Die Sachsenburg auf dem Sachsenstein
Walter Reinboth, Walkenried, brachte es auf eine treffliche kurze Geschichte:
Diese Burg besteht nicht nur aus den Trümmern der Steinburg auf dem nördlichen Sachsenstein, der Name galt schon für eine auf gleichem Gelände befindliche Wallburg, die Sachsen um 741 bis 748 anlegten. Deshalb heißt sie Sachsenburg; diesen Namen behielt auch Heinrich IV. bei, als er 1073 den Bau seiner Kaiserburg begann.
(BSN 05.12.1969)
Wem diese kurze Beschreibung als Info zur Sachsenburg nicht reichen sollte,
möge sich bitte diesen Artikel im Archiv der Stadt Bad Sachsa oder die Ausführungen im weiteren Verlauf zu Gemüte führen.
Sachsenburg
b. Walkenried. i/H.
Lageplan
erbaut im Jahre 1073.
zerstört im Jahre 1085
„gez. Kurt Pfeiffer.“
[AK: Slg. R. Boehm]
Mehr Informationen finden Sie hier zum

Der hier bewaldete Teil des mit „Sachsenberg“ bezeichneten Teils lag vor rund 1000 Jahren strategisch bestens für die Sachsenburg
[1920er Jahre, AK: Slg. Pfeiffer, Wieda]

Es träumt die Burg vor Sachsas Toren
Sie sollte mit anderen für Heinrich IV. eine feste Hausmacht schaffen
[Bad Sachsaer Nachrichten, 10. Februar 1960, ohne Autor]
Wer sich von Walkenried in Richtung Bad Sachsa auf den Weg macht, findet im Walde mehrere Schilder des Harzclubs mit dem Hinweis „Zur Sachsenburg“. Dicht nördlich der den Gips des Sachsensteins in einer Schlucht von zehn Meter Tiefe schneidenden Bahnlinie (von Northeim nach Walkenried) ist er dann an Ort und Stelle, noch auf Walkenrieder Gemarkung und diesseits der an dem Felsen entlang fließenden Uffe, die hier die Grenze zwischen dem Klosterort und Bad Sachsa, zwischen dem Verwaltungsbezirk Braunschweig und dem Regierungsbezirk Hildesheim bezeichnet. Und von dieser Sachsenburg ist bislang in unserer Zeitung so wenig die Rede gewesen, daß sie unbedingt einmal angeleuchtet werden soll!
Das vom Gebirgsstock des Sachsensteins abgeschnittene Plateau liegt ca. 40 Meter über dem Spiegel der Uffe, die sich hier mit einem kaum spürbaren Gefälle durch Morast und Schilf schlängelt. Ist diese Bergzunge bereits im Westen durch eine Steilabfall geschützt, wird sie auch im Norden durch einen steilen Abhang begrenzt, von der Natur so recht geschaffen zur Verteidigung. Nur die nach Osten offene Seite des Dreiecks war noch zu befestigen.
Von den Ungarn zerstört
Wer jetzt auf dem Plateau steht, das früher die Burg trug, hat einen weiten Blick auf Bad Sachsa mit dem krönenden Ravensberg und über die ersten Häuser von Neuhof hin. Die Reste der Burg dagegen sind dürftig. Kaum ist in dem sowieso leicht hügeligen Gelände noch der angeblich vorgeschichtliche Wall zu erkennen, der die Bergzunge noch weit vor den Mauern abriegelte. Nach Angaben des Walkenrieder Chronisten Leuckfeld aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts soll die Burg von den Ungarn erstmals zerstört worden sein. Vielleicht hat es sich hiernach um eine uralte Fluchtburg gehandelt, nur ausgestattet mit Wall und Graben, mit Stämmen verstärkt und nur in Notzeiten besetzt.
Wehrmauer kam später
