REFORMKÜCHE / LEBENSREFORM / REFORMBEWEGUNG
LEBENSREFORM – Bewegung in Bad Sachsa


Siehe am Ende dieser Seite einige Anmerkungen von Wikipedia zur Lebensreform und Anmerkungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu Albin Müller und dem Sanatorium Barner: „Neugestaltung im Jugendstil“

Die Lebensreformbewegung

im Südharz [besonders in Neustadt und Bad Sachsa]

Um 1900 und in den folgenden drei Jahrzehnten bestand eine breit gefächerte Gegenbewegung zur Industriealisierung. Insbesondere Großstädter suchten eine Rückkehr zu einer einfachen, gesunden und naturverbundenen Lebensweise:
Vegetarismus, Naturheilkunde, Freikörperkultur, Anti-Alkoholismus und Reformkleidung.
Kurz:
Erneuerung der gesamten Lebensweise durch individuelle Veränderungen stand im Fokus von Menschen, die sich das auch leisten konnten.

[1907, AK: Slg. R. Boehm]


Südharz Sanatorium
Hermann Kronberg.
Bad Neustadt-Hohnstein i. Südharz.
Stat. Niedersachswerfen u. Ilfeld.

Ein gewisser Hermann Kronberg hatte in unserem Nachbarort Neustadt im
19. Jahrhundert entscheidenden Einfluss auf die touristische Entwicklung und den Fremdenverkehr: „1870 wurde ein Kurhaus und acht Jahre später ein Badehaus gebaut. Ab 1887 betrieb Hermann Kronberg ein Sanatorium auf der Grundlage eines Naturheilverfahrens. Seit 1890 darf sich Neustadt Luftkurort [und seit 2014 „Heilklimatischer Kurort, wie Bad Sachsa auch schon seit vielen Jahren] nennen.“

Dieser Herr etablierte damals auch die Möglichkeit, sich nackt an freier Luft zu ertüchtigen. Dafür erbaute er einen Park mit 10 sogenannten Lufthütten. Das waren kleine Holzhäuschen, die einen Mindeststandard boten. Der Bereich für Männer nannte sich „Walhalla“, für Damen „Dornröschen“.
Rund um diese Hütten konnten die Kurgäste, die durchaus finanzstark waren und bis aus Berlin anreisten, der Natur frönen, sich sportlich bewegen – die olympischen Sportarten erlebten gerade eine Renaissance – und auch nackt herumlaufen. Klar, dass das damals noch mehr als heute als unschicklich galt. Erst der Bau eines hohen Bretterzauns ließ die Gemüter abkühlen.

Der vielleicht bekannteste Kurgast war der Heimatdichter Hermann Löns.
[vgl. www.pneumokur.de/Neustadt, 19.12.2021]. Der so oft als „Heidedichter“ beschriebene Journalist und Schriftsteller Hermann Löns verbrachte seine Urlaub in Neustadt/Harz bei der Familie Kronberg – und später, nach dessen Umzug nach Bad Sachsa im Sanatorium Kronberg auf Eulingswiese. (vgl. zum Löns-Denkmal).


Hermann Kronberg, Hermann Löns und die Nackten

Rupert Ströbele schreibt über „Hermann Löns – Sein Bezug zu Neustadt“ anläßlich dessen 150. Geburtstag:
„Der Grund seines Kur-Urlaubs in Neustadt/Harz im Jahre 1908 war wohl seine
angegriffene Gesundheit zum damaligen Zeitpunkt. Das Kursanatorium von
Hermann Kronberg und seiner Frau Adelheid mit vegetarischer Küche und
nikotin- und alkoholfreien Räumlichkeiten und Wohnen in einer Holzhütte am
Waldrand unter einer mächtigen Eiche schien Löns gut zu gefallen.
Es entwickelte sich eine Freundschaft zur Familie Kronberg, besonders zum Sohn in Bad Sachsa.“ In 1912 und 1913 weilte Hermann Löns mehrfach bei seinem Freund Fritz Kronberg.
[vgl. u.a. auch:  Rupert und Ruth Ströbele: „Hermann Kronberg, der Mitbegründer und Motor des Kurwesens in Neustadt unterm Hohnstein“. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen / Gelbe Reihe Band 38 / 2013.]

