Schmerlbrunnen

[Foto: vmtl. Willi Müller. Bernd Klapproth, 07.12.2018 auf Facebook]
Die Bachschmerle

Die Bachschmerle bewohnt flache, schnell fließende Bäche und Flüsse am liebsten mit kiesigem bis sandigem Untergrund. Dabei bewohnt sie stationär bestimmte benthische Abschnitte, in denen sie sich tagsüber unter Steinen oder Wurzeln versteckt aufhält.“
Der Brunnen
Der Rat der Stadt Bad Sachsa und der Verkehrsverein Bad Sachsa/Südharz e.V. (später Harzklub Zweigverein Bad Sachsa e.V.) planen „die Errichtung eines Heimatbrunnens“ und bitten mit Schreiben vom 28.02.1959 den „Herrn Kunsterzieher Priebe“ (u.a. tätig am hiesigen Pädagogium) um seine beratende Mitarbeit.
Die Idee:
„Ein altsachsaer Junge sucht in lauernder Angriffsstellung den bemoosten Urschmerl zu ergreifen, der ihn jedoch mit einem gezielten Wasserstrahl abwehrt. Im Zwergenloche des Hintergrundes könnten einige Sachsensteinzwerge dem Zweikampf interessiert und belustigt zusehen.“

Stadtdirektor Willi Müller, gleichzeitig Vorsitzender des Verkehrsverein, wie auch dessen Geschäftsführer Oskar Hoffmann und der Rat müssen sich gedulden; es bedarf diverser Schreiben und Ortsbesichtigungen, bis endlich Herr Priebe seinen Entwurf in Form eines Modelles am 06.10.1960 im Rathaus-Sitzungssaal vorstellt.
Die Beteiligten waren mit dem Modell zufrieden und luden deshalb für den kommenden Tag den „Künstler aus Göttingen“, der bereits das Schülerdenkmal am Pädagogium geschaffen hatte (1951, Edwin Epler), nach Bad Sachsa ein für seine Begutachtung und einen Kostenvoranschlag.

„im Stadtpark hinter dem dortigen Teich“ in Höhe von 7.500 DM aufzuwenden.[Göttinger Tageblatt/Bad Sachsaer Nachrichten 15./16.10.1960]

„KUNIBERT“ war das Pseudonym des damaligen für die Bad Sachsaer Nachrichten zuständigen Lokal-Redakteurs.
Die Bevölkerung war über das Vorhaben gespalten,
insbesondere die „Schmerrels“ taten sich schwer mit dieser geplanten Veränderung
(wie eigentlich immer bei Neuerungen):

[BSN, 26.11.1960]
„Heimatbrunnen doch noch vom Stadtrat genehmigt.
[auf Ratssitzung vom 09.12.1960, Protokoll 12.12.1960, Hoffmann. Slg. R. Boehm]
….Das Bauamt hatte auf Verlangen des Verwaltungsausschusses für die beabsichtigte Aufstelltung des Heimatbrunnens einen genauen Kostenvoranschlag aufgestellt, der von Ratsherren Gremm vorgetragen wurde. Die für die Instandsetzung des unteren Stadtparkteiches erforderlichen 1.600 DM sind im wesentlichen im Haushalt eingeplante Arbeitslöhne. Die Kosten für die Umwälzpumpe samt Kabel soll der Verkehrsverein übernehmen. Für einen Unterwasserscheinwerfer sind möglicherweise noch 900 DM aufzubringen, Gesamtbedarf 3.300 DM. Nachdem Ratsherr Mank gegen den Widerspruch von Herrn Gremm die unzulängliche Unterrichtung des Rates am 11. Nov. beanstandet hatte, wurde die Aufstellung des Brunnens mit 10 gegen 1 Stimme bei 2 Enthaltungen genehmigt.“
Im Rodelkorso 1961 haben sich gleich zwei Wagen mit dieser Thematik beschäftigt:

[Fotos, Nachlaß: Willi Müller]

[Foto, Nachlaß: Harry Borchers]
„Er lebte seit Urzeit auf tiefen Grund,
aus Stein soll er nun werden.
Warum Warum ??„

[Foto, Nachlaß: Harry Borchers]
„Ein Schmerlbrunnen der wär` fein
aber wie kriegen wir den Schmerl `rein„

[Foto, Nachlaß: Familie Krieghoff]
„Sachsa`s Schmerl sagenumwoben hängt nun an der Angel droben.“
Leider fehlt der Spruch auf der dritten Bande auf Wagen 40…
Wer kann uns helfen ????
Mehr Informationen finden Sie
auf folgender Seite zum Thema
Aber endlich war es soweit:
der Brunnen wurde am Freitag, den 28. September 1963, von der Stadt übernommen [BSN 30.09.1963]

… und war regelmäßig in der Lokalpresse vertreten

Ach ja! Jetzt hätte ich fast die Schmerlsage vergessen!
„Auf Antrag von Dipl.-Landwirt A. Scola soll die legende vom SACHSAER SCHMERL in eine literarisch gültige Form gebracht werden. Alle poetisch veranlagten Einwohner, auch Schüler und Schülerinnen, werden gebeten, ihre Darstellung bis zum 1.8. ds. Js dem Stadtdirektor einzureichen.-“ (Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins, wohl 1962).
Die preisgekrönte Fassung von Frau Gertrud Seiler aus 1963:




