Roonstraße 14

Villa Heubach

„VILLA HEUBACH, Bad Sachsa (Südharz), Roonstr. 14“
„Zum Neuen Jahre herzliche Glückwünsche, Familie Heubach. Bösecke.“
[1932, AK: Slg. R. Boehm 3554]

  • < 1900: Brand 332
  • > 1900: Roonstraße 14
  • ca. 1982 kommen hinzu Roonstraße 14 a, 14 b, 14 c.
Da Hermann Haacke bereits 1913 in Leipzig verstorben war, wird dieser Briefkopf mit Datum 8.12.1917 von seiner Witwe weiterbenutzt worden sein (?). [StABS 1.53.3]

Das im ausgehenden 19. Jahrhundert noch mit „Brand 332“ bezeichnete Grundstück wurde anschließend mit Roonstraße 14 geführt. Der Kaufmann und Buchhändler Hermann Haacke (* um 1869,  †  17.09.1913 in Leipzig) war seit 1904 als Bürger in Bad Sachsa gemeldet (BSN, 18.09.1913). Umgehend eröffnete er am 01.10.1904 seine Verlagsbuchhandlung in der Roonstraße 14 (Gewerbesteuerrolle StABS), die er im Oktober 1912 nach Leipzig veräußerte (BSN, 18.09.1913). Zwischenzeitlich nahm er rege am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil u.a. als Stadtverordneter und Ratmann.
Ob er diese Villa erbauen ließ, ist zur Zeit wahrscheinlich, aber noch nicht belegt.
Anfang der 1930er Jahre übernahm diese Villa die Familie Heubach, die für die Briefmarkenwelt eine feste Größe werden sollte.
(1936, AK, Slg. R. Boehm 3554)


Briefumschlag aus vmtl. 1910 „An den Wohllöbl. Magistrat. Hier.“ mit vs Absender und rs Firmen-Signet
[Aussriss eines Briefumschlages, 1910: Slg. R. Boehm]

Die Verlagsbuchhandlung Hermann Haacke war ein historischer Buchverlag, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle beim Druck philosophiser und pädagogischer Literatur spielte. Haacke hatte sich vor allem auf philosophische, neukantianische und pädagogische Werke spezialisiert.
Zu den bekanntesten Publikationen zählten die Hauptwerke und Grundrisse des Philosophen Eduard von Hartmann sowie Schriften über David Hume.
Der Verlag entstand unter anderem aus der Übernahme des älteren Traditionsverlags Fr. Mauke’s Verlag. Der Vertrieb wurde insbesondere über spezielle Kataloge betrieben:

[07.10.1911, Börsenblatt für den Deutschen Buchhandels No. 234, Leipzig]

Karl Robert Eduard Hartmann,
seit 1862 von Hartmann
(* 23.02.1842 in Berlin, † 05.06.1906 in Groß-Lichterfelde)
war ein deutscher Philosoph.

Er gilt auch als
„der Philosoph des Unbewussten“. Von Hartmann versuchte in seinem Werk Philosophie des Unbewussten zwei verschiedene Denkweisen [Rationalismus und Irrationalismus] zusammenzuführen, indem er die zentrale Rolle des Unbewussten betonte.


Sein Werk hatte Einfluss auf Tiefenpsychologen wie Sigmund Freund und Carl Gustav Jung…“
[WIKIPEDIA, 14.03.2022]


Mehr Informationen gibt es
hier zu

Eduard von Hartmann

Bad Sachsaer Nachrichten, 12.10.1907. Lokales und Vermischtes.
Bad Sachsa, 11. Oktober 1907.
In der gestrigen Stadtverordneten=Situng wurde wie folgt verhandelt:
1. …
2. Zu Beisitzern zu den bevorstehenden Ergänzungs=Wahlen zur Stadt=verordneten=Versammlung wählte man die Herren Stadtverordneten Kellner und Klapproth und zu Stellvertretern die Herren Stadtverordneten Haacke und Weber…

[Adressbuch des Deutschen Buchhandels für 1914]

