ELEKTRISCHE SPANNUNG

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Strom gegen Wasser

„Stromversorgung gesichert
Bad Sachsa. Zur Zeit sind etwa 120 Monteure dabei, die neue Leitung für Licht- und Kraftstrom von Osterhagen zum Südharz durchzuführen, um die Stromversorgung in unserm Gebiet sicher zu stellen. Die hiesigen städt. Betriebswerke wurden am Sonnabend von der Zentrale in Bleicherode verständigt, daß auf Grund eines von Ost=Berlin ergangenen Befehls mit der Abschaltung des Strom demnächst zu rechnen sei. –

Es hat den Anschein, daß man sich auf ostzonaler Seite einfach über den Tatbestand hinwegsetzen will, daß Bad Sachsa 9 Gemeinden im sowjetischen Zonengrenzgebiet mit Wasser versorgt, und daß es Bad Sachsa ein Leichtes sein dürfte, diese Gemeinden als Gegenmaßnahmen
„trocken“ zu legen.
[BSN 03.06.1952]

Billigstrom aus der DDR in die Bundesrepublick.
Von Wolkramshausen bei Nordhausen (DDR) über die DDR-Grenzsperranlagen
hinweg nach Neuhof

29.10.1985 [Rudolf Zietz. Berliner Zeitung oder evtl. Hannoversche Presse]

Im Gegensatz zur großen Linie wurde die Stromlieferung von Thüringen in die damalige Bundesrepublik nie ganz unterbrochen…

Im Harz versorgte die EV Bleicherode die Licht- und Kraftwerke Harz (LKH) und das Stadtwerk Bad Sachsa. Diese waren ebenfalls schon vor 1945 Kunden der ÜLZ Bleicherode. Die Versorgung geschah nun vom UW Klettenberg und vom EW Ellrich über 10- bzw. 15- und später 20-kV-Leitungen.
Mit steigender Leistung wurde zusätzlich vom UW Wolkramshausen in Thüringen zum UW Neuhof in Niedersachsen eine 110-kV-Doppelleitung errichtet (Bild 3 und 4) und beim LKH ein 6-MVA-Frequenz-umrichter aufgestellt, um die Frequenzschwankungen des osteuropäischen Netzes auszugleichen.
Es ist somit eines der wenigen Umspannwerke in der alten Bundesrepublik, über welches schon vor dem nach der Wende eingeführten
Innerdeutschen Stromverbund Elektrizität aus der damaligen DDR importiert werden konnte. Die maximal mögliche Importleistung betrug 40 MVA. Hiervon konnten bis zu 25 MVA mit Hilfe von fünf von der Firma Siemens gefertigten, rotierenden Umformern, welche das Ausregeln der starken Frequenzschwankungen des ostdeutschen Stromnetzes ermöglichten, in das westdeutsche Verbundnetz eingespeist werden. Zusätzlich erfolgte eine direkte Einspeisung von Elektroenergie aus dem ostdeutschen Stromnetz in die Ortsnetze von Bad Sachsa, Walkenried, Zorge und Wieda.

Diese »Westversorgung« hatte für die DDR-Wirtschaft eine hohe Priorität.
Einerseits durften Fehler im westdeutschen Netz keine Auswirkungen auf das DDR-Netz haben und anderer-seits war wegen der für die DDR sehr wichtigen Devisen eine hohe Versorgungszuverlässigkeit gefordert.. Da Material in der DDR immer einen Engpass darstellte, wurde extra eine Störreserve für die Westversorgung vorgehalten. Strom wurde bis zur Wende im Jahr 1989 bzw. darüber hinaus geliefert.

Im April 1990 wurde die Anlage stillgelegt und zwischen 2003 und 2005 wurden die Umformer inklusive ihrer Hilfseinrichtungen demontiert und anschließend verschrottet. Die Hallen, in denen sich einst die Umformer befanden, werden heute von der Harz Energie für betriebliche Zwecke weiterhin genutzt. –  Die Leitung nach Wolkramshausen wurde zum Teil abgebaut und an eine Leitung, die von einem Umspann-werk aus dem Westen kommt, angeschlossen. Die Schaltanlage, in die einst die Leitung aus Wolkramshausen mündete, ist zurzeit ungenutzt. Vor dem Umspannwerk steht ein ungenutzter 110-kV-Mast ostdeutscher Bauart

( Walter Schossig: 40-jährige Unterbrechung beendet. 10 Jahre elektrische Wiedervereinigung Deutschlands. In: ew. Band 105, Nr. 21–22, 2005, S. 80–83 (walter-schossig.de [PDF; abgerufen am 18.03.2024] Sonderdruck PDF 6090). und Wikipedia: „Umspannwerk Neuhof“, abgerufen am 18.03.2024)
Die beiden folgenden Fotos verdanken wir Horst Möller, der diese Abbauarbeiten am 08.04.2011 festhielt: