Walter Neusel

Zigaretten-Sammelbild
1938 [Slg. R. Boehm]

Und was hat die Welt des Boxens mit einem Sachsaer Kiosk zu tun?
Ich bitte um ein wenig Geduld!

Das Box-Highlight 1948

Die Revanche!

Max Schmeling gegen Walter Neusel

[https://www.boxen.de 27.03.2021 und https://www.spiegel.de 21.05.1948 und Hamburger Abendblatt 26.08.2009]

„Walter Neusel gehörte in den 1930er Jahren zur absoluten Spitze des deutschen und europäischen Schwergewichts. Zeitweise war er auf den vordersten Plätzen in den Ranglisten des Welt-Schwergewichts zu finden.“  

Er „fuhr nach England. Seinen Spitznamen »Der blonde Tiger«, große Siege und das Bedürfnis, Weltmeister zu werden, brachte er mit zurück. Der kurz vorher entthronte Max Schmeling wurde ihm zur Prüfung vorgelegt„. 

„Als er im Juni 1934 gegen Max Schmeling in Hamburg vor einer Kulisse antritt, die es nie wieder in Deutschland und Europa geben sollte,  geht es nicht nur darum, wer der stärkste deutsche Schwergewichtler ist, sondern auch darum, wer sich eine bessere Ausgangsposition für einen Titelkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht in den USA verschaffen kann.“ 

Unter den Top 10 der meistbesuchten Kämpfe in der Geschichte des Boxens wird aufgeführt:

„5. Max Schmeling V Walter Neusel 26th August 1934 Crowd 102000 

In this fight Schmeling gave Neusel a boxing lesson for round after round Schmelling continued to beat up Neusel. Until at the end of the 8th round Neusel quit on his stool with blood pouring from his head he was clearly in no state to continue.“ (https://cmboxing.co.uk/tag/max-schmelling-v-walter-neusel/).






Max Schmeling gegen
Walter Neusel 1934

 [1934, Pressefoto:
Slg. R. Boehm]

Verständlich:
„Neusels Frau sieht sogar bei den Sparringsrunden ihres Mannes nicht zu.
Zum Besuch eines richtigen Kampfes ist sie schon gar nicht zu bewegen. Höchstens, daß sie in Bad Sachsa am Radio einmal zuhört. Dort wohnen die Neusels schon seit vielen Jahren, sogar eine Möbelfabrik produziert da unter Walter Neusels Namen. 

Max Schmeling gegen
Walter Neusel
1948

„14 Jahre hat Neusel auf Schmeling gewartet. Mehrmals mußte er ihn auf seine versprochene Revanche anstoßen.
»Meine Antwort werde ich im Ring geben«. Walter Neusel war schon immer Optimist.„
[Der Spiegel 21.05.1948, a.a.O.]

 

„Die große Revanche! SCHMELING gegen NEUSEL“ wollten zwei Tage darauf
am 23. Mai 1948 dann nochmals 40.000 Besucher sehen! [siehe das Plakat].
Der Optimismus von Walter Neusel sollte sich bewahrheiten:
Diesmal setzte sich Neusel mit einem Punktentscheidungssieg über 12 Runden durch. [https://de.qaz.wiki/wiki/Walter_Neusel].
Und was sagte Max Schmeling zu diesem Kampf?
„In seinen Erinnerungen wird dieser Kampf von Schmeling übrigens mit keinem Wort erwähnt.“ [https://www.boxen.de]

Was bleibt von der Box-Karriere des Walter Neusel?
81 Kämpfe,  63 Siege, 12 Niederlagen, 6 Unentschieden. 

Für die Zeit danach beabsichtigte Walter Neusel, sich in Bad Sachsa eine Existenz aufbauen, wie der Zeitschrift „Der Spiegel“ im Januar 1951 zu entnehmen ist. „Walter Neusel will sich nicht vom Boxen zurückziehen; in einem Monat will er wieder boxen.
In einem Brief an den Gemeindevorstand seines Heimatortes Bad Sachsa hatte er sich um die Leitung der städtischen Omnibuslinien beworben. Begründung: Er müsse eines Tages auch an eine gesicherte Existenz denken. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein Fuhrunternehemer bekam die Omnibuslinien, weil er branchekundig sei.“ [Der Spiegel 1-1950].