Villa Heubach

Die Villa Heubach verdankt ihrem Namen allerdings der Familie des Kaufmanns Friedrich Abraham Heubach (*1871), die wohl 1919 aus Sonneberg/Thüringen nach Bad Sachsa zugezogen ist.
Die Tochter aus der Ehe mit Frieda, geb Vogel, Helene (Leni) heiratete 1927 den in Steina 1898 geborenen Kaufmann und SS-Führer Willi Boesecke, der im selben Jahr in die Villa Heubach mit einzieht. Bereits 1922 hatten die Gebrüder Willi und Karl Boesecke, Besitzer der Zigarren- und Tabakfabrik Steina, das bisher von Frau Emilie Wiedemann in der Marktstr. 56 betriebene Zigarren-Spezialgeschäft übernommen (BSN 09.02.1922).
Im Juli 1932 bezeichnet Willi Boesecke sich selbst als Nationalsozialist („Nazi“), der seit 1921 mehr als 50 Reden Hitlers gehört habe (BSN, 30.07.1932). Das NSDAP-Mitglied , Eintritt 01.02.1933, wird im selben Jahr 1. Vorsitzender des Harzklub-Zweigvereins Bad Sachsa (Festschrift 100 Jahre Harzklub-Zweigverein Bad Sachsa 1887-1987, S. 25), zugleich Mitglied des neu geschaffenen, dreiköpfigen Kurdirektoriums (BSN, 04.07.1933), SS-Mitglied und im November 1933 SS-Ortsgruppenführer (BSN 04.11.1933). In 1934 gilt er wegen Steuerhinterziehung als Vorbestraft (StABS I,5,12a, Bl. 77 + 78), was seinem „Aufstieg“ keinen Abbruch tut. Denn bereits im Oktober 1934 wird er SS-Oberscharführer und Führer des SS-Sturms 7/67. Auch weitere Verfahren und Verurteilungen wegen Steuerhinterziehung halten ihn nicht auf; er wird 1939 Ministeralreferent im Dienst des Deutschen Reiches und als solcher von der Regierung des Generalgouvernements übernommen (vermutlich seit 1941) und zuletzt noch am 20.4.1945 zum Major der Waffen-SS befördert (StABS). Nach Kriegsgefangenschaft wird Willi Boesecke u.a. Vorsitzender des Gesangvereins „Liedertafel“ und des „Harzklubs“ (Ehrenmitglied); er verzieht in die Hohe Bergstraße.

Ein Sohn  des Kaufmanns Friedrich Abraham Heubach aus der Ehe mit Frieda, geb Vogel,  Friedrich (Fritz) Heubach besteht an hiesigem Pädagogium seine Abschlussprüfung und war in der Folge 1930 Mitinhaber des „Fotohaus Gundlach“ (Schützenstr. 5). Von der Wehrmacht kommend zieht er bereits im Juni 1945 wieder nach Bad Sachsa und beschäftigt sich mit dem Handeln von Briefmarken:

Fritz Heubach, Roonstr. 14, Villa Heubach, schreibt aus der Britischen Zone am 23.11.1945 an „PHILATELIA“ in Gevelsberg.
[1945, Notganzsache: Slg. R. Boehm]

Briefmarken-Rundsendeverkehr
„Harzer Ring“, Fr. Heubach


(1947, 2 Ganzsachen: Slg. R. Boehm)

Bereits 1946 eröffnete Fr. Heubach seinen „Harzer Ring“, einen „Briefmarken-Rundsendeverkehr“, für den heimischen Markt:
Bereits 1947 war Fr. Heubach der heimische Markt zu klein geworden und er richtete sein Angebot als „INTERNATIONALE KORRESPONDENZ- UND TAUSCH-VEREINIGUNG „GLOBUS“ aus der „Brit. Zone“ heraus an das Europäische Ausland, hier z.B. an Kundschaft in Dänemark.

Erste Deutsche
Briefmarken-Lotterie
(20b) Bad Sachsa
Roonstaße 14
Fernruf 293

„MUSTERLOS“, den 15. April 1949 [1949, Los, vs + rs : Slg. R. Boehm]
„Erste Deutsche Briefmarken-Lotterie“ [1949, Brief: Slg. R. Boehm]
Zu dieser „Erste Deutsche Briefmarken-Lotterie“ haben wir bisher keine weiteren Informationen finden können!
Helfen Sie uns bitte!

Das Schicksal der Villa Heubach

Entstehen zwanzig Wohneinheiten an der Roonstraße?
[BSN, 17.09.1979]

In den ausgehenden 1970er Jahren hätte es auch im beschaulichen, durch Villen geprägten Teil Bad Sachsas doch noch eine weitere Bausünde geben können, bei der lediglich die mit „X“ gekennzeichnete Villa Heubach hätte stehen bleiben sollen, um als Gemeinschaftseinrichtung für zwanzig Wohneinheiten dieses durch den Sachsaer Architekten Hansjochen Rößler im Auftrag geplanten Wohnparks zu dienen!

Ironie des Schicksals – es kam anders:
Abgerissen wurde nach Jahren des Leerstandes ausgerechnet die Villa Heubach – sie hatte Platz zu machen für zwei Wohnanlagen mit sehr vielen Miet- und Eigentumswohnungen, die seit 1982 mit Roonstraße 14a, 14b und 14c sowie seit Mitte der 1990er Jahre mit Roonstraße 14 bezeichnet werden.