KLAPPEROTH`S HANNECHEN

oder auch
HANNECHEN KLAPPROTH
Klapperoth`s Hannechen
Ein Alt-Sachsaer Original
Bad Sachsa. Jo, so es das Laeben nune mol. Menschen kommen uff die Waelt, warn groß un stark, warn wedder kleine un gehn nochter wedder ob in`s große Paradies. Die meisten sinn nochter au schnaelle in Vergessenheit jeroten. Waenn mie awer mol so die ohlen Originale, die einen so in Laeben begegent sinn an sinnen Auen verbiestolziere ledt, do fellt einen dach von dissen un jenen so`n Mehlichen Spaß in.
In guter Erinnerung bliewet do ver uns ohle Sachsaer „Klapperoths Hannechen“. Ich sieh`s nach ver mich, wenn es in sinnen brunen Beiderwannskleide, uffen Koppe en schwarz-graues Kopptuch un uff`n Buckel sinn Tragekorb daen stickeln Pfaffenberg runger kamb. In der Hand hatte es immer so en derben Haselnusknippel, denn sinne Beine wullten au nich mehr so richtig metspeele. Hannechen wohnte in Totengraeverhuhse obene uffen ohln Friedhowe. Mie Jungens nannten das Hiesschen kurzimme Hannechen sinn Schleßchen. Minn Frind Fritze hatte allerdings das Schleßchen „Villa Totenknochen“ jetauft, das klung so`n Mehlichen gruselninger un paßte mehr ver unse Wippchen und dummen Streiche.
Nune mißt ihr aber wisse, daß Hannechen von Jugend ahn einen Fehler met uf die Welt jekrein hatte. Das arme Tierichen stotterte nahmlich, un das war in sinnen ohlen Tagen nach vele Schlimmer jeworn. Waen es nune die Wörtersch bin spraechen nich schnaelle jenung ruhs kreig, trampete es immer met daen rechten Fuße uff un knepp die Auen derbie zu. So kambs daenn immer wedder in Schwung. Lease un schriewe kunnte es aber au nich. Es machte einfach drei XXX. Einmohl kreigs aber nune mohl von sinnen Tochter en Brief, daen luhs es sich von Brieftraeger verlaese. Der meinte nochter versch „Hannechen, du best wol nich in die Schule jegehn, daß de laese un schriewe kannst“. Do meinte Hannechen druff: „Minn Va-a-a-ter es hu-undert Joh-h-re ohlt jeworn, un k-u-unte au nich l-a-a-se un schrie-e-we. Ob du h-u-undert Joh-h-re ohlt wer-r-scht, das gle-w-we ich nich un du k-a-a-nnst dach laese.“
Ver uns junge Remonte war grade der ohle Friedhof un Hannechen sin Schleßchen das richtige Eldorado ver allerlei dumme Zick un Spukgeschichten. Owends, so non Fierobende, trafen mie uns meistens do obene. Waenn denn der Mond so uff die Grabsteine schenn un in daen großen Fichten der Totenvogel „uhu“ gaakete, war`s einen jo manniches mol derbie gruselning. Eines Obends nune, wie mi wedder uffen ohlen Friehowe rimmstaarten, meinte dach einer von unser Rottekora, „ob sich woll Hannechen eigentlich hier obene nich fercht“ (fürchtet). Es wurde gliech beschlossen, das werd hiete owend nach uhsprowiert.
Gustav, daer domols uf der Gemeine in der Lehre war, sahte: „Ich ha eine feine Idee. Ihr mißt aber mol en Mehlichen worte.“ Gustav suhste bie sinn Meister hingene in Gorten rinn un es duhrte au nich lange, do kamb he met en Bettlaken ungern Arme wedder ihn. He hung sich das Ding immer un do saak ge drinne uhs, wie so`n Kemmelterkc. Mie mußten alle schunn so lache aber die richtige Prozedur sollte dach jetzt erscht loos geh.
