Blücherstraße 4

Villa Uthemann

[auch bekannt als „Lohoff’sche Villa“]

  • 1900: Brand 14
  • um 1920: Bismarckstr. 14
  • ab 1975: Blücherstraße 4

Zentral gelegen, direkt über die gesammte Breite des Schmelzteiches, hatte sich ein Dr. Böttcher dieses noch unbebaute Filetstück gesichert.
[Zeichnung1893, StABS]

Familie Uthemann bringt Glanz
in unseren aufstrebenden Kurort.

Louis Deibel und seine Frau Elisabeth geb. von Fleckinger waren in St. Petersburg vermögend geworden. Die mangelnde Gesundheit der Gattin war der Grund für den Umzug nach Bad Sachsa. Die Familie Deibel gehörte ebenso zur kulturellen und finanziellen Oberschicht in der russischen Metropole wie die Familie Uthemann, die sich von den Vorzügen Bad Sachsa überzeugte und ebenfalls nach hier umsiedelte.

Franz Karl Ludwig Uthemann erwirbt das schönste [und gleichzeitig größte] Grundstück am Schmelzteich und läßt 1900 durch den (in Bad Sachsa bereits bekannten) Nordhäuser Architekten Habermann eine repräsentative Villa unter der damaligen Adresse Brand 14 [seit 1975 Blücherstraße 4] erbauen.
Im Folgejahr stellt Uthemann einen Antrag auf Bau eines Eiskellers.

Der Reichtum, den sich diese beiden Familien im 19. Jahrhundert erwirtschafteten, war und ist für die hiesige Bevölkerung sicherlich nur schwer nachvollziehbar gewesen. Eine Veröffentlichung im Katalog des Züricher Auktionshauses Koller zum 21. 09.2017 gibt eine Ahnung dessen auf den Seiten 129 bis 133 wieder:

„Sammlung F. F. von Uthemann St. Petersburg/ Genf
Es freut uns im Rahmen der Septemberauktion bedeutendes Silber aus der Sammlung F. F. von Uthemann, St. Petersburg/Genf, präsentieren zu dürfen, das sich seit mehr als einem Jahrhundert in Familienbesitz befindet. Franz Fransevitch von Uthemann (St. Petersburg 1868 – 1925 Luzern), Sohn des Franz Vassilievitch von Uthemann (1836-1913), der 1867 eine Firma in St. Petersburg eröffnete und später zusammen mit Ferdinand Karl Krauzkopf (1848 – 1923), auch bekannt als Gummistiefel-Baron, bei der bedeutenden Fabrik „Treugolnik“ tätig war, baute diese hier nun zum Verkauf stehende, bedeutende Sammlung auf.
F. F. von Uthemann (St. Petersburg 1868 – 1925 Luzern), verheiratet mit Paulina Hilda von Krauzkopf (geboren 1883 in Georgenborn/Wiesbaden), die Tochter des Gründers der bekannten Gummistiefel Fabrik „Treugolnik“, studierte zunächst Rechtswissenschaften an der St. Petersburger Universität und diente anschliessend dem städtischen Finanzministerium. Nebst der Mitgliedschaft im Vorstand der „Treugolnik“ Firma, hatte er zudem den Vorstandssitz bei der Bavaria Brauerei, der Skorokhod Factory und fünf weiteren Firmen inne. Nach der Russischen Revolution floh er 1917 mit seiner Familie nach Skandinavien und liess sich nach dem Exil in Finnland in der Villa „Beau Soleil“ am Genfersee nieder, die sich bis 1965 in Familienbesitz befand.“

[Text + die folgenden Fotos: 21.09.2017, Katalog des Auktionshauses Koller]

  • oben links: Franz Uthemann
    [1836 Sandau – 1913 Bad Sachsa]
    Die Kaufmannsfamilie Uthemann stammte aus Sandau a.d. Elbe; dort wurde am 22. März 1836 Franz Karl Ludwig Uthemann geboren, der bereits in jungen Jahren nach St. Petersburg ging, um sich dort wirtschaftlich erfolgreich zu betätigen.
    [Das Foto ist vmtl. 1898 erstanden]
  • oben rechts: Sohn Franz Fransevitch von Uthemann
    [1868 St. Petersburg – 1925 Luzern] verheiratet in St. Petersburg mit
    Paulina Hilda Feiin von Krauskopf [1883 Georgenborn bei Wiesbaden – ?]
    [Das Foto ist vmtl. 1909 erstanden]
  • mittig: In 1874 wird die 3-Mast-Bark „FRANZ UTHEMANN“ auf der italienischen Werft der Gebrüder Cadenaccio (Sestri bei Genua) fertiggestellt und in Dienst genommen (bis 1881, dann unter anderem Besitz als „SV Prudencia“, später u.a. bis 1913 als „SV Calbuco“ bei der Firma Carlos Oelkers (sic!).
    Darüber hinaus war Franz Uthemann in den 1870/1880er Jahren der Vertreter der in Stettin ansässigen „Neue Dampfer-Compagnie“ in St. Petersburg und organisierte vor dort aus den Güter-Verkehr für die Schifffahrtslinie zwischen Stettin, Reval, Moskau und St. Petersburg.
    [05.03.1876, Revalsche Zeitung. Eine ähnliche Annonce erscheint bei der selben Zeitung 1881]