Mehr Informationen
finden Sie unter

Haus zur Sonne – Liegehalle
Erholungsheim und Diäthaus – HAUS ZUR SONNE, Neustadt Südharz
[1942, AK. Slg. Ralph Boehm]. Ein spätes Zeugnis dieser Reform-Bewegung.
„Around 1900, sunbathing in the Harz region was primarily associated with a growing movement towards health reform and a connection with nature, which included activities at early free body culture (FKK) associations and local bathing spots. 
Before the early 20th century, pale skin was generally preferred as a sign of wealth and status, while a tan indicated a life of outdoor labour. However, a cultural shift was beginning, with a focus on fresh air, sunshine, and a healthy lifestyle becoming popular in Germany around this time…
 These activities were part of a broader „life reform“ movement that emphasized natural remedies and a return to nature as an antidote to industrialization“ 
[Michael Hau: The Cult of Health and Beauty in Germany: A Social History, 1890-1930. vmtl. 2008]

Das Luft- und Sonnenbad am Schweinsrücken
in Bad Sachsa

Luft= und Sonnenbad
(städtisch) mitten im Hochwald

2 Minuten vom Kurpark

Links/Unten/Darunter:
[Um 1932, Stadtplan „Bad Sachsa]

„Angenehme, ruhiger Aufenthalt.
Keine Fabriken. Mildes Klima;
staubfreie ozonreiche Luft,
erhöhte Wirkung der Sonnenstrahlung, daher appetit-anregend und stärkend.
Günstige Erfolge bei Bleichsucht, Herzleiden, Rückenmarksleiden, Neuralgie, Hypochondrie, sowie Nervenleiden jeder Art…
Für Lungenkranke keine Aufnahme…
Neuzeitliches Schwimmbad,
Luft= und Sonnenbad,
Städtisches Badehaus (sämtliche medizinischen Bäder, Massage …)

Terrainkurwege, Liegewiesen, 4 Aerzte. Ausgezeichnetes Trinkwasser aus Gebirgsquelleitung, Kanalisation, Elektrizität, Gas. Evangelische und Katholische Kirche am Orte…“

Oben mittig, bez. „Luft u. Sonnenbad„
[Pharus-Plan, ca. 1920, Slg. R. Boehm]
Mittig unterhalb der Rodelbahn liegt das mit „60.“ bezeichnete
„Luft= und Sonnenbad„

Mehr Informationen finden Sie hier zum

SCHWEINSRÜCKEN

Weitere Luft- und Sonnenbäder
in Bad Sachsa

gab es bspw. beim „Haus Gieseler“
in der Wiedaer Straße 43

[Um 1932, Stadtplan „Bad Sachsa]

Kronbergs Sanatorium Eulingswiese in Bad Sachsa
Besitzer: Frau Meta Kronberg

Auf diesem Bilde fallen sofort die vielen wind-geschützten, der Sonne entgegensehnenden Freiluftbäder ins Auge; auch verfügt dieses Gebäude über sehr viele offene Balkone und riesige Wintergärten.

Die selbe Aufnahme, die zur Anzeige hierüber genutzt wurde, hier mit KI aufgehübscht, um
die Luft- und Sonnenbäder hervorzuheben. [März 1937, DER HARZ]



1953 im
Sanatorium Kronberg
in der
Liegehalle
[Foto: Slg. R. Boehm]

Dieses Foto ist neueren, aber unbekannten, Datums; die ehedem dahinterliegenden Freiluftbäder sind den Erweiterungsbauten zum Opfer gefallen.

[o.D., Quelle unbekannt]

Ein weiteres Luft- und Sonnenbad stand auf dem Grundstück Moltkestraße 3

1963. HAUS TABEA
[AK + AK-Ausschnitt: Slg. R. Boehm]
Das Gebäude stand zum Teil am Hang, zum Teil auf gemauerten Stelzen. Mitte der 1990er wurde es leider abgerissen.

Hier der Entwurf zu obiger Sonnenterrasse:

Zeichnung zum Bau einer Halle für die Versorgungskasse der Fr. Stadt Hamburg, Moltkestr. 3, hier.

