Moltkestraße 3

  • 1885: Am Brand.
  • = 1900: Moltkestraße 1a: Villa des Apothekers Öhlmann.
  • = 1913: Moltkestr. 3: Grundstück des Fabrikbesitzers Emil Lohof, bisher Haus No. 1a.

1893 ist hier noch Laubwald.
Die Nachbarin Aug. Müller hat Sorge, daß ihr Haus bedrängt werden könnte und schreibt deshalb an den Bürgermeister Weber:

„Wie mir mitgeteilt wurde, beabsichtigt ein Herr Damm aus Berlin das Stück Wald zwischen meinem Hausgrundstück (No. 259), und dem soeben von Frau von Hansen erworbenen als Bauplatz anzukaufen. Mir liegt nun viel daran,

  1. daß mir der Fußweg über Gelkpkes Gehöft zu benutzen gestattet bleibt, und
  2. daß mein Haus nicht durch andere Gebäude eingeengt werden kann.
    Aus dem Grunde den ganzen Platz, zwischen mienem Grundstück und dem von Frau von Hansen, zu kaufen, übersteigt meine Mittel um etwa die Hälfte, würde mich angehen, weil der Restplatz dann als Villengrundstück zu klein werden würde.
    Daher beantrage ich hiermit beim hiesigen Magistrat: mir doch nur ein Streifen Wald von 2 Ruthen Breite und etwa 12 Ruthen Länge also von 24 QuadratRuthen Flächeninhalt, wie ich dieselbe auf der Skizze mit Bleistift veranschaulichte, gütigst käuflich zu überlassen.
    Sie, geehrter Herr Bürgermeister, bitte ich sehr, das Weitere freundlichst veranlassen zu wollen und grüße mit Hochachtung.
    Aug. Müller geb. Fülbar. (1893, Skizze + Brief, Kopie. Slg. Ralph Boehm)

Herr Damm aus Berlin kaufte das Grundstück nicht.
Erst im Jahre 1900 läßt der Apotheker Dr. Öhlmann durch den in Norhausen ansässigen Architekten Hans Habermann die Baubeschreibung anfertigen:
„Beschreibung
zum Neubau einer Villa für Herrn Apotheker
Dr. Öhlmann in Bad Sachsa a/H.

Das Gebäude soll auf dem Grundstück zwischen
Frau Lieutn. Müller und Frau von Hansen errichtet werden.

Die Umfassungswände des Kellergeschosses werden zum Theil aus Bruchsteinen, zum Theil aus Brandsteinen hergestellt. Die Umfassungs-wände aller übrigen Geschosse bestehen
aus Steinfachwerk. Die Decken des Keller-geschosses werden aus Förster`schen Deck-steinen hergestellt, alle anderen Decken
werden Balkendecken mit selbem ……. Die Schornsteine
werden aus Brandsteinen ….
… Die Architektur wird zum Theil in Holz, zum Theil in Stein hergestellt.
Nordhausen, den 6. October 00. Habermann. Arch.
I.A.     Frau Meta Oehlmann“

Anmerkungen:
Hans Habermann * 29. Oktober 1858 in Geestemünde † 8. Januar 1907 in Nordhausen am Harz Architekt | Nordhausen am Harz.
Er wirkte insbesondere in Nordhausen (Kutscherhaus Park Hohenrode), Sülzhayn und Bad Sachsa (Schützenhaus, Turnhalle vom Pädagogium, Villa Uthemann und Villa Witzell).
Zu diesem Apotheker Dr. Öhlmann ist weiter nichts bekannt. Bei einer Internet-Recherche stösst man lediglich auf einen Dr. Oehlmann, der um 1900 in Hamburg in der Holstenstrasse die „Holsten-Apotheke“ betreibt. [u.a. „Hamburger Neueste Nachrichten“, 10.04.1900]; ob es sich um denselben handelt, ist nicht belegt.


[Alle diese Kopien, so weit nicht anders angegeben, vgl. mit der sich im Original in Privathand befindlichen Bauakte, Slg. R. Boehm]

„Nach den in duplo beigegebenen Bauzeichnungen beabsichtige ich, am Brande eine Villa zu erbauen und bitte um Ertheilung des Bau.Consenses“ schreibt der Architekt H. Habermann an die hiesige Polizei-Verwaltung am 6. October 00.

