Thüringer Bier:
Die Brauerei Sachsenstein der Gebrüder Kellner




Die Vorgeschichte des Bierbrauens
finden Sie ausführlich unter den Stadtrechten

Braurecht:
Bier brauen – Aber der Reihe nach!

1833

Seit dem 19. September 1833 wird von der Familie Kellner Bier gebraut. Der Sattlermeister Wilhelm Kellner erhält die Genehmigung, in der Marktstraße 49 „Gasthaus Zur Krone“ Bier zu brauen.

Das Reihebrauen wird in diesen Jahren eingestellt worden sein; spätestens 1840.


Die Arbeitsgruppe Stadtgeschichte hielt in 1999 fest [Quellen? Zu überprüfen!]:

  • 1893: Geräteschuppen am Eiskeller. Wtw. Caroline Kellner [25.03.1893]
  • 1898: Göpelschuppen u. 2 Aborte. Gebr. Kellner [03.12.1898]
  • 1899: Mälzerei-Anlage. Gebr. Kellner [24.06.1899]
  • 1900: Kühlkeller. Gebr. Kellner [10.10.1900]
  • 1902: Schuppen [01.09.1902]
  • 1903: Kartoffel-Dampfanlage [28.09.1903, s.u.]
  • 1905: Eiskeller [24.07.1905]
  • 1907?: Stall [12.02.1907?]
  • 1960: Gudrun Kellner-Sobotta [22.08.1960]

BRAUEREIEN IN BAD SACHSA – BRAUWESEN

[Vortrag anläßlich der Jahreshauptversammlung des
Fördervereins Heimatmuseum Bad Sachsa e.V.:
Ralph Boehm, unter Mitarbeit von Anja Danneberg. Juni 2016; überarbeitet 2026]

Im 16. Jh. erhielt Sachsa sein Stadtwappen. Links unten (von hinten gesehen) war das Hohnsteinsche Schachfeld in rot-weiß abgebildet,

darüber der nach rechts schreitende schwarze Klettenberger Hirsch.


Die rechte Schildhälfte zeigte zwei Bäume [Einen Laub und einen Nadelbaum].

Über dem Wappenschild stand ein Helm mit 2 Hirschstangen.

Die Stadt Sachsa und das Reinheitsgebot sind ziemlich gleich alt. Das Stadtsiegel ist in Siebmachers Wappenbuch mit 1525 belegt, der Flecken wurde bereits 1452 in einer Hohensteiner Urkunde erwähnt [„mit einem Schultheißen und vier Geschworenen“, Hallbauer I, S. 18] und das Reinheitsgebot feiert in diesem Jahr 2016 sein 500jähriges Bestehen.

In vielen Städten dieser Zeit waren Verordnungen zum Brauwesen erlassen worden; die Bayern haben es am werbewirksamsten verstanden, ihre „Bayerische Landesordnung von 1516“, später als „Reinheitsgebot von 1516“, zu vermarkten.
Die Süddeutschen denken heute immer noch, sie hätten den Fußball und das Bier erfunden!

Immerhin steht in diesem Reinheitsgebot [ins hochdeutsche übertragen]:

„Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“ [Wikipedia].

Aber lassen wir den Bayern diesen Glauben, denn da ist „Hopfen + Malz verloren“, so seit dem 9. Jahrhundert urkundlich belegt. Die Redensart als solche taucht erst im 16. Jahrhundert auf. Goethe schreibt: „Denn oft ist Malz und Hopfen / An so viel armen Tropfen, / So viel verkehrten Toren, / Und alle Müh verloren.“ und die Redeart heißt seit dieser Zeit: „Hopfen und Mals – Gott erhalt`s“

Die ersten Spuren in der Sachse zum Braurecht
finden wir erst in 1647 [in unserem Stadtarchiv: Flurregister 1647, 1.q.1]:

Es ist aber alhier so beschaffen, es ein Jedweder das recht hat zu brauen, und man keine gewiße brauhäuser hat, aber wer brauet muß mehr geben in der contribution alß wer nicht brauet, und steiget und felt daßelbe weil ist kriegs weiße (Kriegsweise).

Hier wird direkt mit einer Sage aufgeräumt, dass viele Häuser, die Braurecht hatten, auch Brauereien gewesen seien – es hatte eben nicht jedes Haus eine Brauerei – allerdings hatten sie das verbriefte Braurecht, wenn sie denn auch „contribution“, also Steuern bzw. Abgaben leisteten.

Eine erste, uns bekannte Brauordnung gab es in Sachsa für die Jahre 1671 bis 1752
[StABS IV.e.1: Brauordnung der Stadt Sachsa 1671 – 1752];
weitere Belege in unserem Stadtarchiv bestehen zum
„Brauwesen und deren Einrichtungen“

[StABS IV.e.2: Brauwesen und Einrichtungen 1714 / 1722]
sowie, damals recht fortschrittlich, zur „Anlegung eines Braukellers 1730 / 1736“
[StABS IV.e.3: Anlegung eines Braukellers 1730 / 1736]
[weiter Quellen im Stadtarchiv: IVe5: Braurechnung mit Ellrich 1752
IVe6: Verkauf von Braugerechtigkeit 1753
IVe7: Abbrauung der Verlose auf dem Aschenhofe 1754
IVe9:Protokolle der Braulose 1758 / 1759
IVe11: Verordnungen über das Brauwesen 1765 / 1766
IVe15: Allgemeines Inventar des Brauhauses 1819, Rechnungen über Böttchergeld 1804 / 1828 usw.].

