KIOSK

1931/1932. [„Foto Gundlach“, Slg. R. Boehm]

„Belauschtes Gespräch“

 [Schützenfest 1931-1932]

 „Herrschten Karell, wär es denn diss Johr Schützenkönnick geworn?„
„Nu, dach jedenfalls die, die am besten geschossen han.„

Im Hintergrund Kiosk 6

Kiosk – Wie die Pilze schossen sie aus dem Boden…

Ein Phänomen des 20. Jahrhunderts.

Der Kiosk, ursprünglich bezeichnete „kūšk“  (mittelpersisch) einen Pavillon bzw. Gartenhaus, wurde sprachlich von den Türken über das französische „kiosque“ im 18. Jahrhundert ins europäische Ausland und somit auch nach Deutschland im allgemeinen (vgl. Wikipedia) und Bad Sachsa insbesondere in die Hindenburgstraße gebracht. In diesen kleinen Verkaufsständen wurden i.d.R. Tabakwaren, Süßigkeiten, Getränke, Zeitungen und Eis verkauft.

Und alle waren in der Hindenburgstraße…

Hindenburgstraße 7 c

Der vermutlich erste Kiosk in Sachsa

[Zeitung für den Harz, 26.05.1892]

Planmäßig stellt sich Bad Sachsa um 1900 auf die sich durch die wachsende Zahl der Kurgäste wandelnden Anforderungen ein: Das Badehaus wird vergrößert auf nunmehr 10 „Zellen“; das Schwimmbad ist vollendet UND ein Bademeister eingestellt. Außerdem ist bei der „Blankschmiede“ (damals zu Bad Sachsa gehörig, heute als Forellengrund bezeichneter Teil von Wieda) eine Eisenquelle mit gar nich so unbedeutender Heilkraft entdeckt worden, für die eine Verkaufsstelle gesucht wird. Ob hierfür dieser vermutlich erste Kiosk als Verkaufsstelle errichtet wurde, ist nicht überliefert.
Rechts: Kur= u. Fremdenliste Nr. 1 [28.05.1904, StABS]

In der „Kur= u. Fremdenliste“, einem „Organ der Bade=Verwaltung Sachsa“,
zu beziehen in den Verkaufsstellen von „Friseur Dick, Lindenstr.“ (heute Hindenburgstr. 1) und „Friseur Nicolaus, Schulstr.“ (ebenda, heute Eiscafé VENEZIA) wird auf der Titelseite von Nr. 1 der Blick aus dem damaligen Schützenhaus auf die Linden- und Schützenstraße gezeigt. Unter links steht auf der Grünfläche der vermutlich erste Sachsaer Kiosk, der allerdings schon damals nicht mehr den Anforderungen zu genügen scheint. Denn zur selben Zeit 1904 werden bereits neue Pläne geschmiedet.


Der vermutlich dritte Kiosk an selber Stelle in Sachsa fällt etwas größer aus (StABS)

So schreibt der Bürgermeister am 12. Februar 1904 an den Magistrat der Stadt Sachsa zu Händen des Herrn Stadtverordneten Vorsteher, Direktor Rhotert (ja, genau den vom „Päda“) folgendes Gesuch: „Wir bitten in vertraulicher Sitzung über Errichtung von Verkaufshallen im Kurpark und über Errichtung eines neuen Prospectes mit der Versammlung verhandeln zu dürfen. Die Unterlagen werden von dem unterzeichneten Bürgermeister der Versammlung vorgelegt werden. 
gez. Freiherr von Schlotheim“.

Bereits am 18. Februar 1904 wird in der „Stadtverordneten Versammlung“ folgender Beschluß gefaßt:
„Mit der Errichtung eiserner Verkaufshallen am Kurpark ist die Versammlung einverstanden. Die Kosten in Höhe von ca. 6000 M. werden bewilligt.“ 

„Coffee-to-go“ eine Erfindung der Neuzeit? Weit gefehlt! 

„Eisenwerk Laufach AG“ [1904, StABS]

Noch im selben Jahr wurde die Firma „Eisenwerk Laufach A.G.“ mit Sitz in Unterfranken mit der Realisierung der sogenannten „Kolonnaden“ beauftragt.  

[„Kolonnaden“ bezeichnet einen Säulengang; abgeleitet aus dem lateinischen columna „Säule“]. Nachfolger der „Eisenwerk Laufach A.G.“ ist die noch heute aktive „Düker GmbH“.  

Coffee-to go und Bratwurst vom Grill seien eine Erfindung der Neuzeit?
Weit gefehlt! Denn das Wort „Grillen“ leitet sich vom Lateinischen <craticulum> ab; zu übersetzen mit „Kleiner Rost“. Belegt ist dass bereits die Römer einen Grillrost verwendeten (www.tagwerkercenter.net/aktuell 05.06.2020). Und erst vor kurzem titelte das ZDF „STREETFOOD vor 2.000 Jahren. Antiker Schnellimbiß in Pompeji ausgegraben“ (zdf.de>Nachrichten>Panorama 26.12.2020).

1914. Schützenumzug. Im Hintergrund die Kolonnaden [Foto: Heike Markert]

Auf dem Umzug durch die Stadt streifen die Schützen auch 1914, ihrem Jubeljahr des 100jährigen Bestehens, die prächtigen Kolonnaden.