Otto Kaiser, 26.05.2026

Hier finden Sie eine Ansammlung der für Bad Sachsa so typischen

Wintergärten

Zum Architekten finden Sie mehr unter

Otto Kaiser


Hermann Kronberg und seine
gesundheitsgemäße Ernährung

Kronberg und seine Frau boten überdies eine gesundheitsgemäße Ernährung, die sogenannte Reformküche. Sie gründeten auch in Berlin ein vegetarisches Speisehaus und darauf sogar eine Diätküche im alten Reichstagsgebäude.
Große Namen schätzten sie, weil sie ihre Leiden mit diesen Kuren gelindert hatten.“
(Thomas Müller: „DER HARZ – Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“).


Helfen Sie uns – wir suchen diese Kochbücher:

Reformküche

auf gesundheitsgemässer Grundlage

von
Hermann Kronberg
Südharz-Sanatorium
Mit Anhang
Winke für Krankendiät.

z.B.: Dritte vermehrte Auflage
Berlin. Verlag von W. Weber. 1908.
Auf 242 Seiten werden 527 Rezepte dargestellt.

[Internetfund]

Im Januar 2023 heißt es in der Thüringer Allgemeinen Zeitung:
Kurort im Kreis Nordhausen im Rampenlicht: Vegetarisches Kochbuch von 1908 schafft es ins Fernsehen. (Doris Hotzan, TA online 27.01.2023):
Sänger Kevin Neon und Burggasthof-Chef Kai Prengel kochen gemeinsam ein Rezept aus dem Buch „Reform-Küche auf gesundheitsgemäßer Grundlage“
von Hermann Kronberg nach.

[2026 Im Besitz der Familie Jensch-Kronberg]

In den Folgejahren geht das Wissen von Anna und Hermann Kronberg ein in:

Dr. med. Carl Heinrich Fehlauer: Die Gesundheitsküche. 4. Auflage, um 1916
inklusive „Anhang- Speisezettel und Kochvorschriften aus Hermann Kronberg`s Erholungsheim und Südharz=Sanatorium in Bad Neustadt (Südharz).
[1906 erschien bereits: „Unser Gesundheitsbuch“ Praktischer Ratgeber zur Erhaltg.
u. Wiederherstellg. der Gesundheit. Berlin 1906 (ohne Verweis auf H. Kronberg)]

[Kochbuch: Slg. R. Boehm]

„Speisezettel und Kochvorschriften aus Hermann Kronberg`s Erholungsheim und Südharz=Sanatorium in Bad Neustadt (Südharz). Von Frau Anna Kronberg.“

Hierin heißt es im Vorwort:
„Während der Kriegszeit hat sich bereits wieder eine neue Auflage nötig gemacht, die in einzelnen Abschnitten Ergänzungen aufweist und durch einen Anhang vermehrt worden ist, den ich der
Freundlichkeit des Herrn H. Kronberg, Besitzer des Südharz=Sanatoriums,
verdanke. Es sind darin eine Anzahl Speisezettel in der reichhaltigeren Zusammensetzung einer Sanatoriumstafel enthalten, womit einem namentlich aus Gastwirtskreisen geäußerten Wunsche entsprochen wird.
Im übrigen hat die schwere Kriegszeit zur Genüge bestätigt, wie richtig die im I. Teil der Gesundheitsküche dargelegten Ernährungslehren sind:
daß die Getreidefrüchte und die Kartoffeln die Hauptnahrungsmittel sind, und daß eine fast fleischlose Ernährung selbst jetzt, wo ein fühlbarer Mangel an Fett und Zucker eintrat, ohne wesentliche Beeinträchtigung des allgemeinen Gesundheitszustandes durchzuführen ist. Um wieviel mehr muß sie also die gesundheitsförderliche sein, wenn genügend pflanzliche Nahrungsmittel vorhanden sind und insbesondere auch der Wert eines guten Brotes mehr als bisher erkannt worden ist. Möge dieses Buch weiterhin auf dem Gebiete der Ernährungsreform Gutes wirken.
Berlin W., Juli 1916. Dr. med E. H. Fehlauer“