Gustav marschierte nune loos wei so`n Jespenst un mie andern hingerne haer. Hannechen sinne „Villa Totenknochen“ lag so scheene in Mondschiene un uf einrer Fichten gaakete d`r Totenvogel weder „uhu – uhu“. Unger Hannechen sinn Faenster wurde halt jemacht. Einer steekerte met ein Knippel an Faensterladen rimm unklppete nochter feste druffe rimm.
Do gung pletzlich die Luken uff un Hannechen guckete in Hemmede uhsen Faenster ruhs. Do fung das Jespenste ahn zu brummen un knurren un stehnte ganz erberlich. Wie Hannechen diss saak un hoorte, verlente es ver lutter Angest das Stottern. Es trampete feste mett`n Fuße uff un schmeß daen Fensterladen zu. So ganz stiekum han`n mi uns nochter verdrucket. An annern Tage sockete Hannechen in der Sachse immerhaer un verzahlte aewerall, das es jetzt uffen Friedhowe spiekete un es hette das Jespenst jesiehn un immer hette es aunach „uhu“jerufen.
Von disser Ziet ahn hatte Hannechen jeden Obend viele Besuch, denn alle wullten dach mol das Jespenste sieh. Aber das Jespenste tat keinen Gefallen un kamb wedder. Wie sich Hannechen so langsam beruhigt hatte, do war uff einmohl eines Obends das Jespenste dach wedder do. Nune platzte Hannechen aber dach daer Flitzebogen. Jetzt kreig ses dach met der Angest. An annern Morgen gungs bin Borchemeister, daer domols nach in ohlen Rothuse in der Uffestroße sinne Büros hatte. Das ganze Rothuhs hätt`s rewaellsch jemacht. Daer Borchemeister v.d.Boehm verstund Spaaß und gung au uff Hannechen sinn Sacktich in. Mie muß sich boß mol verrstelle, wie Hannechen do loosjeläht hätt un met sinn Fuße uffjetrampet hätt.
„Herr B–b-b-b-orche-m-meister, ä-ä-ä-äs es nich meh-h-h-r zun U-u-uhshooln. Ich schlo-o-o-o-fe nich mehr do obene.“
Daer Borchemeister wullte dach Hannechen aber wedder beruhige un saedte: „Was häst denn man Hannechen, es gitt dach gar keine Jespenster.“
„W-w-w-w-ass, Herr B-b-b-b-orchemeister, un waenn s-ss-sis nich glau-we wulln, da-a-nn schloof-fen se mol bie mich u-u-un sie solln mol siehm wi-is-s spieket.“
(signiert A.S., BSN 18./19.02.1961. Vgl. im Folgenden)
Hannechen verstarb im Jahre 1920 im Krankenhaus zu Bleicherode und wurde dort auf dem Friedhof beigesetzt (hds. Notiz: Günter König)
Diese Geschicht wird in Kurzform so zusammengefaßt;
Ein Original war Hannichen, weil es stotterte und dann immer mit dem Fuß dabei Takt schlug. Die Bäckerjungen von Voigt (Lautenbach) spielten abends den heiligen Geist, erschienen in Bettlaken gehüllt und klopften bei Hannichen ans Fenster. Beim Bürgermeister beschwerte sie sich: „Und wenn Sie das nicht glauben, müssen sie mol bi mich schlofen, Her Bürgermeister Deibel. Jagen Sie doch diesen Klapproth, diesen Bappuf, diesen Pfuidian zum Deibel.“ An einer Tür soll gestanden haben „Hite hätt unse Zein gebockt“.

Treppenreinigung am Kriegerdenkmal vor der Kirche.
Pfarramt und Verwaltungsausschuss sind einverstanden mit der Anpassung der Entschädigung für Frau Klapproth, Kirchstraße 16, von DM 15 auf jährlich DM 30.
Hannechen verstarb im Jahre 1920 im Krankenhaus zu Bleicherode und wurde dort auf dem Friedhof beigesetzt. [G. König]