Bismarckstraße 17 – Villa Hubertus

[1899, FALK RÜSTENBERG, S. 10]
  • ab  1893:  Auf der Gemeinde 294
  • um 1900: Bismarckstraße 10
  • ab  1935: Horst Wessel-Straße 10
  • ab  1945: Bismarckstraße 10
  • ab  1980: Bismarckstraße 17

Villa Schöpfer bzw. Villa Hubertus

(vermutlich 1898, AK: Slg. R. Boehm A 162)

Noch ganz im Grünen wurde diese Villa bereits 1893 erbaut, die unter den Sachsaern als Villa Hubertus bekannt geworden ist.

Über die Jahrzehnte wechselten die Eigentümer /Besitzer des „Hotel Hubertusklause“ (auch „Hotel Hubertus“ mit Café) mehrfach.
Auch die erheblichen Investitionen in 1982 ff (vgl. den unten stehenden Zeitungsartikel), u.a. in den Bau einer Kegelbahn (Doppelbohlen-Bahn, Dank des elektrischen Betriebes waren Helferlein zum Aufstellen der Kegel und zum Mitzählen nicht mehr notwendig), durch den Architekten und Maurermeister Helmut Peix für Jochen Müller, brachten keine Wende mehr zum Guten.
(vgl. auch die grundsätzlichen Ausführungen zum Tourismus).
Vielleicht fehlte aber auch einfach nur das ansonsten typische Türmchen ???

Villa Schöpffer – Sommerlogis Ihrer Hoheit der Frau Prinzessin Wilhelm von Hessen.[vermutlich 1898, AK: Slg. R. Boehm A 162]

Fenster des Wintergartens, ehemals im Eingangsbereich (rechts des Hauses)



Dieses wunderbare Beispiel für Glas aus einem typischen Bad Sachsaer Wintergarten wurde bei den Abrissarbeiten gesichert und ist heute im Glasmuseum Steina zu bewundern.
[2020er, Glasmuseum Steina]

Diese eher schlichte Villa, fehlen ihr doch typische Merkmale
[wie beispielweise ein Türmchen], wurde bereits 1893 durch den Zimmermeister
A. Heise für Herrn Amtsgerichtsrath Silkerott aus Nordhausen errichtet
[„Amtgerichtsrath Silkerott“ sollte nicht verwechselt werden mit „Amtsgerichtsrath Silkrodt“, Hindenburgstraße 7:
beide waren aus Nordhausen – sind aber nicht identisch!
].
Bereits 2 Jahre später führt die Witwe E. Schöpffer, diese
„Villa Schöpffer, Sommerlogis im Hause der Frau Prinzess Wilhelm von Hessen“;
in 1899 passt sie sich den Wünschen der Sachsaer und Großstädter gleichermaßen an und wandelt das Haus um in ein
„Pensionat für junge Mädchen“,
um der Nachfrage für gutes Personal gerecht zu werden und/oder die jungen Mädchen auf ihre Zukunft als Ehefrau vorzubereiten
(FALK/RÜSTENBERG, 1899 S. 6 ff).
Sorry: dieses Frauenbild haben andere in grauer Vorzeit geprägt –
meins ist ein anderes!
Wann der Postdirektor a.D. Weber Besitzer dieser Villa wurde ist nicht bekannt; allerdings hat er dem Haus 1908 ein „Russisches Rohr“ einbauen lassen
[„Eine besondere Schornstein-Bauart ist die russische Röhre. Sie zeichnet sich durch einen engen Querschnitt aus. Diese Bauform mit russischem Vorbild ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland üblich. Die ältere Schornsteinbauweise hat in Deutschland einen größeren Querschnitt und ist vom Schornsteinfeger besteigbar.“., Wikipedia, Abruf 14.12.2021].

