Vom Vogelkäfig und der Muschel…

1902. Musikpavillon im Kurpark [AK: Slg. R. Boehm]
o.D. [sw-Foto: Horst Möller. Mit KI bearbeitet]
September 1935 [AK: Slg. R. Boehm 6310]
1939. Wandelhalle, „Vogelkäfig“ und die neue Wetterstation
[sw-Foto: Album Henning 1935. Slg. R. Boehm. Mit KI bearbeitet]
o.D. [sw-Foto: Horst Möller. Mit KI bearbeitet]

Musik kann Balsam sein für die geschundenen Seelen

Neben der notwendigen Wiederherstellung der Infrastruktur hatte Willi Müller ab circa 1947 besonders den Wintersportbereich [siehe auf den entsprechenden Seiten] und eben die Kureinrichtungen im Sinn, um die Wirtschaft in Bad Sachsa wieder auf gesunde Beine stellen zu können. Beispielsweise so:
Als in den Jahren 1947/48 der Kurpark einer grundlegenden Umgestaltung unterzogen wurde, mußte auch der über 30 Jahre alte eiserne Musikpavillon weichen; er wurde im Volksmund Vogelkäfig genannt. Von vielen Einwohnern wurde seine „Demontage“ bedauert, erinnerte er doch an einstmals glücklichere Zeiten des Kurortes.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Pavillon verschwinden mußte, um die gärtnerische Gestaltung des Kurparks nicht weiter zu stören. Hinzu kam, daß er im Laufe der Jahrzehnte baufällig geworden war. In den nächsten Jahren fehlte ein geeigneter Platz für die Musik. Es hatte sich in den vergangenen zwei Jahren erwiesen, daß ein Konzertieren in den Wandelhallen nicht möglich ist. Die Hallen weisen nicht die geringste Akustik auf und lassen kaum einen Ton nach draußen dringen.

Wegen der schlechten Akustik wurden Kurkonzerte meist durch Blasinstrumente ausgeführt. Mit dem Gedanken, einen Ausweg aus dieser wenig befriedigenden Lage zu finden, haben sich verantwortliche Kreise schon des öfteren beschäftigt. Der durch seine Pläne und Gestaltungen über Bad Sachsa hinaus bekannt gewordene Architekt Reiner trat mit einem Plan zur Umgestaltung der Wandelhalle an die Öffentlichkeit, den man bei objektiver Betrachtung als gelungen bezeichnen kann. Architekt Reiner geht von der Erkenntnis aus, daß an der Wandelhalle grundsätzlich nichts geändert werden soll. Daß diese Erkenntnis auch von finanziellen Gründen getragen wird, versteht sich eigentlich von selbst. Wie aus beistehender Zeichnung ersichtlich ist, will Architekt Reiner den Platz für das Orchester in die Mitte der Halle legen, und zwar um 2m erhöht. Nach seiner Ansicht 

würde diese Empore mit einer Breite von 9 m und einer Tiefe von 7 m ausreichen. Der ganze zu errichtende Mittelbau, die sogenannte Muschel, könnte in Holzkonstruktion erstellt werden. Rechts und links von der oben auslaufenden Treppe als Freitreppe, die sich auch für Chöre eignen würde, sowie innerhalb der Halle sieht Architekt Reiner kleine Balustraden vor, die von Blumenkästen gekrönt sind.
Nach Reiners Ansicht ließen sich die Arbeiten ohne Schwierigkeiten durchführen, und die Baukosten dürften sich – gemessen an den erreichten Vorteilen – in tragbaren Grenzen bewegen.

Reiners Plan fand keine Berücksichtigung. Es wurde ein achteckiger Bau ans Holz errichtet zum Sitzplatz für die Kurkapelle. Die Akustik war auch jetzt noch nicht gut. Daher wurde zu ihrer Verbesserung der Holzpavillon um etwa 60 cm erhöht, wodurch eine merkliche Besserung erreicht wurde
[Hallbauer III, S. 84/86]

o.D. [Foto: Horst Möller]
o.D. [Foto: Horst Möller]