Das KZ-Außenlager Nüxei

2001
[Foto: Helmut Walter Degenhardt (hwd)]
April 2007

„Am 19. Juni 1944 wurde in Nüxei ein KZ-Außenlager gegründet, das ab Oktober 1944 dem KZ-Lagerkomplex Mittelbau unterstellt wurde und ein Nebenlager des ebenfalls zu diesem Lagerkomplex gehörenden Konzentrationslagers Wieda war. Etwa 300 KZ-Häftlinge des SS-Baubrigade III mussten Gleisbau-, Erd- und Rodungsarbeiten für den Bau der Helmetalbahn leisten. Nach einem Räumungstransport per Bahn und Todesmärschen zu Fuß wurden die meisten überlebenden Häftlinge in Gardelegen beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune am 13. April 1945 ermordet. Am ehemaligen Lagergelände erinnert heute ein Gedenkstein an die Geschichte des KZ Nüxei“. [Wikipedia, 24.03.2022]

„Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens“ [Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion und Spurensuche Harzregion e.V., Goslar und Osterode, 2022. Neuauflage der Broschüre zu den Harzer Todesmärschen 1945: F. Knolle Facebook 18.3.2022]

Außenlager Nüxei des
KZ Mittelbau-Dora
III. SS-Baubrigade
Mai 1944 – April 1945
[Alliierte Luftaufklärung vom 7.4.1945, A.v. Dijk (mdl. Bericht) und Skizze eines unbek. französischen Häftlings.
Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion –
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora]
SS-Baubrigade
„Ab Herbst 1944 wurden Arbeiten für den Bau der Helmetalbahn auf der Strecke zwischen Osterhagen und Nordhausen durchgeführt, damit die ursprüngliche Strecke künftig allein für Rüstungszwecke zur Verfügung stehen konnte. Den Bauauftrag erteilte die Mittelwerk GmbH aus Halle, mit der Bauausführung wurden von der Reichsbahn die Fa. Berger aus Berlin-Lichterfelde und die III. und IV. SS-Baubrigade betraut. Ein entsprechendes Außenlager der SS-Baubrigade III befand sich ab Juni 1944 an der heutigen B 243 (am Steina-Ufer) in Nüxei. Die Lager der SS-Baubrigaden im Harz waren zunächst formal dem KZ Buchenwald unterstellt, ab Sommer / Herbst des Jahres dem KZ Mittelbau-Dora und ab Januar 1945 dem KZ Sachsenhausen.
Die in Nüxei internierten 300 Häftlinge stammten hauptsächlich aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen und Russland. Zunächst waren sie in einer beschlagnahmten Scheune des Landwirts Walter untergebracht, später in zwei umzäunten Baracken am Steina-Ufer. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren unmenschlich: „[N]aß bis auf die Knochen, steif vom Matsch […] und kein Ofen um sich zu wärmen: die nassen Sachen mußten auf dem eigenen Körper während der Nachtruhe trocknen. Vor Kälte aber konnten wir nicht schlafen. Decken hatten wir schon längst nicht mehr, sie waren für russische Strümpfe – Fußlappen – aufgebraucht worden…“ (1)
Am 6. April 1945 wurden die Häftlinge der drei Außenlager Nüxei, Osterhagen (Bad Lauterberg) und Mackenrode (Thüringen) im Stammlager Wieda (Walkenried) zusammengezogen. Durch den Zusammenbruch der überbelegten Etagenbetten starben sechs Häftlinge. Am nächsten Tag wurden die insgesamt 1.135 Personen ‚evakuiert’, 335 Gehunfähige per Bahn und die übrigen 800 zu Fuß auf einem sogenannten Todesmarsch über Braunlage (Landkreis Goslar) nach Wernigerode (Sachsen-Anhalt). Nicht alle überlebten die Strapazen, mehrere wurden unterwegs ermordet oder starben an Erschöpfung. „Auch an diesem Tag gab es nichts zu essen und wir fraßen Gräser wie Tiere.“ (2) In Wernigerode wurden die Häftlinge in Güterwagen verladen und nach Letzlingen gebracht. Die Mehrzahl aber musste nach Gardelegen weitermarschieren musste. Bei einem dortigen Massaker in der Isenschnibber Scheune wurden zahlreiche von ihnen verbrannt. Insgesamt überlebte nur rund zwei Drittel der Häftlinge die ‚Evakuierung’ der III. SS-Baubrigade.
Die Helmetalbahn war zum Kriegsende bis auf einen Kilometer fertiggebaut worden, ein Zug fuhr hier jedoch nie. Ab 1946 wurde das Oberbaumaterial wie die Schienen wieder zurückgebaut. Der Bahndamm ist auch heute noch zu sehen, ist allerdings zugewachsen und verläuft durch mehrere Privatgrundstücke. Das Gelände des ehem. Lagers in Nüxei ist heute eine Wiesenfläche.
Ein vergleichsweise kleines Arbeitslager mit 28 Häftlingen, das formal zum Komplex Mittelbau bei Nordhausen (Thüringen) gehört, bestand zudem ab Februar 1945 im ehemaligen Lohoffschen Gipssteinbruch in Tettenborn, in dem zuvor schon sowjetische Kriegsgefangene untergebracht worden waren. Nur wenig ist hierüber bekannt, vermutlich handelt es sich um ein Unterkommando des Lagers der SS-Baubrigade III Mackenrode (Thüringen). Die Häftlinge wurden wohl bei der Verladung von Raketen am Bahnhof Tettenborn sowie im Rahmen der III. SS-Baubrigade beim Bau der Helmetalbahn eingesetzt. Am 5. April 1945 wurden die Häftlinge ‚evakuiert’ und mit einem im KZ Mittelbau-Dora gestarteten Zug nach Bergen-Belsen transportiert, wo sie am 15. April befreit werden konnten“.
(1) So der ehem. Häftling Albert van Dijk, zitiert nach: Vladi, Dipl.-Geol. Firouz: Stammlager Wieda der III. SS-Baubrigade und der Todesmarsch, in: www.spurensucheharz.de/wieda.html.
(2) Albert van Dijk, zitiert nach: Vladi, Dipl.-Geol. Firouz: Stammlager Wieda der III. SS-Baubrigade und der Todesmarsch, in: www.spurensucheharz.de/wieda.html.
In Nüxei befand sich in den Jahren 1944/45 hinter Stacheldraht und Wachtürmen ein Barackenlager der III. SS-Baubrigade mit 300 Häftlingen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen, Russland und anderen Ländern. Sie hatten Zwangsarbeit beim Bau der Verbindungsbahn Osterhagen – Nordhausen zu leisten. Heute ist hier grüne Wiese.

