Kurze Straße 3 – Villa Pagenstecher
Kurze Straße 3
- davor: unbebaut
- ab 1901: Baujahr 1901 in der „Kurze Straße 2“
- ab ca. 1965: Kurze Str. 3


BAD SACHSA 23. Juli 1906
Anna Pagenstecher
schreibt an Herrn
Oberleutnant
Richard Pagenstecher
Hochwohlgeboren.
Strassburg i. Els.
Hotel . Rotes Haus .
Lieber Herr Vetter…

[AK: Slg. R. Boehm A 166] 1903 Richard Pagenstecher.
Weitere Informationen zur Adelszugehörigkeit seiner Familie sind zu finden im:
Kreisarchiv Warendorf N 161 / Pagenstecher, Nr. 321 (321) Familienforschung.
Ein weiteres Beispiel für die vielen Militärangehörigen, die, wenn nicht selbst in Bad Sachsa wohnhaft, so doch verwandtschaftlich mit dieser Stadt verbunden sind. Die Bezeichnung „Vaterländisches Viertel“ steht noch heute für den Bereich um die Bismarck-, Hindenburg-, Blücher-, Moltke- und Roonstrasse!
Damals war das einfach nur geschicktes Marketing.
Anna Pagenstecher empfiehlt mit dieser Ansichtskarte ihre Villa Pagenstecher:


Villa Pagenstecher, Kurzestr. 2. Oben: 1910 [AK: Slg. R. Boehm]
Links: 1911 [AK: Slg. R. Boehm]
Die Frontseite ist identisch zu der Karte oben drüber.
Werbung „Prospekt.“:
In meiner im grossen Garten, am Walde belegenen Villa sind mehrere besonders grosse Zimmer comfortable für einige Sommerfrischler eingerichtet…
Anna Pagenstecher.
Photo: Fr. Hartung, Bad Sachsa


Mehr Informationen
finden Sie in der
„An Stelle der schon im Jahre 1899 eigereichten und genehmigten Zeichnung für ein zweites Wohnhaus an der Kurzstraße erlaubt sich der Maurermeister Fr. Kälz ein etwas verändertes Projekt der „Wohllöblichen Polizei=Verwaltung“ hierselbst vorzulegen.
Es ist im Allgemeinen die Lage und Zahl der Zimmer beibehalten, auch die Bewärungsanlagen sind dieselben geblieben; nur die Größe der Zimmer ist etwas abgeändert worden, was aus dem Abgleich der beiden Projekte hervorgeht. Außerdem sind noch ein Freitreppenüberbau und ein Risalith [Anm. 1 siehe rechts] hinzugekommen.
In konstruktiver Hinsicht ist auch der 1. Entwurf zu Grunde gelegt. Fundamente und Kellergeschoß werden massiv aus Bruchsteinen ausgeführt und die sichtbaren Flächen dann mit Cementmörtel nach Zeichnung abgeputzt; das Erd= u. Obergeschoß werden in Fachwerk ausgeführt und die Fassaden ebenfalls mit Cementmörtel abgeputzt. Das Haus wird mit Hohlziegeln eingedeckt, Turm und Grate mit Schiefer.
Rich. Kälz, Inge.“ (1901, Akte des Bauamts Bad Sachsa)

Oben links die Villen Pfaffenberg 27 [mit Türmchen] und evtl. Glaseberg 14 [Säuglingsheim von Steinmetz; zwischenzeitlich abgerissen].
Circa 1920 [gelaufen 1931, AK: Slg. R. Boehm 3367]
Die Kurze Straße, wenn auch nur für bisher zwei Villen, zeichnet sich ab.
Von privater Seite sind Fensterläden am Risalit auf beiden Etagen hinzu-gekommen und die Freude am gestalteten Garten ist sichtbar.
(Anmerkung [1]: lt. Wikipedia wird unter „Risalit“ verstanden:
„Der Risalit (aus italienisch risalto ‚Vorsprung‘, italienisch saltare ‚springen‘), auch Avantcorps[1] oder Avant-corps (von französich avant corps „vor dem Körper“),[2] ist ein zumeist auf ganzer Höhe aus der Fluchtlinie eines Baukörpers horizontal hervorspringender Gebäudeteil. Als Mittel zur Fassadengliederung ist er ein typisches Gestaltungsmittel der Architektur der Renaissance und des Barock (sowie des entsprechenden Historismus), tritt jedoch auch in anderen Epochen auf.)“
Die ersten Nutzer dieses Hauses sind die die „Geschw. Frl. Pagenstecher“
[StABS XII.c.2]; im Besitz dieser Familie befand es sich bis ca. 1956.