Das Landhaus Sonnenschein und seine
gesundheitsgemäße Ernährung

„Kehrt zur Natur zurück“
Landhaus Sonnenschein

Drosselweg 3 (bis 1973: Waldsaumweg 2)

1913. Landhaus Sonnenschein / Erholungsheim für Freunde naturgemäßer Lebensweise
[09.08.1913, sw-AK: Slg. R. Boehm 2567. Mit KI bearbeitet]
Eigner des „ERHOLUNGSHEIM SONNENSCHEIN / Für Freunde naturgemäßer Lebensweise, Voigt schreibt „Herrn Bürgermeister v. der Boeck / Bad Sachsa“, daß die Ankunft des „Herrn Marine-Oberstabsarzt Dr. Buchinger“ für „morgen Freitag abends im Erholungsheim SONNENSCHEIN“ erwartet wird. [StABS 2.8.2]

Dieser Dr. Otto Buchinger [1878-1966] war der berühmte deutsch Arzt und Begründer des medizinischen Heilfastens. [KI generiert zum Dr. Buchinger, 17.09.2026]:
Während seiner Dienstzeit war er unter anderem als Dozent für Tropengesundheitslehre an der Kolonialschule in Witzenhausen tätig. Im Jahr 1918 erkrankte er an schwerem Gelenk-rheumatismus, der ihn fast vollständig invalidisierte und 1919 zu seiner Entlassung aus dem Militärdienst führte. Ein 19-tägiges Fasten bei einem Kollegen im Jahr 1919 rettete seine Gesundheit und Beweglichkeit. Diese persönliche Erfahrung veranlasste ihn, das Fasten wissenschaftlich und medizinisch zu erforschen. 1920 gründete er sein erstes Sanatorium in Witzenhausen. 1935 expandierte er nach Bad Pyrmont und legte schließlich 1953 gemeinsam mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn den Grundstein für die heute weltbekannte Klinik Buchinger Wilhelmi in Überlingen am Bodensee.

Die Biographie des Dr. Buchinger wird ausführlich behandelt im Hessischen Ärzteblatt (März 1922) dort heißt es über den damaligen Marinearzt u.a.:
„1905 erfolgte ein kurzer Einsatz auf der SMS München von Kiel aus in die Ostsee, dann nach Norwegen mit Bergen und Trondheim, bevor es 1907/08 mit der SMS Panther nach Südamerika, Westindien und Westafrika ging, wo er Sierra Leone, Liberia und Togo besuchte. Auf See war genügend Zeit zu Lektüre, Buchinger studierte die Werke Nietzsches und beschäftigte sich weiterhin mit seinem Lieblingsautor Goethe.
Auf der SMS Panther beschäftigte sich Buchinger erstmals mit Fragen der Lebensreform, dem Monismus, Askese und Sozialismus. Er begann 1907, Vorträge über Tropenhygiene und Lebensreform an Bord zu halten und praktizierte die damals populäre Hans-Jörg-Müller-Gymnastik.
Im Laufe seiner Jahre als Marinearzt wurde für Buchinger die Alkoholfrage immer wichtiger. 1909″ wurde der Marine-Alkoholgegnerbund gegründet. „Buchinger trat sofort bei. Auch in den Guttemplerorden „Zum sicheren Kurs“ ließ er sich im Oktober 1909 gemeinsam mit seiner Frau aufnehmen. Seit 1911 betrieb er homöopathische Studien und erwarb das Recht, eine eigene homöopathische Apotheke zu führen.“…
„…Buchinger war einer der wenigen „Lebensreformer“, der vor allem in bürgerlichen Schichten anerkannt war und Einfluss hatte.„
[https://www.laekh.de/heftarchiv/ausgabe/artikel/2022/maerz-2022/otto-buchinger-1878-1971-pionier-des-heilfastens]

Und? Wer hat nun wen beeinflußt???
Der Grund des Aufenthaltes des Dr. Buchinger im Landhaus „Sonnenschein“ ist bisher nicht bekannt, paßt allerdings offensichtlich bestens in seine persönlichen Ansichten und das hiesige Angebot.


„Die Kuranstalt Jungborn war ein ärztlich betreutes Sanatorium für einfache, natürliche Heilverfahren unter dem Wahlspruch des
Gründers Adolf Just
„Kehrt zur Natur zurück“.

