Schulstraße 9

Schulstraße 9 (mit Verzierungen über den Fenstern der I. Etage) und
Schulstraße 10 (mit kleinem bäuerlichen Tor und der „Central-Drogerie“)
(1949, Ausschnitt eine AK: Slg. R. Boehm)

Lesen bildet!
oder aber:
Gloria in excelsis deo
sanoris jesu christi emmundet nos ab omni peccato
anno 1594 den 10. Juli

So stand es über der Tür der Knabenschule auf dem Gesimse eingehauen und meint übersetzt:

Ehre sei Gott in der Höhe
Möge der heilende Jesus Christus uns von aller Sünde reinigen
im Jahre 1594 den 10. Juli

Der Stadtarchivar Richard Hallbauer schreibt weiter in seinem Band 3, Seite 138 ff:
„Der Ofen: Das Stirnblatt hat das braunschweigisch-lüneburgische Wappen und die Seitenblätter [haben] ein laufendes Roß, worüber stehet.
Sincere et constanter
[Anm.: Aufrichtig und konsequent]

Über der Tür war eine gute Sanduhr mit 4 Viertel-Gläsern.
Die Schule lag zwischen Johann Erich Dannenberg und Caspar Jödicke.
Beim großen Brande 1718 blieb die Schule verschont.“


  • 1594 erbaut
  • 1700: Haus Nr. 211
  • < 1853: Haus 211 in der Schulstraße, Elementarschule
  • >=1853: Haus 118 in der Schulstraße, Elementarschule
  • um 1890: Schulstraße 9, Volksschule [ab 1905 in der Pfaffenwiese]

Ab jetzt führt dieses Haus bis in die heutige Zeit die Adresse Schulstraße 9

  • <=1900 ff: Buchhändler C. Kälz

Der Besitzer C. Kälz eröffnet im Dezember 1900 die
„Papier- und Buchhandlung“

  • 1905: Foto des Hauses

1907 ff

Krankenzimmer in der Schulstraße 9

(Akte 1907-1919: StABS 1.38.10, Zusammenfassung Anja Danneberg, 2010) 

Ab 1907 bestand der Plan in der Stadt ein Krankenhaus zu errichten [Beginn der Akte im StABS 1.38.10 Krankenhausbau]. 1909 wollte man dies zusammen mit dem Vaterländischen Frauen-Verein durchführen. Es begann eine Auseinandersetzung um die Kosten, insbesondere Folgekosten.

Der Plan scheiterte, der Regierungspräsident in Erfurt war aber wach geworden und verlangte, gefällige und zweckentsprechende Krankenräume einzurichten und verweist auf die

(Mindestanforderungen an Kur- und Badeorte).

Der Regierungs-Präsident zu Erfurt fast am 18. August 1913 zusammen,

„nachdem die Absicht, ein neues Rathaus zu erbauen  vorläufig aufgegeben ist und das alte Rathaus [Anm.: Uffestraße 1] nicht in Betracht kommt“, möchte er gern wissen, „in welcher Weise der Magistrat die Einrichtungen einiger freundlicher Räume zur Aufnahme von Kranken anstelle der bisherigen nunmehr vorzunehmen gedenkt.“

Die Antwort des Magistrats wird mit Datum 17.09. versendet:

„Wir beabsichtigen nunmehr eine Diakonissenstation mit einigen Krankenzimmern einzurichten. Zu diesem Grunde gedenken wir ein kleines Haus mit Schwesternwohung und einigen Krankenzimmern zu erbauen. Die Mittel zu diesem Bau wollen wir aus dem Verkauf des alten Schulgebäudes in der Schulstraße, in dem sich die bisherigen unzureichenden Krankenzimmer befanden und das zu keinem Zweck mehr zu verwerten ist, unter Hinzunahme des angesammelten Diakonissenfonds aufzubringen.
Den Verkauf des alten Schulgebäudes haben wir bereits öffentlich ausgeschrieben und werden wir zur gegebenen Zeit die Genehmigung zum Verkauf desselben besonders erbitten.“

Kurz darauf, in 1914, wird auf den Verkauf des Gebäudes an den Buchhändler Kälz zu einem Preise von 12.000 M hingewiesen.
Es werden 2 Gemeindeschwestern in Mietwohnungen eingestellt. Nach dem Kriege wird die Wohnung der 2. Gemeindeschwester als Krankenzimmer eingerichtet.

