Das Pferdeteichprojekt

Harz Kurier 05. September 2023, 11.50 Uhr
Das „Casting“ ist beendet, die Entscheidung getroffen: Die InterSPA-Gruppe mit Sitz in Stutgart wird bereits ab dem 1. November dieses Jahres neuer Betreiber des Erlebnisbads Salztal Paradies in Bad Sachsa. Die Gruppe wird das Spaßbad im Südharz weiter modernisieren und zudem ein komplett neues Hotel bauen. In der Summe sollen 49 Millionen Euro investiert werden.

Auf der Sitzung des Bauausschusses der Kommune stellten die Verantwortlichen um Volker Kurz und Rupert Atzberger von der Gruppe sowie Architekt Kai Mundel erstmals der Öffentlichkeit ihre Pläne vor. Vor allem für Bad Sachsas Bürgermeister Daniel Quade ein besonderer Moment: „Wir reden hier von der größten Einzelinvestition, die es je in Bad Sachsa gegeben hat. “ Und auch die Vertreter der Gruppe gaben ein klares Ziel an: „Wir wollen lokaler Marktführer hier werden, die Konkurrenz soll schauen, was es bei uns alles gibt“, sagte Volker Kurz. „Wir wollen etwas schaffen, auf das Sie in Bad Sachsa stolz sein können, dass Sie auch gern nutzen“, fügte Rupert Atzberger hinzu.

Das alles soll neu gebaut werden:

  • Ein neues Hotel wird über einen großen Teil des Pferdeteiches neben dem Salztal Paradies entstehen, wobei die Anlage auf Stelzen über dem Wasser „schweben wird“.
  • Das Hotel wird zweigeschossig erstellt und über 110 Doppelzimmer verfügen. Die Erstellung erfolgt in Modulbauweise für jedes Zimmer. Die Module werden komplett fertig und möbliert angeliefert und müssen vor Ort nur noch per Kran an ihre Position gebracht und die Anschlüsse angeschlossen werden.
  • Integriert in die Fläche vom Hotel, aber auch vom angrenzenden Bad, wird ein Restaurant gebaut, das sowohl von Hotel- und Badgästen, wie auch normalen Besuchern genutzt werden kann. Hier sind ca. 200 Sitzplätze vorgesehen.
  • Auf der Freifläche neben dem Pferdeteich wird ein Parkdeck auf zwei Ebenen mit zwei Ein- bzw. Ausfahrten entstehen. Dort sollen 200 Stellplätze geschaffen werden, auch um die Verkehrssituation an der Anlage zu entschärfen.
  • Über den Pferdeteich wird zudem ein Steg gebaut, der die Menschen zum Hotel bzw. zum Spaßbad leitet.

So wird das Salztal Paradies modernisiert:

  • Der Eingangsbereich wird neu strukturiert mit einem anderen Kassensystem, ein Badeshop wird errichtet, neue Duschen, Toiletten und Umkleiden geschaffen.
  • Ein Fahrstuhl wird eingebaut, um die Barrierefreiheit zu erreichen.
  • Für Kinder wird die neue Piratenwelt geschaffen, mit Kletteranlagen, Wasserkanonen und vielem mehr.
  • Nebenan wird eine Indoor-Surfanlage gebaut, die vor allem Jugendliche begeistern soll. Die Abmessungen für diese sind 10 Meter breit und 15 Meter lang.
  • Ein neuer Spabereich wird geschaffen, inklusive eines Palmenhaus und Zen-Garten mit Mineralforum. Teile hiervon sind als absolute Ruhebereiche vorgesehen, in die nur Erwachsene Zutritt haben.
  • Es werden weitere Saunen geschaffen, wobei diese darunter auch Textilsaunen sein werden.

Das bleibt erhalten:

  • Das reguläre Hallenbad, die Eissporthalle, sowie das Kinder- und Regenbogenland bleiben erhalten, ebenso die im vergangenen Jahr sanierte Saunalandschaft des Salztal Paradies.

Die Investitionen für all das Geplante taxieren die Vertreter der InterSPA-Gruppe mit 49 Millionen Euro, wobei ein großer Teil auf Fördermittel entfallen soll. Zudem verbleibt auch bei der Stadt Bad Sachsa ein jährlicher Zuschuss von ca. 400.000 Euro nach den bisherigen Planungen. „Kriegen wir mehr Fördermittel, wird dieser Anteil geringer“, verdeutlicht Rupert Atzberger.

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Salztal Paradies in Bad Sachsa: Ein virtueller Rundgang

Ganz wichtig: Und das betonen die Investoren, wie auch Bürgermeister Daniel Quade eindeutig: Alle Planungen und Bauten sollen sich harmonisch in die Lage vor Ort einpassen. Damit ist unter anderem gemeint, dass Außenwände begrünt werden bzw. mit viel Holz gearbeitet werde. Auch die Höhen der geplanten Gebäude sind so gewählt, dass die Sicht im Vergleich zur jetzigen Situation insbesondere für Anlieger nicht eingeschränkt werden soll. Zudem setzen die Investoren in allen möglichen Bereichen auch auf den Einsatz von regenerativen Energien.