Diese Ansichtskarte von 1913 [links + oben] belegt die Verbindung der Familie Voigt des „Landhaus Sonnenschein“ zur Familie Just und deren „Kuranstalt Jungborn“.

Ziel der Kuren war es, erschöpften und kranken Menschen ein einfaches, naturnahes Leben mit Ruhe und Besinnung anzubieten. Als Heilmittel der Natur wurden
Wasser, Erde, Licht und Luft
genutzt. Die Kuren basierten auf einer „planmäßigen Krankenernährung nur mit
Beeren, rohem Obst, Nüssen, Vollkornbrot, roher Süß- und Sauermilch sowie Milcherzeugnissen
unter Verzicht auf Fleisch.
Es gab eine Heilgymnastik mit Atem-, Lockerungs- und Entspannungsübungen sowie eine besondere, durchgreifende Massage…
Die Kurgäste blieben je nach Krankheit zwischen drei und sechs Wochen“
[Kuranstalt Jungborn“, Wikipedia 05.06.2021]

„Sonnenschein“
Vegetarisches Diät- und Erholungsheim
18.05.1928: Sehr geehrter Herr Miethe!
Wir erhielten Ihre freundl. Karte. Anbei das Nachthemd. Es tut uns leid, daß es Ihnen noch nicht gut geht u. wünschen Ihnen weiter gute Besserung. Mit freundl. Gruß Maria Voigt u. Mutter
[AK vs+rs: vmtl. Slg. R. Boehm]
1932. ERHOLUNGSHEIM SONNENSCHEIN
Besitzer: M. Voigt
„Z.Zt bin ich in diesem Heim, in dem ich schon sehr oft war, und daß ich jedem empfehlen kann, der xxxxx gut vegetarisch leben und dabei eine schöne Gegend genießen will.“
[AK vs+rs:
Slg. R. Boehm 2215]

Sehr geehrter Herr Körner!
Durch meinen verstorbenen Bruder habe ich in früheren Jahren wiederholt von Ihrem starken Interesse an religiösen Fragen gehört. Ich habe mir deshalb erlaubt, die Zusendung einer Probenummer der „Christengemeinschaft“ zu veranlassen, weil die auf der Antroposophie beruhende Christengemeinschaft die Brücke schlägt über die unheilvolle Kluft zwischen Christen und Glauben. Vielleicht finden Sie darin Befriedigung. Mit hochachtungsvollem Gruß. Ihr ergebener Walter Hering sen.

[Circa 1932, Stadtplan]

„Vegetar. Erholungsheim Sonnenschein
Waldsaumweg, Wiedaerstr. Luftbad. Liegewiese. Gr. Obst=, Beeren u. Gemüsegarten. biol.=dyn. bearbeitet (ohne Kunstdünger). Eigene Milchwirtschaft (Weidekühe). Diätkuren. Selbstgebackenes Brot…“
M. Voigt und Frau.

[1933, AK: Slg. R. Boehm]

Mehr Informationen zu diesem Haus
erhalten Sie unter

Drosselweg 3

Die Kuranstalt Jungborn war eine Kuranstalt, die 1896 im Tal der Ecker bei Stapelburg von Adolf Just gegründet wurde. Sie gilt als Deutschlands erste und größte Naturheilanstalt. Die Einrichtung diente bis zum Zweiten Weltkrieg für Kuren und wurde anschließend für ähnliche Zwecke weitergenutzt. Wegen ihrer Nähe zur Innerdeutschen Grenze wurde die auf dem Gebiet der DDR liegende Anlage Anfang der 1960er Jahre aus Gründen der Grenzsicherung komplett beseitigt.

Der Förderverein Jungborn Harz e. V. engagiert sich für die Wiederbelebung und Bewahrung der historischen Naturheilanstalt „Jungborn“ in Stapelburg – der ersten und einst größten Naturheilstätte Deutschlands. Der Jungborn wurde 1896 von Adolf Just gegründet und galt um 1900 als Muster und Lernort der Lebensreformbewegung. Menschen aus aller Welt – darunter Gelehrte, Künstler und Schauspieler – kamen in den Harz, um das Just’sche Konzept „Kehrt zur Natur zurück“ kennenzulernen und zu praktizieren.

