Poststraße 6 – Villa Daheim
- vor 1900: Groschenplan 271: Grundstück „Peter“, unbebaut [Plan s.u.].
- um 1900: Bauunternehmer Karl Heidecke projektiert eine Villa.
- ca. 1906/1907: Poststraße 5: Uhrmacher Eduard Peter.
- Das Baujahr ist mir bisher nicht bekannt.
- 1912: Poststraße 5: Dr. Heinrich Wolthaus [* um 1876] ist Arzt [spätestens seit 1906, Oberarzt in 1911. Mitglied der [städtischen] Gesundheitskommission von 1905 bis 1913; Mitglied der Sanitätskolonne des „Roten Kreuz“.
- 1919: Poststraße 6: vmtl. dasselbe Haus [!], wohl Umnummerierung.
Bauunternehmer
Karl Heidecke
„Entstehung neuer Etablissements.., [1883-1910,
StABS I.qu.25]

Diesem „Situationsplan von den Etablissements des Lieutnant a.D. Freiherrn v. Strombeck und des Bauunternehmes Karl Heidecke hier“ ist in rot die jeweilige projektierte Villa zu entnehmen.
Die erwähnten Straßenbezeichnungen sind v.l.n.r. die „Kirchstraße“, „Hinter den Höfen“ (heute Ringstraße), „nach Tettenborn“ (Schillerstraße), „nach Steina“ (Steinaer Straße), unbezeichnet (Talstraße), „Mühlgraben“ und der „Groschenplan“ (Poststraße).
In schwarz sind die Häuser „Baumgärtel“ (Baujahr ca. 1890, Steinaer Str. 1, Vorgänger des Art Deco-Gebäudes), „v. Hahn“ (Poststr. 4) und „Coventes“ (ab ca. 1900 Deibel, heute Rathaus).
1900 ff:
Quer verläuft der Mühlgraben
[wie auch hierüber
in der Zeichnung], und teilt am Groschenplan das [noch] unbebaute Grundstück „Peter“ von dem Park [ehedem Coventes – nun Deibel]

„Verkauf städt. Grundstücke“ etc., [Deibel: Anlage eines Teiches, StABS I.r.9].

„Villa Daheim“ heißt es rechts unter den Giebelfenstern. Besonders hervorzuheben bzgl. der Bauweise sind bei diesem Gebäude die atypische komplette Verschieferung, so daß das Fachwerk lediglich bei den Balkonen sichtbar ist und die bleigefaßten Gläser der oberen Balkone, die hier per sé nicht als Wintergarten zum Luftkuren gedacht sind!
- Am 10.03.1919 verstirbt Dr. Wolthaus im Alter von 42 Jahren.
Seine Witwe Toni bleibt hier wohnen [* 26.06.1885]. 1924 ist sie in der Bismarckstraße 7 zu finden. Dr. med Wilhelm Wolthaus [wohl ein Bruder des Heinrich W.] ist als Arzt 1912 in der Marktstraße 54 ansässig [* 21.01.1881 in Notrip]; er verzieht am 21.04.1914 nach Bad Kösen. - 1929/1931: Poststraße 6: Dr. med. Fritz Becker übernimmt die Praxis und Anstalt für physikalische und Bäder-Behandlung von Dr. Matthiae, der nach Kaiserslautern verzieht [DRK-Chronik].
- 1935/1936: Poststraße 6: Der prakt. Arzt Dr. Ottmar Stöhr ist hier mit seinem Röntgen- u. Lichtinstitut im Fernsprechbuch 1935/36 vertreten.
- 1938: Die Stadt Bad Sachsa erwirbt 1938 als Gewährsträger für die hiesige Sparkasse das Haus von dem Arzt Dr. Stöhr [„Seit 125 Jahren. Gut. Für die Region“, Ralph Boehm, Bad Sachsa 2012, S. 18]
1938
Umbau des früher Dr. Stöhr gehörigem Wohnhause zur
Stadt-Sparkasse,
in Bad Sachsa,
Poststr. No. 6
[Stadtsparkasse
Bad Sachsa]

Eine Spielart der „Neuen Sachlichkeit“ vermischt mit Art Deco-Elementen wird den Architekten Robert Kälz bewogen haben, diesen Entwurf für die Auftraggeber, die Stadt-Sparkasse Bad Sachsa, zu entwickeln und umzusetzen.

[Foto: Familie Leimcke, Postraße 4]
Die Sparkasse bleibt modern und wird sicherlich auch diesen Rodelkorso-Umzug von (vermutlich) 1950 unterstützt haben!
Im Bilde ist der Festwagen des Wintersportvereins WSV Bad Sachsa [mit Holzrücke-Schlitten, wie er um 1900 zum Vergnügen der Touristen auf dem Ravensberg eingesetzt war]

[ca. 1968, Foto: Slg. R. Boehm]
Die Wintergärten linker Hand des Gebäudes mußten den Erweiterungen des Sparkassengeschäfts weichen und der Eingangsbereich wurde aus selben Gründen neu rechter Hand gestaltet.
Das Hauptgebäude wird in den Jahren 1994/1995 neu errichtet und am 27.01.1996 mit einem „Tag der offenen Tür“ eingeweiht



Herbstfärbung vor der Sparkasse
[29.10.2023,
Foto Ralf Engel]
