Bismarckstraße 25

  • < 1890: Brand 353: unbebaut
  • 1900: Zeichnung zum Neubau einer Villa 03.04.1900 [Stadt Bad Sachsa BA]
  • 1910: Bismarckstraße 16: Pension Frl. von Braunschweig
  • 1912: Bismarckstraße 16: Kleiner Anbau. Frl. von Braunschweig [BA]
oben: 1913 [AK: Slg. R. Boehm]
unten: um 1930 [4 Fotos]


Im „Verzeichnis antisemitischer Erholungsorte, Hotels und Pensionen 1914 + 1931“ sind in der Abteilung
„Hotels und Pensionen, die sich als christlich bezeichnen“ für Bad Sachsa aufgeführt:

  • Fremdenheim Frl. von Braunschweig, „Christliches Heim“
  • Erholungsheim Bergsegen, christliches Haus
  • Hotel und Pension LINDENHOF
  • Kurcafé und Konditorei Haase

sind in der Abteilung
„Hotels und Pensionen, die antisemitischen Charakter haben “ für Bad Sachsa aufgeführt:

  • Haus Arnim
  • Villa Buchenhöhe
  • Frieda von Lüpke u. Anna Hermann vers. Prosp. mit der Bemerkg.: „Israeliten werden nicht aufgenommen“.

[Frank Bajohr „Unser Hotel ist judenfrei“, Bäderantisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert, Fischer Taschenbuch, 2003]



  • 1930: Bismarckstraße 16: Elisabeth von Braunschweig, Pensionsbesitzerin [Einwohnerbuch 1930]
  • 1935: Bismarckstraße 16: Elisabeth von Braunschweig, Rentnerin [Einwohnerbuch 1935]
Elisabeth von Braunschweig verstirbt im Alter von 72 Jahren [BSN 02.02.1935]
13.12.1947: „Foto-Kopier-Anstalt Walter Stanslowski … Bismarckstraße 16“
[bisher Schützenstr. 5,
Umschlag: Slg. R. Boehm]
  • 1949: Bismarckstraße 16: Haus Seeblick, H. Adolf Engel
  • 1952: Bismarckstraße 16: Haus Seeblick, Inh. Marg. Engel
  • 1951: Besitzer Engel hatte weithin guten Namen wegen ihrer hervorragenden Küche. Als diese im Nov. 195 unsere Stadt verließ und nach Amerika auswanderte, übernahm Gustav Schwetje das Haus. G.S., von Haus aus ein hervorragender Vertreter ..Stahlstichprägekunst…
    Nachdem einige wenige Monate von der LVA Hannover belegt worden war, eröffnete Schwetje
  • 1952 die erste Milchbar in Bad Sachsa, ja bis auf eine Vorläuferin in Clausthal-Zellerfeld im ganzen Harz überhaupt.
  • 1953: Vertrag mit dem Burbach-Konzern, der in Dauerbelegung Seeblick für seine Angestellten und bewährten Bergleute belegte [BSN 11.01.1958]
  • 1953/1954: Gustav Schwetje: Tagungsraum + weiterer Anbau
Beide AKs: Mitte der 1950er Jahre: Haus Seeblick
  • 1956: Pensionshaus Seeblick [Baubeschreibung durch Otto Kaiser Nachflg., Inh. Albert Roth, Architekt + Baumeister]
  • 1957: Der Burbach-Konzern geht in Wintershall auf und löst den Vertrag.
  • 1958: Haus Seeblick wird nach Renovierung vom VW-Werk eröffnet.
    „Der bisherige Inhaber, G. Schwetje, wird noch eine kurze Übergangszeit als Pächter die Bewirtschaftung des Hauses übernehmen [BSN 11.01.1958]
  • 1958: Erholungs- und Genesungsheime: Erholungsheim der VW G.m.b.H. in Wolfsburg. Nur für Betriebsangehörige. Zimmer mit Fließw., Bad im Hause. 22 Zimmer, 40 Betten [Prospekt 1958]
oben: 1960: Volkswagenwerk Erholungsheim / unten: 1960: Kurkarte [beides Slg. R. Boehm]
1961: Erholungsheim des V.W. Werkes, Am Schützenplatz im Ostertal [Slg. R. Boehm]
  • 1960: „Volkswagenwerk Erholungsheim“ Seeblick
  • 1963 ?: Diakonisches Werk übernimmt Haus Seeblick. Erstes Haus der Diakonie Wolfsburg in Bad Sachsa [BSN 03.09.1985]
  • 1964: „Fast zaghaft begann in Bad Sachsa das Diakonische Werk Wolfsburg e.V. mit Altenerholungsmaßnahmen. Das war 1964, dass ich das erste Mal von einem Erholungsheim hörte, das Pastor Erich Bammel am 1. September 1964 mit dem Haus SEEBLICK in der Bismarckstraße für Senioren die mal Urlaub machen wollen`, käuflich erworben hatte,“ berichtete Schwester Annemarie [Anm.: Lüttich]. Dieses Haus SEEBLICK, innerhalb des heilklimatischen Kurortes Bad Sacha äußerst günstig gelegen, ist sicherlich noch vielen bekannt. Es standen drei Dreibett-, fünf Zweibett- und 14 Einzelzimmer zur Verfügung. Nachdem das Heimleiterehepaar ausgeschieden war, übernahm Schwester Annemarie die Heimleitung; da standen zwei weitere Doppelzimmer im Gästeangebot. Bald sollte sich die Bettenzahl…. [75 Jahre BAD Sachsa, 1980]
1970er: Haus Seeblick mit top-moderner Einrichtung der Zeit [AK: Slg. R. Boehm 3764]
  • 1972: Verein für Innere Mission, Wolfsburg e.V.
  • 1974: Bismarckstraße 16: Diakonisches Werk Wolfsburg e.V., Haus Seeblick, Altenerholungsheim



