Goethestraße 3

Vermutlich 1929 ließ Familie Michel diese Villa erbauen.
Else, geb. Wiedekind und Reinhard Michel (wohnhaft bisher wohl Marktstr. 23/24) bekommen 4 Kinder.
Insbesondere Ehemann Richard Michel hat in Bad Sachsa Spuren hinterlassen,
ein Auszug:

Lehrer Richard Michel, 1876 bei Erfurt geboren, war seit 1896 im öffentlichen Schuldienst Preußens beschäftigt und seit 01.01.1899 an der Volksschule Sachsa in den Fächern Deutsch, Rechnen, Zeichnen. 1900 wird er als „Mitglied des Militärvereins ehemaliger Waffengefährten“ -und in den Folgejahren für zwei Jahrzehnte als dessen Vorstandsmitglied- genannt;
seit 1901 ist er Bürger unserer Stadt.
Der Kriegsteilnehmer wird als „Mitglied der kirchlichen Gemeindevertretung genannt“, ist „Dirigent des Gesangvereins LIEDERTAFEL“, kandidiert bei Satdtverordnetenwahlen (1924 auf „Liste Döbrich“, 1929 auf Liste „Kommunale Wohlfahrt“). Der Konrektor (seit 1926) wird Vorsitzender des „Lehrervereins Bad Sachsa und Umgegend“ und tritt 1933 der NSDAP bei.
Nach 40 Dienstjahren, davon 37 ½ Jahre in Bad Sachsa, wird Reinhard Michel zum 31.03.1938 pensioniert.

(Die Informationen basieren auf den Forschungen von Markus Jaeger, die er im Rahmen seiner Examensarbeit über die 1930er Jahre in Bad Sachsa zusammengetragen hat, Stadtarchiv Bad Sachsa)

1929-1934, Goethestr. 3, Familie Michel, [Foto: Familie Michel]

Mein Lebenslauf!
Am 23.3.1918 wurde ich als Sohn des Konrektors Richard Michel und dessen Ehefrau Els, geb. Wiedekind in Bad Sachsa am Südharz geboren. Von 1924 bis 1928 besuchte ich die Volksschule in Bad Sachsa. Von 1928 bis 1934 ging ich zur Oberrealschule und verließ sie mit Obersekundarreife. Von 1934 bis 1936 lernte ich bei der Stadtverwaltung Bad Sachsa. Anschließend besuchte ich die zweijährige Höhere Handelsschule in Nordhausen. Von April 1938 bis Oktober 1938 genügte ich meiner Arbeitspflicht in der Rhön. Am 17. November trat ich bei der Wehrmacht ein. Dort wurde ich für die Wehrmachtbeamtenlaufbahn vorgesehen und erhielt meine Ausbildung auf der Zahlmeisterei. Anfang 1940 wurde ich Rechnungsführer, 1943 Sachbearbeiter auf der Zahlmeisterei der Feldeinheit, die ich bis Kriegsende allein und selbständig führte. Im Mai 1945 geriet ich in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der ich am 24. November 49 entlassen wurde. Bis Mai 1950 wurde ich zum Zwecke der Erholung krank geschrieben. Seidem bin ich beschäftigungslos. Ich bin hier bei Verwandten. Meine Eltern wohnen in der Ostzone.
Wolfgang Michel

o.D., Altes Paar beim Graben [Foto: Familie Michel]
Familie Michel in den 1960er Jahren [Foto: Familie Michel]
o.D., ca. 1961 [BSN. Die roten Anmerkungen stammen von Familie Michel]


Das Familiengrab ist auf
dem Friedhof Kaarst

[Foto: Familie Michel]