1920. Verkaufshallen in Bad Sachsa. [Führer der Badeverwaltung]
Circa 1920 [Foto: Quelle unbekannt]
Ganz viele Kioske und eine Litfaßsäule…

Die 40-jährigen Linden wurden vermutlich im Herbst 1926 gefällt
[vgl. BSN 19.02.1927]

o.D.. Lindenstraße [sw-AK mit KI coloriert. Slg. R. Boehm 938]
1933. Rodelkorso [DRK-Chronik]. Im Hintergrund die Kolonnaden mit runder Uhr im Dach.
„Hätten sie gleich zum Roten Kreuz geschickt, dann wäre Schneewittchen nicht erstickt“
Circa 1935. Dora Borchers steht vor ihrem Geschäft in den Kolonnaden [Foto: Slg. R. Boehm]
… und mit KI aufgehübscht

Rechts:
Juli 1951 auf dem Weg zum Schützenfest.
Geschäfte:
links Bücher + Zeit-schriften + Schreibwaren + Andenken,
in der mitte SPORT ALBRECHT, rechts Foto Struttmann

Hans-J. Liebau mit seiner Mutter
[Hans-Jürgen Liebau Facebook 01.07.2024]

4 Jahe später kommen in Zusammenhang mit der anstehenden „Stadtsanierung“ erneut „aus der Bevölkerung der Hinweis, baulich sollte irgendwas mit den Kolonnaden passieren. Sie paßten nun nicht mehr in das Bild der oberen Hindenburgstraße.“ [BSN 18.06.1986]

Hildegard Albrecht, wohl Enkelin des Schuhmachers Wilhelm Gundlach [Schützenstraße 5] hat mit ihrem Mann das bisherige Fischgeschäft in den Kolonnaden seit 1945/1946 gepachtet und als „SPORT-ALBRECHT“ geführt.

Oben: Fischhalle am Kurpark verschwindet
[Osteroder Kreis Anzeiger 23.12.1950]
Rechts: Reisebüro eröffnet [OKA 12.05.1951]

„Mit diesem Reisebüro ist die Veränderung der Kolonnaden abgeschlossen. Sie beherbergen jetzt nur noch eine Kunst- und Antiquitätenhandlung, in der sogar kostbare Originalbilder von Breughel, v.d.Velde, Schütze u.a.m. sowie herrliche Meißner Porzellane zum Verkauf ausgestellt sind, ferner ein Sportartikelgeschäft und eine Papierhandlung, und dürften künftig ein beliebter Anziehungspunkt aller Bad Sachsa berührenden Gäste werden.“

Betreiber dieses Kiosks waren über sehr lange Zeit Dora Borchers (die auch Ansichtskarten von Bad Sachsa verlegte) wie auch Max Piper vor und nach dem II. Weltkrieg, später Familie Eckert (Bücher und Zeitschriften), das Sportgeschäft Albrecht, das Antiquitätengeschäft Neidhardt und Foto-Struttmann (dem wir sehr viele klassische Aufnahmen unserer Stadt verdanken), danach Foto-Aue. Viele werden sich noch an „1010“ erinnern, dem Funk-Taxi-Ruf der Famlien Ehrlich wie auch Zaulig.
 Vor rund 15 Jahren trennte sich die Stadt von dem Gebäude;  es ist heute im Eigentum der Betreiber Kusch.


1955 werden die „Verkaufshallen am Kurpark“ durch je ein Feld zu beiden Seiten der Kolonnaden verlängert. Die Eigentumsverhältnisse werden nicht berührt, da der von den Pächtern bezahlte Umbau in das Eigentum der Stadt übergeht.
[BSN 29.09.1955]. Über der Tafel sind noch keine Fenster verbaut.

1955 [Foto: Slg. R. Boehm]

Gestaltung der Abfahrtstafel vor der Kurverwaltung.
Entwurf + Fotograph
Reinhold Priebe.
Mehr Informationen finden Sie zum Grafiker unter

Reinhold Priebe

Mitte/Ende der 1955er Jahre.
Die Kolonnaden. Mit u.a. Antiquitäten Neithard und Foto Struttmann
[Foto: Archiv Struttmann im StABS, Foto Anja Danneberg]
1959, Rodelkorso. Geschäfte: Helmut Eckert mit Zeitschriften etc., SPORT-ALBRECHT
[1959, Foto: Slg. Stefan Bierwisch Facebook 16.02.2025]
1950er Jahre. Mit Reiseandenken (wohl noch Borchers), SPORT ALBRECHT [Foto: Slg. Gerhard Pfeiffer]
1963-1970 „Rondell in den 1960er Jahren [Foto: Klaus Petersen, mit KI bearbeitet]

Wohl in den 1980er Jahren hat Frau Albrecht [s.o.] das Geschäft „SPORT ALBRECHT“ verkauft an Frau Kriebel [und eine weitere Person]

Im Oktober 1982 titeln die Bad Sachsaer Nachrichten „Die Kolonnaden gehören zu Bad Sachsa“ und der Redakteur „hwd“ (Helmut Walter Degenhardt) schreibt dazu „Vor ein paar Jahren sollten sie der Spitzhacke zum Opfer fallen… Bad Sachsa kann sich glücklich schätzen, diese Betonklötze nicht gebaut zu haben
[Anm. R. Boehm: gemeint war das Pfaffenberg-Projekt]. An der Peripherie unserer Stadt haben wir genug davon.“ [BSN 11.10.1982)]

1980er Jahre?

Lange Zeit war hier auch zu finden:

„Funk-Taxi Ruf 1010
Herm. Zaulig
3423 Bad Sachsa
Funkzentrale H. Ehrlich
Hindenburgstraße“

Dezember 2003-12. Per Hubwagen wird die Weihnachtsbeleuchtung angebracht.
[Foto: Bernd Krautz]
2006. Neu dazugekommen: Wanderbüro Eberlein und DANNYS [Foto: Horst MÖLLER]

Zum 01. Juni 2006 eröffnet Daniela Nau „DENNYS MASSAGE-PRAXIS IN DEN COLONADEN“

[HK 30.05.2006]

oben: 05.01.2009 / unten: 30.01.2010
Das Wanderbüro Eberleine ist noch da; statt DANNYS neu „immobilien-ermisch“
15.07.2015. Neu hinzugekommen sind der „Salon Jutta“ und „Bistro Arena“. [Foto: R. Boehm]
19.10.2026 [Foto: Hans-Jürgen Liebau]
29.03.2018. Konkrete Poesie hält Einzug:
„Bistro Arena
schmeck den unterschied„
03.07.2020 [Foto: R. Boehm]
25.11.2018 [Fotos
Horst Möller]

Machen wir es kurz: die Kolonnaden haben allen Angriffen trotzen können; zwar hat der „Zahn der Zeit“ ein wenig an ihnen genagt, so sind doch noch einige Rudimente in Form der Säulen zu entdecken. 