Aus diesen Unterlagen lässt sich schließen, dass in diesen alten Zeiten
um 1500 folgende der Braukeller immer in der unmittelbaren Nähe des Rathauses gestanden hat; so insbesondere zwischen dem früheren Rathaus in
der Uffestrasse 1 und dem Ratskeller in der Marktstraße.



[Uffestr. 1, Rathaus ab 1855
Foto: Ralph Boehm in 2005]

„Im Jahre 1752 hatte sich der Verein der 72 brauberechtigten Bürger eine neue Satzung gegeben, an dessen Spitze ein Braudirektorium stand. Im Jahre 1833 gehörten diesem die Bürger Stecher, Euling, Lautenbach, Steinicke und Picht an. Ihre Aufgabe war, die durch Los bestimmte Reihenfolge einzuhalten, beim Magistrat Anträge auf Erhöhung oder Herabsetzung der Getreidepreise und damit des Bieres zu stellen, um Erzeugern und Verbrauchern gerecht zu werden. Die technische Leitung hatte Braumeister Seidenstücker, dem die Braumagd Witwe Wentzel zur Seite stand. Besonders wurde darauf geachtet, daß die Zutaten in gehöriger Menge und Güte verwendet wurden. Es wurde von jedem fertiggebrauten Biere eine Probe genommen und verwahrt. Erst dann durfte das Bier verkauft werden. Wehe aber, wenn das Bier durch Wasser verdünnt worden wäre! Ein Vergleich mit der entnommenen Probe konnte jederzeit die Fälschung feststellen.

Eine Aufstellung aus dem Jahre 1831 zeigt uns, mit welch geringem Überschuß dieses REIHEBIER abgegeben wurde. An Ausgaben für Weizen, Gerste, für Brauabgabesteuer, Beköstigung und Braulohn, Holz, Öl, Gewerbesteuer (!), Brauschoß, Hefe und Botenlohn, Hopfen, Schroten, Malzrösten, Salz, Böttchergeld und für das Braulos mußten 114 Rthlr, 28 Sgr 9 Pfg aufgewendet werden, denen an Einnahmen für 56 Tonnen Bier (je Tonne 2 Rthlr 2 Sgr 6 Pfg) nur 116 Rthlr 20 Sgr, dazu für Träber und Kovent (Dünnbier) 1 Rthlr 10 Sgr, zusammen also 118 Rthlr gegenüberstanden. An Verkaufspreisen wurde daraufhin festgesetzt für 1 Quart (1,15 l) 8 Pfg, für 1 Tonne zu 100 Quart 2 Rthlr 6 Sgr 8 Pfg.

Diese Tatsachen mögen Wilhelm Kellner bewogen haben, eine Kesselbrauerei ins Leben zu rufen.“ [BSN 21./22. September 1957].


Vom Trödler in Ellrich habe ich diese schönen alten Aufzeichnungen der Familie Kellner erstehen können:




Rechnung was mich das Nickolaische Haus kost 1829:
233 Taler
[Akte: Slg. R. Boehm]

Am 19. September 1833 „erhielt der Sattlermeister Wilhelm Kellner [1791 im Kloster Walkenried geboren] die Genehmigung zur Aufnahme des Braugewerbes in seinem Hause Marktstraße 49. In diesem Gehöft befand sich früher eine Färberei, so daß nur wenige bauliche Veränderungen durch Maurermeister Gottfried Kälz vorgenommen zu werden brauchten“. [BSN 21./22.09.1957]
Die Brauerei wird als Kesselbrauerei betrieben.

Über die Anfänge der Brauerei Kellner heißt es hier u.a.:


„Bier
zu brauen welches ich von dem Brau Meister Grinart in Northausen gelernt habe,
den 1 Decber 1833.“

[Akte: Slg. R. Boehm]


Auch über „Saures Bier“ läßt sich hier einiges in Erfahrung bingen; vgl. u.a. Martin Voigt 7. April 2014:

„Sauerbier – Die Renaissance eines mittelalterlichen Brauverfahrens

Sauerbiere, saures Bier, pah bloss schnell weg damit… Halt Stop nicht so eilig! Wenn ihr so denkt, dann seid ihr vielleicht dabei den nächsten „Trend“ im Craftbier-Bereich zu verpassen. „Sour-Beer“, ja richtig gehört, „saure Biere„. Was im ersten Moment wie ein Tritt in die Magengegend wirkt, ist auf den zweiten Blick nichts anderes als sehr alte Bierstile bzw. Brauverfahren. Früher unter „Verwendung“ wilder Hefen wird heute obergärig gebraut, wobei neben der alkoholischen noch eine bakterielle Michsäuregärung stattfindet, die zu dem sortentypischen säuerlichen Geschmack führt.