Ab spätestens 1919 wurde die Diakonissenstation, welche mit einer Kranken-schwester besetzt war, in den angemieteten Räumen in dem Hause Marktstraße 64 untergebracht. Daselbst ist auch ein Zimmer angemietet, welches als Krankenzimmer eingerichtet ist.
1919 besucht die hiesige Gesundheitskommission im Beisein des Kreisarztes dieses Krankenzimmer, letzterer bezeichnet es als ungeignet.

Leider schließt hier die Akte

  • 1913: Zum Kauf/Einrichtung einer Diakonissenstation mit einigen Krankenzimmern so „das alte Schulgebäude in der Schulstraße, in dem sich die bisherigen unzureichenden Krankenzimmer befanden und das zu keinem Zweck mehr zu verwerten ist, unter Hinzunahme des angesammelten Diakonissenfonds aufbringen. [StABs 1.38.10]
  • >= 1914: Buchhändler Karl Kälz erwirbt dieses bisher städtische „Wohn- und Krankenhaus mit Hofraum, Abort und Holzstall.“
    [StABS I.m.122]
  • 1914: Bau einer Brücke über die Uffe wird vom Magistrat genehmigt
  • 1915: Umbauten durch Karl Kälz [Waschhaus + Lagergebäude]
    [StABS I.m.122]



[BSN, 02.08.1919]

  • 1930: weitere Umbauten [StABS I.m.122]
  • 1933: Kälz Buchhandlung, Inh. Willy Többe, Leihbücherei…
    [Buch „DER KREIS OSTERODE AM HARZ“, 1933]
  • 1936/1936: Adolf Hitler-Str. 9: Kälz, Inh. Karl Fischer. Buch-, Papier u. Schreibw.-Handlung. 394 [Fernsprechbuch 1935/36]

Buchhandlung Kälz
Inh.: Karl Fischer
Mitglied der
Reichsschrifttums-Kammer
Adolf Hitler-Straße Nr. 9
(gegenüber der Kirche)
___________________________
Sämtliche Schulbücher und Lernmittel für Paedagogium
Grlößte Auswahl in Werken
älterer u. neuerer Schriftsteller
Ständig Eingang von Neuheiten
Briefpapier in einfacher und eleganter Ausführung
Kunstgewerbe
[1937/38, Päda-Nachrichten]

wohl Leseausweis aus vmtl. 1943: „Buchhandl. Kälz / Inh. Karl Fischer / Schreibwaren-Kunstgewerbe / Leihbibliothek / Bad Sachsa-Südharz“ „Lehmann Nr. 1055“
um 1956. [Heimatbuch und Wanderführer]
  • 1958: Privatzimmervermieter: Frau Herta Pankalla, 2 Zimmer, 3 Betten.
    1958: Privatzimmervermieter: Frau M. Merbach, 2 Zimmer, 3 Betten.
    [Prospekt 1958]
[BSN, 20./21.02.1960]
  • 1963: neuerstellte Ölheizung [Brief 19.10.1963]
  • 1970: Herr Fuhrmann senior kauft die Buchhandlung von Günter Hofmann im August 1970: Stadtbuchhandlung Fuhrmann. Hofmann hatte auch eine kleine Filiale in Walkenried [Thilo Fuhrmann, Facebook 13.06.2023]
1972 unter Beteiligung der Fam. Fuhrmann [Ansichtskarte CeKaDe-Fuhrmann Saa 0274]
  • 1976: Thilo Fuhrmann kauft die Buchhandlung von seinem Vater kurz bevor er im Krankenhaus Göttingen gestorben war [Thilo Fuhrmann, Facebook 2021]
  • 1970er: „ja, das Haus hatte ich seinerzeit von der evangelischen Kirche gekauft. Pastor Lüke hatte mit mir verhandelt. Und ja, auf dem Grundstück lastete eine Reallast zugunsten von Herta Pankalla. Ich habe dann, Dank der Vermittlung von Herrn Wienecke, die im Grundbuch eingetragene Reallast auf eine privatrechtliche Vereinbarung wandeln können. Herta Pankalla ging dann auch ins Altenheim Haus Feierabend und ich habe sie jeden Monat besucht.“ [Thilo Fuhrmann Facebook 09.04.2025].
    Die evangelische Kirche verkaufte dieses Gebäude zur Finanzierung des Lutherhauses.
vmtl. 1981
Stadtbuchhandlung Fuhrmann/Inh. Thilo Fuhrmann [03.12.1982, Bad Sachsaer aktuelles Echo]