Der wohl zweite Kiosk in Bad Sachsa

1899 [AK-Ausschnitt: Slg. R Boehm A 203]

Diese Ansichtskarte, hergestellt im
„Verlag v. H.L. Löhnis, Bad Sachsa i/H.“, „Lith. Aug. Fuchs, Nordhsn.“,
zeigt bereits 1899 den zweiten Kiosk in Bad Sachsa auf dem Grundstück
der Villa Löhnis in der heutigen Hindenburgstraße 5

1916 [AK 1916 gelaufen; Quelle: unbekannt]

Blick auf den Kiosk zwei im Vorgarten des  „Haus Löhnis“ [Hindenburgstraße 5] und den vermutlich vierten Kiosk in der [späteren] 5 a.  


Der vermutlich vierte Kiosk

Kiosk vier wurde wohl gerade fertig zur Eröffnung des Photogeschätes, Lindenstraße 5 [heute Hindenburgstraße 5a], am 20. Juli 1902. Bis September 1909 betreibt Hugo L. Löhnis außerdem im Hause des Schwiegervaters [Schneidermeister Kamphenkel] in Wieda, Hauptstraße 27, ein Photographisches Atelier. Zusätzlich eröffnet er am 12. Mai 1910 in der 5a einen Buchhandel, am 25.11.1913 einen Verkauf von Küchenherden sowie am 01.07.1914 eine Fabrikation von Eieruntersetzern an selbem Ort. Raum ist halt in der kleinsten Hütte!
Zum 1. Mai 1915 verzieht dieser Teil der Familie Löhnis nach Wilhelmshaven.




Hindenburgstraße 5 a, errichtet wohl 1902

Der vierte Kiosk
[1902 oder kurz darauf; Foto: Günter König]

Hindenburgstraße 5 a

[vermutlich 1908;
Foto: Günter König]

Ernst Jordan eröffnet ein Fotogeschäft in der Uffestraße zum
01. April 1915, erweitert diesen genau 2 Jahre später…

…um einen Handel mit photographischen Artikeln. Zur selben Zeit übernimmt er am 01. April 1916 mit dem Kiosk 4 das photographische Atelier des Herrn Löhnis. U.a. 1930 wird Ernst Jordan als Inhaber des „Fotohaus Jordan“ genannt. Seit 1981 ist hier das Geschäft „Pawlik Brillenmode, Inh. Gernot Pawlik“ etabliert; ab 14.03.2022 geht es weiter als „Pawlik Brillenmode, Inh. Oliver Krech e.K“.

Hindenburgstraße 5 + 5 a.
Aus dem zweiten Kiosk entwickelt sich ein „Waarengeschäft“ 

[1901, Kurliste, im StABS]

Während im Kiosk 4, hier bezeichnet als „Extra=Laden„, Andenken und Postkarten verkauft werden, ist das „Waaren“-Angebot im Kiosk 2 bedeutend umfangreicher, wie es diese Anzeige in der Kurliste von 1901 bewirbt. Vermutlich wurden dazu die räumlichen Möglichkeiten nach hinten vergrößert.
Und das Angebot wird ständig erweitert!
So erfahren wir beispielsweise von einem Antrag, indem die sogenannte „Linden-Drogerie“ (gegründet 1878) am 5. Mai 1913 eine bedeutende Erweiterung bei den Stadtoberen beantragt; Herr Löhnis schreibt:

„Wohllöbl. Polizeiverwaltung zu Bad Sachsa

Ich bitte um die Erlaubnis, einen Chocoladen Automaten neben meinem Geschäftslokal, Lindenstraße No. 5, aufstellen zu dürfen. Da nächste Woche schon das Pfingstfest  fällt und ich mir einen geschäftlichen Vorteil davon verspreche, so möchte ich noch höfl. bitten, mir möglichst in diesen Tagen die Erlaubnis zu erteilen. Umstehender Plan zur Erklärung. Der Automat selbst hat ein sehr elegantes Äußeres & bildet gleichzeitig eine Zierde der Straße.
Hochachtungsvoll
Henriette Löhnis
Inh. der Firma H.L. Löhnis
„
Können die Stadtoberen dieses Gesuch noch rechtzeitig bescheiden?
Sie können es nicht! So antwortet der hiesige Bürgermeister v. der Boeck erst 10 Tage später [! lediglich 10 Tage !] am 15.5.1913 [die Pfingsttage waren gerade vorbei am 11/12. Mai 1913]:
„Auf Ihre Eingabe vom 5. Mai erteile ich Ihnen auf jederzeitigen Widerruf die Genehmigung, neben Ihrem Geschäftslokal Lindenstraße No. 5 einen Chokoladenautomaten aufzustellen. Herrn Polizeisergeanten Baumgart zur Kenntis.“  [StABS 2.24.2].

Hindenburgstraße 5

Die „Linden-Drogerie“ [und somit auch unser Kiosk 2] hat offensicht-lich über 100 Jahre die obere Hindenburg-straße bereichern können!

[o.D., um 1900,
Nachlaß Familie Blume]

Bügelverschluß, Anfang des 20. Jahrhunderts

Der Herstellung von Mineralwässern widmeten sich diverse Sachsaer; kein Wunder, steht doch das zweite „a“ in „Sachsa“ für das althochdeutsche „aha„, gleichbedeutend mit Wasser. Also kümmerte sich auch die Linden-Drogerie von H. L. Löhnis um die Herstellung und Vertrieb im Kiosk 2 mit seiner „MINERALWASSERANTALT / H.L. Löhnis / BAD SACHSA A/H.“

(Foto: André Merx auf facebook 15.02.2020]
Der vierte Kiosk in böser Zeit
 
Mord und Fahnenverbrennen sind leider auch in Bad Sachsa angekommen;
als äußeres Zeichen wehen 1939 die unheilbringenden Fahnen zum 75jährigen Kurort-Jubiläum und 125jährigen Schützenbestehen in den Straßen der Innenstadt und natürlich auch auf dem Weg zum Schützenplatz und Festzelt. 
[1939, Foto: Slg. R. Boehm]
  • Hindenburgstraße 5: Ab spätestens 1935 übernimmt die Familie Blume für Jahrzehnte die Linden-Drogerie [Einwohnerbuch 1935];
[15./16.11.1986 Echo zum Sonntag]

anschließend wirbt Erika Hartmann für ihren Kosmetiksalon in der Linden-Drogerie [Stadtplan 1975 und
Das Öffentliche 1982/83].