Zeichnung einer Villa für den Herrn Amtsgerichtsrath Silkerott, Nordhausen. 1893
„Liebste Mutter“
Ein schönes Beispiel für die internationalen Beziehungen 1900
[1902, AK. Slg. R. Boehm]
Diese „TARJETH POSTAL“ hatte eine lange Reise um die halbe Welt hinter sich. Sie wurde abgestempelt am 04. Februar 1902 in El Salvador im Hauptpostamt der Hauptstadt San Salvador, lief über New York, um nach der Atlantik-Überquerung Bad Sachsa rund 6 Wochen später am 21. März 1902 zu erreichen.

Die Tochter Paula, zur Zeit in San Salvador, bedankte sich mit Datum 3. Februar 1902 bei ihrer Mutter, „Frau Forstmeister E. Schoepffer, Villa Hubertus„, für die  „liebe Karte vom 27. Dez und die Einlage im …Brief vom 2. Jan.“, die vor 2 Tagen sie in San Salvador erreichte (die Karte war also 30 Tage unterwegs). Gern wäre Paula beim Weihnachtsfest in Bad Sachsa mit dabei gewesen, verständlich: denn „In den letzten Tagen ist hier nichts besonderes vorgefallen,
außer einigen Erdbeben….“
.

PS: über eine komplette „Übersetzung“ des Textes würden wir uns freuen!

  • 1930/1932: in diesen Jahren ist der Kunstmaler Fred Goldmann hier wohnhaft [1930 Einwohnerbuch]
  • 1936: Horst Wessel-Str. 10: Haus Hubertus, Hans Dankert aus Berlin-Schoneberg, läßt das Haus streichen.
  • 1947: Bismarckstraße 10: Fräulein Ingeborg Dankert hat mit Schornstein-Problemen zu kämpfen.
  • 1954: Bismarckstraße 10: Paul Leimcke [Marktstr. 26) will hier eine Bäckerei-Filiale einrichten.
ca. 1960 [AK: Slg. R. Boehm]
  • 1961: Bismarckstraße 10: CAFÉ -RESTAURANT Hubertus-Klaus, Inh. K. Vollmer.
  • 1965: Bismarckstraße 10: Gaststätte Hubertusklaus, Inh. Alfred Scholz.
  • 1966: Bismarckstraße 10: Hotel garni Hubertusklause, Bes. Günter Müller, 12 Betten.
  • 1975: Bismarckstraße 10, Günter Müller.
1978 [Doppelkarte: Slg. R. Boehm]
oben: 11.12.1981: Klaus Walter und Frau
links: 1979, Inh. Jochen Müller
[Foto: Th. Wegener, Facebook 5.5.2021]

„Machst Du in Bad Sachsa Pause, geh` in die HUBERTUSKLAUSE
Das Haus liegt direkt am Kurpark und Schmelzteich, 200 m vom Kurmittelhaus entfernt. Ruhige Lage – kein Durchgangsverkehr. Für unsere Hausgäste stehen Speise- und Aufenthaltsraum mit Farbfernseher und Kühlschrank zur Verfügung, ebenfalls ein großer Südbalkon. Alle Zimmer mit Dusche in der ersten Etage. Gemütliche Kaffeeterrasse. Spezialität: Wild und frische Forellen. Ganzjährig geöffnet. Ihr Jochen Müller, Bismarckstraße 10, Tel. (05523) 7 67″
[Prospekt mit dem Bilde der obigen AK: Birgit Schreiber Lausmann, 02.02.2019 auf Facebook]

[Mitte der 1970er, AK: Slg. R. Boehm]

ca. 1979 [Doppelkarte: Slg. R. Boehm]

Umfangreiche Erweiterungen am HOTEL HUBERTUS durch Jochen Möller [HK, 08.01.1982]


Allgemein [Geschichte Kegeln – kegeln sportclub-hoyerswerda.de, ca. 2025] :

  • 1956 wurden in Deutschland die ersten Kegelstellmaschinen in Betrieb genommen.
  • 1980 hielt der Computer auf den Kegelbahnen Einzug (Mikroprozessor gesteuerte Kegelstellmaschinen).
  • 1985 feierte der DKB sein 100-jähriges Bestehen.
  • In diesem Verband sind ca. 180.000 Sportkegler und Bowler organisiert.
  • In Deutschland kegeln ca. 21 Millionen Menschen zu ihrem Vergnügen, davon fast 4 Millionen regelmäßig. Durch die große Beliebtheit kann man heute das Kegeln als Volkssport ansehen.“