In dem „Akten=Bogen zu der Oehlmann`schen Bausache“ wird bereits am 17.10.1900 verfügt,  dass „Apotheker Dr. Öhlmann“ die polizeiliche Erlaubnis erhält „zu Sachsa… auf seinem Grundstücke Haus=No. 1a [hds. darüber „3“] der Moltkestr. daselbst eine Villa zu errichten, allerdings unter besonderen Bedingungen“:

„Akten=Bogen zu der Oehlmann`schen Bausache“, Sachsa,
den 17.ten Oktober 1900.
Lageplan, Nordhausen,
den 6.10.00, Habermann, Arch.

Die Gebrauchsabnahme für das fertige Gebäude wird am 19. Februar 1902 durch Albert Fischer festgestellt.
Der Apotheker Öhlmann verkauft an den Apotheker und Fabrikbesitzer Emil Lohoff vermutlich 1905; letzterer denkt sehr praktisch: jeden Morgen in die Stadt und Eier kaufen?… – kommt nicht in Frage! Deshalb wurde umgehend ein „Hühnerhaus“ durch den Zimmermann August Heise entworfen. Ob der Entwurf umgesetzt wurde, ist nicht bekannt. (03.05.1905, StABS)


Die Firma der Gebrüder Lohoff in Tettenborn und Benneckenstein; im Kreisrund die Villa in der Moltkestr. 1a [später 3; wohl um 1913]

„Blick vom Pfaffenberg“ über die Lindenstraße [später Hindenburgstr.] auf den Brand [mit der Villa über den Fichten am rechten Rand].
[1913, Slg. Ralph Boehm]


Circa 1924 verzieht die Familie Lohoff in die Bismarckstraße 28.
Neue Eigentümerin wird Frl. Regina Schütt – sie eröffnet das gleichnamige ERHOLUNGSHEIM SCHÜTT (auch FREMDENHEIM SCHÜTT)
(1927, AK, vs+rs: Slg. Ralph Boehm 1495)
1936 ziehen Hamburger Diakonissen in die Villa und bieten ein Fremdenheim: Haus Tabea.




…dem Diakonissenhaus „Tabea e.V.“ zu Altona wird die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft, und zwar als Fremdenheim in Bad Sachsa, Moltkestr. 3 erteilt.
Die Erlaubnis berechtigt zum Ausschank folgender Getränke
Kaffee, Tee, Kakao, Milch.„

Nordhausen a/H., den 16. September 1936.  Das Kreis- = Stadt-Verwaltungsgericht“

[1956, AK: Slg. R. Boehm]
[1960, AK: Slg. R. Boehm 3078]

„Nun bekommt Ihr einen Gruß aus dem Harz von mir. Frau Schmidt fragte mich, ob ich eine Freizeit nach Bad Sachsa mitmachen möchte, sie sagte, fahr doch mit und war sehr schön, die Bibelstunden u. die Spaziergänge im Wald u. das Ausruhen.
Das Essen ist hier sehr gut u. wir haben ein wunderschönes Wetter…“
(dieserText stand auf einer im Internet angebotenen gleichen Ansichtskarte von 1972, die aus Bad Sachsa nach Dänemark verschickt wurde). [1972, AK: Slg. Ralph Boehm]

Ausschnitt aus der vergleichbaren hierüberstehenden Karte; die farbige Ansicht unten links stellte ursprünglich, in sw, diese „3. Liegehalle“ dar –
ein Überbleibsel der Reformbewegung, vergleichbar mit den diversen Wintergärten in Bad Sachsa.
[1963, AK vs + rs: Slg. R. Boehm 6278]
„….hatte hier einen Autounfall u. lag 3 Wochen mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Z.Zt. ist hier eine Müttergruppe (21) von der Kirche aus Bln…
Gestern sind wir 10 Km gewandert, machten im Forellengrund Kaffeepaus u. ich aß ein Stck. Buttercremtorte …“
Über die Firma Jahn-Immobilien wird beim Notar Dr. Gerhard Lohoff der Verkauf der Immobilie an Frau Ursula Helmke geb. Hildebrand, Bad Sachsa, Schubertstr. 10, am 13. Dezember 1976 vollzogen.

Bereits im November wird das bisherige „Schwesternerholungsheim Tabea“ als „Pensionshaus HAUS BELLEVUE“ angemeldet,
mit 28 Betten, Übern. + Frühstück, ggf. Vollpension“.

[2015, Foto: Jürgen Jacob]

Zwei Eindrücke belegen die Pracht des Treppenhauses. [2 Fotos: Quelle unbekannt]

Die Villa wechselt in den 2020er Jahre mehrfach den Besitzer, zuletzt im Frühjahr 2026. Hoffentlich ist die Villa nun in den Händen, die sie zu schätzen wissen.