Im Mittelpunkt stand eine naturgemäße Lebensweise in Einklang mit den Elementen Licht, Luft, Wasser und Erde. Bewegung, Wandern, vegetarische Ernährung, einfache Holzunterkünfte und Kleidung aus Naturstoffen vermittelten eine damals revolutionäre Idee: Gesundheit durch Naturerfahrung, Bewusstheit und Einfachheit. Der Jungborn war damit einer der ersten Orte, an dem sich Körper-, Natur- und Umweltbewusstsein zu einem ganzheitlichen Lebensmodell verbanden.


Die Freiwirtschaft und der Ziel-Verlag Bad Sachas

Die Freiwirtschaft war innerhalb der heterogenen Lebensreform-Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine der einflussreichsten ökonomischen Strömungen. Während sich andere Zweige der Lebensreform primär auf den individuellen Lebensstil konzentrierten [wie Ernährungsreform, Freikörperkultur oder Naturheilkunde], lieferte die Freiwirtschaft den sozialutopischen und systemkritischen Überbau, um die Übel der Industrialisierung an der Wurzel zu packen. Hier in Bad Sachsa hat ein bedeutendes Projekt im Waldsaumweg 6 und der Hindenburgstraße 9 zur Freiwirtschaft Silvio Gesells inklusive Will Noebe mit dem „Ziel-Verlag“ stattgefunden.

Mehr Informationen zur hiesigen
Freiwirtschaft und Silvio Gesell
finden sie unter

DAS ZIEL: Will Noebe in Bad Sachsa


Starke Frauen in Bad Sachsa und die Lebensreform

Im Tannenweg 2, damals als Pfaffenberg 2a, wohnte um 1920 die Familie Herz, namentlich Margarete, Lina und Sophie Herz. Informationen aus unserem Stadtarchiv sind in dieses Buch von Ingeborg Boxhammer eingeflossen:
„Herrin ihrer selbst – Zahnkunst, Wahlrecht und Vegetarismus“.
„Die Biographie von Margarete Herz (1872-1947) setzt neue Akzente in der Frauenstimmrechtsbewegung, der Lebensreformbewegung – und der Zahnheil-kunde. Die Dentistin stand im Zentrum eines kleien Netzwerkes selbständig arbeitender Frauen. Sie und ihr „lesbian-like“ Freundinnenkreis kämpften für radikaldemokratische Bürgerinnenrechte. Später baute sich Margarete Herz mit einer vegetarischen Gaststätte und einem Reformhaus eine wirtschaftliche unab-hängige Existenz auf. Diese wurde jedoch durch erstarkenden Antisemitismus und die nationalsozialistische Diktatur zerstört. 1938 gelang ihr die Fluch in die USA.“

Weitere Belege zur Familie Herz und der Reformbeweung
sowie zur Villa Gerta finden Sie unter

Tannenweg 2



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Wikipedia zur „LEBENSREFORM“, die eben auch in Bad Sachsa mit den Stärken in der gesunden Natur und Luft eine bedeutende Rolle Anfang des 20. Jahrhunderts spielte und zukünftig wieder spielen könnte: „Der Terminus Lebensreform zur Bezeichnung der sozialreformerischen Bewegung kam im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf.[2] Die einzelnen Bewegungen entstanden als Reaktion auf Entwicklungen der Moderne und der Industrialisierung, die sie nicht als Fortschritt, sondern als Verfallserscheinungen ansahen. Wesentlich für ihre Entstehung war die Befürchtung, dass die moderne Gesellschaft beim Einzelnen zu „Zivilisationsschäden“ und Zivilisationskrankheiten führe, die durch eine Rückkehr zu „naturgemäßer Lebensweise“ vermieden und geheilt werden könnten. „Der Mensch in seiner zivilisationsbedingten Not sollte allerdings nicht im banalen Sinne geheilt werden. Die Lebensreform wollte sein Heil, seine Erlösung. […] Die Weltanschauung der Lebensreform beinhaltet im Kern eine säkularisierte gnostisch–eschatologische Erlösungslehre.“[3]

Vertreter der Lebensreform propagierten eine naturnahe Lebensweise mit ökologischer Landwirtschaft, vegetarischer Ernährung ohne alkoholische Getränke und Tabakrauchen, Reformkleidung und Naturheilkunde. Sie reagierten damit auf die aus ihrer Sicht negativen Folgen der gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert. In geistiger Hinsicht wandte sich die Lebensreform neuen religiösen und spirituellen Anschauungen zu, unter anderem Theosophie, Mazdaznan und Yoga. Auch viele spätromantische Elemente wurden aufgegriffen, einhergehend mit einer Verklärung des „einfachen Lebens auf dem Lande“.

