Bismarckstraße 2 . Villa Hopfengarten

Vielleicht einer der schönsten Häuser Bad Sachsas, diretkt an der Schimmelbrücke gelegen (natürlich mit Türmchen und Wintergarten)

„Bürgervilla Bad Sachsa“ [2005, Federzeichnung: Heinz Wener, 45701 Herten-Westerholt]
Tafel „Villa Hopfengarten“
[Ralph Boehm]

Vor 1900 wurde das Grundstück landwirtschaft-lich genutzt. Zur Anpflanzung einer sehr nütz-lichen Pflanze erstreckte sich oberhalb der heutigen Bismarckstraße bis zur Post- und Wiesenstraße der damalige Hopfengarten [Bier wurde hinter dem ehemaligen Rathaus in der Marktstraße gebraut]. Als das Brauen von Bier zunehmend in die Hände von Großbrauereien überging [vgl. Villa Reinhardt] wurde der sogenannte Hopfengarten parzelliert und die zentral und sonnig gelegenen Grundstücke am Stadtrand bebaut.

<= Teil von „Hopfengarten 350“
1892: „Vorgarten des rechter Hand nebenstehenden Baugrundstückes“ (StABS I.r.5)
1910: Bismarckstr. 1a (Neubau einer Villa für den Apotheker Georg Lambrecht (BA BS)
>=1983: Bismarckstr. 2

Villa für Herrn Apotheker G. Lambrecht
in Bad Sachsa, Bismarckstrasse

1910 errichtete der Baumeister Richard Kälz für den Apotheker Georg Lambrecht diese prächtige Villa. – Die für Bad Sachsa typische Spielart der Bäderarchitektur wird durch hiesige charakteristi-sche Elemente repräsentiert.
Das Fundament besteht aus dem sogenannten Pfaffenberg-Stein, die Fassade wechselt spielerisch zwischen verputzten Flächen, Sicht-Fachwerk und Verzierungen aus Dolomitsteinen. Zum Genießen der Sommerfrische waren die Wintergärten damals nur teilweise verglast – hier ist für beide Etagen je ein Wintergarten übereinandergestellt. Nicht fehlen durfte das obligatorische Türmchen. Für den, der etwas auf sich hielt und das nötige Kleingeld besaß, war ein Türmchen mehr als nur das „Tüpfelchen auf dem i“!

Richard Kälz zeichnete diesen Entwurf
einer prächtigen Villa d. 08. August 1910

Die komplette Bauakte der
Villa Hopfengarten ist einzusehen unter

Bismarckstraße 2 Bauakte

An dieser Stelle möchte ich lediglich einen Disput über Schornsteine herausstellen:

26.08.1910, Regierungsbaumeister Ratsfeld:
„…daß die baupolizeiliche Erlaubnis zu erteilen ist unter der Bedingung, daß die zweirohrig projektierten Schornsteine 3 rohrig, der einrohrig gezeichnete 2 rohrig aufzuführen sind § 31 B.O. und das die Höhe des Kellergeschosses gemäß § 20 Abs. 4 B.O. mindestens 2,50 m i/L. erhält.
Die geplante äussere Verkleidung der „Wetterseiten mit Brettern“ ist nach § 18 Abs. 1 nicht statthaft, Dispens jedoch nach Abs. 3 ebendort zulässig.
„
19.11.1910 hält der selbige Regierungsbaumeister fest:
„Bei der heute erfolgten Rohbau-Abnahme fand sich Folgendes zu erinnern:
Weder sind die Schornsteine wie s.Zt. diesseits gewünscht ausgeführt, noch scheint die Höhe des Kellergeschosses 2,50 m erreichen zu können, wie ebenflls vorgeschrieben.
Aufklärung erscheint erwünscht.“

Das läßt auch den Polizei Sergeanten Baumgart nicht ruhen; er nimmt sich der Sache an; kommt aber zu dem Schluss, dass „auf Grund der hierselbst bestehenden Bau=Polizei=Verordnung v. 8. Nov. 1901“ Lambrecht nicht verpflichtet sei, die vom Reg.=Baumstr. Ratsfeld gewünschten Änderungen vornzunehmen.
Auch Lambrecht selbst nimmt am 21.01.1911 Stellung;
beispielsweise sei das Kellergeschoß kein Wohnraum.

Sei`s drumm: die Villa wurde genehmigt und der Bürgermeister von der Boeck hält fest:

  1. Der Bau ist fertig gestellt
  2. Bauregister berichtigen
  3. zdA.
    B.S., d . 28/2 1912.

…und das ist auch gut so! Eine prächtige Villa ziehrt seit dem die unmittelbare Umgebung des Rathauses.

Die Poststraße bergan kurz nach 1910. V.l.n.r.
Bismarckstr. 1: Villa Deibel, mit Ein-/Ausgang Richtung Hindenburgstraße.
mittig: Schimmelbrücke mit darüber liegendem Kaiserlichen Postamt.
Bismarckstr. 1a (später 2) mit Apotheker Lambrecht auf seinem Grund.
Auf der Ansichtskarte zentral der von Geheimrat Richard Breslau gestiftete Leichenwagen [vgl. Brandstraße 4]
[23.06.1915, AK: Slg. R. Boehm 702]
Die Poststraße bergab um 1957. V.l.n.r.:
Poststr. 4: damals Leimcke mit (vmtl. Pächter) Uhrmachermeister Erwin Dumrath.
Bismarckstr. 1a (später 2): Apotheker Lambrecht.
mittig über der Schimmelbrücke Uffestraße 4: KURKAFFEE + KONDITOREI HAASE
Bismarckstr. 1: Mauer der Villa Deibel
[1957, AK: Slg. R. Boehm 11]
[1951, Foto: Nachlaß Dr. Andreas Helbing]
[1982, Foto: Nachlaß Gerhard Pfeiffer]
Das Arbeitsamt [15.04.1992, Wochen-Chronik]
Zu Recht trägt dieser Artikel die Überschrift: „Schöne Fachwerkhäuser in Bad Sachsa“.
Der untere Teil diente zeitweilig einer Aussenstelle des Arbeitsamtes und seit vielen Jahren der Zahnarztpraxis von Dr. Bernward Osburg.
oben: Stadtsanierung
[2004, BA Bad Sachsa]

rechts: Es lohnt sich Zeit zu nehmen für die Einzelheiten dieser Villa.
[ca.April.2007, Foto: Horst Möller]