Schulstraße 2

Ein Haus für die Palmen und den Gärtner…
Suse Schmidt-Eschke, Kunstmalerin + Lehrerin um 1920, Waldsaumweg 15.
[Gemälde im Besitz des Wintersport- und Heimatmuseums Bad Sachsa]

Gut erkennbar ist die Verglasung über zwei Etagen sowohl an der Nord- wie auch der Ostseite des Gebäudes. So hatten die Palmen auch im Winter ausreichend Licht.
Unser Museum verdankt dieses Ölgemälde Susanne Schmidt-Escke (bekannt als Suse Schmidt-Eschke), die von ca. 1890 bis 1930 nachgewiesen werden kann. (Paul Pfister: Monogrammlexikon 2, Walter de Gruyer, 1995). Aus den Archivalien unserer Stadt Bad Sachsa geht hervor, daß sie als „Sprachlehrerin für Französisch und Englisch“ an dem Töchterheim MARIA ERIKA, Waldsaumweg 15, vom Februar 1917 bis mindestens 1921 beschäftigt war. Zur Vorbildung heißt es: „gepr. in Dresden, Franz. Engl. Zeichen“ (sic!). Einem Schreiben der Stadt Bad Sachsa an den Regierungspräsi-denten in Erfurt scheint dieser nicht recht geglaubt zu haben; er erwiderte: „Bezüglich der Befähigung der Genannten zum Unterricht in Zeichnen, Malen und Schnitzen sind die nötigen Nachweise bis zum 1. Juni d. Js. zu erbringen.“. Man antwortete ihm: „Anliegend überreichen wir eine schriftliche Erklärung der Lehrerin Schmidt-Eschke nebst einer begl. Abschrift eines Zeugnisses… weitere Nachweise auch zur Verfügung stehen. Fräulein Schmidt-Eschke hat als Malerin bereits auf größeren Ausstellungen mit Erfolg ausgestellt und Auszeichnungen erhalten. Sie ist bereit, Arbeiten oder Skizzen zur Einsicht vorzulegen.“. Das scheint dem Regierungspräsidenten dann genügt zu haben. (AStBS 1,26,2 Privatschulen).

 1700: Haus Nr. 92
>1853: Haus Nr. 92 in der Schulstraße/am Mühlenbrink, Willige
>=1853: Haus Nr. 110 in der Schulstraße, Willige
um 1875: Haus Nr. 110 in der Schulstraße, Müller Theodor Pabst
1900: Schulstraße 2, Louis Deibel

Seit dem steht bis in die heutigen Tage die Adresse mit Schulstraße 2

ENTWURF: An der Stelle des 1906 erbauten Palmenhauses stand zuvor eine Mühle (gennant die Pabstsche oder auch Williges Mühle), die die Schulstraße verengte (mit dem Gebäude gegenüber, heutige Schulstraße 3, war dies um 1500 ein Ausgang aus der Stadt ohne Stadttor hin zur Wiese „auf der Gemeinde“) und somit den aufstrebenden Tourismus und Autoverkehr um 1900 behinderte. Deshalb war der Rat hocherfreut, dass der millionenschwere Besitzer der Villa Deibel diese Mühle hinzukaufte, abreißen ließ und auf kleinerem Grundstück ein Winterquartier für seine wertvollen Pflanzen, insbesondere Palmen, errichten ließ, welches gleichzeitig als Wohnhaus für den Gärtner diente.
Park- und südseitig war die Fassade über zwei Stockwerke verglast, um im Winter genügend Raum und Licht für die im Sommer in großen Kübeln im Garten (heute Stadtpark) stehenden Palmen aufnehemen zu können. Noch bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts lief das Mühlrad, welches Deibel ehedem zur Stromerzeugung für die Heizung seiner empfindlichen Pflanzen einbauen ließ.
Nachdem Louis Deibel sich 1929 von seinen Gebäuden und dem Stadtpark trennen mußte, er verkaufte seinen Besitz an die Stadt Bad Sachsa, diente dieses Gebäude u.a. den Nazis, die seit 1933 die Kreisleitung Südharz der N..S.D.A.P. im Adolf Hitler-Haus in der dann sogenannten Adolf Hitler Straße hierein setzten.
Nach dem Kriege diente das Haus über viele Jahre der Polizei (in dieser Zeit mussten das Mühlrad wie auch Teile der Stadtparkmauer einem Garagenbau weichen); später wurde es städtischer seits für das Forstamt sowie Ordnungsamt der Stadt Bad Sachsa genutzt, die im Mai 2017 in das ehemalige Postgebäude umzogen. Seit dem wartet dieses Haus wieder auf bessere Zeiten!
Was für den Kaiser gut genug ist, kann für den Gärtner nicht schlecht sein….
Das Palmenhaus wurde nach dem Vorbild des 1898 errichteten Kaiserbahnhofes in Joachimsthal errichtet, der mit seinem nordischen Jugendstil bestens zur Villa Nora paßte. 

