertwende in St. Petersburg, wohin es ihn schon in jungen Jahren verschlug und wo er mit Holzhandel reich wurde, ein Umzug nach Sachsa empfohlen. Sein Schwiegervater, der bayerische Bierfabrikant von Fleckinger aus München, erwarb 1901 für ihn das seit 1892 leer stehende Haus und Grundstück des Ziegeleibesitzers Carl Coventes. Das Haus ließ Deibel für sich und seine Familie bis 1905 zur nach seiner Tochter so benannten „Villa Nora“ umbauen (in der Zwischenzeit wohnte er im „Badehaus“ und dinierte im Hotel Schröder) und ergänzte diese 1906 durch die Anlage eines Parks, das hölzerne „Teehäuschen“ und das „Palmenhaus“, welches an der Stelle einer Mühle entstand. Der Umbau des Hauses zu einer Jugendstilvilla stand unter der Leitung der Architekten Fastje und Schaumann aus Hannover. Bis heute haben sich die Schnitzereien (außen wie innen), Bleiverglasungen und Ledertapeten in diesem äußerst sehenswerten, denkmalgeschützten Gebäude erhalten. Ein ausstattungstechnisches Juwel stellt der heute noch als Sitzungssaal genutzte frühere große Saal im Erdgeschoss dar. Bemerkenswert ist auch das hölzerne Eingangstor an der Bismarckstraße, und auch die 1906 fertig gestellte Mauer, die bis heute Teile des Grundstücks umzieht, sei nicht vergessen.
Um Deibel, der über Verbindungen bis ins Kaiserhaus verfügte und oft „hohen Besuch“ empfing, und seine Familie (zeitweise samt russischem Kindermädchen) entfaltete sich ein reges gesellschaftliches Leben. Der Unterhalt beider Häuser und des Parks erforderte aber auch viel Personal. Geld war – noch – vorhanden: Zur Hochzeit der Tochter wurde, wie man in Bad Sachsa erzählt, das Essen aus dem Hotel Adlon in Berlin herbeigeschafft… Deibel kaufte eine Ziegelei in Nordhausen, brachte Kapital in die hiesige Gipsindustrie ein, erwies sich in vielfältiger Weise als Wohltäter für die Stadt und ihre Bürger, engagierte sich auch kommunalpolitisch und wurde 1929 zum „Stadtältesten“) ernannt. Mit der Wohltäterschaft war es freilich schon 1928 vorbei, denn sein Unternehmen geriet in einen von ihm selbst nicht verschuldeten Konkurs. Er musste die „Villa Nora“ mit Palmenhaus und Park an die Stadt verkaufen, die es seit 1929 als Rathaus nutzt, während im Palmenhaus später das Bauamt und das städtische Forstamt residierten. Aus dem Park der Villa wurde der Stadtpark. Der Heimatbrunnen mit dem „Urschmerl“ wurde hier erst 1962 errichtet.
Louis Deibel blieb in Bad Sachsa, wohnte zuletzt allerdings in sehr bescheidenen Verhältnissen in der Ringstraße, wo er 1933 auch verstarb. Die Stadt machte ihn 1933 posthum zum Ehrenbürger und ehrte ihn darüber hinaus 1936 mit einem Gedenkstein im von ihm angelegten Stadtpark.
Der Architekt Albin Müller, genannt Albinmüller, und das Rathaus


Architekt
Prof. Albin Müller
Darmstadt –
Künstlerkolonie
[sign. „Albinmüller]
plante 1929 diesen Anbau an das Rathaus, welcher nicht zur Aus-führung gelangte.
08.04.1929, Brief an die Stadt Bad Sachsa von „Albinmüller“
[„Ankauf und Einrichtung des neuen Rathauses“,
StABS I.17.4 vol. 2].

Das Grab der Familie Deibel/Ostermann auf dem Friedhof an der Erbhaistraße [21.04.2013, Foto: R. Boehm]
rechts:
Gedenkstein im Stadtpark:
„IHREM STADTÄLTESTEN LOUIS DEIBEL STADT BAD SACHSA“

Mehr Informationen zu diesem
und anderen Gräbern siehe unter
Mehr Informationen zu Ehrungen durch die Stadt siehe unter
Mehr Informationen zu
Denkmälern siehe unter
KRIEGERdenkmale, EHRENmale und der ADLER
1929, Einzug der Stadtverordneten und des Magistrates ins neue Rathaus
[2 Fotos: Slg. R. Boehm]



Dr. Meyer fehlt!!!
[2 Fotos: Slg. R. Boehm]

Eine märchenhafte Erzählung des Willi Bösecke
[BSN, 18.09.1981]

Investitionen in einem Gesamvolumen von 50.000 Mark
(BSN, 02.03.1987)

Einzelne Fotos im Laufe der Zeit

(und vor allem dem unteren Eingangstor – heute Bushaltestelle
[o.D., Slg. R. Boehm 6287]

[Nachlaß Familie Witter]

1959: Planungen zum Ausbau des Rathausnebengebäudes



Einweihung eines Feuerwehr-Fahrzeuges.
v.l.n.r.: Stadtdirektor Weisshuhn, Zahnarzt Markmann, die Polizisten Heinz Dubielzig, Gerhard Pfeiffer, Herbert Kahla, BGM Mittendorf Frau Schuhmacher, von der FFW Kamlot + Karl Imse, sowie Josef Franke. [Foto: Slg. R. Boehm]

Übergabe des DRK-Fahrzeuges (rechts im Bild).
v.l.n.r.: Bgm. Dr. Mittendorf, Kämmerer Peter Schaub, Rektor Hoffmann, Karl Rudloff, Wiegleb, Heine, Josef Gremm, Helmut Graf. [Foto: Slg. R. Boehm]

(Leiter des Bauamtes Bad Sachsa)
Neuzeitliche Fotos sind
eingestellt auf der Seite
Politische Entscheidungen von herausragender Bedeutung, die in diesem Rathaus getätigt worden sind
12. Mai 1945
Eine neue Zeitrechnung beginnt

Übernahme-Verhandlung
Vom Bürgermeister D ö b r i c h werden am heutigen Tage dem kom. Bürgermeister M ü l l e r folgende Akten und Wertgegenstände u.a. übergeben:
1 Sparbuch über 5.367,30 RM ausgestellt auf Volkssturm Bad Sacha,
1 Verzeichnis über Öfen und Herde[,] die von der N.S.V. ausgegeben sind,
Rechnungsbeschluß betr. Bremer Kinderheim etc.