Die Mauerreste haben immer wieder zum Forschen angeregt. 1891 bis 1893 wurden Burgstelle und Wall vom Geh. Baurat K. Brinkmann untersucht, der auch eingehende Grabungen vornahm. Nach seinem Bericht ist das Mauerwerk auffällig glatt und sauber gewesen im Gegensatz zu anderen Burgen im Harz, die mehr in Fronarbeiten entstanden sind. Mauerstärken bis zu 2,60 Meter konnten nachgewiesen werden. K. Brinkmann nimmt an, daß die vorgeschichtliche Umwallung später weiter innen durch eine Wehrmauer ergänzt wurde, auf die dann wieder später noch zwei runde Türme gesetzt worden waren, die dann schließlich die Fundamente für zwei sechseckige Türme abgaben, zwischen denen sich die Torhalle öffnete. Ob sich in dem so gebildeten Hofraum noch Gebäude befanden, z.B. Vorrats- und Wirtschaftsräume, kann nur vermutet werden. Einwandfreie Nachweise fehlen.
Auf Kampf eingestellt
Um eine Burg, wie wir sie aus dem deutschen Mittelalter kennen, hat es sich bei unserer Sachsenburg jedenfalls nicht gehandelt. Sie war kaum als Wohnung gebaut, sondern mehr zur Verteidigung gedacht und auf Kampf eingestellt. Sind die Angaben über eine vorgeschichtliche Wallung der Sachsenburg sehr ungenau, bringen zeitgenössische Chronisten Licht in das 11. Jahrhundert. Hiernach gehörte sie mit zu den Burgen, die Heinrich IV. bei seinem Versuch, sich rund um den Harz eine Hausmacht zu schaffen, errichtete und oft mit fränkischen Ministerialen besetzte, eine Politik, die dann zum Aufstand der Sachsen führte. Nach der Flucht des Kaisers aus Goslar und der Harzburg über den Heidenstieg nach Pöhlde und weiter nach dem Süden ist die Sachsenburg dann wahrscheinlich von de aufständischen Sachsen bereits zum Teil zerstört oder zumindest geplündert worden. 1074 befand sie sich unter den vom Kaiser vertragsmäßig zu schleifenden Zwingburgen. Nach der Walkenrieder Klosterüberlieferung gehörte sie 1127 mit zur Erstausstattung der Klosters, jetzt aber ausdrücklich nur als Ruine erwähnt.
Lebt noch in Heimatbüchern
Dann wurde es still um die Burg. Mehrfach wird sie noch als im Besitzt des Klosters befindlich bezeichnet, während die Mauerreste weiter abbröckelten und die Buchen die Bergzunge eroberten. Gäste von Walkenried und Bad Sachsa, die gern auf dem Steilabfall stehen, fragen oft nach der Bedeutung der letzten Mauerreste. Klarheit über die Zeit vor Heinrich IV. konnten aber auch die Ausgrabungen nicht erbringen. Weder Waffen noch Geräte fand man damals, die vielleicht eine Altersbestimmung ermöglicht hätten. Eine außerhalb der inneren Befestigungslinie gefundene Urne, die weder Knochen noch Brandreste enthielt, wurde dem Mittelalter zugeschrieben. Die Spuren der letzten Ausgrabungen sind bereits wieder überwachsen. Das Rad der Geschichte hat sich weiter gedreht, mitsamt seinen bescheidenen die Sachsenburg betreffenden Spuren, die festgehalten wurden in den vom Heimatpfleger Waßmann in Walkenried mit viel Mühe und Liebe zusammengestellten Heimatbüchern.
Burgen und Schlösser der Harzregion, Band 1
Bernd Sternal, Lisa Berg, Wolfgang Braun, Books on Demand GmbH, Norderstedt
7. überarb. Auflage Oktober 2015
ISBN: 978-3-8391-8878-1. S. 84-86