Zwischendurch wirbt [in einem Prospekt von 1949] Karl Model für seine Autovermietung, Harzfahrten und Bahnfahrten.

In der Neuzeit dient der Kiosk als

  • „Passepartout“. Eröffnung 02/1993 durch Ulla Bitter + Ellen Gibis
    [Aquarelle, Kleidung];
  • „Süsses Kaufhaus“ [nur 1 kurzes Jahr 2009/2010. Dann längere Zeit Lehrstand;
  • Zentrale für „Arnos Taxi und Mietwagen – Arno Wichmann“ [ca. 2022/2024]

Einige Jahre nach dem Tod der Eignerin wird das Haus 07/2016 zum Kauf angeboten, bleibt aber in Familienbesitz.


Der nunmehr fünfte Kiosk

Hindenburgstraße 4 a,

Einer Auseinandersetzung über Bau- und Straßenfluchtlinien verdanken wir diesen „Grundriss“ mit „Colonade“ und „Verkaufsstand“ (2,50 m auf 2,70 m).
Diesen Kiosk betrieb später nach dem Kriege der Eigentümer Georg Barth junior [Sein Vater Georg Barth senior hatte, seit ca. 1910 in der Schulstraße, später in der Marktstraße, seit spätestens 1930 ein „Uhren-, Gold- und Silberwaren-Geschäft hier in der Hindenburgstraße 4a, welches auch optische Geräte und Musikwerke verkaufte. Er war NSDAP-Mitglied der Ortsgruppe Bad Sachsa, Gau Thüringen, seit 01.05.1933]. Georg Barth junior hatte in seinem Zeitungsangebot u.a. auch offen liegen die rechtsextreme „National-Zeitung“. Heute befindet sich hier ein „Kleines Friseurlädchen“ [Das Örtliche online 2021]

1909 [Zeichnung, StABS 2.21.7]

Kiosk 6 in der Hindenburgstraße 7 A

[ursprüngliche Bezeichnung 1914: an der Ecke Schützenstraße / Lindenstraße. (1914, Foto: StABS) 

Ein weiteres Foto des Jubel-Umzuges von 1914 offenbart, dass allein die Kolonnaden im Bereich um den Kurpark nicht ausreichten, denn vis-à-vis entstand der mittlerweile sechste Kiosk an der Ecke Schützenstraße / Hindenburgstraße.

(1914, Foto: StABS)

Seit dem 15.05.1926 wurde dieser Kiosk von Max Piper geführt
[Verkauf von Limonaden, Zigarren, Zigaretten, Schokoladen usw.]
[StABS, Gewerberolle 1893-1935, Bl. 29, Nr. 228], der anschließend „noch
vor dem Krieg die Eisdiele in den Kolonnaden bis nach dem Krieg“ betrieben hat [Herbert Lemmer, aufgewachsen Schützenstr. 5, 2020 auf facebook] und später in den 1950er Jahre in der Schützenstraße 8 mit seiner Frau eine damals hochmoderne „Milchbar“ eröffneten sollte.
1949 übernimmt den sechseckigen ca. 2×2 Meter kleinen Verkaufsraum Ecke Schützenstraße/Hindenburgstraße ein gewisser Helmut Graf. 

[1928, AK: Slg. R. Boehm 466]
Mitte der1930er; Foto: Herbert Lemmer

„Wann hat der Kiosk endlich wieder offen?
Ich will doch nur ein Eis für 5 Pfennige„,
denkt das kleine Kind und horcht derweil dem Leierkastenmann, einem der sogenannten Mittwochsmusikanten.

Im Hintergrund der Kiosk von Max Piper.
Das Foto wurde aufgenommen, kurz bevor die Schützenstraße geteert worden ist.

Das soziale Netz war in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen noch nicht so engmaschig, deshalb gab es auch viele Straßenmusikanten, die das als ihren „Beruf“ betrachteten und zum Teil nicht schlecht zurecht kamen.
Als ein Musikant in Bad Sachsa einmal gefragt wurde, was er mit dem „vielen“ Geld mache, antwortete der: „das lege ich in Häusern und Dörfern an.“
Auf die erstaunte Gegenfrage in welche und wo, antwortete der Musikant:
„In Nordhäusern und Stonsdörfern!“
[Herbert Lemmer auf Facebook am 31.03.2021] 






Winter 1931 auf 1932

Eine Heizung hätte sicherlich geholfen…

[Foto: Slg. R Boehm]

Dann doch besser so
im Warmen:

1930er Jahre
„draußen vor der Tür in der Schützenstraße, neben Kiosk Piper“

[sw-Foto/durch KI aufgehübscht und koloriert:
.Herbert Lemmer Facebook 03.01.2019]



Und was hat die Welt des Boxens mit einem Sachsaer Kiosk zu tun?

Mehr Informationen erfahren
Sie unter

Walter Neusel

Für seine damaligen späteren Kämpfe hatte er sein Trainingslager eingerichtet u.a. in Benneckenstein sowie im Souterrain des „Hotel Schützenhaus“
[heute Göbel`s Vitalhotel]





1956 bzw. kurz davor

[Foto: Willi Müller]

„Im November 1947 kam der gelernte Großhandelskaufmann Helmut Graf dann nach Bad Sachsa und stand vor dem Nichts. Ich betätigte mich berufsfremd als Hilfsarbeiter und wurde Sekretär bei Walter Neusel. Das Schützenhaus wimmelte ja nur so von Boxern, sagte Graf. Aber diese Boxer sind es gewesen, die eigentlich den Grundstein für das heutige A&O-Geschäft in der Hindenburgstraße legten. Sie wollten Apfelsinen kaufen, aber nicht bis in die Stadt laufen. So begann man am 1. Mai 1949 in dem 1928 erbauten Kiosk des Busunternehmers Wihelm Bock auf einer Fläche von 2 mal 2 m mit dem Verkauf von Obst und Gemüse.




