Jugendherbergsstraße 9-11 [* 1959 – † 2020]
[ehedem Tettenborner Straße 11/12)
Die Geschichte der Sachsaer Jugendherbergen beginnt bereits im 19. Jahrhundert.
Die erste „Schülerherberge“


Links: „Gasthaus zur Krone“ um 1900
| Die Gartenlaube. [1897, Heft 24] |
Das Illustrierte Familienblatt beschäftigt sich auf ca. S. 407 mit der
„Deutsche Schüler- und Studentenherbergen. Im Jahre 1884 gründeten einige Menschenfreunde für die Schüler höherer Lehranstalten, also Gymnasiasten, Realschüler, Seminaristen usw., welche man in Oesterreich kurzweg Studenten nennt, zu Hohenelbe in Böhmen die erste deutsche Studentenherberge. Diese Einrichtung verfolgte den Zweck, Schülern, die Ferienausflüge machen, geeignete Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Der erste Versuch fand eine überaus beifällige Aufnahme, und bald öffneten mehr solcher Herbergen in Oesterreich und später auch in Deutschland ihre gastlichen Thore. Heute finden wir sie in den Sudeten, im Glatzer, Riesen-, Jeschken- und Isergebirge, ferner im nördlichen Böhmen und Mittelgebirge, in der Böhmischen Schweiz, endlich im Lausitzer, im Erzgebirge und im Böhmerwald.
Diese Herbergen werden von den betreffenden Gebirgsvereinen, von Gemeinden und Privatleuten unterhalten und stehen unter der Centralleitung in Hohenelbe, die seit Anbeginn in den Händen von Guido Rotter liegt und der in Prosper Piette in Marschendorf ein hochherziger Förderer der ganzen Sache zur Seite steht. Sie sind teils in Gasthöfen, teils, wo es irgend angeht, in Schul-, Gemeinde- oder Privathäusern untergebracht. Ihre Ausstattung ist einfach, aber zweckentsprechend. Sie enthalten neben Bett- und Waschgerät einen Tisch mit Schreibzeug und ein paar Stühle. Jeder Schüler höherer Lehranstalten, der das 16. Lebensjahr überschritten hat, kann durch Vermittlung des Direktors seiner Schule sich eine Legitimationskarte aus Hohenelbe erbitten. Diese berechtigt ihn während der Ferienzeit zur Benutzung der Herbergen, die ihm einmal auf der Hinreise und einmal auf der Rückreise unentgeltliches Unterkommen für die Nacht gewähren. In vielen derselben wird auch das Frühstück, ja sogar das Abendbrot teils kostenlos, teils zu ermäßigten Preisen verabreicht. Ferner sind in den betreffenden Ortschaften Auskunftsstellen errichtet, an denen die jungen Leutchen von zuverlässiger Seite mit Rat und That unterstützt werden. Reisehandbücher, Landkarten und Liederbücher, die wohl hier und da auch in den Herbergen zu finden sind, bieten geistige Nahrung und sorgen für das weitere Fortkommen des frohgemuten Wanderers.
Die Herbergen haben in vergangenem Jahre, in dem sich ihre Anzahl auf 103 (mit 480 Betten und 45 Notlagern) belief, den Angehörigen sowohl von Hoch- wie Mittelschulen Deutschlands und Oesterreichs in 6246 Fällen Unterkunft gewährt.
Und aus welchen Erwägungen heraus hat man nun wohl die Gründung dieser Herbergen unternommen? Etwa um der Unterstützung Unbemittelter willen? Durchaus nicht. Gerade diese Auslegung sollte peinlichst vermieden werden. Die Frage, ob arm, ob reich, wird nicht gestellt. Jeder hat die gleichen Rechte. Aber der Sinn für Gastfreundschaft soll in die jungen Gemüter eingepflanzt, Mut und Selbstvertrauen sollen gestärkt werden, die dem künftigen Manne, der auf eigenen Füßen stehen muß, nicht fehlen dürfen. Und nicht allein das, auch die Liebe für die Natur, die Schönheiten des eigenen Vaterlandes sowie anderer Länder soll erweckt und damit nicht nur der friedliche Verkehr mit den Nachbarn gepflegt, sondern auch das Deutschtum gefestigt oder, wo es abhanden gekommen ist, wieder aufgerichtet werden.
Und darum wäre es zu wünschen, daß die von unseren deutschen Brüdern in Böhmen ins Leben gerufene menschenfreundliche Institution, die sich nun schon seit 13 Jahren so trefflich bewährt hat, mehr und mehr bekannt würde und allüberall Nachahmung fände.
Der Deutsch-Oesterreichische Alpenverein hat im Jahre 1889 in seinem Wirkungskreis eine ähnliche Einrichtung getroffen und der Harzklub will heuer in dem seinen die ersten Versuche anstellen. Dort wurde
in Bad Sachsa am Südharz die erste Schülerherberge
eröffnet, in welcher zu sehr mäßigen Preisen gute Unterkunft und Verpflegung gewährt wird. Möchten noch recht viele andere dem schönen Beispiele folgen!
Mit dieser „ersten Schülerherberge“ ist der „Gasthof Zur Krone“ gemeint,
„Mitte der Marktstrasse gelegen hält sein Restaurations-Lokal bestens empfohlen.
Preisw. Logis mit u. ohne Pension.
-Schüler-Herberge.-
Eigentümer ist die Bierbrauerei der
Gebrüder Kellner.
Marktstraße 52
[1899, Führer FALK/RÜSTENBERG]