In der Sonderbeilage „100 Jahre Bad Sachsaer Nachrichten“ wird am 03.10.1987 die Fassung von Frau Gertrud Seiler abgedruckt und kommentiert:

Eine etwas andere Fassung von Albert Spicher im „Sachser Blate“:
„spierbare Belehrung un Anschauung“

Eine stark eingekürzte Fassung verdanken wir Peter Lehmann [Januar 2016]
Der Schmelzteich ist auch aufgrund einer Sage bekannt, die Bad Sachsa sein Maskottchen, den „Schmerlkerl“ einbrachte.
Die Schmerle waren laut der Sage Fische, die sich überall einmischten und durch ihr vorlautes Wesen ständig für Unfrieden sorgten. Die Sage besagt weiter, dass in einer Vollmondnacht die Schmerle die tanzenden Zwerge und Elfen am Schmelzteich störten. Zur Strafe verzauberte eine Hexe den größten der Schmerle. Dieser sollte von nunan über seine Artgenossen wachen, indem er angekettet auf dem Grund des Schmelzteiches leben sollte.
Ein Junge, der Jahre später verbotenerweise am Schmelzteich Schmerle fangen wollte, entdeckte den inzwischen mit Moos bewachsenen alten „Urschmerl“. Der Urschmerl blies dem Jungen einen Wasserstrahl ins Gesicht und schimpfte mit ihm, dass er die Fische frei und am Leben lassen solle. Der Junge versprach es und auch, dass er seine Freunde überzeugen wolle, keine Fische mehr zu fangen.
Als Dank wurde der Urschmerl von einer Elfe von seinem Bann befreit, die in einer Vollmondnacht zu ihm an den Schmelzteich kam.
Umso ausführlicher hat Gerhard Pfeiffer „Das Märchen vom Urschmerl“ verfasst
vermutlich für den Wettbewerg in 1963. [Slg. R. Boehm]
















30 – und immer noch nicht verheiratet?
Dann ist Er fällig! Dann muss Der Junggeselle ran
und muss den Schmerl (oder das Denkmal vor der Evangelischen Kirche) eigenhändig mit Zahn- oder Rubbelbürste putzen…

… auch der spätere Bürgermeister Daniel Quade war in den 2010er Jahren fällig
[Foto: Bürgermeister Daniel Quade, Facebook 17.01.2022]
damit er (der Schmerlbrunnen) dann wieder so aussieht:



[03.05.2008,
Fotos: Horst Möller]
Im Winter entziehen sich Schmerl und Knabe den Blicken

Leider sterben die Idioten nicht aus:

Zum wiederholten male schlugen Unbekannte dem Jungen unter massivem Kraftaufwand beide Arme und Hände ab.

Facebook 08.09.2014]

[Bürgermeister Dr. Axel Hartmann mit Gattin, Antje Weick und Matthias Bruchmann, beide Stadt Bad Sachsa] [15.12.2014, Quelle unbekannt]
Michael Schaschek schrieb für den Harzkurier am 18.01.2015: „Eintrittsgelder der 23. Krippenausstellung im NatUrzeitmuseum gingen ans Kulturforum und an das Kinderbüro. Antje Weick berichtete, dass aufgrund der Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung die ursprünglich angedachte Verwendung für die Restaurierung des beschädigten Schmerls nicht mehr notwendig sei. Die Idee, am Schmerl-brunnen eine Schautafel zu installieren und hier das Märchen vom Urschmerl darzustellen, steht nun im Fokus.“… Nun ja: der Schmerl wurde restauriert – Aus der Schautafel wurde über viele Jahre bekanntlich nichts…

[Harzkurier 18.01.2015, Foto: Uta Krummhaar]

„Bad Sachsa hat eines seiner Wahrzeichen wieder… und ein sichtlich erfreuter Bürgermeister Dr. Hartmann“ [links im Bild] präsentierte das Ergebnis, und „nachdem die Schmerl-Saga in Kurzfassung vorgetragen wurde, schaltete Hartmann persönlich die Wasserpumpen des Brunnens wieder ein.“
[v.l.: Dr. Axel Hartmann, Heinz Nickel mit Begleitung, Peter Lehmann und, im Hintergrund, Uwe Weick (beide Stadt Bad Sachsa)]. [Foto: Michael Schaschek, Harzkurier 20.04.2015]
2008 stehen erhebliche Baumaßnahmen an Brunnen und Teich an:
[April 2008, Fotos: Horst Möller]










Weitere erhebliche Bauarbeiten werden in 2023 durchgeführt; insbesondere wird der Teich ausgebaggert [17.02.2023, 3 Fotos: Bürgermeister D. Quade]



Der Zustand des Schmerlbrunnens ist im Juli 2026 kein Guter:





Weitere schöne Fotos von unserem Schmerlbrunnen
[16.10.2011, 6 Fotos: Horst Möller]