„Nach der Boxkarriere und das Ende: 

Neusel führte nach seiner Laufbahn in Berlin ein immer recht gut frequentiertes Gasthaus, das seinen Kampfnamen trug: „Zum blonden Tiger“. Daneben war er nicht selten als Beobachter für verschiedene Presseorgane an den Boxringen unterwegs. 

Am 07. Oktober 1964 verstarb er plötzlich in seiner Gaststätte an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 56 Jahre alt. Die besondere Tragik: Sein Sohn Peter erkämpfte sich zwölf Tage später eine Goldmedaille im Rahmen der Ruderwettkämpfe im Vierer mit Steuermann bei den Olympischen Spielen in Tokio. Nachdem er mit seiner Mutter gesprochen hatte, nahm Peter Neusel an den Wett-kämpfen teil. Walter Neusel war es nicht vergönnt, den größten sportlichen Triumpf seines Sohnes noch mitzuerleben.“ 
(https://www.boxen.de)

German coxed four at the 1964 European Championships, Neusel is second from right
[Eric Koch for Anefo – [1] Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05]

Ein Kiosk verschwindet

„Der unschöne Holz-Kiosk…, der nicht zur Verschönerung des Stadtbildes gerade an seinem Platz am Eingang des Kurpark dient, wird demnächst verschwinden.

An seine Stelle tritt ein massiver Verkaufsstand“
„Der Bau, den Baumeister Behnsen ausführen wird, soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.“
[21.09.1950 Osteroder Kreisanzeiger]
Mehr Infos finden Sie zum Thema

KIOSK

Ach ja! Die Antwort bin ich noch schuldig auf die Frage
„Und was hat die Welt des Boxens mit einem Sachsaer Kiosk zu tun?“:

Für seine damaligen späteren Kämpfe hatte er sein Trainingslager eingerichtet u.a. in Benneckenstein sowie im Souterrain des
„Hotel Schützenhaus“ (heute Göbel`s Vitalhotel):



Um 1950

Linkerhand, außerhalb des Fotos das
Hotel Schützenhaus

Blick von der Hindenburgstraße über den Graf`schen Kiosk auf Schützenstraße 5

[Foto: Willi Müller]

„Im November 1947 kam der gelernte Großhandelskaufmann Helmut Graf dann nach Bad Sachsa und stand vor dem Nichts. Ich betätigte mich berufsfremd als Hilfsarbeiter und wurde Sekretär bei Walter Neusel. Das Schützenhaus wimmelte ja nur so von Boxern, sagte Graf. Aber diese Boxer sind es gewesen, die eigentlich den Grundstein für das heutige A&O-Geschäft in der Hindenburgstraße legten. Sie wollten Apfelsinen kaufen, aber nicht bis in die Stadt laufen. So begann man am 1. Mai 1949 in dem 1928 erbauten Kiosk des Busunternehmers Wihelm Bock auf einer Fläche von 2 mal 2 m mit dem Verkauf von Obst und Gemüse. Erst 1956 wurde man für die damalige Zeit modern und fortschrittlich und baute einen größeren Kiosk, der 13 Jahre lang gute Dienste im Bad Sachsaer Kurviertel leistete…“. [BSN 30.04.1974]

[Anmerkungen von Hans-Jürgen Liebau, Facebook 27.11.2018:
„Walter Neusel wohnte bei Kriegsende im Hause Köbrich, dem ehemaligen Hotel Warteberg. Kurze Zeit nach dem Ende des Krieges zog in das Haus, das auch viele Flüchtlinge aufgenommen hatte,…Norbert Nordhoff…“ (VW).]

Walter Neusel [rechts]
Herbert Kleinwächter
beim Trainingslauf
kurze Rast
Im Sommer 1948

[Foto vor der Erbhaistraße 1:
Slg. R. Boehm]

Herbert Kleinwächter war ebenfalls Boxer, aktiv zwischen May 1948 und

Zur Schanzenweihe 1950 war Walter Neusel an vorderster Stelle dabei:

„Walter Neusel durchschnitt das Band und gab die Bahn frei.“
[stehend auf dem Schanzentisch]

[2 Fotos: Karl-Heinz Imse, der danach als erster über die Schanze ging]
[BSN 10.01.1950]
Wer ist der Herr neben Walter Neusel?