Bereits 1897 wird diese Schüler-Herberge bestanden haben; auf jeden Fall bietet der Inhaber W. Kellner im Gasthaus zur Krone
„Für Schüler ermäßigte Preise„
[Kurliste 1897]


„Die hiesige Jugendherberge, zugleich Landheim des Wandervogels e.V., Bund für deutsches Jungendwandern (Schützenstraße 14) hatte 1914 28 Uebernachtungen, 1915 bereits 118 und 1916 die stattliche Zahl von 290.“
Die Jugendherberge Bad Sachsa, Schützenstraße 14,
wurde 1919 von 84,
1920 von 157 Gästen,
124 Jungen, 33 Mädchen besucht.
Manche, denen es Bad Sachsa angetan hatte, blieben mehrere Tage, sodaß 215 Übernachtungen zu zählen sind. Haben wir erst ein Jugendheim in Verbindung mit einer neutzeitlichen Herberge, die alte wird darum nicht unbenutzt bleiben, dann werden noch viel mehr jugendliche Wanderer einkehren.
[BSN 16.10.1920/oder 1921]

Den Bad Sachsaer Nachrichten ist am 07.08.1928 zu entnehmen:
„Die Jugendherberge am Uffeplatz, Eingang von der Ringstraße, wurde nach langer Vorarbeit Anfang Juli [1928] in Betrieb genommen und bisher gut besucht…“
Von ersten konkreten Plänen zum Bau einer Jugendherberge berichtet der Harz Kurier am 21.03.1957 (über Kosten dann am 31.12.1958).
Am 01.08.1959 konnte die Einweihung begangen werden.
„Die wandernde Jugend findet in der neuzeitlichen Jugendherberge am Schachtberg, die abseits vom eigentlichen Kurbetrieb liegt, freundliche Aufnahme“
Entwurfzeichnung zur
1958, Entwurfzeichnung
[„Bad Sachsa im sonnigen Südharz, 360-660 m. ü.d.M.“, Prospekt für 1959]
Nach Plänen des Architekten Hans Jaeckel errichtet.

[Wikipedia verweist als Quelle auf: Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität,
2., überarbeitete Auflage, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2001.]
Unter Mitwirkung von Josef Gremm [Nachruf in den BSN 16.09.1966]

Zur Ratssitzung [BSN 21.03.1957] konnte Stadtdirektor Willi Müller „über die Errichtung einer Jugendherberge in Bad Sachsa berichten, daß demnächst der Geschäftsführer des Jugend-
herbergsverbandes zur ersten Planbesprechung nach hier käme. er betonte, daß an der Ersteheung dieser Herberge, die über 120 Betten verfügen wird, keine Partei oder Organisation mitgewirkt hätten. Dr. Heiligenstaedt statte daraufhin dem Stadtdirektor den Dank ab, wobei er betonte, daß die Verwirklichung dieses Planes im Hinblick auf den Fremdenverkehr in einem ganz besonderen Licht.“

Die neue Jugendherberge
wird eingeweiht am
01. August 1959
[1959, Foto: Nachlaß Lehmann]


Um 1960:
„Jugendherberge Bad Sachsa (Kreis Osterode), Tettenborner Straße 11/12.
Eigenheim des Landesverbandes Hannover 152 Betten – 34 Notlager – Zeltplatz –
Herbergsvater Walter Gruhn.“



[2 sw-AKs: Slg. R. Boehm. Mit KI bearbeitet]




„Die Jugendherberg, die am 1. August 1959 ein- geweiht wurde, ist mit 152 Betten eine Herberge mittlerer Größe. Sie hat 19 Über-nachtungsräume, davon drei mit zwölf und sechzehn mit acht Betten.“
[BSN 17./18.09.1966]
Im Harz Kurier [07.08.1971] werden die Herbergseltern Christa und Heinz Schildknecht genannt, die in 1970 über 21 Schlafräume, 4 Tagesräume und 152 Betten verfügen und 28.600 Gäste beherbergt haben. „Sie zahlen z.Z. für Vollpension 5,50 DM, für Übernachtungen der Jugendlichen werden 1,50 DM, der Erwachsenen 3 DM berechnet.
Über den Vorkämpfer der Bad Sachsaer Jugendherbergen, Prof. Gustav Schmidt, Brandstraße 30, wird am gehörigen Ort berichtet.“.