Ihre architektonische Ausprägung erhielt die Lebensreform zunächst in Siedlungsexperimenten wie dem Monte Verità, später in der Gartenstadtbewegung wie der Siedlung Hellerau und vieler anderer, deren bekanntester Vertreter der Reformarchitekt Heinrich Tessenow (1876–1950) war, sowie dem Bauhaus. Die erste Gründung einer Siedlungsgenossenschaft in Deutschland war im Jahre 1893 die Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg.

Die Lebensreform war eine hauptsächlich bürgerlich dominierte Bewegung, an der auch viele Frauen teilnahmen. In der Körperkultur ging es darum, unter dem Eindruck von Industrialisierung und Verstädterung den Menschen zum Ausgleich viel frische Luft und Sonne zu verschaffen.

Einige Bereiche der Lebensreformbewegung, wie die Naturheilkunde oder der Vegetarismus, waren in Vereinen organisiert und erfuhren regen Zulauf, was sich in den Mitgliederzahlen widerspiegelt.[4] Zur Verbreitung ihrer Inhalte und Prinzipien gaben sie Zeitschriften wie Der Naturarzt oder Die vegetarische Warte heraus.

Teil der Lebensreform waren darüber hinaus die Freikörperkultur (FKK, auch Naturismus), die Turnbewegung und der Ausdruckstanz. Es bestehen Bezüge zur Bodenreformbewegung Adolf Damaschkes, zur Freiwirtschaft Silvio Gesells, zur frühen Jugendbewegung sowie zu anderen sozialreformerischen Bewegungen und Künstlergruppen wie der Brücke[5] und der damaligen Künstlerkolonie Worpswede.[6]„


Vergleich aber insbesondere auch bei
„Deutsche Stiftung Denkmalschutz:
Sanatorium Barner in Braunlage:

„Neugestaltung im Jugendstil

Albin Müller verbrachte erholsame Wochen in Braunlage, freundete sich mit dem leitenden Arzt Dr. Barner an und kehrte zwei Jahre später mit einem Auftrag zurück: Zunächst sollte er den Empfangsbereich des Sanatoriums neugestalten. Der Lebensreformer Dr. Barner hatte erkannt, wie wohltuend die künstlerisch gestaltete Architektur zusammen mit der umgebenden Natur, der klaren Höhenluft und einer ganzheitlichen medizinischen Behandlung auf die Patienten wirken kann.
Heute führen Dr. Barners Nachkommen das Haus in der vierten Generation. Wer sich hierher zurückzieht, den empfängt eine Atmosphäre der Ruhe, Eleganz und Ästhetik fernab vom stressigen Alltag.
Albin Müller schuf ein architektonisches Gesamtkunstwerk von der Türklinke bis zur Wandverkleidung, vom Lichtdesign bis zur Möblierung. Das zwischen 1912 und 1914 errichtete Haupthaus bezog die beiden älteren Villen organisch mit ein. Jeder Raum empfängt den Besucher mit einer besonderen, in sich stimmigen Atmosphäre. Alles ist von großer Eleganz, Ruhe und Klarheit.
 Fast alle Interieurs blieben erhalten und dienen sogar noch immer ihrer ursprünglichen Funktion: ein seltener Glücksfall für dieses lebendige Architekturdenkmal. In den Patientenzimmern nächtigen heute Menschen mit Burn-Out-Syndrom oder Tinnitus. Wie in alten Tagen ruft sie die Glocke zu den Mahlzeiten in den lichtdurchfluteten blauen Speisesaal.“

[25.12.2025: https://www.denkmalschutz.de/denkmal/sanatorium-dr-barner.html%5D