ZEICHNUNG: HEINZ STRAUBE

Wir wünschen Ihnen ein
Frohes Fest
und ein glückliches Neues Jahr

IHRE
STADTBUCHHANDLUNG FUHRMANN

  • 1983: Thilo Fuhrmann verkauft Buchhandlung und Haus an Horst Vollmer, Frankfurt am Main. [„Nach Bad Sachsa gekommen ist Horst Vollmer durch seine Frau, eine Tochter aus dem Hause Dau“] [BSN 01.10.1983]; Vollmers wohnten im Ahornweg 13, das Inventar und die Waren und den Grundbesitz an den dessen Ehefrau Ursula Vollmer, geb. Dau [Vertrag 10.05.1983]. Anneli Hasselkus geb. Helmboldt, Glaseberg 3 kauft Schulstr. 9 [T. Fuhrmann auf Facebook]
Buchhandlung Furhmann geht an Horst Vollmer [HK 01.10.1983]
  • 1983: Mietvertrag zwischen Anneli Hasselkus, Glaseberg 3, und Horst Vollmer über Ladenlokal und mehr.
„85jähriges Bestehen der ältesten Buchhandlung“ [Dezember 1985]
Stadtbuchhandlung Fuhrmann, Inh. Horst Vollmer [BSN 10.03.1987]

Pfingsten 2001
Ursula verh. Vollmer, gebürtig aus der Berliner Familie Dau stammend, war studierte Malerin (auf dem Foto zur Absolvia-Feier mit dem Künstler und Kunsterzieher am Pädagogium Bad Sachsa Manfred Forschner und dessen neuestem Werk); sie arbeitete regelmäßig im Geschäft mit.

Mehr Informationen zum Künstler

Manfred Forschner

Stadtarchivar Günter König: „Bad Sachsa – Vom Bauernstädtchen zum Kurort“
Der Bildband ist ausschließlich in der Stadtbuchhandlung Fuhrmann erhältlich, die für die insgesamt 1000 Exemplare das Alleinverkaufsrecht hat. [BSN, 24.09.1988]
  • ????: Herr Vollmer verkauft Haus und Buchhdlg. an Herrn Gottwald, der vorher Einkäufer bei vmtl. Horten war. [Thilo Fuhrmann 2023]
„Stadtbuchhandlung Fuhrmann, Inh. Peter Gottwald“
linke Quittung: 12.11.1998 rechte Quittung: 27.07.1991, an „Vollmer“

2007:
im linken Teil ist nachwievor die „Buchhandlung Gottwald“
im rechten Teil ist zwischenzeitlich eingezogen „Hasselkus & Haegar OHG – Immobilien /Hausverwaltungen“, die bisher in der Uffestraße 8 logierten.

[20.11.2007, Foto: Horst Möller]
2008, Homepage Hasselkus & Haegar
2011, Werbegemeinschaft [altes Foto!]

Auch hier wurde auf Mittel der Stadtsanierung zurückgegriffen

10.08.2008 [Foto: Horst Möller]. Auf dem Foto ist ein falsches Datum eingeblendet
2009, Homepage Hasselkus & Haegar
14.04.2018: Mittig: Schulstraße 8 mit dem Geschäft für „Uhren & Schmuck“
Rechts: Schulstraße 9 mit „Haar Scharf“ [linker Teil] und „Hasselkus & Haegar [rechter Teil]
  • <>2020: Haarscharf Gbr. Julia Ernst und Melina Reimann, geb. Ernst [eigene homepage 10.01.2021]
  • 2022: Anfang März hängt Werbung im Schaufenster Marktstr. 18, daß der Frisör demnächst in der Marktstraße 18 sein wird

Seit dem Leerstand

Rückseitige Ansicht zur Uffestraße

oben: 05.06.2015
links: 08.07.2013

Der Zugang zur neugeschaffenen Terrasse geht über die ehemalige Toilette, die auf „Halber Treppe“ im Treppenhaus erreichbar war. [2 Fotos: R. Boehm]

Rückseitig ist auch 2026 noch die Zufahrt in und durch die Scheune möglich. Eine der letzten kleinen alten Scheunen der Uffestrasse

oben: 19.03.2023 [Foto: R. Boehm]
links: 02.06.2021 [Foto: R. Boehm]
ca. 13.08.2025 [Foto: R. Boehm]