1956 bzw. kurz danach

[Foto: Willi Müller]

Erst 1956 wurde man für die damalige Zeit modern und fortschrittlich und baute einen größeren Kiosk, der 13 Jahre lang gute Dienste im Bad Sachsaer Kurviertel leistete…“.

Links „die Kolonnaden“ – rechts der sechste Kiosk, erweitert 1956.
Der TSV beim Schützenumzug. [1957, Foto: Slg. Wolfgang Becker, TSV]
1960er Jahre. Belebte Hindenburgstraße, mit Kiosk
[Foto: Thomas Wegener Facebook 5.5.2022]

Sein Sohn Dietmar Graf „trat am 1. Januar 1962 in das elterliche Geschäft ein“ und ersetzte 1969 den Kiosk durch einen gemauerten Bau, der „mit seiner Verkaufs-fläche von 160 qm das erste und wirklich moderne Geschäft mit einer Frischfleisch-Abteilung“ sein sollte.“

Die moderne Zeit ist hier angebrochen. Der gemauerte Bau vertreibt den Kiosk.

1970er. „IFA“ Lebensmittelgeschäft GRAF. Blick aus Fenster Schützenstr. 5
[Fotograf: Herbert Lemmer Facebook 30.12.2018. sw-Foto mit KI aufgehübscht]

Seit 1997 ist hier das Versicherungsunternehmen Hasselkus zu finden.


Nicht nur im Stadtwald sind Pilze zu finden…

Kiosk 7 in der Hindenburgstraße 9
von ca. 1956

„Anmeldungen und Abfahrten für unsere Ausflugsfahrten nur:
Pilz-Kiosk Hindenburgstraße 9 (gegenüb. Hotel Lindenhof)
Reiseverkehr RUDOLF WITTER“

Prospekt der Familie Witter von ca. 1962 [Slg. R. Boehm]

„Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre zeigte sich im wieder gewonnenen Wohlstand. Da es Alkohol erst mit 21 Jahren gab, galt es als schick, sich in Milchbars und Eisdielen zu treffen. Gleichzeitig konkurrierten auch in Deutschland die Molkereien und ihre Erzeugnisse gegen die neuen Erfrischungsgetränke, die es an jedem Kiosk einfach und verbrauchernah zu kaufen gab. Der Milch fehlte es an solchen Verkaufsstellen.
Mit der Idee eines Milchkiosks mit einem breiten Angebot von Milchprodukten sollte diese Versorgungslücke geschlossen werden. Das erste Kioskhäuschen in Fliegenpilzform wurde bei der Tagung der „Großstädtischen Milchversorgungs-betriebe“ im Mai 1952 in Bayreuth als sogenannter „Milchverbrauchswerber“ präsentiert und später nach Regensburg gebracht. Später ließ sich der Hersteller, die Hermann Waldner KG aus Wangen im Allgäu, sowohl den Entwurf als auch den Namen „Milchpilz“ gesetzlich schützen.

Da ein Milchkiosk einen hohen Wiedererkennungswert haben sollte, wählte Hermann Waldners Sohn Anton, zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer, die markante Form eines Fliegenpilzes.“
[Bettina Vaupel: Milch vom Fliegenpilz: Nur wenige Kioske überlebten die 1950er Jahre. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): MONUMENTE. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland Nr. 5/6-2006 S. 14f. Wikipedia].

Rodelkorso 1961 [Foto: Slg. R. Boehm]

Macht auch heute noch eine gute Figur: unser schöner Fliegenpilz. Der aus Märchen- und anderen Kinderbüchern wohlvertraute Pilz mit dem charakte-ristischen roten Tupfenhut als Wohnstadt liebenswerter Wichtel, Elfen und

2018 [Foto: Ralph Boehm]

Blumenkinder [vgl. Bettina Vaupel, a.a.O.] mag auch die Familie Witter vermutlich 1956 bewogen haben, diesen Kiosk sich auf ihrem Grundstück vor das „Haus Ingrid. Bes. H. Witter“ zu stellen. Ob hier jemals Milch aus-geschenkt wurde, ist nicht überliefert [Eine Milchbar war ja auch bereits rückseitig in der Schützenstraße 8,

betrieben durch die Familie Piper. s.o.]. Wahrscheinlich ist eher, daß dieser „Pilz-Kiosk, Hindenburgstraße 9, gegenüb. Hotel Lindenhof“ ausschließlich für „Anmeldungen und Abfahrten für unsere Ausflugsfahrten“ genutzt wurde.
[Prospekt 1962, s.o.]

(1982, Foto: Gerhard Pfeiffer) 

Heute sind lediglich 13 von diesen Pilzen noch bekannt, von denen sogar 8 noch in Betrieb sein sollen (Wikipedia 28.03.2021).
Aus meiner Sicht würde es sich lohnen, diesen Pilz-Kiosk wieder einer Nutzung zuzuführen, z.B. als Werbeträger für das „Hotel Lindenhof“ der Familie Hofschlaeger und/oder den ältesten Märchenpark Deutschlands:
den „Märchengrund“ im Katzental.

1982 [Foto: Gerhard Pfeiffer]

Die Kioske 8 und 9 kommen
in der Hindenburgstraße dazu…

(Anfang der 1960er, Foto: Lucas Becker)
Entweder auf dem Hochweg oder auf dem Rückweg kam man in der Hindenburgstraße zwangsläufig an einem Kiosk nicht herum; die Quengelzonen der heutigen Supermärkte sind ein schwacher Abklatsch gegenüber dieser Anordnung der Buden! 