Unsere Sachsenburg unter der Lupe
Beitrag zur Heimatgeschichte mit interessanten Einzelheiten
(Bad Sachsaer Nachrichten, Nov. 1967, ohne Autor)
Wer mit der Bahn von Bad Sachsa nach Walkenried fährt, sieht zwischen diesen beiden Stationen die gewaltigen Gipsfelsen des Blumenberges und damit das Gelände der Sachsenburg, einer Burg Kaiser Heinrich des IV., aber auch einer alten germanischen -vermutlich sogar vorgermanischen- Fluchtburg. Leider fehlen bei der Sachsenburg genauere Beweise, doch es liegt die Vermutung nahe, daß sie ebenso wie der Kohnstein bei Niedersachswerfen auch schon der Verteidigung in vorchristlicher Zeit gedient hat. Sie dürfte um 500 jetziger Zeitrechnung wie die meisten der vorchristlichen Wallburgen wieder instandgesetzt worden sein.
Um diese Zeit drangen die Sachsen gegen die Thüringer vor, so daß es sich bei der Sachsenburg eigentlich zunächst um eine solche der Thüringer gehandelt haben dürfte, die gegen den Ansturm der Sachsen wieder erbaut worden war. Sie konnte jedoch dem Ansturm der Sachsen nicht trotzen, denn schon der Name Sachsa deutet ja darauf hin, daß hier eine sächsische Gründung vorliegt [Anm.: dafür gibt es keinen Beleg!!], ebenso der Name der Burg selbst, der sich ja bis heute erhaltn hat. Bei ihrem stetigen Vordringen bis zum Jahre 700 müssen sie ja auch bis zur Wieda und Zorge gekommen sein.
Bei diesen Kämpfen ging es, nachdem die Franken im Jahre 531 die Selbständigkeit des alten Thüringerreiches zerschlagen hatten, um die Entscheidung, ob Sachsen oder Franken die Nachfolger der Thüringer werden sollten. Um 700 begannen die Sachsenkriege Karl Martells und Pippins des Kleinen, die durch Karl den Großen mit der völligen Unterwerfung der Sachsen endeten.
Das Land, auf das der Franke seine Hand legte, wurde – wenn herrenlos – Königsgut. Da in dieser Gegend viel herrenloses Land war, entstand viel Königsgut. Der ganze Harzwald unserer Landschaft, der größere Teil des Zorge- und des oberen Helmetales wurden in karolingischer Zeit Reichsgut, damit natürlich auch das Gebiet der Wieda. Im Jahre 1132 verlieh z.B. Kaiser Lothar dem Kloster Walkenried sein Recht an dem Wildbann des Harzes; im Jahre 1231 genehmigte Kaiser Friedrich II. (1212-50), daß das Kloster ohne Abgrenzung den Forst Harz ausnutze.
Als die Herrschaft der Karolinger ihrem Ende zuging, hatten die Ludolfinger und Ottonen hier in unserer Gegend gewaltigen Familienbesitz, der wohl dadurch entstanden sein dürfte, daß das Reichslehen beim Zerfall der Reichsgewalt in erblichen Familienbesitz übergegangen ist. Es ist daher anzunehmen, daß Heinrich I., als er 919 deutscher König wurde, auch die Sachsenburg wieder in ihren Verteidigungszustand versetzt hat, einmal, um seine Macht zu stärken, zum anderen angesichts der Ungarngefahr, doch urkundliche Beweise herfür liegen nicht vor.
Erwähnung findet die Sachsenburg erst wieder, als der Frankenkaiser Heinrich IV. (1056 bis 1106) sein Königsrecht an dem herrenlosen Gebiet wieder zur Geltung bringen wollte. Der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld – ein leidenschaftlicher Gegner dieses Kaisers – schrieb in den Jahren 1063-1106 im Kloster Hersfeld seine Annalen und berichtet, daß Kaiser Heinrich bald alle Berge mit Burgen besetzt habe, doch nennt er nur die Harzburg, die Heimburg (bei Blankenburg), die Sachsenburg, die Mosiburg (Moseberg) [Anm.: sehr unwahrscheinlich, daß hiermit unser Moseberg gemeint ist!!], die Hasenburg, die Spatenburg und Vokenroth.
Südlich der Sachsenburg zog die alte Heerstraße über Obersachswerfen, Branderode, Tettenborn nach dem Westen. Es ist möglich, daß der Kaiser die Burg auf der Grundlage alter germanischer Anlagen befestigen ließ, einmal, um diese Heerstraße im Auge behalten zu können, zum anderen aber auch, um einer Reihe „auf Königsgut wildernde Herren Einhalt zu gebieten“. Hier am Harzrand wuchsen die kleinen Grafen fast zu Herren heran: die Ilfelder Grafen, ein Graf Volmar (1095), der der Ahnherr der Clettenberger Grafen war.
Bischoff Benno von Osnabrück – mehr Architekt als Priester – war Kaiser Heinrich des IV. Festungsbaumeister, „der eine besondere Begabung dafür besaß, die Formen einer ganzen Landschaft, den Wert der einzelnen natürlichen Erhebungen darin und ihre Bedeutung für die Nachbarschaften zu erfassen.“ Auch die Sachsenburg dürfte er, wenn auch nicht erbaut, so doch planmäßig konzipiert haben.
…Die Sachsenburg entstand in nur zwei bis drei Jahren; und bald war die Zeit da, in der sie sich bewähren mußte. Es kam zu den Kämpfen der sächsischen und thüringischen Adligen gegen die Reichsgewalt. Unter den Klagen, die vorgebracht wurden, standen an erster Stelle die gegen die Bauten der Burgen. Die Heimburg wurde zerstört, die Hasenburg in der Nähe von Pöhlde mußte sich ergeben, die Harzburg und die übrigen Burgen wurden belagert.
Im Jahre 1074 gab der Kaiser nach und unterschrieb im Vertrag von Gerstungen die Bedingung, daß die Burgen zerstört werden sollten. So wurde auch die Sachsenburg völlig niedergerissen und ist anscheinend nie wieder zu ihrer früheren Bedeutung gelangt. Im Gründungsbericht des Klosters Walkenried vom Jahre 1127 wird sie „castrum Sachsenburg nune destrictum-Burg“ (nun niedergerissen), genannt.
Auch die Mosiburg auf dem heute noch Moseberg [?wohl nicht hier?] genannten Gelände zwischen Wieda über den Burhey nach Sachsa dürfte damals zerstört worden sein. Im Jahre 1132 findet sie noch einmal Erwähnung in einer Urkunde, aber dann verschwindet sie völlig aus den Geschichtsunterlagen.
Von der Kunst des Mauerns von rund 1000 Jahren.
[7 Fotos aus 2018: Horst Möller, Bad Sachsa]








[19 Fotos, 26.10.2019: R. Boehm]



















[19 Fotos, 26.10.2019: Grete Boehm]








