KOMM` DOCH MIT AUF DEN RAVENSBERG
Komm` doch mit auf den Ravensberg!
(frei nach einem bekannten Werbesong, der auf dem Colonel Bogey March basiert)

Die Häuser mit den heutigen Adressen Marktstraße 59 und 60:
Erstmals läßt sich der Name Haendeß in Sachsa 1794 nachweisen:
Der in Regensburg geborene Carl Eustasius Haendeß wird hier seit dem 21. Octbr. 1794 als Bürger geführt; sein Stand ist Apotheker (StABS IV.a.2. lfd. Nr. 18).
Bis 1846 wohnt die Familie des „Karl Haendes“ (StABS XII.h.2) in der heutigen Marktstraße 21, ab 1846 in der Marktstraße 54; deren Sohn „Kaufmann Eduard Haendeß zu Sachsa“ erwirbt 1869 das Doppel-Gebäude Marktstr. 59/60 vom „Ackermann Friedrich Schinkel zu Mackenrode“ (StABS I.q.30).“
H. Hendeß aus Sachsa, also offensichtlich ein heimisches Familienmitglied, setzt sich 1853 mit einem
„Geheimmittel“ gegen die Kartoffelkrankheit auseinander, welches ein gewisser
„J. G. von der Trappen. Wesel, bei Bagel. 1852“ anbietet zum stolzen Preis von
„4 Thlr. oder 7 fl. rh.“ und kommt zu dem Schluß:
„Es dürfte daher die Anwendung des in Rede stehenden Mittels in Ansehung der Kosten, wenigstens in diesem Jahre, nicht gelohnt haben.“

Mit ganz anderen Dingen beschäftigen sich Eduard Hendess gemeinsam mit seinem Bruder.
Allerdings nicht zur Freude Aller!
So schreibt „H. Underberg-Albrecht, Erfinder und alleiniger Destillateur des Boonekamp of Maagbitter“, immerhin Hoflieferant mehrerer königlichen Hoheiten und Seiner Majestät des Königs Maximilian von Bayern“
[im Kölnischen Anzeiger vom 02.02.1860]:

Der Artikel erscheint ähnlich auch in der Madeburgischen Zeitung am 23.02.1860:

[Hubert Underberg gründete das Unternehmen am 17. Juni 1846, dem Tag seiner Heirat mit Katharina Albrecht. Lange experimentiert er am Rezept für einen Magenbitter. 1851 ließ er sein Produkt beim Handelsgericht in Krefeld schützen;
nur allzu verständlich, daß er versuchte, gegen lästige Konkurrenz anzugehen
[„Die Firma“, in: Die Welt, 09.02.2006]
„Geworben wurde im Westen mit dem Slogan-Klassiker
„Komm doch mit auf den Underberg“ auf die Melodie des River-Quai-Marsches. Die Gruppe, die noch immer vollständig der Familie gehört, beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich und der Schweiz. Der Umsatz wird seit Jahren mit 500 Mio. Euro angegeben, über die Höhe des Gewinns verlautet nichts „
Die Erwiederung der Firma „Gebrüder Hendess“, namentlich Eduard Hendess, erfolgt nur einen Tag später am 23.02.1860 in der Magdeburgischen Zeitung:

Das öffentliche Scharmützel wurde dann nicht weitergeführt.
Aus dem „Boonekamp aus Maagbitter“ des Hubert Underberg-Albrecht wird der „Underberg“, heute in 5ter Generation in Familienbesitz und nachwievor aus Kräutern aus 43 Ländern bestehend. Und seit rund 50 Jahren wird, nach der Melodie des River-Quai-Marsches, am Tresen der Slogan-Klassiker gesungen:
„Komm` doch mit auf den Underberg“
Und wie erging es unserem Eduard Hendess ???
Er kämpfte weiter um seinen „Boonekamp of Maagbitter“, hier 1870 belegt, verlagerte aber gleichzeitig den Schwerpunkt auf seine
„Rum-, Liqueur-, Essenzen- und Mostrich-Fabrik„
in der Marktstraße 60.