Kiosk Nummer acht und neun in der Hindenburgstraße
Entweder auf dem Hochweg oder auf dem Rückweg kam man in der Hindenburgstraße zwangsläufig an einem Kiosk nicht herum; die Quengelzonen der heutigen Supermärkte sind ein schwacher Abklatsch gegenüber dieser Anordnung der Buden! 

Original:
bis  1963

Fälschung:
nach  1964

[Anfang der 1960er, Foto: Lucas Becker] 
[Mitte der 1960er, Foto: W. Buckmann]

Als kleines Kind durfte ich mir am Wochenende bei optimalem Erfolg 10 Pfennig verdienen, indem ich bei „ORIGINAL und FÄLSCHUNG“ (zwei annähernd gleiche Gemälde oder Fotos wurden gegenübergestellt) in der „HÖR ZU!“ die 10 eingebauten Fehler fand…
Fehler 1. Der Kiosk von Adolph & Frick ist weg.
Fehler 2. Der Kiosk von Herrn Teske ist weg.
Fehler 3. Die „Normaluhr“ zeigt eine andere Uhrzeit.
Fehler 4. Die „Normaluhr“ hat einen Schutzzaun erhalten
Fehler 5. Blumenkästen + Girlanden schmücken zum Schützenfest.
Fehler 6. Die Volksbank wird 1964 eingeweiht.
Fehler 7. Haus Hasenpatt wurde verputzt.
Fehler 8. Der Kuperkeller ist eröffnet worden.
Fehler 9. Der Hoteleingang des Schützenhauses wurde verlegt.
Fehler 10. Die Börse ist eröffnet worden.

Kiosk 8 in der Hindenburgstraße 3, bis 1963

o.D. [wohl Ende der 1950er; Foto: Anja Danneberg. Das Foto ist mit KI aufgehübscht]

Dieser Kiosk entstand 1953, Oskar Adolph und Paul Frick waren die ersten Pächter [ab 10.07.1953]. Oskar Adolph erhielt 1959 die Genehmigung, auf dem Grundstück Hindenburgstraße 3 [Familie Stecher] den Verkaufskiosk der Fa. Adolph & Frick zu vergrößern bis zu 2,00 Metern [Bauamt Bad Sachsa. Vgl. das Foto!!!]. Im Angebot waren „ROST-BRATWURST“, „SÜSSIGKEITEN – TABAKWAREN“, dazu gab`s zum Trinken „Sinalco“ (als Alternative zum Gegenüber, der „Coca Cola“ anbot). Natürlich wurden auch Ansichtkarten und Zeitschriften offeriert. 
PS: Das „Haus Hasenpatt“ im Hintergrund zeigt sich noch unverputzt.

Dem Neubau der Volksbank 1964 mußte dieser achte Kiosk Platz machen;
auf Holzrollen wurde er laut Peter Stecher [am 29.10.1963] weiter nach oben versetzt [Siegfried Ross, 26.03.2021 auf Facebook]. In der Hindenburgstraße 3 a [Eigner Peter Stecher] wurde er später von Hartmut Zaulig und anschließend von Wilfried und Erna Zaulig betrieben, deren Spezialitäten waren „Pommes rot-weiß“ [Karl-Friedrich Borchling, 27.03.2021 Facebook], „Frikadelle mit Schmorzwiebeln und Ketchup“ [Jens Kiefer, ebenda], „Beste Frikadelle von der ganzen Welt. Ebenso der Burger, mit Fleischkäse wie auch mit Schmorzwiebeln in einem Sesambrötchen“ [Cord Pallasch, ebenda].

[Echo am Sonntag, 15.-16.11.1986]

Aber zurück zu Kiosk 9, errichtet 1954
Hindenburgstraße 10:

Herr Teske ließ diesen Kiosk 1954 auf dem Grund der Familie Reuter errichten; daß
dazugehörige Lager für den Nachschub befand sich bei der familiär verbundenen

Familie Probst im Bornweg 5.
Gegenüber des Kiosks der prächtige Fach-werkbau mit typischem Wintergarten in der  Pfaffenwiese 71 [Baumeister vermutlich Otto Kaiser] sowie das „Modehaus Schneider“ [Hindenburgstraße 11, heute „Modehaus Bayer“] und sehr viel privates Grün!

1960er Jahre [sw-AK mit KI koloriert: Gerhard Seiert]

Beworben wurden an diesem Holzbau  in der Kopfzeile „TABAK- und SÜSSWAREN, WÜRSTCHEN“ sowie „Coca Cola“; die „Langnese“-Eisfahne seitlich durfte auch nicht fehlen. Des Weiteren gab es selbstverständlich Zeitungen und für die zuhause gebliebenen Ehepartner und Freunde Ansichtskarten.

Unstimmigkeiten mit der Familie Reuter führten wohl 1964 zur Kündigung des Pachtvertrages mit Herrn Teske und somit zum Ende dieses Kioskes.

[sw-AK, mit KI coloriert. StABS]


Kiosk 10, Pfaffenwiese/Ecke Schützenstraße, vermutlich 1964

(o.D., 1964 oder kurz darauf; Photograph: Reinhold Priebe)


„Dieser Kiosk war unterhalb vom Zigarrenladen von Frau Höfer [Heute Chinaladen]. Der Kiosk wurde auch von meiner Tante und Onkel Barth betrieben.“ sagt Gerhard Seiert [Facebook, 31.08.2023]

o.D. [1964 oder kurz darauf; Photograph: Reinhold Priebe. Slg. R. Boehm]

Das obige Foto, hergestellt von Reinhold Priebe, welcher an hiesigem Pädagogium als Kunsterzieher arbeitete, zeigt wohl genau diesen Kiosk an der Ecke Pfaffenwiese/ Schützenstraße.
Auch die Werbung wurde den Bedürfnissen angepasst [der Osten war durch die Grenzziehung als Kundschaft weggebrochen und sollte durch norddeutsches Klientel kompensiert werden]; statt bisher Thüringer Rostbratwurst steht nun offensichtlich „geistige“ Nahrung im Fordergrund mit Zeitschriften wie „HÖR ZU!“ sowie Zeitungen „BILD“ und „Hamburger Abendblatt“ .
Heute finden wir an selber Stelle eine Arztpraxis.


