Glaseberg 23 – Villa Waldburg
- 1900 ca.: Kurze Straße 4a
- 1907-1933: Glaseberg 8
- 1933-heute: Glaseberg 23

„Oben links ist Villa Waldburg„, so steht es auf dieser Ansichtskarte, geschrieben am 11.08.1901, und hat eine herrliche Sicht über die Stadt (mit Ziegelei Coventis – halblinks mit Schornstein, und „Haus Elma“, ganz rechts – Kurze Straße 1) bis weit ins Land hinein.
Villa Waldburg: „Dies ist mein Chef seine Villa in Bad-Sachsa.“
[18.06.1906, AK: Slg. R. Boehm 6252]

In vielerlei Hinsicht fällt diese Villa Waldburg, man würde sie eher in Großstädten erwarten, aus dem üblichen Rahmen: das 2stöckige, grundsätzlich rechteckige, Hauptgebäude verzichtet auf Sichtfachwerk auf der Prunkseite, auf ein Satteldach mit verspielten Giebeln und auf ein Türmchen! Aber – Nun doch wieder typisch Bad Sachsa: Zwei Wintergärten stehen übereinander; der untere teilverglast, der obere komplett offen und nur durch einen Vorhang vor der Morgensonne schützend.
Vermutlich wird diese Villa 1901 erbaut sein [auf einer Ansichtskarte von 1901 ist sie wohl erstmals mit abgebildet; s.o.].
Der Winter 1904/1905 muss ein schneereicher gewesen sein. Denn der Zimmer-meister Carl Seidenstücker stellt für den Eigner Carl Diener aus Ellrich, im Dezember 1904 den Antrag auf ein „Schutzdach“, „dasselbe soll zum Schutze gegen Schneewehen und zur Trockenhaltung der Hintereingänge dienen…“ und „das Schutzdach soll später durch einen massiven Schuppen ersetzt werden…“.
„Zeichnung zum Zwischenbau eines Schutzdaches für den Kaufmann Herrn C. Diener aus Ellrich auf seinem Grundstück Villa Waldburg Glaseberg hier.“ durch
„Carl Seidenstücker / Dampf-Sägewerk, Zimmerei u. Holzhandlg. / Sachsa a/H.“
[Dezember 1904, StABS]

1929 wendet sich Carl Diener sen. „An die Polizei-Verwaltung. Hier.“ und zeigt an, daß er „beabsichtige mein Haus, Glaseberg 8 mit Oelfarbe anstreichen zu lassen.“
Zu der damaligen Zeit ist die Villa Waldburg offensichtlich noch ziemlich allein
auf weiter Flur; das große Grundstück wird umgeben von der Glasebergstraße
[auf anderer Seite das „Waldgrundstück d. H. Frind“], einem Privatweg [der den eigenen Boden vom „Acker“ trennt] und dem unbebauten „Grundstück des Herrn Fr. Kälz“.
Die Stadt hatte offensichtlich Verständnis für diesen Antrag [Eingangsstempel
vom 09. Januar 1905] und genehmigte ihn umgehend bereits am 10. Januar 1905 [Sie haben richtig gelesen!!! NACH NUR EINEM TAGE lag die Genehmigung vor!!!][1904/1905, Bauakte, Bauamt Bad Sachsa]

1938 haben „Carl Dieners Erben, Glaseberg 23, einen Bauantrag zum Bau eines Schornsteins eingereicht.“ [StaBS]

Der Schornstein wurde so gebaut, wie auf der Zeichnung angegeben. Allerdings gab es in jenem Jahr 1938 Ungemach für Frau Helma Koch [sie steht für Carl Dieners Erben], denn ein Nachbar beschwert sich über den dauernden Geruch, der wohl dadurch entsteht, daß die vermuteten Spülklosetts nicht an die Kanalisaton angeschlosen sind?

Pol.-Hauptwachtmeister Grüneberg, er ist uns schon mehrfach untergekommen, stellt fest, daß die Anzeie des Schlotter berechtigt ist, denn „es ist keine wasser-dichte Grube vorhanden, sondern nur eine Sickergrube. Es versickert aber nicht in die Erde, sondern läuft alles in dem Tannenwäldchen von Friedrich Kälz. Dieses Wäldchen grenzt an das Grundstück von Schlotter und auch an das Grunstück von der Frau Koch. Kanalanschluß ist dort nicht vorhanden. Dieser Zustand muß umgehend beseitigt werden. B.S. d. 15.8.1938.

Es entsteht ein langer Schriftwechsel zwischen den Beteiligten, der mir an dieser Stelle nicht sinnvoll erscheint.
Wer aber den kompletten Akt
nachvollziehen möchte, schaue bitte unter
Anschluß an die
Kanalisation
1941
1939 auf 1941 wird der Kanal-Anschluss hergestellt lt. beiliegendem Lageplan


