Ein der Stadt würdiges Denkmal

Von der Kirchturmspitze beäugt der preußische Adler seit 1823 gelassen das Geschehen zu seinen Füssen am oberen Abschluss der Marktstraße.
1885 wurde er das letzte Mal von seiner Arbeit als Wetterfahne abgelenkt, als der Treppenaufgang neu gestaltet wurde.
(vgl. Entwurfszeichnung 10.3.1885, Aug. Heise, Kirchenarchiv Sachsa lfd. Nr. 146)

Noch ahnt der schwarze Vogel mit der goldenen Krone nicht, dass er bald Konkurrenz bekommen wird…
 (1904, AK: Slg. R. Boehm)


„Zum Besten des Kriegerdenkmals„

(26. Mai 1914, „Bad Sachsaer Nachrichten“ – Nachfolgerin der „Zeitung für den Harz“)

Die ersten Überlegungen zur Planung „eines der Stadt würdigen Kriegerdenkmals“ sind bereits in 1894 gemacht worden und sogleich erfolgte in der hiesigen Tages-zeitung ein Aufruf durch den Vorstand des Kriegervereins.
[Zeitung für den Harz, Wieda, 15.12.1894].

 Allerdings brauchte es fast zwei Jahrzehnte bis man in 1913 über 7.000 der geschätzten 10.500 Mark zusammen und sich auf den Platz vor der Kirche geeinigt hatte. Am 8. Januar 1914 nimmt der Magistrat der Stadt Bad Sachsa „Kenntnis von der Eingabe des Ausschusses zur Errichtung eines neuen Kriegerdenkmals und beschließt das Denkmal nach Fertigstellung in Besitz und Eigentum zu nehmen.“ [Magistrats-Protokoll, 2. Okt. 1913, StABS I.d.47,5]

Den Bad Sachsaer Nachrichten sind erstmals am 20.01.1914 Gedanken zu entnehmen zur Ausgestaltung sowie die Auftragsvergabe an den „bekannten und bedeutenden Bildhauer Herrn Juckoff in Skopau=Halle a.S.“, der bereits das Denkmal anfertigt, „sodaß im Laufe des Sommers der Aufbau stattfinden kann.“
Am 30. Juni 1914 berichtet die selbe Zeitung direkt von zwei Ereignissen nacheinander, nämlich vom Attentat am 28. Juni in Sarajewo sowie der Grundsteinlegung!
„Die Einweihung und Enthüllung des Denkmals soll voraussichtlich am Sonntag 30. August 1914 stattfinden“, so dachte man zumindest damals noch!
Daraus wurde aber nichts – der I. Weltkrieg nahm seinen Verlauf und das fertiggestellte Denkmal wurde mit einem Bretterverschlag verdeckt und geschützt – die Einweihung auf unbestimmte Zeit verschoben…
[1916, Foto: Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa]

Erst weit nach Kriegsende kann man der Heimatzeitung entnehmen:

„So fiel dann in aller Stille die umhüllende Bretterwand.
Am 29. Nov. 1919 wurde das Denkmal ohne Sang und Klang als vollständiges Eigentum übergeben.
„
[Denkmäler, Altertümer, StABS 3.19.9 Heft 1, S. 24, 1910-1938]
Seit dem allerdings bildet dieses Denkmal an der Kreuzung von Markt-, Kirch- und Schulstraße das Zentrum des Geschehens in Bad Sachsa!
Das folgende Foto zeigt eine Kranzniederlegung zu Füssen des neuen Denkmales
[vermutlich 1920 zum Schützenfest. Foto: Slg. R. Boehm]

Aber an was oder worüber sollen wir mal denken ???
TEXT AUF DER RÜCKSEITE:

„VERGISS DIE
TREUEN TOTEN
NICHT
„

[Kreuz im Lorbeerkranz]

„UNSEREN HELDEN
ZUM EHRENDEN
GEDÄCHTNISS
UND DEN KÜNFTIGEN
GESCHLECHTERN
ZUR MAHNUNG“

Aufgrund von Beschädigungen ist der Text in 2020 nicht mehr vollständig erhalten!
(2020, Foto: Ralph Boehm)

TEXT AUF DER FRONTSEITE:

„GOTT MIT UNS„

heißt es direkt unter den Greifen des preußischen Adlers.
[1919, Foto: Hans-Joachim Liebau]
GEDENKTAFELN AUF DER FRONTSEITE

[2011, Foto: R. Boehm]

Dieses Denkmal ist anders als viele andere in dieser Zeit entstandenen Male:

Auf den eingelassenen Tafeln werden nicht [lediglich) den Toten sondern allen Kriegsteilnehmern diverser kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Wege zur Deutschen Einigung 1870/1871 seit 1813 gedacht!

Mittlerer Tafelteil
„ZUR
ERINNERUNG AN
DIE SIEGREICHEN
FELDZÜGE I8I3-I5
I864 . 1866 . I870-7I
AUS DER STADT
BAD SACHSA
KÄMPFTEN UND STARBEN
DEN HELDENTOD

…“

Die Teilnehmernamen mit den jeweiligen Dienstgraden und Kriegen werden überschrieben mit „KÄMPFTEN„
[Dezember 2021, 3 Fotos: R. Boehm]
unten: [12/2021. Foto: Brigitte Borchert] Vom Nebel verschluckt…

Geschichte wiederholt sich hoffentlich nicht!

Denk mal!

1914 stehen in der Lokalzeitung am selben Tag der Beginn des I. Weltkrieges und die Eröffnung dieses Denkmals –
2022 wird in der Lokalzeitung die Renovierung dieses Denkmals thematisiert, während Russland die Ukraine überfällt…
(Harz Kurier 21.02.2022)

Kriegerdenkmal Bad Sachsa: Ein Mahnmal, keine Heldenverehrung

Sanierung im Südharz
Kein Denkmal wie jedes andere: Im Südharz warnt ein majestädtischer Adler vor den Fehlern der Vergangenheit.
Von Thorsten Berthold, 26.11.2023, 10:00 Uhr.
Denkmal – exakt beide Silben des Wortes sind es, die Einwohner wie Gäste in Bad Sachsa verinnerlichen sollen, wenn sie künftig den majestätischen steinernen Adler am Fuße der St. Nikolai-Kirche in Bad Sachsa passieren.
„Das Kriegerdenkmal ist einzig und allein eines – ein Mahnmal. Es geht nicht um Heldenverehrung“, betont Bad Sachsa Stadtarchivar und Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum, Ralph Boehm. Exakt diesen Gedanken – „Denk mal (wieder)“ – habe der Verein deshalb auch der erklärenden Infotafel neben dem frisch sanierten Denkmal in den Mittelpunkt der Erklärungen gestellt, wie Boehm beim offiziellen Termin zum Abschluß der Sanierungsarbeiten erläuterte. „Und die Bedeutung des Monumentes ist Mahnmal aufgrund der weltweiten Kriege aktueller denn je.“

Enthüllung des Denkmals in Bad Sachsa musste verschoben werden

Doch die imposante Statue aus preußischem Adler und dessen Sockel hat auch weitere besondere Bedeutung, die die meisten „normalen“ Kriegerdenkmäler nicht aufweisen. Eigentlich sollte es am 28. Juli 1914 den Menschen in der Uffestadt präsentiert werden, doch an diesem kam es in Sarajevo zum Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, was den Ersten Weltkrieg auslöste. „Man entschied die Präsentation zu verschieben“, erklärte Boehm. In einer Bretterkiste verpackt wurde das Denkmal erst im Jahr 1919 der Öffentlichkeit präsentiert.
Und auch die jetztige offizielle Wiedereinweihung nach der Sanierung durch die Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg aus Thale erfolgte eher in Stille und lediglich mit Vertreterrn von Verwaltung, Kirche, Museumsverein und der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

Privatperson spendet 25.000 Euro für die Sanierung des Denkmals im Südharz

Rud 56.000 Euro kostete die Sanierung, wie Bürgermeister Daniel Quade erläuterte. Und hier konnte man sich – wie bereits bei Bau des Denkmals – auf die Unterstützung der Menschen und Geschäftswelt vor Ort verlassen. 10.000 Euro steuerte die Stiftung der Sparkasse Osterode am Harz bei, 25.000 Euro kamen von einer Privatperson aus Bad Sachsa. „Es gibt, denke ich, keinen besseren Zeitpunkt dafür, den Abschluss der Sanierungsarbeiten des Denkmals zu begehen wie jetzt zwischen Volkstrauertag und Totensonntag“, erklärte Thomas Toebe, Vorstand der Sparkasse Osterode am Harz. „Wir förden mit unserer Stiftung nicht jedes Kriegerdenkmal, aber das in Bad Sachsa hat eine besondere Bedeutung“, betonte er ausdrücklich.
Bürgermeister Daniel Quade dankte der Unterstützung aller Beteiligten an dem Projekt, Denn auch hier zeigte sich ein Besonderheit. „Wenn man bedenkt, dass aus Erzfeinden Freunde wurden“, sagte er auch in Bezug auf die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Castelnau-de-Medoc, die in diesem Jahr gefeiert wurden. Im Rahmen der Festwoche, so führte Saskia Liebing, Vorsitzende der DFG, weiter aus –  feierte man im Vitalpark einen besonderen Gottesdienst, bei dem auch für die Infotafel gesammelt wurde. „Ich kann nur Danke sagen für das Engagement bei Ralph Boehm für die Erstellung der Tafel und allen Unterstützern“ so Liebing.

Das ist das Kriegerdenkmal in Bad Sachsa:

  • Das Manhmal für die Kämpfer wurde im Jahr 1919 der Öffentlichkeit präsentiert. Schon ab dem Jahr 1894 hatte man in Bad Sachsa dafür Spenden gesammelt.
  • Das Mahmal unterscheidet sich von anderen Standart-Kriegerdenkmälern: Hier wird eben nicht der Toten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gedacht, sondern aller Kriegsteilnehmer der Unabhängigkeits- und Einheitskriege.
  • Auf Bronzeplatten sind die heimischen Kämpfer verewigt, die in die Unabhängigkeitskriege gegen Napoleon und später in die Einheitskriege 1864, 1866 und 1870-1871 zogen.
  • Geschaffen hat das Denkmal der Merseburger Bildhauer Paul Juckoff (1874-1936). Er schuf zahlreiche Statuen von Luther und preussischen Adligen.“
Volkstrauertag [19.11.2023, Foto: Brigitte Borchert]


Das sanierte Kriegerdenkmal. Der Dank gilt den Unterstützern.
v.r.n.l.:
Thomas Toebe [Sparkasse Osterode am Harz],
Saskia Liebing [Deutsch Französische Gesellschaft]
Daniel Quade [Bürgermeister Bad Sachsa]
??? Peter Witt ???
Stefanie Eilhardt [St. Nikolai-Kirche]
Ralph Boehm [Stadtarchivar
[26.11.2023 HK online, Foto: Thorsten Berthold]




HÄUSER ERZÄHLEN GESCHICHTE(n)

Diese Tafel ist linker Hand des Denkmales an der Kirchmauer angebracht


17.07.2026
– Kranznierderlegung durch den Schützenverein.
– Es bröckelt schon wieder