Weitere Kinderheime

Kinderheim Böttcher-Ramdohr

Glaseberg 3 (zwischenzeitlich als Tonburg 2 geführt)

1935 eröffnet die staatlich geprüfte Säuglings- und Kinderpflegerin Camilla Böttcher-Ramdohr ihr Kinderheim zur Aufnahme von Kindern von 2 bis 12 Jahren. Ärztliche Kontrolle wird durch
Dr. Deimler gewährleistet. Die Preise betragen pro Tag zwischen 2.50 und 4 Reichsmark.

März 1950 [„Blauer Harzführer mit Elm und Lappwald]

Bei einer Überprüfung der Konzession wird 1941 festgestellt, dass diese, das Heim wird seit 5 1/2 Jahren betrieben (!), nicht vorliegt – aber in 1942 erteilt wird.
Nach dem II. Weltkrieg betreibt Camilla Böttcher-Ramdohr, geboren am 10.11.1891 in Mendoza/Südamerika, mit einer selbst ausgebildeten Helferin dieses Heim mit durchschnittlich 6 bis 7 Kindern weiter bis Ende der 1960er Jahre. (StABS 471,01 + 471,02,03 + 1,26,2, Detlef Böttcher-Ramdohr 2017)

vmtl. 1964 [wohl Werbeheft 150 Jahre Schützenfest]

Prof. Dr. Alexander Nützenadel:
Verzeichnis der Kinderkurheime in der Bundesrepublik 1945-1989
(Berlin, 15. Mai 2025):
Kinderheim Frau Camilla Bötticher-Rahmdohr
Früheste Erwähnung: 1956 [Anm.: s.o.: 1935]
Träger: Frau Camilla Bötticher-Rahmdohr
Trägertyp: Privat
Zielgruppe: Kinder von 2, 1/2 bis 12 Jahren
Bettenanzahl: 8
Leitungspersonal: Bötticher-Rahmdohr, Camilla
Quellen: Folberth 1956, S. 121


Folgender Bericht wurde auf Verschickungsheim.de veröffentlicht:

1 Ergebnisse für: ramdohr

Elisabeth – 2021-11-06
Verschickungsheim: Bad Sachsa
Zeitraum-Jahr: 1949
Kontakt: Keine Angaben

Mein Name ist Elisabeth und ich bin im November 1944 geboren.
Es muss 1949 gewesen sein.
Ich war so 4 ¾ Jahre alt, als ich zur Kur in Bad Sachsa im Harz war.
Mein Vater, zweifach in Hannover’s Innenstadt ausgebombt, war im Nachbarort, in Bad Lauterberg zur Kur geschickt worden.
Von den zwei Läden, die meine Eltern vor dem Kriege hatten, war jetzt nur ein Blech-Kiosk geworden, wo sie nun verkauften.
In der Zeit, wo wir beide zur Kur waren, hielt meine Mutter alles mit dem Geschäft am Laufen.
Mir war gesagt worden, ich könnte dort im Harz mit Kindern schön spielen und Papa wäre gleich nebenan, um gesund zu werden.
Ich war sehr, sehr dünn und schüchtern, als mich mein Vater am Glaseberg 3 bei Camilla Böttcher-ramdohr ab gab.
Und nun begann das, was von so vielen beschrieben wird.
Viele schlimme Bilder habe ich, wie kurze Blitze, vor Augen.
Kaltes Wasser aus einem dicken Schlauch auf meinen Körper, falle um, Ohrfeige.
Böse knappe Ansagen.
Durst ohne Ende.
Lange in der Ecke stehen, mit dem Kopf zur Wand, schwindelig.
Nicht auf die Toilette dürfen.
Fieses klebriges Essen.
………..
Ich sehnte mich nach einem Briefkasten und dachte, ich würde so von meinem Vater geholt werden, wenn ich mein gemaltes Bild einwerfe.
Ich war Nachzügler,hatte zwei große Brüder, die 20 und 14 Jahre älter waren.
Die hatten mir etwas Schreiben beigebracht.
Einmal waren wir nun vom Heim zu einem Bäcker eingeladen, wo es eine so leckere Rosinenschnecke gab.
Und da sah ich einen Briefkasten!
Aber ich wurde entdeckt und mein zusammen geknicktes Bild musste in meiner Jackentasche bleiben.
Es wurde für mich im Heim immer schlimmer und mein Vater kam, weil er nicht durfte, überhaupt nicht zu Besuch.
Viele Kinder haben nach ihren Eltern geweint.
Irgendwann bin ich dann weggelaufen.
Den Namen Bad Lauterberg konnte ich ja lesen.
Das muss schief gegangen sein.
Ich sehe mich dann in einem Gitterbett im Büro von der „Tante“ Camilla, böse Stimmung, mein Vater ruft plötzlich an.
Sie sagen, es ginge mir sehr gut, ich wäre fröhlich und spielte schön im Garten.
Ich wollte schreien, bekam aber nichts heraus.
Fort an sehe ich mich alleine beim Essen, irgendwas ist mit meiner Hand, habe einen Verband um….
Gebrochenes muss ich nochmal essen.
Bin am Stuhl festgebunden.
Will zu meinem Papa.
Habe Angst nie wieder nach Hause zu kommen.
Habe Zuhause dann gesagt, ich will nie wieder weg.
Brauchte ich dann auch nie wieder.
Seit dem Horror habe ich, mein ganzes Leben, diese Zeit nicht vergessen können.
Bin vor allem Neuen erst mal sehr vorsichtig und ängstlich.
Habe mit 18 Jahren geheiratet und bin 1963 mit meinem Wolfgang und meinen Eltern noch einmal nach Bad Sachsa gefahren.
Mein Mann wollte denen wohl mal sagen, wie man mit Kindern umgeht.
War aber keiner mehr da…., soll 1951 ein Ende gehabt haben.
Wir sind seit 58 Jahren verheiratet, haben Kinder, aber diese nie in eine Kinderkur schicken wollen.
Warum wohl?
Eine schöne Erinnerung habe ich doch noch:
Mittagszeit, wir Kinder liegen im Garten und ein junges Mädchen liest uns vor.
Eine warme Stimme und nicht so ein Geschrei wie von den „Tanten“.


P.S.: Habe mich einmal mit einem Nachbarn unterhalten.
Er war auch ein „Verschickungskind“ und musste eine halbe Nacht über seinem Fischbrot sitzen, was er nicht herunter bekam.
Er hat es gegen Mitternacht hinter dem dort stehenden Schrank geklebt.
Ein schöner Gedanke, finde ich….