Bismarckstraße 24 – Haus Waldwarte

Logierhaus Knoop in Sachsa i. Harz

  • 1902: Brand 15: Zeichnung zum Neubau einer Villa [Stadt Bad Sachsa Bauamt]
  • >= 1905: Bismarckstr. 15: Neubau eines Logierhauses Knoop.
    1905: Bismarckstraße 15: Pension Waldwarte, Emma Knoop geb. Behrens.
  • 1908: Bismarckstraße 15: Familienpension „Haus Waldwarte“, Emma Knoop geb. Behrens [„DAHEIM-Kalender, Velhagen & Klasing, 1908]
  • 1911: Bismarckstraße 15: Neue Einfriedung, Eisen-Pfosten auf Betonsockel statt Holzpfosten [Ausführung Bauunternehmen Fr. Kälz]
  • 1913: Bismarckstraße 15: Pension Waldwarte, Emma Knoop geb. Behrens.

Neben der Villa Uthemann (Blücherstr. 4, Baujahr 1900) plant in 1902 Emma Knoop, geb. Behrens ihr HAUS WALDWARTE zu erbauen. Mit der Planung durch das Berliner Architekturbüro Hartmann (& Schlenzig vermutlich) wird die Bausausführung „einem gänzlich ungeübten Unternehmer“ übertragen (Vermutlich dem Sachsaer Bauunternehmen Fr. Kälz, der auch in den Folgejahren kleinere Arbeiten rund um diese Villa umsetzt).

„Das…Logierhaus WALDWARTE ist in dem Luftkurort Sachsa i. Harz im Jahre 1903 durch den Regierungsbaumeister George Hartmann in Berlin erbaut worden und gibt ein gutes Beispiel der Befolgung des Grundsatzes, einfache Aufgaben auch einfach zu lösen…“
[ZENTRALLBLATT DER BAUVERWALTUNG Nr. 48, S. 301.
Vgl. auch ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU, Band 21, Heft 11, 1905]

1905: Pension Waldwarte am Schmelzteich, direkt am Walde. Zimmer mit Loggien. Elektrisches Licht. Vorzügliche Verpflegung – Neue Betten. Volle Pension 4-6 Mark pro Tag – Junge Mädchen finden liebevolle Aufnahme zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ausbildung. Jahrespreis 600 Mark. Jalbjährlich 350 Mark.
Prosp. durch die Vorsteherin Emma Knoop geb. Behrens.

Frieda, wohl Urlauberin, schreibt diese Ansichtskarte am 13.05.1913 an den Lieben Karl. Sie bedankt sich für die Pfingstkarte und Brief, und beklagt sich: „Das Wetter war hier sehr schlecht, es hat am Sonntag den ganzen Tag u. am Montag von Mittag an in Strömen geregnet. Ich hab auf meiner Loggia gesessen um etwas frische Luft zu haben, das war mein Pfingstvergnügen, intressant was? aber recht gut für die Nerven. Ich freue mich schon sehr … nach Haus kommen…!“.

Diese etwas mit Seerosen aufgehübschte Ansichtskarte, eine gleiches Exemplar ist bereits 1907 postalisch gelaufen, zeigt wenige Verän-derungen gegenüber der Entwurfszeichnung (s.o); so wurde diesseits der Eingangsbereich verändert und im Dach ist eine Gaube hinzu-gekommen.
[1913, AK: Slg. R. Boehm]

1908: Familienpension „Haus Waldwarte“. Frau Emma Knoop geb. Behrens bietet jungen Mädchen liebevolles Heim zwecks wirtschaftl. u. gesellschaftl. Ausbildung.- Eigene Villa mit Garten. – Flügel i. H. – Jahrespens. 720 M., halbjährl. 400 M.
[„DAHEIM“-Kalender, Velhagen & Klasing, 1908]
1913: Zwar sind die Preise für „Volle Pension von 4 bis 6 Mark pro Tag“ gleich geblieben
[vgl. 1905], aber der Jahrespreis hat sich erhöht auf „Jahrespreis 800 M., halbjährl. 450 M.“!
Und Krieg und Inflation sollten erst noch kommen…

1919: „Die Glückliche Zeit im Harz“ im „Haus Waldwarte – Fremdenheim“.
Vorsteherin Emma Knoop und ihre „jungen Mädchen“ [Foto: Slg. R. Boehm]

  • 1924-1930: Bismarckstraße 15. Familie von Dresler u. Scharfenstein.
    [Marcus Jaeger]

Hermann von Dresler u. Scharfenstein [*09.07.1857 Liegnitz], Generalleutnant
a. D., wohnt hier mit seiner Gattin Elfriede Müller [*15.12.1868 in Zieserwitz in Schlesien].
Auch wohnt hier Tochter Elfriede [*19.02.1892 in Gnesen], die am 05.04.1926 in Bad Sachsa den Studienassessor und preußischen Leutnant der Reserve a.D. Johannes Elste heiratete und 1930 in der Hohenbergstraße 2 gemeldet ist.
Auch wohnt hier kurz Tochter Gerda [*14.10.1896 in Gnesen], die hier in Bad Sachsa Dr. Gerhard Weisser, Finanzdirektor der Stadtverwaltung Magdeburg, heiratet und mit Ehemann nach Magdeburg verzieht.
1930 verziehen Hermann Dresler und seine Gattin nach der „Brandstraße 16“

Dort mehr Informationen
unter der heutigen Adresse

Brandstraße 14

  • 1928: Bismarckstraße 15: Carl Ossig, Wasserbaudirektor, Ehefrau Emma Ossig geb. Behrens lassen die Überdachung des Eingangs links bauen.

