Die Zwergenlöcher am Sachsenstein
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Zwergenlöcher, u.a. die „Waldschmiede“ [Circa 16.04.2007, 6 Fotos: Horst Möller]






Auf Wikipedia erschien am 08.09.2026 diese ausführliche Beschreibung der
Quellungshöhlen
„Quellungshöhlen (englisch swelling caves) sind blasenartige, länglich-ovale Hohlräume im Gestein, die durch die Umwandlung vonAnhydrit in Gips und eine damit verbundene Volumenvergrößerung entstehen. Im Volksmund des Südharz werden diese kleinen Höhlen oft als Zwergenlöcher bezeichnet, da Sagen früher Zwerge darin vermuteten. Weltweit stellen Quellungshöhlen eine geologische Rarität dar, da sie nur in vier bekannten Regionen gehäuft auftreten.[1]
Beschreibung
Quellungshöhlen sind blasenartige, länglich-ovale Hohlräume im Gestein. Das den Untergrund aufbauende Anhydritgestein nimmt Niederschlagswasser auf. Die Oberfläche beginnt sich in Gips umzuwandeln. Damit vergrößert sich das Volumen um insgesamt ca. 60 %. Es kommt zu Quellungsvorgängen. Die vergipsende obere Gesteinsschicht hebt sich vom anhydritischen Untergrund ab. Im weiteren Verlauf dieser Entwicklung kommt es zu Einbrüchen in der Dachbank. Damit wird eine kleine Höhle zugänglich. Mit der weiteren Aufwölbung und schließlich Übersteilung kommt es zum völligen Einsturz dieser Höhle, aber an anderen Stellen beginnt der Vorgang der Vergipsung von neuem. Dieser Prozess vollzieht sich in gelogisch sehr kurzen Zeiträumen. Von der Entstehung der Blase bis zu ihrem kompletten Einsturz vergehen nur wenige Jahrhunderte.[2]
Die größeren Exemplare erreichen Längen von bis zu 10 Metern und eine Höhe (Firsthöhe) von etwa einem halben bis über einem Meter.[3]
Im Volksmund des Südharzes werden diese kleinen Höhlen oft als „Zwergenlöcher“ bezeichnet, da Sagen früher Zwerge darin vermuteten. Die Zwergenlöcher zählen nicht zuletzt deswegen zu den bedeutendsten Naturdenkmalen der Region.[4]
Für den Geotoptyp der Quellungshöhlen gibt es in der geologischen Fachsprache keine klassische lateinische Bezeichnung.
Vorkommen
Quellungshöhlen stellen weltweit eine geologische Rarität dar. Aktiv wachsende Höhlen dieser Art treten nur an vier bekannten Regionen in größerem Maße auf. Die Fundplätze sind in Deutschland, Russland, Ukraine und Kanada[1]
Das europäische Vorkommen am Sachsenstein und Höllstein bei Walkenried (Südharz) ist in seiner räumlichen Dichte einzigartig. Während es sich hierbei sowie bei den Formationen auf Nowaja Semlja (Russland) um die einzigen in der Literatur dokumentierten Vorkommen natürlichen Ursprungs handelt, sind die Fundorte im Steinbruch von Pisky (Ukraine) und in Dingwall (Nova Scotia, Kanada) anthropogener Natur.[5]
Objekte
Sachsenstein (Deutschland)
Südöstlich von Bad Sachsa gibt es im Anhydritmassiv des Sachsensteins sowie weiter östlich im Höllstein in Richtung Walkenried zahlreiche Quellungshöhlen.[1] Diese werden im Volksmund als Zwergenlöcher bezeichnet. Alle größeren Quellungshöhlen tragen einen meist sehr phantasievollen Namen wie „Waldschmiede“ oder „Zwergenkirche“.
Seit dem endgültigen Einsturz der sogenannten Waldschmiede bei Walkenried führen die Zwergenlöcher am Südharz ein eher kümmerliches Dasein. Einst auch Touristenmagnet sind sie jetzt wertvolle, weil recht seltene Geoptope.[A 1]
Erstmals erwähnt werden „Zwerg-Löcher“ 1703 von Georg Henning Behrens. Eingehende beschreibende Betrachtungen stellte 1931 Walter Biese an. Im Jahr 1981 veröffentlichten Richard L. Breisch und Fred L. Wefer eine einflussreiche Forschungsarbeit über die Entstehung sogenannter „Gypsum bubbles“ (Gipsblasen) bzw. Quellungshöhlen. Breisch und Wefer präsentieren ein Rechenmodell zur Hohlraumgenese[A 2] dieser Objekte und postulierten bereits seitlichen Druck für ihre Entstehung.
Um bessere Daten zu erhalten, wurden an der sogenannten Zwergenkirche mit Zustimmung der oberen Naturschutzbehörde im Jahr 1999 vier Stahlbolzen als geeignete Fixpunkte an der Innenseite der Dachbank eingesetzt. Bei jährlichen Messungen Ende März zeigte sich als Ergebnis nach 3 Jahren in 2002 eine deutliche Einengung an der Basis der Höhle um 7 mm, was auf den seitlichen Zuschub der dachbildenden Bank zurückzuführen ist. Die Dachflanken verlängerten sich im selben Zeitraum um 5 bzw. 8 mm; hier wirkt die Längenausdehnung der Dachbank direkt ein.
Rezente Quellungshöhlen werden jedoch immer häufiger auch auf Anhydritsohlen aufgelassener Gipssteinbrüche nicht nur im Südharz [Juliushütte, Ellrich) beschrieben. An ihnen kann der Raumveränderungsprozeß quantitativ modellhafter beobachtet und beschrieben werden, da hier in der Regel kaum oder weniger Störungen durch den langeinwirkenden Verwitterungs-, Bodenbildungs- oder Durchwurzelungsprozeß auftreten.[6]
Alle größeren Höhlen mit 0,5 bis 2 Meter Firsthöhe und bis zu 10 Meter Länge sind im Harzer Höhlenkataster erfasst. Als Begründer des Harzer Höhlenkatasters gilt Friedrich Stolberg, der 1923 mit der Aufstellung des Katasters begonnen und bis 1942/43 daran gearbeitet hat. In der Zeit des geteilten Deutschlands bis zum 3. Oktober 1991 gab es verschiedene Höhlenkataster zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das Höhlenkataster ist im Jahre 1995 auf EDV-Betrieb umgestellt worden. Es umfasst heute den Bereich Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt sowie einen Teil von Nordthüringen.[7]
Das Gebiet gehört unter anderem zum Gipskarstgebiet bei Bad Sachsa, das für seine besonderen geologischen und naturräumlichen Strukturen bekannt ist.[8] Durch das Gebiet verlaufen mehrere Wanderwege, darunter auch eine Teilstrecke des Karstwanderweg Südharz. Die Schutzhütte Sachsensteinhütte, ist als Nr. 166 in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen.[9]
Auch die einzige Gips-Schauhöhle Niedersachsen, die Sachsensteinhöhle war dort zu finden, sie fiel aber in den 1950er Jahren dem Gipsabbau zum Opfer.“