Das Diakonische Werk möchte im Rahmen der Umgestaltung des „Altenzentrums“ den
„Eingangsbereich“ neu gestalten und bittet um Abstimmung mit der Stadt Bad Sachsa.

[Brief: Slg. R. Boehm]

  • >= 1977: Bismarckstraße 16: Seit spätestens 1977 ist der Eigentümer des Seeblick Herr/Frau Schrader-Ahrens
„Kurheim HAUS SEEBLICK, Das Haus mit der guten Küche“. [Bad Sachsaer Echo 18.09.1981]
  • 1982/1983: Haus Seeblick [Das Öffentliche]

1985 + 1986: Kurheim HAUS SEEBLICK, Cafeterrassen, Bes. H. Schrader-Ahrens“
„Es gefällt uns hier in Sachsa wieder sehr gut. Wir tanzen und laufen sehr viel. Haben ein sehr großes Zimmer mit Fernseher, was bei dem vielen Regen sehr schön war. Jetzt haben wir zwei schöne Tage mit Sonne gehabt, hoffentlich bleibt es so. Am Montag waren wir zur Travestieschow CHEZ NOUS, es war sehr schön, wir haben sehr viel gelacht. Bitte grüße auch Traudel u. Georg, habe ihre Adresse nicht bei mir. Nun bleibe gesund u. herzlich gegrüßt von Ruth u. Otto.“
[2x AK: Slg. R. Boehm]

[Teile einer Doppelkarte: Slg. R. Boehm]
Adresse bisher Bismarckstraße 16 /
hds. verändert in Bismarckstraße 25
  • 2007/2008: Bismarckstraße 25: Das Anwesen ist in der Zwangsvollstreckung


Die Diakonie Wolfsburg in Bad Sachsa:

