Marktstraße 68

um 1920
[Foto: Kurt Fulst]

Anfang/Mitte der 1920er Jahre – Marktstraße 67+68+69 [Text + Foto: Photograph Kurt Fulst]
MARKTSTRASSE 68 und seine Nachbarn

„Mein Vaterhaus in der Marktstr. N. 68, mein Vater hatte einen Landesproduckten=Handel, 1985 gerichtlich eingetragen.
Nebenan das Haus des Stellmachers Herrn Fritz Schäfer [Marktstr. 69]. Heute ist ein Neubau einer Bank dort. dieses Bild gibt es nicht wieder.
Der große Kastanienbaum vor unserem Haus noch in voller Blütenpracht. Diese Bäume standen auf beiden Seiten der Straße, ein schönes Bild, wenn sie alle blühten…
Links neben uns schaut das Haus der beiden Fräuleins Stecher hervor [Marktstr. Nr. 67]
Dann kommt der Haushaltswaren Laden des Klämpnermeisters Herrn Wagner. (Im Volksmund genannt mein Liebchen)[Marktstr. 66]. Dann das Haus von dem Schuster Hermann Schäfer [Marktstr. 65], Bruder von Fritz Schäfer.
Rechts von [Fritz] Schäfer [Marktstr.69] das Gasthaus von Wiedemann, genannt Wehmer [Kirchstr. 1].

MARKTSTRASSE 68 und das Feuer


„1632 brannte Sachsa fast vollständig ab, es waren noch 93 bewohnte Häuser, 50 lagen in Asche.“
„1718 wütete der Zweite große Brand in der Marktstraße; 47 Häuser wurden vernichtet, auch das Rathaus.
Der dritte Große Brand war 1893…. Er ist auf dem Grundstück meines Vaters, Marktstr. 68 ausgebrochen.“
„Das Feuer ist durch Brandstiftung entstanden, von einem Mann, welcher durch die Hintergärten der Kirchstraße gekommen sein soll und auch gesehen wurde.
Bei meinem Vater wurde eine neue Scheune errichtet, welche fast fertig war. Dort wurde das Feuer gelegt, alle Seitengebäude und das Wohnhaus bis auf die Parterrewohnung brannte. Die angebrannten Decksbalken befinden sich noch heute in der Decke. Der Keller hat die Last des Brandes getragen, er wurde aus Feldsteinen gewölbeartig gebaut.
Die Nahrungsmitteln in diesem Keller hielten sich besonders gut. Am vorderen Trittstein stand die Jahreszahl 1804.
Weitere Häuser brannten nieder. Der Hersteller von Spirituosen, die Firma Eckstein, konnte gerettet werden.“

[Text oben: Kurt Fulst, „Erinnerungen eines alten Sachsaers“, 2000]
[Foto unten: Zeitung für den Harz, 08. September 1893]