Bismarckstraße 15

Bismarckstraße 9 (später 15)


Das Baujahr der Mühle ist unbekannt; erstmals wird sie im Jahre 1557 erwähnt

Zentral, zwischen der „Chaussee nach dem Kuckansthal“ und dem Mühlgraben gelegen, ist „Gelpkes Mühle“ seit Urzeiten zu finden. [1893]
[1921, Foto: Slg. R. Boehm]

Sie war damals eine Ölmühle, wovon die kleinen Mühlsteine an der Auffahrt zum Parkplatz Zeugnis ablegen. Gefunden wurden sie 1970 im Fundament der ehemaligen Scheune. Die fünf groβen Mühlsteine im Hof sind Getreidemühlsteine, mit denen zum Teil noch bis 1957 unter dem Müllermeister Martin Gelpke Korn verarbeitet wurde. 

Kreis Grafschaft Hohenstein / Gemeinde Sachsa / „Handzeichnung“
Angefertigt aus der Grundsteuergemarkungskarte auf Ersuchen der Frau Aug. Müller geb. Felber in Sachsa zum Zwecke der Anschaffung.
Nordhausen, den 29.ten September 1900 / Königliches Katasteramt
[StABS I.r.6]

In blau der Mühlgraben
oben links: Ehefrau Lieutenant Müller
mittig links: Stadtgemeinde
unten links: Lieutenant von Hansen
oben rechts: Müller Karl Gelbke
unten rechts: Friedrich Kälz

So sah eine gute Geschäftsidee vor 140 Jahren aus…
1874 richtete Carl Gelpke hier eine erste Privat-Badeanstalt ein. Sie bestand aus einer Bretterbude neben dem Mühlrad, in welcher eine Badewanne stand, in der Kalt-Wasser-Anwendungen verabreicht wurden.

[1895, Foto: Familie Gelpke]
Mittig links ist eine Treppe zu sehen; diese wird  auf dem stadtgemeinde-eigenen Grund verlaufen sein [vgl. die „Handzeichnung“ direkt oberhalb]

Schon 1864 wurden in “Gelpkes Mühle” die ersten Kurgäste begrüβt und damit eine lange Familientradition gegründet. [1910, Foto: Slg. R. Boehm]
Kurt Fulst erinnert sich (2000):
„Zu dieser Mühle fällt mir noch etwas ein.
Als ich ca. 10 oder 11 Jahre alt war [Anm.: also ca. 1920], schickte mich mein Vater mit dem Handwagen, 1 Sack Korn drauf, zur Mühle. Herr Gelpke nahm meinen Sack vom Wagen und trug ihn rein. Ich konnte mitkommen, er zeigte mir die Mühle, diese war in Betrieb. an der Außenseite das große Wasserrad.
Gelpkes haben das Ganze umgebaut zu einem kleinen gemütlichen Ferienzentrum, es ist weltbekannt für einen guten Erholungsurlaub.“

„…da ging das Rad nicht mehr“ [BSN 29./30.08.1970]

Heute ist vom Mühlbetrieb nichts mehr zu sehen;
lediglich der Mühlgraben ist noch zu erahnen:

Ein kleiner Teil des Mühlgrabens ist heute noch (mit Wasser!) zu sehen im Vital-Kurpark. Der Überlauf vom Schmelzteich zum Mühlgraben war dort, wo heute der Zugang vom Kursaal zur Schmelzteich-Ecke ist; der Graben verläuft dann weiter parallel zum Damm Richtung Bismarckstraße, geht zum kleinen Teich, an dem Selmar Müller über viele Jahre montags (an dem Tag gab es kein Kurkonzert!) auf seiner Waldzither die Gäste unterhielt, unterfloß die Bismarckstraße, ging weiter über den heutigen P des RoWis (die Kegelbahn des „Hubertus“ wurde ehedem auf den zugeschütteten Mühlgraben gebaut) zur ersten Mühle (heute Christel + Harm Douma, auf dessen Grund kann man, kurz vor der Steigung zur Moltkestraße noch den Mühlgraben erahnen an der ca. 2 m erhöhten Rasenfläche). Das Wasser floß dann oberschlächtig auf Gelpkes Mühlrad, um dann parallel zur Anhöhe weiter unten Kälz` Mühle anzutreiben und später, noch vor der Schimmelbrücke (Hinter Eiscafé Venezia) in das Uffebett zurückgeleitet zu werden. (Karte der Brunnen von 1898, StABS).

Spuren des alten Mühlgrabens sind (noch) zu erkennen… [2026: Ralph Boehm]

Gelpkes Mühle und der Fremdenverkehr in der Neuzeit

Pension
GELPKES MÜHLE
Reservierungs-bestätigung durch Joachim Gelpke an (West-) Berliner Gäste.
[1968, AK rs, Slg. R. Boehm]

Diese spiegelverkehrte Ansichtskarte (sic!) ging vermutlich nur an Stammgäste?
[1968, AK vs,
Slg. R. Boehm]

Korrekte Ansicht (!). Der linke verputzte Anbau steht an Stelle des ehemaligen Mühlbereichs.
[1970 ca., AK vs:
Slg. R. Boehm]