„Im Winter 1963 ergab sich für die Innere Mission Wolfsburg die Gelegenheit, in Bad Sachsa/Südharz ein Erholungsheim des Volkswagenwerks zu übernehmen, das vom Werk wegen des sich veränderten Urlaubsverhaltens der eigenen Angestellten nicht mehr benötigt wurde. Der Kaufpreis, der Gebäude und Grundstück umfasste, wurde vom Volkswagenwerk gezielt niedrig gehalten, so dass der Verein für Innere Mission keine volle ausnutzung anzustreben brauchte und die Rentabilität des Heims nicht im Vordergrund zu stehen hatte. Da der Kauf des Erholungsheims keine größeren Risiken mit sich brachte, fasste der Vorstand den Entschluss, das Erholungsheim zu übernehmen. Erich Bammel, der die Verhandlungen mit dem Volkswagenwerk führte, konnte den Verkaufspreis sogar durch eine zusätzliche Spende des Werks noch einmal verringern. Die Grundidee, die hinter dem Erwerb des Heims stand, war, älteren Menschen einen Zugang zu Erholung und Ferien zu ermöglichen. Seit den Jahren des Wirtschaftswunders waren Urlaube für eine Vielzahl von Angestellten unterschiedlicher Berufsgruppen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, ohne dass ältere Menschen davon im gleichen Maße profitiert hatten. Im Hintergrund des Erwerbs stand das am 30. Juni 1961 eingeführte Bundessozialhilfegesetzt (BSHG), das den Rechtsanspruch auf Sozialhilfen sicherstellte, die fortan gerade auch ältere Menschen zugutekommen sollte. Alfred Perschel erinnerte daran, dass man es mit der Aufmerksamkeit und Zuwendung gegenüber der älteren Generation überhaupt nicht übertreiben könne. Deshalb, so meinte Perschel, sole man sich die Worte des Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke zu eigen mache:
„Wir alle verlieren die Achtung vor uns selbst, wenn wir uns diesen allernächsten Verpflichtungen denen gegenüber entziehen, die uns Gutes erwiesen haben.“
Die Zielgruppe der potentiellen Erholungsgäste umfasste neben Bewohnerinnen und Bewohner des Emmaus-Heims und Michaelis-Heims und der älteren Stadtbevölkerung Wolfsburgs auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins der Inneren Mission.. Sie sollten eine kostenlosen einwöchigen Sonderurlaub erhalten und auf diese Weise für einige Tage zu ihrer wohlverdienten Auszeit kommen. Erich Bammel äußerte sich öffentlich zum Erwerb des Erholungsheims in Bad Sachsa und erläuterte die dafür maßgebliche Motivation wie folgt:
„Wir haben in erster Linie an unsere Mitarbeiter gedacht. Sie stehen im schweren Einsatz, den die Pflege von Sichen nun einmal fordert; aber im Gegensatz zum Volkswagenwerk und der Stadtverwaltung, die für ihre Bediensteten schon den Erholungsplatz bereithalten, hatten wir bisher keine Möglichkeit, den Einsatz unserer treuen Mitarbeiter durch eine Erholung, die nicht teuer ist, zu honorieren. Darum haben sie die erste Anwartschaft auf die Plätze in Bad Sachsa. Darüber hinaus dachten wir an diejenigen unserer Heininsassen, die keine Angehörigen mehr haben und deshalb von niemand zu einem Sonntagsausflug oder eine Ferienaufenthalt eingeladen werden. Sie müssen immer zu Haus bleiben, während andere von Reiseerlebnissen und Urlaubseindrücken berichten. Auch ein alter Mensch braucht bei aller Fürsorge, der im Emmaus-Heim findet, eine Tapetenwechsel.
Da unser Heim aber das ganze Jahr über geöffnet ist, können wir es mit usneren Angestellten und Heiminsassen aus Wolfburg und Brome alllein nicht füllen. Darum stellen wir auch allen übrigen Rentner in Wolfsburg zu allen Zeiten Heimplätze in Bad Sachsa gern zur Verfügung.
Dem Verein für Innere Mission war es wichtig, dass das Heim auch nach der Übernahme seinen sozialen Charakter wahrte, weshalb lediglich Rentnerinnen und Rentner mit einem geringen Einkommen einen Heimplatz erhalten sollten. Nachdem noch einige bauliche Veränderung vorgenommen wurden, konnte das mit 33 Plätzen, später sogar mi 42 Plätzen, ausgestattete Heim am 1. September 1964 endgültig übernommen und bereits nach einigen Tagen in Betrieb genommen werden. Die Heimleitung sollte nach ersten Planungen in den Händen von Erich Bammels Schwägerin und seines Bruders liegen, der gerade aus Altersgründen aus dem Dienst im Volkswagenwerk ausgeschieden war. Nach kurzer Zeit bekam jedoch Schwester Annemarie Lüttich, die zum ersten Kurs der Altenpflegeschule gehörte, die Heimleitung zugesprochen. Erich Bammel äußerte über das Heim in Bad Sachsa:

„Es [das Erholungsheim – S.H.] liegt ziemlich zentral, unmittelbar am Kurpark und an dem sich daran anschließenden See. Wer einmal zum Märchengrund gegangen oder gefahren ist, ist an dem Haus vorbeigekommen, das 33 Plätze hat. Das Volkswagenwerk baute an das schon bestehende Heim einen Aufenthaltsraum an, von dem aus man einen schönen Blick über das Wasser und den Wald hat. Wir haben bisher nur einen Nachteil feststellen können. Durch die Hanglage müssen unsere Alten bis zum Haus soviel Stufen steigen, wie wenn sie im zweiten Stock eines Miethauses wohnten. Wir können daher schwer Gehbehinderten kaum empfehlen, sich gerade dieses Heim zur Erholung auszusuchen. Wer aber noch einigermaßen ,beinig‘ ist, wird sich dort außergewöhnlich wohlfühlen.“


Die Ausdehnung des Aktionsbereichs des Vereins für Innere Mission über die Stadtgrenzen Wolfsburgs hinaus, zunächst nach Brome und nun bis nach Bad Sachsa, war trotz mancher Schwierigkeiten, mit denen beide Heime zunächst zu ringen hatten, ein voller Erfolg. Das Heim in Bad Sachsa konnte indessen nach einigen Jahren der ständig wachsenden Nach-frage nach Kurplätzen und den erhöhten Anforderungen an die Betreuung der Gäste nicht mehr entsprechen. Die Räumlichkeiten waren unzureichend für eine hohe Ansprüche gerecht werdende Altenbetreuung und das Grundstück bot keine Erweiterungsmöglichkeiten. Daher entschloss sich der Vorstand des Vereins für Innere Mission für den Verkauf des Hauses und für den Bau eines neuen und umfangreicheren Seniorenzentrums in Bad Sachsa. Es wurde am 16. September 1975 eröffnet und war das letzte Bauwerk des Vereins für Inneren Mission unter der Leitung seines bewährten Vorstandsvorsitzenden Erich Bammel.

(vgl. in: Diakonie Wolfsburg: Forschungsbericht, Pastor Erich Bammel (1913-1985) und die Gründung des DIAKONISCHEN WERKES WOLFSBURG e.V.. /
bitte dort die einzelnen Zitate nachvollziehen)
dort heißt es an anderer Stelle:
1. September 1964 Übernahme des „Seeblicks“ in Bad Sachsa
1. Januar 1973 Übernahme des „Haus Feierabends“ in Bad Sachsa
16. September 1975 Eröffnung des Seniorenzentrum in Bad Sachsa

Zur Fortsetzung des Wirkens der Diakonie Wolfsburg siehe unter
Bornweg 10: Seniorenzentrum Bad Sachsa
Talstr. 6/7: Haus Feierabend


Zur möglichen Beziehung der Diakonie mit VW – insbesondere zu Heinrich Nordhoff merkt Hans-Jürgen Liebau, ein Bad Sachsaer Kind an:

„Walter Neusel wohnte bei Kriegsende im Hause Köbrich, dem ehemaligen Hotel Warteberg. Kurze Zeit nach dem Ende des Krieges zog in das Haus, das auch viele Flüchtlinge aufgenommen hatte, ein anderer prominenter Gast in Spee ein: Heinrich Nordhoff, der von Bad Sachsa nach Wolfsburg berufen wurde, um das Werk wieder aufzubauen, das dann unter dem Namen Volkswagen-Werk weltbekannt wurde.„
[Hans-Jürgen Liebau, 27.11.2018 auf Facebook]