Ab jetzt ist die Adresse bis zum heutigen Tage Bismarckstraße 24.

  • >= 1930: Bismarckstr. 24: Frl. Cläre Knoop [Einwohnerbuch 1930]
  • 1935: Kläre Knoop, Fremdenvermietung [Einwohnerbuch 1935]
  • <= 1956: Frl. Knoop (bis mindestens 1956)
  • 1958: Privatzimmervermieter: Frau A. Winkel, 1 Zimmer, 2 Betten. Zimmer mit Fließw. [Prospekt 1958]

Das Haus bleibt über Jahrzehnte in Familienbesitz:
Ende der 20er Jahre werden genannt der Wasserbaudirektor Carl Ossig mit seiner Ehefrau Emma, geb. Behrens wie auch Cläre (auch Kläre) Knoop mit ihrer Fremdenvermietung (bis mindestens 1956).

Aus der Zeit der 1950er stammt diese Beschreibung Bad Sachsas und die Anzeige:
BAD SACHSA
Klimatischer Kurort und Sommerfrische
Die 2500 Einwohner zählende Stadt Sachsa liebt am Südharz, 325 m über dem Meer. Fern von den großen Heerstraßen, erstreckt sich das trauliche Städtchen in einem flachen Tale bis zum Fuße des Ravensberges. Das Klima ist mild, die Luft staubfrei und infolge der Nähe der ausgedehnten Waldungen, die bis dicht an die Stadt heranreichen, erfrischend und kräftigend. – Im Winter Partien auf Schneeschuhen oder Hörnerschlitten.

  • Kurmittel: Warme und medizinische Bäder, Schwimmbäder, Milch- und Terrainkuren, Elektrotherapie.
  • Aerzte: DDr. Lohrengel, Wolthaus. – Apotheke.
  • Kurzeit: 15. Mai bis 15. September – Frequenz: Über 5600.
  • Kurtaxe: 1 Person 5 M, Familien 8 bis 10 M.
    Wohnung zwischen 6 und 25 M. für die Woche, auch ganze Villen verfügbar.-

Eisenbahn-Haltepunkt Bad Sachsa am Sachsensteine der Linie Northeim-Nordhausen. Auskunft durch die Städtische Badeverwaltung.


In einem Prospekt 1958 inseriert als Privatzimmervermieter Frau A. Winkel, allerdings mit lediglich „1 Zi, 2 Betten. Zi.m.Fließw.“.
Spätestens seit 1967 wird für das Haus Waldwarte Dieter Röper genannt.
(Quelle unbekannt)

Dieser Villa hat es gut getan, daß die Eigentümer bis auf wenige Veränderungen „nur“ Erhaltungsaufwand betrieben haben. So hat sich diese Villa ihren Scharm erhalten können – auch wenn/oder gerade weil dieser Entwurf auf prestigeträch-tige Ergänzungen, wie bspw. ein Türmchen, verzichtet. Wie hieß es doch Eingangs zu dieser Villa (s.o.): „Verzicht auf Ziermittel, knappste Grundrißbildung und Gesamtanordnung, schlichte geschlossene Gruppierung, einfaches, teilweise abgewalmtes, teilweise geschlepptes Hauptdach mit einem herausgezogenen Erker sind die Hauptzüge des Entwurfs.“ Mit einem Wort: GELUNGEN !!!

1981: „Pension HAUS WALDWARTE“
Inh. D. Röper…Bismarckstraße 15…“
[AK: Slg. R. Boehm]

Dieser Ansichtskarte ist der Inhaber mit D.[ieter] Röper zu entnehmen wie auch eine früh- UND langzeitige Buchung über 4 Wochen, eine typische Belegung im Rahmen einer ambulanten Badekur.

In dem Prospekt „HARZ 1985/86“ wird das HAUS WALDWARTE, D. Röper, mit
22 Betten beworben.

2003: 6 Einzelzimmer und 8 Doppelzimmer [4 Fotos: Quelle unbekannt]

2007: Hier malt der Chef selbst!
[2 Fotos: R. Boehm]
Februar 2009 [Foto: R. Boehm]
2015 [Foto: Jürgen Jacob]
14.07.2025 [Susanne Feußel auf Facebook]. „Am frühen Morgen in der Bismarckstraße“