Zwei sehr ähnliche Gebäude – vermutlich zeichneten die selben Architekten verantwortlich! Oder war es nur eine Inspiration? oder ein Wunsch von Louis Deibel? Auffallend sind Ähnlichkeiten bei u.a. bei Dacheindeckung, Holzverkleidung, Fachwerk, Fenstergestaltung bis hin zu den Verzierungen mit nordischen Mythen. – Eine genauere Untersuchung bietet sich an – mit dem

„Bahnhof Werbellinsee“ [16247 Joachimsthal].
Im Volksmund genannt der Kaiserbahnhof Joachimsthal:
Seit 1898 kam der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm ll., mindestens einmal jährlich zum Jagdaufenthalt in die Schorfheide. Der Kaiserbahnhof (auch Kaiserpavillion genannt) mit der dazugehörigen Bahnstrecke zählt, aus historischer Sicht, zu den bedeutendsten Bauwerken der Region.  Auf Anweisung von Kaiser Wilhelm ll. wurde der Bahnhof “Werbellinsee” errichtet und von 1898-1918 zur bequemen Anfahrt zum Jagdschloss “Hubertusstock” genutzt. Im gleichen Baustil lud auf dem Bahnhofvorplatz die Gaststätte
“St. Hubertus” zum Verweilen und Genießen ein.
(https://zum-kaiserbahnhof.de/geschichte/)

Palmenhaus, Schulstr. 2 in Bad Sachsa
„Plan zum Gärtnerwohnhaus für Herrn Deibel Bad Sachsa.“ gezeichnet von den Architekten Fastje & Schaumann 1906. (Bauamt Bad Sachsa)
Bahnhof Werbellinsee
Im Volksmund genannt der Kaiserbahnhof Joachimsthal

Kaiserbahnhof

„Um von der Hauptstadt in die Schorfheide oder direkt nach Joachimsthal zu kommen, musste man in Britz (1842) bei Eberswalde auf die Kutsche umsteigen. Das galt sogar für den Kaiser. Mit dem Bau der Nebenstrecke Britz-Joachimsthal-Templin-Fürstenberg wurde es vor allem für die kaiserliche Reise zur Jagd wesentlich komfortabler. Hier nahe beim Werbellinsee errichtete man einen Bahnhof, den es so zwischen Berlin und der Schorfheide kein zweites Mal gibt. Dieser wurde im Jahr 1898 eingeweiht. Kaiser Wilhelm der II sorgte dafür, dass eine Bahnstation auch für den Hof und die Staatsgäste entstand. Diese Station erhielt den Namen Bahnhof Werbellinsee (der im Volksmund schon immer Kaiserbahnhof hieß). Joachimsthal erhielt einen zweiten Bahnhof in der Stadt selber.