Zu den Bauzeiten erklärt Architekt Kai Mundel, dass man in den Planungen fast schon auf Antragsreife sei. „Wir werden dies jetzt vorantreiben.“ Die Um- und Neubauten sollen möglichst im laufenden Betrieb erfolgen, „wobei wir nicht auf einmal, sondern in Abschnitten denken und arbeiten werden“, verdeutlicht Rupert Atzberger. Das sei aus seiner Sicht wirtschaftlicher. Konkret rechnet man für den Bau des Parkdecks mit etwa 4 Monaten, für das Hotel zwischen 8 und 10 Monaten. Insgesamt schätze man die Arbeiten auf bis zu zwei Jahre.

Fördermittel vom Bund werden auch in das Bad investiert

Mit dem neuen Betreiber und dessen Investitionsplänen setzt sich die Modernisierung des Erlebnisbad „Salztal Paradies“ in Bad Sachsa weiter fort. Seitens des Bundes sind 3,6 Millionen Euro an Fördermitteln für die Sanierung der Einrichtung bereits zugesagt, die Planungen der Arbeiten laufen.
[Persönliche Anmerkung von R. Boehm: diese 3.6 Millionen hatten auf Betreiben der SPD Bad Sachsa, insbesondere des hiesigen Fraktionsvorsitzenden Ralph Boehm und des damaligen SPD-Unterbezirks- und Bundesfraktionsvorsitzen MdB Thomas Oppermann / gemeinsam mit MdB Güntzler erreicht werden können und wurden durch den Geschäftsführer der Städtischen Gesellschaften Martin Völz planerisch erarbeitet]

Bereits abgeschlossen wurden im Jahr 2022 die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten in der Saunalandschaft des Spaßbades. Am 5. März des Jahres endete fast schon ein Martyrium für das Team des Bades, wie auch für Einwohner, Gäste, Rat und Verwaltung der Stadt Bad Sachsa. Denn nach dem technischen Defekt eines Föhns, der zu einem Schwelbrand am 6. Februar 2020 führte, konnte der Bereich nicht mehr genutzt werden.

Noch im Jahr 2021 droht dem Salztal Paradies die Insolvenz

Insgesamt fünf Saunen – eine angenehme Bio-Sauna, die neue entspannende Lichtsauna, eine duftende Kräutersauna und eine finnische Sauna mit Entspannungsmusik sowie eine Himalaya-Salz-Sauna mit heißem Klima – laden seither wieder zum Ausspannen und Erholen bei 60 bis 100 Grad ein. Abgerundet wird das Angebot durch Kneippschläuche, Schwallduschen, eine überdachte Badegrotte im Außenbereich. Ein Tauchbecken und ein Eisbrunnen lassen den Körper im Anschluss wieder angenehm abkühlen.

Dabei – und das scheint heute kaum vorstellbar – stand das Salztal Paradies im Jahr 2021 scheinbar noch vor dem Aus. Nur eine Finanzspritze seitens der Kommune konnte die mögliche Insolvenz noch abwenden. „In den vergangenen Jahren haben wir noch davon gesprochen, wie wir den Standort des Bades sichern können. Jetzt sind wir weit darüber hinaus. Ich bin mir sicher, dass Bad Sachsa hiermit eines der modernsten Spaßbäder in ganz Norddeutschland erhält. Ich kann nur Danke sagen und dass wir stolz sind, solch einen Partner an unserer Seite zu haben“, betonte Bürgermeister Daniel Quade und erhielt hierfür auch die Zustimmung des gesamten Ausschusses.

49 Millionen für Bad Sachsa

[Harz Kurier 24. Mai 2024]

„Doch nicht überall in Bad Sachsa herrscht Aufbruchstimmung und Euphorie für das Mega-Projekt, es gibt auch Ärger um das Paradies. Joachim Pförtner, Gründer der Initiative „Bürger gegen das Investitionsprojekt im Salztal“ [Anm. R. Boehm: Gründung zum 07.03.2026] hat jetzt im Rathaus der Uffestadt die 304 Stimmen der Petitionen gegen die Pläne übergeben.
Neues Hotel im Harz: Diese Kritik äußern Bürger in Bad Sachsa
Die Forderung seiner Mitstreiter und von ihm selbst speziell an Bürgermeister Daniel Quade, aber auch den Stadtrat seitens der Initiative sind eindeutig formuliert. Speziell der geplante Neubau eines Hotels am Salztal Paradies über dem Pferdeteich sowie die Schaffung eines neuen zweigeschossigen Parkdecks im Areal einer angrenzenden Feuchtwiese werten diese als Idee, die nicht im Sinne der Bürgerschaft von Bad Sachsa sein sollte. Dabei war es den Verantwortlichen von InterSpa, die mittlerweile auch ein Hotel in Bad Lauterberg übernommen haben, wie auch Bad Sachsas Bürgermeister stets wichtig zu betonen, dass sich Planungen und Bauten „harmonisch in die Lage vor Ort einpassen“.

Einwohner wie Joachim Pförtner überzeugten sie damit aber nicht. „Wir fordern Sie auf, von der Realisierung des Investitionsprojektes Abstand zu nehmen und den Pferdeteich und die angrenzende Wiese nicht an diesen Investor oder an einen anderen Interessenten zu verkaufen, sondern vielmehr für Bürger und Urlauber in städtischem Eigentum zu belassen und zu bewahren.“.