Der letzte seiner Art: Kiosk 11

an der Hindenburgstraße 9, wohl 1970er Jahre

Um 1970 [AK-Ausschnitt: Slg. R. Boehm]

zu guter Letzt und vielleicht etwas spät… aber: Was macht einen Kiosk aus?

Versetzbarkeit? Größe? Angebot? Öffnungszeit? Standort? Laut Wikipedia ist ein Kiosk heute „im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung für eine kleine Verkaufsstelle in Form eines Häuschens oder einer Bude. Ein Beispiel ist die Trinkhalle. Ursprünglich war ein Kiosk ein nach mehreren Seiten geöffneter, freistehender Pavillon in Park- und Palastanlagen im islamischen Kulturraum“. Im betriebswirtschaftlichen Sinne ist ein Kiosk eine „Betriebsform des Einzelhandels“, indem „Artikel des kurzfristigen Bedarfs in geringer Sortimentsbreite und -tiefe (z.B. Tabakwaren, Süßigkeiten, Zeitungen“ angeboten werden; „häufig kombiniert mit Getränkeausschank oder Eisverkauf). Bevorzugte Standorte sind Plätze mit dichten Passantenströmen, z.B. Bahnhöfe, Marktplätze, Haltestellen, an Ausfallstraßen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon online 07.04.2021). Vielleicht am Besten trifft es die Erklärung im „Klexikon, dem großen Online-Lexikon für Kinder“, demnach ist „Ein Kiosk (ist) ein kleiner Laden. Dort werden meist kleinere Dinge verkauft, die nicht so teuer sind. Oft geht es um etwas, das man sofort isst oder trinkt, wie etwa Süßigkeiten. Kioske verkaufen außerdem Zeitungen und Lotterie-Lose. Je nach Gegend sagt man auch Trinkhalle, Wasserhäuschen oder Büdchen.
– Der eigentliche Kiosk ist ein kleiner Verkaufsstand, bei dem der Kunde auf der Straße steht. Manchmal ist der Kiosk ein kleines Häuschen, manchmal verkauft der Kiosk-Händler die Waren aus einem Fenster heraus. In einige Kioske kann der Kunde auch hineingehen, das ist dann aber eher schon ein normaler Laden.

Das Wort kommt aus dem türkischen und heißt dort „Köşk“, sprich Köschk.“ Aber egal, welcher Definition man/frau folgen mag: ein entscheidendes Kriterium ist die Freundlichkeit ihrer Besitzer. Eine Bude mit grantigem Karakter? Nicht vorstellbar!

1977 ist in diesem Kiosk ein Geschäft für Schmuck und Mineralien namens
„IDAR-OBERSTEIN“ zuhause.
[1977, Foto: R. Boehm]

„Die kleinen Läden sind für viele aber mehr als nur ein Ort für einen schnellen Kaffee oder Bier. <Kioske haben eine emotionale Komponente. Man trifft dort Nachbarn und Freunde und spricht über die Ereignisse in der Nachbarschaft>, betont Dirk Stürmer vom Dortmunder Kioskclub. <Der Kunde wird dort persönlich betreut. Das gibt es in den größeren Supermärkten nicht.>“. (https://www.welt.de/regionales/nrw/article181277202/Kiosksterben-in-Deutschland. a.a.O.). Recht hat er!


Der „KASKE-SHOP“
Ein Paradebeispiel für diesen freundlichen Umgangston sind  Heide und Lutz Kaske, die seit dem 5. November 1984 den „KASKE SHOP“ 33 Jahre mit Leben füllten. Dort gab es alles für den täglichen Bedarf, getreu der Gabler`schen Definition [s.o.], und freundliche Worte sowie ein Lächeln gratis obendrauf; und das „auch an Sonn- u. Feiertagen – Wir backen täglich – Frische Brötchen aus dem heißen Ofen“ [Werbung am Schaufenster] – und das bis zum 30.11.2017!

Oben: 07.04.2009 [Foto: R. Boehm]

„LADENLOKAL ZUM 1.12.17 zu vermieten. Nebenan bei Kaske fragen oder Telefon“.
Noch sind Kaske`s in „ihrem“ Laden. [03.07.2017: Foto R. Boehm]

2018-04-14, Eröffnung DER KLEINE LADEN, c

Am 15.04.2018 wird
„Der kleine Laden“ eröffnet durch
„Lana & Goga“

Ab spätestens 2022 müssen die verwöhnten Kunden auf den leckeren Kuchen verzichten. Der Kiosk steht wieder frei zur
Vermietung

Oben: 02.05.2018 [eigene Homepage]
Rechts: [06/2018 Stadtspiegel]
Ralf Engel Facebook: DER KLEINE LADEN-leider für immer geschlossen. [03.10.2022]
07.01.2023 EBAY Kleinanzeigen: Miete VB 600.
Ladenlokal und Garage ab sofort zu vermieten, 80qm.