Der Kaiserbahnhof ist eine in Anlehnung an Schloss Hubertusstock im nordischen Landhausstil errichtete Anlage. Sie besteht aus dem in Sichtfachwerk erbauten Empfangsgebäude für den Kaiser (dem sogenannten Kaiserpavillon), dem Stationsgebäude, den Toilettenhäuschen und dem Hotel und Gasthaus St. Hubertus. Dieses Gasthaus brannte 1950 ab und ist durch einen Massivbau ersetzt worden und dient heute auch als Gaststätte. 

1914 war der Kaiser das letzte Mal hier. In den 20er und 30er Jahren war der Kaiserpavillon dann eine Ausflugsgaststätte, hauptsächlich für Berliner. Nach dem Krieg wurden hier Flüchtlinge untergebracht und Ende der 40er Jahre Dienstwohnungen für Bahnangestellte eingerichtet.

2004 kaufte die Stadt Joachimsthal den Kaiserbahnhof und begann ihn in mehreren Schritten zu sanieren.

Die Bauten sind weitgehend original erhalten. Trotz vorgenommener Einbauten ist auch die Empfangshalle mit ihrer Innenkonstruktion und den Farbfassungen bewahrt geblieben. Bisher sind weder der Architekt noch der Dekorationsmaler bekannt. Selbst das Bahnsteigmosaikpflaster aus dem Jahre 1898 ist nahezu unverändert.

Heute dient der Kaiserbahnhof als Kulturbahnhof und als beliebter Trauungsort. Er trägt den Namen “ Erster Deutscher Hörspielbahnhof “ seit 2006. Hier finden während der Sommermonate eine Hörspielsaison  mit einem abwechslungsreichen Programm für Kinder und Erwachsene, sowie Lesungen statt. Zwischen Ostern und September ist der historische Bahnhof von Freitag bis Sonntag für jedermann frei zugänglich, nur Führungen sind kostenpflichtig.

Das Stationsgebäude, wo früher die Fahrkarten verkauft wurden, hat der verstorbene Künstler Holger Barthel gekauft und es liebevoll restauriert. Leider ist die Galerie geschlossen.“  (https://www.amt-joachimsthal.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=128568 2019-12-29)
[2 Fotos: http://www.amt-joachimsthal.de]

Kreisleitung der NSDAP im Adolf Hitler-Haus

Dieses Haus wurde in seiner wechselvollen Geschichte leider auch von den Nationalsozialisten genutzt. DIESER ARTIKEL ist in ÜBERARBEITUNG !

Oben: Adolf Hitler Haus [Foto: Slg. R. Boehm]
Rechts: Familienbild vor der Kreisleitung der NSDAP
[Heike Lingner, Facebook 20.12.2018]

„NSDAP, Ortsgruppe Bad Sachsa, Adolf-Hitler-Haus, Ad.-Hitler-Str. 2 357“
„NSDAP, Schulungsstätte, Fritz-Sauckel-Haus 247“
[Fernsprechbuch 1935/1936]

„Am späten Nachmittag sammelten sich alle Formationen und hiesige Vereine am Adolf=Hitlerhaus zum gemeinsamen Aufmarsch durch die Stadt…“
[BSN, 02.03.1936]
„Dankopfer der Nation. Neue Einzeichnungen in die Ehrenliste der SA. …
…Bis zum 20. Mai ist noch Gelegenheit gegeben, sich im Geschäftszimmer des Sturmes 8/252 (Adolf Hitler=Haus) in die Ehrenlisten der SA einzutragen.“ [BSN, 16.05.1936]




[BSN, 09.10.1941]
„Aus Bad Sachsa
Führerappell klärt wichtige Fragen

Im Adolf=Hitler=Haus versammelten sich die Politischen Leiter und Führer der Gliederungen zu ihrem monatlichen Appell. Der Hoheitsträger gibt eine Reihe neuer Verordnungen bekannt. …“