Bei der Errichtung dieses Gedenkortes wurde die ArGe Spurensuche Südharz dankenswerterweise mit Rat, Tat bzw. finanziell unterstützt durch: Bürgermeisterin Helene Hofmann, Bad Sachsa, Thomas Wüstefeldt und Mitarbeiter, Kalkwerk Gillersheim (Steinbruch Osterhagen), Steinmetzbetrieb Fehling, Herreden, Eisengießerei Königshütte, Bad Lauterberg, und KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.




Auch wenn Ellrich nicht zu Bad Sachsa gehört, so verbindet beide Städte viele Begebenheiten; deshalb sei an dieser Stelle an das KZ-Außenlager Ellrich erinnert.
(Seit 2019 treffen sich Menschen aus Bad Sachsa, Ellrich und Walkenried, um jeweils im Frühjahr und Herbst die Reste einer Station -„3, Krankenrevier“- des KZ-Lager Ellrichs vom wuchernden Grün zu befreien. Wir und andere würden uns freuen, wenn Sie sich anschließen und einen weiteren Teil der Pflege übernehmen) [15.02.2020, 2 Fotos: Ralph Boehm]


Tom Fox „A dear friend of ours from Bad Sachsa, Frank Simon told us of his father fighting in the 2nd. WW on the Russian Front and being taken POW by the Russians. He knew of my interest and many visits to places of historical interest and he added to my curiosity locally in the Hartz Mountain area, highlighting the role of the Dora-Mittelbau camp as the center of a vast network of forced-labor camps constructed in 1944-1945 throughout the Harz Mountain region, including those located in nearby Niedersachswerfen, Nordhausen, and Neusollstedt. The memorial stone KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte is so poignant. The Ellrich-Juliushütte satellite camp was used as you know for an average of 8,000 prisoners from 2 May 1944 to 6 April 1945. Initially intended as a subsidiary camp for the Buchenwald concentration camp, but as of November 1, 1944 as a subsidiary camp for the Mittelbau concentration camp. The camp was set up at the place Ellrich. The prisoners were housed on the company premises, there were old buildings of the old plaster factories.The camp had several names during its use; first „Erich“, from June 1944 „Mittelbau II“. Myself and Ros visited the site of the Mittlebau Concentration Camp and the mines for the V2’s and remain so impressed by the museum on the site and the frankness to describing events there. I have so much respect for a community that does not shirk away from its history and maybe that is why I have some amazing friendships in Germany and wider. I thank Frank for his frankness; Frank told me his father, had been reported missing, believed killed in action on the Russian front, but in 1945 was confirmed as a POW by the Red Cross and released in the spring of 1947. Frank joked his father wasted no time when he met up again with his mother for before the year ended he was born. Fantastic!I congratulate the volunteers who seek to remember. Thank you for sharing. Sadly Frank died not so long ago. I know he would be pleased for me to share this“. [Facebook 24.03.2022]



KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Nancy Ludecke + Andreas Heise [HK 29.12.2021]