Steina
Siehe auch: Vereine

„Die Gründer des Ortes Steina –
waren wohl doch nicht die Glasmacher aus dem Spessart
(wie verschiedentlich angenommen).
Im neunten Jahrhundert war der Harz immer noch unbesiedeltes, von Handelswegen weiträumig umführtes wildes Gebiet.
Karl der Große (742 bis 814) erkannte hier einen besonderen Wert, erklärte kurzerhand das Gebirge zum Reichsbannwald, gewann damit die Grundherrschaft und für die Zukunft freie Hand bei der Besiedelung, Nutzung und Ressourcenausbeute.
Zur Erfüllung hoheitlicher Belange wies Karl Grafschaften aus und setzte eingeschworene, (im Bereich Scharzfeld/Lauterberg Edelfreie) als seine Stellvertreter ein. Für deren Dienste vergab er Lehen, großzügig ausgestattet mit Privilegien sowie Grund und Boden zum Eigentum. Nachfolgend entwickelte sich die Harz-Region zu einem politischen und wirtschaftlichen Zentrum sowie bevorzugtem Aufenthaltsgebiet deutscher Könige und Kaiser. Es entstanden Pfalzen (z.B. Goslar u. Quedlinburg), Klöster (dabei auch Walkenried) und Burgen.
Jagdhöfe (z.B. Bodfeld, Hasselfelde oder Zellerfeld) dienten ihrer Funktion, dort eingerichtete Forstämter übernahmen den Betrieb und sorgten für Sicherheit und Ordnung in der Fläche des Harzes. Innerhalb dieser Forstämter kam es zur Ausweisung von Schutzbezirken, besetzt mit einer Amtsperson.
Eine dieser Schutzbezirke wurde STEINA, benannt nach dem Namen des Gewässers. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Dienststelle zu einem Weiler und Gerichtsort (in Reichsbesitz) ohne Gemeindefunktion (Gründungsjahr nicht bekannt – 11./12. Jh ?)
Alles, was sich bis etwa 15. Jahrhundert in diesem Weiler bewegte und geschah, verschwand (meist wohl in Unterlagen des Forstamtes) oder verrauchte.
Ein Beleg begründete die 700-Jahrfeier Steinas im Jahr 1989: Die Urkunde Kloster Walkenried, in der es um ein Lehen des Grafen von Lauterberg geht, vergeben an die Brüder Mutzeval, die dieses Lehen für 15 Mark Nordhäuser Silber an das Kloster Walkenried verkauft hatten.
Beurkundet
AUF DEM BERG BEI STEINA, 2. SEPTEMBER 1289.
[Jörge Schiers, Glasmuseum Steina, in: Stadtspiegel Bad Sachsa, August 2024, Nr. 8, 1.8.2024, 44. Jahrgang S. 4]

Geschichtliches vom Abbau und der Verarbeitung des
Harzer Dolomits in Steina/Südharz
Steinsägewerk und Schleiferei
Reinhold Beyermann KG
Harzer Dolomit- und Marmorsteinbrüche
Im Jahre 1881 erwarb der Steinmetzmeister Friedrich Beyermann in der sogenannten „Wolfskuhle“ bei Steina ca. 60 Morgen Steinbruchland, um den dort anstehenden Dolomit, der bereits zum Bau des Zisterzienser Klosters Walkenried von den Mönchen für Bauarbeiten verwendet wurde, abzubauen. Er beschäftigte ca. 20 bis 30 Steinmetze. Im Jahre 1919 gab er seinen Betrieb auf und verteilte seinen Landbesitz an seine Kinder. Der Steinbildhauer Reinhold Beyermann, ältester Sohn von Friedrich Beyermann, gründete im gleichen Jahr mit seinem Steinbruch-Erbteil die Firma Reinhold Beyermann (Steinbildhauerei, Bau- und Grabmalarbeiten).
Bis zum Jahr 1935 beschäftigte er je nach Marktlage bis zu 25 Steinmetze. 1936 gab es für das Steinmetzhandwerk einen Aufschwung und es wurden 2 Steinsägen angeschafft. Desweiteren wurde der Steinbruch maschinell verbessert. Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) kam der Betrieb zum Erliegen.
1945 erfasste Reinhold Beyermann trotz Zonengrenzziehung und dem damit verbundenen Verlust seines wirtschaftlichen Hinterlandes sofort die Initiative und baute den Betrieb wieder auf.
1947 trat sein aus dem Krieg zurückgekehrter Sohn, der Steinmetz und Techniker Hans-Joachim Beyermann, in die Firma mit ein. Gemeinsam wurde der Anschluss an den Wiederaufbau gefunden. Die Firma erhielt mehr Mitarbeiter und bildete guten Nachwuchs aus. Der Maschinenpark wurde vergrößert und modernisiert. Der Betrieb wurde voll auf Natursteinarbeiten am Hochbau umgestellt.


Am 01.01.1957 wurde die Firma in eine KG umgewandelt und als solche war sie mit 45 Mitarbeitern eine der bekanntesten Natursteinfirmen Norddeutschlands, die ihre Steine im eigenen Steinbruch abgebaut, im dazugehörigen Sägewerk verarbeiteten und auch selbst verlegt hatten. Namhafte Bauten, zum Beispiel in Hildesheim, Wiesbaden, Köln und Bayreuth, wurden mit Natursteinarbeiten der Firma Beyermann ausgeführt. Außenbehänge aus „Harzer Dolomit“ wurden ebenfalls an Gebäuden verarbeitet.
Auch die Restaurierung des Kreuzgangs des Zisterzienser Klosters in Walkenried zählte zu den bedeutendsten Arbeiten. Die Bögen der Decke wurden hierfür speziell von Steinmetzen angefertigt und später passgenau eingesetzt. Das abgebaute „Harzer Dolomit“ des hiesigen Steinbruches ist eine Gesteinsart der Südharzer Karstlandschaft.
Mitte der Siebziger Jahre wurde der Betrieb an der Steinsäge im Ort eingestellt. Der Abriss des Gebäudes erfolgte im April 2006.
Um der Nachwelt die Geschichte dieses Natursteinbetriebes zu erhalten, hat sich der Förderverein Steina e.V. für eine Rettung der größten und historischen Steinsäge im Südharz eingesetzt. Nach 5 Jahren konnte diese historische Steinsäge durch die Initiative des Vereins in Verbindung mit Fördermitteln vom Land und verschiedenen Sponsoren erfolgreich restauriert und neu aufgebaut werden.
Das Sägeblatt der „Historischen Steinsäge“ hat immerhin einen Durchmesser von mehr als 2 Metern. Große Dolomit-Steinblöcke, die im Steinbruch gebrochen worden sind, konnten mit dieser imposanten Steinsäge weiter verarbeitet werden.
Für den Ort war die Firma Beyermann von großer Bedeutung. Heute steht die Steinsäge in Steina auf dem Kirchplatz und kann von allen Interessierten angeschaut werden.
[26.04.2021: https://www.bad-sachsa.de/bad-sachsa/steina/%5D