Der Kiosk

Der Anfang und das Ende

In Berlin wurden freistehende kioskähnliche Kleingebäude von einem Privat-unternehmen als „bewegliche Trinkhallen“ aufgestellt. Diese Holzhäuschen standen nicht mehr unmittelbar auf der Straße, sondern in den angrenzenden Fußgängerbereichen, auf den Bürgersteigen, am Rande von Plätzen und in Grünanlagen. Die von dem Berliner Architekten Martin Gropius entworfenen Bauten fanden großen Anklang.
Um die Jahrhundertwende gab es nicht nur Mineralwasser, sondern auch Tee, Kaffee, Kautaback, Zigaretten und Zigarren im Angebot. Später kamen überregionale Zeitungen hinzu. [vgl. http://leckmich.it/kiosk.htm%5D
In der Neuzeit gab man/frau Kiosken nur dann eine Chance, sich gegen Supermärkte und Tankstellen mit deutlich ausgeweiteten Öffnungszeiten zu behaupten, wenn sie „aufrüsten“ würden. „Genau solchen Läden sagen die Handelsexperten der Unternehmensberatung Bain & Company eine glänzende Zukunft voraus – wenn sie sich denn zum Minisupermarkt um die Ecke entwickeln. Für die Betreiber der winzigen Fensterbüdchen aber, in denen gerade einmal der Pächter allein ein paar Quadratmeter Platz hat, geht es jetzt ums Überleben. <Die Zahl der Kioske in Deutschland wird sinken, wir bekommen eine Konsolidierung> glaubt Rudolf Pritzel, Partner bei Bain & Co, in 2008 [Hagen Seidel: Trinkhalle und Kiosk sterben aus, auf http://www.welt.de am 18.08.2008]. Er sollte Recht behalten.
In Bad Sachsa kamen allerdings weitere Gründe hinzu; insbesondere die Gesundheitsgesetzgebung des Bundes mit dem Haushaltsbegleitgesetz 1983 [Einführung der Zuzahlung zur Kur: 10 DM/Tag), dem Gesundheitsstrukturgesetz 1997 [Budgetierung der Kassenausgaben] sowie dem Beitragsentlastungsgesetz 1997 [Verkürzung der Kur von 4 auf 3 Wochen, Verdoppelung der Zuzahlung von 12 auf 25 DM/Westdeutschland sowe 9 auf 20 DM/“Neue Länder“], veranlaßten diverse Träger von Kurheimen, diese zu schließen und zu verkaufen.
Bad Sachsa verlor in den 1990er Jahren mehr als 10 große Häuser
mit jeweils ca. 50 Arbeitskräften [mit Familien ein Aderlaß von rund 1.000 Menschen bei einer Bevölkerung von 9.000 Einwohnern!]
Dieser Verlust an Kaufkraft konnte durch die Umstellung der hiesigen Gastgeber und städtischen Bereiche vom Kur- auf den neuzeitlichen Gast noch nicht vollständig kompensiert werden.
Aber Bad Sachsa ist auf einem guten Weg!
Ralph Boehm
2021

NACHTRAG

Sicherlich hat es weitere Kioske in Bad Sachsa gegeben, die [noch nicht] bedacht sind – bitte helfen Sie mit Ihren Erinnerungen! Hat es diese Büdchen auch in den Ortsteilen gegeben?
Zum Beispiel fehlen in der obigen Aufzählung die Kioske
am Schmelzteich und beim Minigolf

17.01.2021. Neue Fahrradständer am Kiosk des Minigolfplatzes
[Foto: Helmut Beyermann
Facebook Oktober 2024]
  • Ein weiterer Kiosk, vielleicht auch nur Haustürverkauf, soll am Danziger oder Schlesierweg von „Familie Lüder“ betrieben worden sein.
  • Ein weiterer Kiosk, vielleicht auch nur Haustürverkauf, soll durch Familie Barke in der Wiedaer Straße erfolgt sein.
  • Ein weiterer Kiosk, vielleicht auch nur Haustürverkauf, war um 1970 in der Ringstraße [wenn man vom Schulzentrum die Zuwegung runterfährt, gleich rechts].

Vermutlich gab es noch mehr solcher Haustürverkaufsstellen??
Bitte schreiben Sie uns!!

Weitere Fotos, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Kiosk 2, Hindenburgstr. 5 a

Nächsten Sonntag kommt der Photograph.
(1913, AK, Slg. R. Boehm A 256)

Kiosk 2, Hindenburgstr. 5 a

Fa. Freudenreich mit Günther Fünfstück (auf der Leiter) und mein Vater [sagt Bernd Klapproth 2018].[o.D., Anfang der 1960er, Bernd Klapproth, facebook 12.12.2018]

Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

„Die Kolonnaden“ [als wenn es keine anderen in Bad Sachsa gäbe][o.D., um 1905,
Nachlaß Günter König]

Kiosk 3, Hindenburgstraße 7 c
Die Tafel mit Abfahrtzeiten, gestaltet durch den Graphiker und Kunster-zieher am Päda, Reinhold Priebe, wurde frisch angebracht. Über der Tafel sind noch keine Fenster verbaut. (Zu Reinhold Priebe siehe auch bei Kiosk 10)[vor 1955, Photograph: Reinhold Priebe]

1955 oder kurz darauf.
Nun mit 4 kleinen Fenstern.
[Archiv Struttmann]

Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

Noch ahnt der Parkplatz nicht, daß er demnächst dem Café Wendt zum Opfer fallen wird.
[1956, Slg. R. Boehm]

Kiosk 3, Hindenburgstraße 7 c

[Ende der 1960er,
Foto: Klaus Petersen]

Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

[22.02.2018,
Photograph: Horst Möller]

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a
[1950er, Photograph: Willi Müller] 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a

[kurz vor 1956,
Photograph: Willi Müller]

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a

Der Umbau beginnt mit dem hinteren Teil.
[1956, Photograph: Willi Müller)]

Hindenburgstraße mit Kiosk 6 [1937, Foto, Slg. R. Boehm 3199]
Steht Herr Piper vor seinem Kiosk?

[vor 1956, Foto: Herbert Lemmer Facebook 23.12.2018]

Hindenburgstraße,

Links die Kolonnaden [Kiosk 3], mittig hinter der Litfaßsäule Piper [Kiosk 6]. rechtsseitig die Dächer vom Kino und den Kiosken 5, 2 und 4.  [v.l.n.r.]

Hindenburgstraße, Kiosk 3, 6, 2 und 4.
Vieles spricht dafür, daß diese winterliche Szenerie vom Photographen Struttmann angefertigt worden ist.
[vmtl. 1967/1968, Nachlaß Kurbetrieb, Repro: Anja Danneberg]



Kiosk 6
Hindenburgstr. 7 a 


25 Jahre Helmut Graf. Teil 1




25 Jahre Helmut Graf. Teil 2

[HK 30.04.1974]

Hindenburgstr. 3 a
Zum Schützenfest 1973 ziehen die Majestäten noch am ursprünglichen Kiosk 10 [oben rechts] vorbei.

[Juli 1973,
Foto: Slg. Horst Möller]