Spätestens 1893 zeichnet Hugo Eckstein verantwortlich für die Firma „Eduard Hendess / Inhaber H. Eckstein“ und der Maurermeister Fr. Kälz einen Situationsplan zum „Project einer Dampfanlage für Herren Hugo Eckstein in Sachsa a/H.“;
es wird also kräftig inverstiert!

und da sage noch einer, wir hätten niemals Industrie in Sachsa gehabt…]
Der Schwerpunkt wird verlegt – weg vom Boonkekamp – hin zur
„Dampf-Mostrich und Essigsprit-Fabrik„
[Rechnung vom 28.02.1898. Slg. R. Boehm]

Nachfolger „Max Eckstein“ blieb bei diesem Sortiment:
„Likör, Essigsprit und Mostrich“,…
(Rechnung vom 24.10.1925. Slg. R. Boehm)

… aber ganz hat man auf den eigenen „Boonekamp“ nie verzichtet!!!

Man stelle sich vor, Eduard Hendess, oder seine Nachfolger Eckstein,
hätten einen Werbesong verbreitet, wie
„Komm` doch mit auf den Ravensberg“…
1930, [Wasserzins, StABS 1.20.7]
Ab ca. 1935 wird als Eigentümerin die „Witwe Friedrich Krieghoff, Bad Sachsa, Marktstraße 59/60“ geführt. Mit Boonekamp und Likör ist nun Essig…
Denn von nun heißt es im rechten Teil:
„Kutsch- und Lohnfuhrwerk, Kohlenhandlung, Möbeltransport, Bahnamtliche Spedition“ (StABS I.43.5).

Mehr auf folgender
Unterseite:
und der linke Teil, Marktstr. 59, wird vermutlich verpachtet. Folgende Anzeige möcht ich Euch und Ihnen nicht vorenthalten:

Mehr auf folgender
Unterseite:
Abschließend hier noch ein wenig zu den beiden Häusern und ihren Personen:
Erstmals läßt sich der Name Haendeß in Sachsa 1794 nachweisen: Der in Regensburg geborene Carl Eustasius Haendeß wird hier seit dem 21. Octbr. 1794 als Bürger geführt; sein Stand ist Apotheker (StABS IV.a.2. lfd. Nr. 18). Bis 1846 wohnt die Familie des „Karl Haendes“ (StABS XII.h.2) in der heutigen Marktstraße 21, ab 1846 in der Marktstraße 54; deren Sohn „Kaufmann Eduard Haendeß zu Sachsa“ erwirbt 1869 das Doppel-Gebäude Marktstr. 59/60 vom „Ackermann Friedrich Schinkel zu Mackenrode“ (StABS I.q.30).“
- <1853: Haus 57 und 58 in der Marktstraße
- >=1853: Haus 69 und 70 in der Marktstraße
- Ca. >= 1890: Marktstraße 59/60: Fabrikant Hugo Eckstein
- „Der Hersteller von Spirituosen, die Firma Eckstein, konnte gerettet werden“ bei dem Dritten Großen Brand 1893. [Kurt Fulst 2000].
- Seit ca. 1893 bilden die beiden Häuser eine wirtschaftliche Einheit.
- Das heutige Haus 59 wurde durch den Fabrikanten Hugo Eckstein wohl von Familie Bötticher (hier mindestens seit 1850) erworben;
- Das heutige Haus 60 gehörte Mitte der 1850er der Familie Ackenhausen, die es an den „Ackermann Friedrich Schinkel zu Mackenrode veräußerte; ca. 1869 heißt es dann: „modo: das Wohnhaus nebst Hintergebäude und Gärten besitzt jetzt der Kaufmann Eduard Haendeß zu Sachsa“ [StABS I.q.30, Flurregister]