Im Besonderen zur Kegelbahn im „Hubertus“:

Auch die erheblichen Investitionen in 1982 ff, u.a. in den Bau dieser Kegelbahn (Doppelbohlen-Bahn, Dank des elektrischen Betriebes waren Helferlein zum Aufstellen der Kegel und zum Mitzählen nicht mehr notwendig), durch den Architekten und Maurermeister Helmut Peix für Jochen Müller, brachten keine Wende mehr zum Guten für das Hotel Hubertus
(vgl. auch die grundsätzlichen Ausführungen zum Tourismus).
[1982, Urkunde. Slg. R. Boehm]

Auch die erheblichen Investitionen in 1982 ff, u.a. in den Bau dieser Kegelbahn [Doppel-bohlen-Bahn: Dank des elektrischen Betriebes waren Helferlein zum Aufstellen der Kegel und zum Mitzählen nicht mehr notwendig], durch den Architekten und Maurermeister Helmut Peix für Jochen Müller, brachten keine Wende mehr zum Guten für das Hotel Hubertus (vgl. auch die grundsätzlichen Ausführungen zum Tourismus).

Seit ca. 1960 war der Inhaber der Hubertus-Klause Karl-Heinz Vollmer; mittig der 60er folgte sehr kurz Inhaber Alfred Scholz und bereits 1966 ist der Besitzer Günter Müller. 1979 erwirbt Jochen Müller das Hotel garni HUBERTUSKLAUSE, der 1981/1982 einen Anbau (auf dem ehemaligen Mühlgraben) durch Bauunternehmen Helmut Peix mit Doppelbohlenbahn errichten lässt. In 1983 ändert sich die Hausnummerierung von 10 auf 17. In 1988 übernimmt, aus Hannover kommend, die Familie Ahmed Cos das Hotel und bietet türkische Spezialitäten an. Letze Betreiber waren von 1995 bis 2002 Ilona + Wilfried Schieke, die zuvor in Ellrich den dortigen Lindenhof betrieben hatten. In 2006 erwarb die Familie Oelkers das Gebäude in der Zwangsversteigerung und ließ es abreißen, um ihr selbst geschaffenes Problem der Parkplatznot durch ein Parkdeck (sic! also Parterre und eine Etage darauf) abzubauen… … heute leider und lediglich EIN Parkplatz eines größeren Hotels. Das nennt man dann Stadtentwicklung… (Facebook 03.05.2023) (Ansichtskarten aus Slg. R. Boehm)

oben +unten: Altes Haus im neuen Glanz [HK, 26.03.1982]

  • 1981/1982: Hotel Hubertus, Jochen Müller
  • 1983: Bismarckstr. 10 wird zur Bismarckstr. 17 [Umnummerierung 21.04.1983]
1986 rutscht das Anwesen in die Zwangsvollstreckung, weiterer Termine in 1988.
  • 1988: Hotel Restaurant Hubertus, Familie Ahmed Cos (vorab in Hannover) bietet Türkische Spezialitäten [Prospekt].
  • 1995: Kauf durch Ilona + Wilfried Schieke (vorab Ellrich: Lindenhof)
  • 2002: geschlossen bzw. insolvent
  • 2006: Die Oelkers Betriebe OHG kauft in Zwangsversteigerung [09/2006]
    2006: Planung: Bau 30 Parkplätze für „Romantischen Winkel“ [04.10.2006]
    2006: Abriß des Hotel Hubertus
  • 2007: Abriß der Kegelbahn + Bau der Parkplätze [Sommer 2007]


Ende der Villa Hubertus: Abriß im Dezember 2006 [Fotos: H. Möller + R. Boehm]

Sommer 2007: Abriß der Kegelbahn [Foto: Horst Möller]
Der Parkplatz des Romantischen Winkels [03.05.2024, Foto: R. Boehm]