AK: Slg. R. Boehm]


„Diese Kurkarte berechtigt zum unentgeltlichen Besuch und kostenloser Benutzung
folgender Kureinrichtungen in BAD SACHSA und Steina:
Kurpark, Kurkonzerte, Fernseh- und Lesezimmer, Kurgastwanderungen.
Ermäßigungen für die Benutzung des Hallenbades, des Schwimmbades, sowie bei Sonderveranstaltungen.“

Seit 1990 leiten Annegret und Bernd Köhler die Jugendherberge:

Die Entwicklung der Übernachtungszahlen:
1989:
1990:
1991:
1992:
9.432
12.351
14.126
15.820
„Im Herbst 2003 umfangreich renoviert, werden nun rund 120 Betten angeboten.
[750 Jahre Bad Sachsa, S. 27. Harz Kurier 07.08.1971]
Um 2017 haben Mareile und Thomas Kahmann die Leitung [eigene Homepage 2017]

Noch zeigt das Schild „DJH Jugendherberg“ auf dem Knickberg den anreisenden Gästen den Weg
[09.05.2018, Birgit Schreiber-Lausmann Facebook 16.12.2018]

Aus wegen Corona: Jugendherberge Bad Sachsa wird geschlossen.
Keine Klassenfahrten oder Gruppenreisen mehr. Das Haus in der Uffestadt schließt Ende des Jahres 2020 seine Pforten für immer. [HK online 08.08.2020-18.30 Uhr]
„Beide Standorte [Anm.: Schöningen und Bad Sachsa] seien vor allem Reiseziele für Klassenfahrten der Grundschulen und Freizeitgruppen – und in beiden Häusern sei es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, einen positive Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Die Corona-Krise habe diese Situatio noch einmal verschärft.
Auf Grund der gegenwärtigen ungewissen Lage in unserer Branche und weiterer, bisher nicht absehbarer wirtschaftlicher Belastungen, müssen wir leiden den Schritt der Schließungen gehen, begründet Norbert Dettmar, Geschäftsführer im DJH Landesverband Hannover, das Aus für Bad Sachsa und Schöningen…
Zum DJH Landesverband Hannover e.V. gehören 23 Jugendherbergen in Süd-Ost Niedersachsen. Der Verband hat 150.000 Mitglieder und zählt jährlich im Schnitt 380.000 Übernachtungen in seinen Häusern. Insgesamt kümmern sich rund 300 Mitarbeiter dabei um das Wohl der Gäste.“

Der Harz Kurier fragt sich und die Pressestelle der DJH in Hannover [04.07.2023]:
Nach dem Aus: Feiert die Jugendherberge Bad Sachsa ihr Comeback?
„Aktuell gibt es keine Angebote für den Kauf der Jugendherberge, die wirtschaftlich Sinn machen und von uns weiter verfolgt werden“. Doch intern gibt es beim Verband auch ganz spannende Überlegungen. „Derzeit prüfen wir, ob eine Wiederinbetriebnahme der Jugendherberge umsetzbar ist. Hier müssten jedoch nicht ganz unerhebliche Investitionen im Gebäude erfolgen. Unsere finanziellen Möglichkeiten als Verein sind jedoch begrenzt, was eine Wiedereröffnung erschwert. Hier sind wir auf Förderprogramme oder auf Unterstützung durch außen angewiesen. Beides wird ebenfalls gerade geprüft“, heißt es aus der Pressestelle. Dort betont man abschließend, dass eine konkrete Aussage zur Zukunft der ehemaligen Jugendherberge in Bad Sachsa nicht möglich sei.
Wohl im September 2024 wird das Gelände veräußert und ab circa Februar 2025 beginnen diverse Arbeiten:




Links: 18.10.2025 [Foto: H.M. Meißner]
Am 16.11.2025 ist auf Facebook zu lesen:
…das Fitnesscenter Tropic schließt nach über 40 Jahren in der Bahnhofstraße 67 (neben Rewe) und eröffnet neu im Active Inn, in der Jugendherbergsstraße 9-11 (alte Jugendherberge).
Wir werden in nächster Zeit unsere Seite umbenennen von Fitnesscenter Tropic in Bad Sachsa auf Active Inn Bad Sachsa.
Im Active Inn gibt es weitere Angebote wie ein Hostel mit 58 Betten, von Ein- bis Sechsbettzimmern mit einer Gemeinschaftsküche, einen größeren Saunabereich, Wohnmobilstellplätze, Lobby/Café.
Ausführende Firmen: Maxsa Bau GmbH, Elektro- Anlagentechnik Steffen Probst, Frank Rodermund-Sanitär, Marcel Diener, Christian Lieberum, Tobias Kietz, Wesa Einrichtungshaus, Dachdeckerei Herzberg, Neukirchner.
Eine kleine, inoffzielle, Neueröffnung wurde bereits am 22.12.2025 begangen im Beisammensein von Kristin Omland, Christian Spindler und Bürgermeister Daniel Quade





Oben: 3 Fotos aus Januar 2026
Links: [Sabine Siegmund + Matthias Heger Facebook 16.08.2026]