Die bescheidene Villa der Familie Franz Uhtemann entsteht erst 1908 in Wiesbaden in der Sonneberger Str. 60
[Kulturdenkmäler in Hessen, Wiesbaden II]

Villa Uthemann –
eine Sommerresidenz. Baujahr 1900
[1904, AK: Slg. R. Boehm 889]
Die Villa erstrahlt in alter Pracht.
Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Familie Oelkers und ist an den Hotel-Komplex „Romantischer Winkel“ angeschlossen.
17.06.2009
[Foto: Horst Möller]

Die Dame des Hauses nahm in den Sommermonaten an der über die Grenzen hinaus bekannten Luft- und Migränetherapie im ca. 15 Gehminuten entfernten Kuckanstal am Fuße des Ravensberges teil.

Ein kleines Geschenk für die Liebste kaufte Franz Uthemann auf der Weltausstellung in Paris 1904:

[Text: Kurzeitung 13/1990. Foto: H.-W. Degenhardt, Slg. R. Boehm]

Die Anlagen der Villa mußten natürlich gepflegt werden; ein fester Mitarbeiter war der Gärtner Otto Schmidt, der vermutlich auch die Aufgaben eines Hausmeisters erledigte. Allerdings waren seine Kapazitäten durch die Villa Uthemann nicht ausgelastet; die Kommunikation mit Frau Clara Rhein in 1909/1910 ist belegt.
Siehe dort unter

Frau Clara Rhein
und der Villa Rhein
am Waldsaumweg


Heute früh 5 1/2 Uhr entschlief sanft infolge eines Unfalles mein inniggeliebter Gatte, unser treusorgender Vater, Schwiegersohn und Schwater
Herr Rentier Franz Uthemann.
Dies zeigen tiefbetrübt an

Frau Alice Uthemann, geb. v. Zassetsky.
Marianne Uthemann.
Anna v. Pilgrim-Baltazzi, geb. Uthemann. 
Franz Uthemann, Excellenz.
Hilda Uthemann, geb. Freiin v. Krauskopf.
Gisbert v. Pilgrim-Baltazzi, Minister.
Frau Oberst v. Zassetsky.
Hofrat Konstantin v. Zassetsky.
Bad Sachsa, den 19. August 1913
Die Bestattung findet in Wiesbaden statt. Blumenspenden und Condolenzbesuche nicht erwünscht.
[BSN, 19.08.1913]


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1923 erwirbt der Fabrikbesitzer Emil Lohoff dieses großzügige Anwesen;
er ist auch Mitte der 1930er Jahre hier nachweisbar.
Mehr zur Familie auf folgender
Unterseite:

Familie Lohoff

um 1930: Die Lohoff`sche Villa. [Foto: Arno Wichmann, auf Facebook 08.03.2021]
Von 1945 bis 1951 wohnte der Komponist und Musiker Norbert Arnold Wilhelm Richard Schultze mit seiner Frau dort, wo sich heute der Grüne und der Rote Salon befinden. Seine bekanntesten Werke sind die Melodien zu „Lilli Marlen“, die Filmmusik zu „Die Mädels vom Immenhof“ aber auch die Noten zu einem grausamen Lied wie „Bomben auf Engeland“ sind aus seiner Feder.
Grüner Salon
[Foto: Romantischer Winkel]
Norbert Schultze
Familie Schultze wohnte hier vom 30.08.1948 bis 22.02.1950 in der Lohoff`schen Villa.
[Einwohnermeldeamt der Stadt Bad Sachsa]

Norbert Schultze weilte später mehrfach in Bad Sachsa; bspw. bei Familie Lausmann im KurparkHotel

Gästebuch des „Haus am Kurparkt / Familie Lausmann. [Bärbel Lausmann]

„Von 1952 bis 1958 haben wir in der oberen Etage mal gewohnt.
Es wohnten damals dort 8 Familien im Haus.“

[Foto: Juni 1977, sowie Text: Siegfried Ross auf Facebook 16.09.2022]

  • 1975 erfolgt die Umnummerierung von Bismarckstr. 14 auf Blücherstr. 4.
  • 1978 wir das Hotel Romantischer Winkel durch Annemarie und Wolfgang Oelkers eröffnet.
  • Die Villa Oelkers wird umgebaut/saniert durch Dipl. Ing. Architekt Kurt Johanning in 1992
  • Zwei Kirchenfenster (ehedem in St. Nikolai-Kirche) werden in die Kapelle der „Villa Vida“ verbaut
  • (dort liegt auch ein drittes Fenster. Sie sollen sich dort als Dauerleihgaben befinden).
  • Die Wetterfahne trägt das Jahr „1992“.