Marktstraße 52: Gasthaus Zur Krone

  • 1718: Die untere Hälfte der südlichen Seite der Marktstraße brannte ab
    am 02.04.1718. [BSN 4.4.1918]
  • <= 1829: Haus 49 in der Marktstraße: Nickolaus
  • 1829: Haus 49 in der Marktstraße: Wilhelm Kellner kauft das Nickolausche Haus für gut 233 Taler



Rechnung was mich das Nickolaische Haus kost 1829:
233 Taler
[Akte: Slg. R. Boehm]

  • 1833: Am 19. September 1833 „erhielt der Sattlermeister Wilhelm Kellner
    [1791 im Kloster Walkenried geboren] die Genehmigung zur Aufnahme des Braugewerbes in seinem Hause Marktstraße 49. In diesem Gehöft befand sich früher eine Färberei, so daß nur wenige bauliche Veränderungen durch Maurermeister Gottfried Kälz vorgenommen zu werden brauchten“.
    [BSN 21./22.09.1957]. Die Brauerei wird als Kesselbrauerei betrieben.

Über die Anfänge der Brauerei Kellner heißt es hier u.a.:
„Bier
zu brauen welches ich von dem Brau Meister Grinart in Northausen gelernt habe,
den 1 Decber 1833.“
[Akte: Slg. R. Boehm]

Alles zum Sachsaer Bier
finden Sie unter


Braurecht

sowie

Brauerei Sachsenstein

  • 1837/1841: Haus 49 in der Marktstraße: [StABS XIV.b.7]
    Feuersbrunst, Brand in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1837:
  • 1838: Haus 49 in der Marktstraße: Wilhelm Kellner. In der Akte StABS I.a.10 wird vom „Tor zur Tettenborner Straße“ gesprochen.
  • >= 1853: Haus 61 in der Marktstraße: Kellner
  • 1857: Wilhelm Kellner sen. übergibt am 23.01.1857 die Brauerei seinem Sohn Robert, der ebenfalls das Brauhandwerk erlernt hatte.
  • 1875/1887: Marktstraße 61: Gastwirth Robert Kellner
  • >= 1890: Marktstraße 52: Brauereibesitzter Gebrüder Kellner
  • 1890: Wilhelm Kellner jun. trat am 15.03.1890 das Erbe seines Vaters an,
    er führte die Brauerei bis zum Jahre 1899 im alten Hause [Anm.: also die heutige Marktstraße 52] weiter, legte aber bereits zusammen mit seinem Bruder Robert den Grundstein zu dem neuen Werke in der Walkenrieder Straße“, auf dem sogenannten OCHSENPLAN.

Mehr zu diesem Gelände
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Sachsensteinstraße 2

Mehr zum Begriff
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Ochsenplan

  • 1897: Marktstraße 52: Gasthaus zur Krone, Marktstraße [Inhaber: W. Kellner]
    ff. Biere aus reinem Malz und Hopfen aus der Leipzig=Reudnitzer Brauerei.
    Billige Zimmer.— Gute bürgerliche Küche. Flaschenbierhandlung. Für Schüler ermäßigte Preis.

„Schon 1897 gründete
Wilhelm Kellner in seinem Gasthaus ZUR KRONE eine gute und billige Schülerherberge“.
[BSN 23./24.06.1962]

„ff. Biere aus reinem Malz
und Hopfen aus der
Leipzig-Reudnitzer Brauerei…
Flaschenbierhandlung.
Für Schüler ermäßigte Preise.“


In der oben genannte Akte gibt es weitere schöne Rezepte, so u.a. für Schokoladenbonbons [nach einer Rezeptur von Emma Hilpert, 1897, verheiratet mit Braumeister Wihlhelm Kellner – aufgebot bestellt am 1.10.1898].

Schokoladenbonbons

Mache man folgen maße.

½ Pfund harten Zucker
¼ Pfund Schokolade
¼ Liter Sahne
und etwas Zitronensaft
rühre man auf dem Feuer so lange, bis alles geschmolzen und lasse es dann eine Weile kochen.

Um zu probieren, ob es genug gekocht hat, nehme man von der Masse einen Löffel voll und schütte es in kaltes Wasser.

Erkaltet die Masse, dann ist sie fertig gekocht und nehme sie aldann vom Feuer, gießt sie in ein von alle vier Seiten geschlossenes Blech, das vorher mit Butter bestrichen ist. Wenn die Masse geronnen ist, schneit man sie in regelmäßige kleine
Stücken, und breche sie aldann von einander. Wenn sie erkaltet sind.

Aber zurück zur Brauerei Kellner.


  • 1899: „Gebrüder Kellner“ mit dem Sitze in Sachsa eingetragen.
    Die Gesellschafter sind die Brauereibesitzer Robert und Wilhelm Kellner in Sachsa. Die Gesellschaft hat am 9. Juni 1899 begonnen. Zur Vertretung derselben ist jeder der Gesellschafter ermächtigt. Ellrich, den 18. Oktober 1900. Königliches Amtsgericht. Ellrich. 59516][Deutscher Reichsanzeiger 27.10.1900]

Bis 1899 wir das Bier auf dem Gelände Marktstraße 52 gebraut, danach ausschließlich an der Sachsensteinstraße 2. Im Hause Marktstraße 52 im Gasthof zur Krone ist nun lediglich das Contor der Brauerei Sachsenstein.

22.06.1900 [Kur= und Fremdenliste No. 5]



Das Gasthaus zur Krone war das Vereinslokal diverser Vereine, so auch der „Liedertafel Bad Sachsa“.

  • 1901/1907: Marktstraße 52:
    Gastwirt Wilhelm Kellner, Brauereibesitzer Robert Kellner
  • 1910: Gast- u. Schankwirte, Marktstraße 5 [StABS V.qu.30]
  • 1911: Die Pumpe des Brunnens vor dem Hause wird abgenommen und ein Holzdeckel drauf gelegt. [StABS I.17.5]
  • 1912/1936: Pächter sind die Großeltern Hartmann des späteren Bürgermeisters Axel Hartmann.
  • 1919: Karten für einen Theater-Abend in der Turnhalle sind bei Hartmann [Krone] im Vorver-kauf zu haben [BSN 31.3.1919]
  • 1919: Karten für einen Theater-Abend in der Turnhalle sind bei Hartmann [Krone] im Vorverkauf zu haben [BSN 31.03.1919]
  • 1927: Der Brunnen vor dem Haus erhält eine Beton-Abdeckung.
  • 1929: Gerichtstag im Gasthaus „Zur Krone“ von 1-13 Uhr. „Es ist zweckmäßig, daß Rechts-sachen kleineren Umfangs zur Ersparung der Reisekosten zum Amtsgericht Ellrich auf dem Gerichtstag erledigt werden.“
  • <= 1936: Marktstraße 52: „Mein Grossvater war bis 1936 Pächter und Gastwirt in der Krone [sagt BGM Axel Hartmann auf Facebook 01.02.2021].
  • 1936: „Dankopfer der Nation. Neue Einzeichnungen in die Ehrenliste des SA…
    Daneben haben noch besonders gespendet: Gebr. Kellner, Kunstmaler Susemihl… [BSN 16.05.1936]
  • 1938 wird im Reichsanzeiger 1933/1940 veröffentlicht: „Gebrüder Kellner, Sachsa. Die Firma ist wie folgt geändert: Brauerei Sachsenstein Gebrüder Kellner. Der Brauereibesitzer Wilhelm Robert Kellner ist aus der Gesellschaft ausgeschieden. An seiner Stelle ist der Brauer Fritz Kellner in die Gesellschaft eingetreten“ [Deutscher Reichsanzeiger 08.04.1938].

Gebraut
vom Thüringer Brauer
aus Gerste
vom Thüringer Bauer

THÜRINGER BIER
AUS DER BRAUEREI SACHSENSTEIN
Gebrüder Kellner,
Bad Sachsa
[AK: Slg. R. Boehm]

  • 1940er: Rücklings der Marktstraße 52 hat der Baustoffhandel Richard Schmidt, vorm. Teuchen u. Teichmann, sein Lager; welches Anfang/Mitte der 1950er in die Marktstraße 47 verlegt wird.
Dezember 2006. Rückseitig der Marktstraße 52
Kreuzung Ecke Ringstraße/Jugendherbergsstraße
[Foto: R. Boehm]

1948. Im Hintergrund
„Richard Schmidt Baustoff- u. Holzgroßhandlung, Kohlen“
[Foto: Fam. Krautz]
  • Ein tragisches Geschick ließ die Brüder die Ernte ihrer Arbeit nicht einholen. Die männlichen Erben der Familie starben aus – der letzte Fritz Kellner, Sohn des Robert Kellner und der Frau Bertha,…, kehrte aus Stalingrad nicht zurück. Übrig blieb ihre Tochter Bertha Kleemann, geb. Kellner, in Leipzig und die Enkelin Gudrun Kellner, die zur Zeit eine Hotelfachschule besucht.“ [so 1957 in den BSN 21./22.09.1957].

Zwischenzeitlich sind auch Gudrun Kellner und ihr späterer Ehemann, Herr Sobota, verstorben.

Aufgrund dieser Verhältnisse wurden die Brauerei Sachsenstein samt Anlagen am Ochsenplan wie auch die Gaststätte „Zur Krone“ langfristig in 1940 an die Nordhäuser Aktienbrauerei und nach Kriegsende an die Göttinger Brauerei verpachtet. Die eigene Brau-tätigkeit war somit endgültig beendet.

Zu den Betreibern der renommierten Gastwirtschaft gehören u.a. seit 1912 die aus Braunlage stammenden Großeltern des heutigen [2016] Bad Sachsaer Bürgermeisters Dr. Axel Hartmann [auf Facebook 01.02.2021, BSN 03.07.1986];
1936 der Gastwirt Kurt Mollenhauer, der 1953 die Krone nach erheblichen Umbau und Verschönerung wieder eröffnete [links: BSN 25.04.1953]:

„Im Verein mit hiesigen Handwer-kern und Arbeitern hat Dr. Stolberg, Goslar, früher Nordhausen, der auch die berühmte FINKENBURG in Nordhausen umbaute, dieses alte Gebäude in Raumaufteilung und Raumschönheit in den vergangenen Wochen so umgestaltet, daß man die Lösung der gestellten Aufgabe als wirklich glücklich bezeichnen kann. Schon die neuen Fenster geben dem Aeußeren ein gemüt-liches Aussehen. Alles, einschließ-lich der neuen Fremdenzimmer, strahlt Gemütlichkeit und Wärme aus. Unser Kurort ist damit um ein Schmuckkästchen reicher geworden…
… Der jetzige Pächter der KRONE, Gastwirt Kurt Mollenhauer, bewirt-schaftet die Gaststätte seit 1936.“
Kurt Mollenhauer wird von seinem Namensvetter Kurt Karlstedt in den 1950/1960er Jahren abgelöst.

Circa 1955 [Nachlass Kleemann, StABS Nachlässe, Foto: A. Danneberg]
Zur Krone. Mitte der 1950er Jahre. [AK: Slg. R. Boehm]

1960er Jahre
Adolf Nikolai, Peter Karlstedt
(Fam. Karlstedt führte die ZUR KRONE, mit Tochter Iris und Ingo [Hannelore Schalk]

Schachclub Bad Sachsa trifft sich.
Links: 03.02.1959 / Oben: 09.12.1969
Um 1970. „Zur Krone“ mit „Blick in das altdeutsche Zimmer. Wandgemälde nach einem Orig. von Ludwig Richter“ und einem „Gastzimmer“. [AK: Slg. R. Boehm 6212]

Nachdem Dieter Lückmann auch hier ein Gastspiel abgab [BSN 13.03.1971],

übernahm der heute noch sehr vielen gut in Erinnerung verbliebene Grieche Konstantin Dritsos, genauer „Der Grieche“, mit seiner Familie um 1975 das Lokal und brachte mit seinem „DIONYSOS“ griechische Spezialitäten in unsere Kurstadt [Häufig war sein Freund und Sänger Costa Cordalis bei ihm zu Besuch]

1970er. Der Grieche im DIONYSOS / Zur Krone. [LAD Niedersachsen]

Konstantin Dritsos
und sein
DIONYSOS

[Bad Sachsaer Echo 18.09.1981]



Wohl 1980er Jahre

[Quelle unbekannt]

Im Ramen der Stadtsanierung wurden auch die Fußgänger-bereiche gestaltet.

[2007,
Foto: Horst Möller]


Weitere Fotos zum historischen Bauwerk finden Sie hier unter

Bauakte


Der „Geschichte des Brauereiwesens von Bad Sachsa“, verfasst von Horst Möller ist zu entnehmen:
Geschichte der Brauer – Familie Kellner aus Bad Sachsa
Brauerei Sachsenstein

1752      In Sachsa gibt es nun einen Verein mit 72 brauberechtigten Bürgern, dessen Existenz  im Verlauf der Geschichte noch eine Rolle spielen wird.

1791      Am 01. Mai wird Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  im Kloster Walkenried geboren.

1793      Dorothea Caroline Friedrich  wird in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni in Gratzungen geboren, spätere Frau von Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner.

1823      Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  siedelt nach Sachsa über und kauft sich hier an.

1824      Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  heiratet am 28. Januar Dorothea Caroline Friedrich. In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober wird deren Tochter Ida Eilati  geboren.

1829      Am 26. September wird der Sohn von Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  und dessen Frau Dorothea Caroline geboren und am 26. Oktober auf den Namen Heinrich Carl Robert  getauft.

1833      Seit dem 19. September wird von der Familie Kellner Bier gebraut. Der Sattlermeister Wilhelm Kellner  erhält die Genehmigung, in der Marktstraße 49 „Gasthaus Zur Krone“ Bier zu brauen. In dem dahinter liegenden Gehöft war früher eine Färberei untergebracht, somit musste der Maurermeister Gottfried Kälz  nur geringe bauliche Veränderungen vornehmen. Die Brauerei wird als Kesselbrauerei betrieben (siehe Beitrag über Verein der brauberechtigten Bürger).

1853      Am 04. August verstirbt Dorothea Caroline Kellner, geb. Friedrich

1857      Am 23. Januar übergibt Wilhelm Kellner sen. seinem Sohn Wilhelm die Brauerei in der Marktstraße 49, nachdem dieser das Brauhandwerk erlernt hat.

1862      Am 15. Juli verstirbt Ida Eilati Kellner  in Wieda. Am 28. Dezember heiratet Robert Kellner   Marie Auguste Karoline Reinhardt  aus Sachsa.

1867      Am 14. August wird Wilhelm Robert  als Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  in Sachsa geboren.

1869      Am 28. Januar wird Karl Friedrich Ferd. Wilhelm  als 2. Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  in Sachsa geboren.

1870      Als 3. Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  wird Friedrich Adolph  am 27. Oktober in Sachsa geboren.

1875      Am 09. Oktober stirbt Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner.

1890      Heinrich Carl Robert  stirbt im Alter von 61 Jahren an Schlaganfall und Gehirnblutung.

1893      Friedrich Adolph stirbt am 25. Juli im Alter von nur 23 Jahren.

1897      Wilhelm  und sein Bruder Robert Kellner  beginnen in der Walkenrieder Straße, Ecke Sachsensteinstraße, eine neue Brauerei aufzubauen. Die starken Wände des Eiskellers werden aus Steinen der Klosterruine in Walkenried errichtet.

1899      Bis zu diesem Jahr wird der Braubetrieb in der Marktstraße 49 weitergeführt.

1905      Die Anlagen der Brauerei Walkenrieder Straße, Ecke Sachsensteinstraße werden bedeutend erweitert und mit modernen Maschinen versehen.

1936      Am 23. November verstirbt Marie Auguste Karoline Kellner.

1945      Nach dem Krieg endet die Brautätigkeit. Der letzte männliche Erbe Fritz Kellner, Sohn von Robert  und Bertha Kellner kehrt aus Stalingrad nicht zurück. Es leben noch Bertha Kellner,  ihre Tochter Bertha Kleemann geb. Kellner  und die Enkelin Gudrun Kellner.

1949      Die ehemalige Brauerei in der Sachsensteinstraße wird als Brauerei-Niederlage der Städtischen Brauerei zu Göttingen einer neuen Nutzung zugeführt.

1957      Am 21. September feiert Bertha Kellner  ihren 80. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt existiert das „Gasthaus Zur Krone“ als altdeutsche Gaststätte, auf dem Hinterhof die Baustoffhandlung Schmidt als Pächter, in Wieda das Gasthaus „Zur Erholung“.

Zum Teil entnommen dem Göttinger Tageblatt / Bad Sachsaer Nachrichten vom 21/22. September 1957

neu zusammengestellt von  Horst Möller – Goethestraße 12 – 37441 Bad Sachsa

E-Mail-Adresse  horstmoeller@gmail.com

26.09.2026: http://www.bad-sachsa-geschichte.de/index.php?option=com_content&view=article&id=31&Itemid=50