So verbergen sich hinter eigentlich bekannten Namen wie zum Beispiel „Berliner Weisse“ und „Gose“ nämlich diese Sauerbiere, die dann ja durchaus eine gewisse Bekanntheit geniessen. Nicht destotrotz ist auch dieser Bierstil einer, der lange Zeit quasi ausgestorben schien und nur von wenigen Brauereien noch hochgehalten wurde. So gab es alleine in Deutschland vor 150 Jahren noch über 100 Brauereien, die dieses Bier brauten – heute ist nurmehr eine Einzige übrig geblieben, das „Berliner Kindl“.

Ebenfalls bekannt ist die „Gose“, die ihren Namen von einem Fluss im Harz hat aus dem dortige Braumeister im Mittelalter ihr Brauwasser entnahmen. Auch die Gose weist bedingt durch das Herstellungsverfahren eine erkennbare Nähe zu der Berliner Weissen bzw. zu Lambic Bieren aus Belgien auf, die ebenfalls

zu der Familie der Sauerbiere gehören und gerade in der Gegend um Leipzig – das auch mal „Gosestadt“ genannt wurde – eine Renaissance erlebt.


Somit ist eigentlich schon klar: Ganz so ausgestorben waren diese Biere also doch nicht. Die Verbreitung ist jedoch regional sehr eingeschränkt gewesen und in der allgemeinen Wahrnehmung eher als Spezialitätenbier bekannt gewesen.

Die Kombination „Mittelalter“ und „Braukunst“ ruft sofort Assoziationen mit einem in der Nähe von Wien beheimateten Braumeister auf, der sich mit seinem Roman „Der Bierzauberer“ nicht nur historisch mit diesen Bieren beschäftigt, sondern auch selber braut. Die Rede ist natürlich von Günther Thömmes mit seiner „Gose“ aus der Bierzauberei.“ (http://www.probier.at/2014/04/07/sauerbier-die-renaissance-eines-mittelalterlichen-brauverfahrens/).

Aber ich will es Euch nicht wie Sauerbier anpreisen!

Denn in diesem Buch gibt es auch noch weitere schöne Rezepte, so u.a. für Schokoladenbonbons [nach einer Rezeptur von Emma Hilpert, 1897, verheiratet mit Braumeister Wihlhelm Kellner – aufgebot bestellt am 1.10.1898].

Schokoladenbonbons

Mache man folgen maße.

½ Pfund harten Zucker
¼ Pfund Schokolade
¼ Liter Sahne
und etwas Zitronensaft
rühre man auf dem Feuer so lange,
bis alles geschmolzen und lasse es
dann eine Weile kochen.

Um zu probieren, ob es genug
gekocht hat, nehme man von
der Masse einen Löffel voll
und schütte es in kaltes Wasser.

Erkaltet die Masse, dann ist sie
fertig gekocht und nehme sie
aldann vom Feuer, gießt sie
in ein von alle vier Seiten
geschlossenes Blech, das vorher mit
Butter bestrichen ist. Wenn die
Masse geronnen ist, schneit man
sie in regelmäßige kleine
Stücken, und breche sie aldann
von einander. Wenn sie erkaltet sind.

Aber zurück zur Brauerei Kellner.

Am 23. Januar 1857 übergibt Wilhelm Kellner sen. die Brauerei seinem Sohn Robert, der ebenfalls das Brauhandwerk erlernt hatte; „am 15. März 1890 trat Wilhelm Kellner jun. das Erbe seines Vaters an, er führte die Brauerei bis zum Jahre 1899 im alten Hause weiter, legte aber bereits zusammen mit seinem Bruder Robert den Grundstein zu dem neuen Werke in der Walkenrieder Straße“, auf dem sogenannten OCHSENPLAN.

Mehr zu diesem Gelände
sehen Sie bitte unter

Sachsensteinstraße 2

Mehr zum Begriff
sehen Sie bitte unter

Ochsenplan

Links: ZfdH 19.10.1897
Oben/Unten: ZfdH 30.10.1897

„Antrag der Gebr. Kellner um käufliche Ueberlassung des sog. Ochsenplanes behufs Anlage einer Bierbrauerei. Diesem Antrage wird ebenfalls zugestimmt und der Kaufpreis auf 750 Mk. pro Morgen festgesetzt.“

1897 (rotes Oval): „Ochsenplan“ [Brauerei Sachsenstein der Familie Kellner]
2026 [rotes Rechteck: „Ochsenplan“ [TerraWeb Geoportal LK Göttingen]
1897 [StABS V.p.17, Brauerei/intus: Zeichnungen zu eine Bierbrauerei Anlage für die Herren Gebr. Kellner in Sachsa]

„Gebrüder Kellner“ mit dem Sitze in Sachsa eingetragen. Die Gesellschafter sind die Brauereibesitzer Robert und Wilhelm Kellner in Sachsa. Die Gesellschaft hat am 9. Juni 1899 begonnen. Zur Vertretung derselben ist jeder der Gesellschafter ermächtigt. Ellrich, den 18. Oktober 1900. Königliches Amtsgericht. Ellrich. 59516][Deutscher Reichsanzeiger 27.10.1900]

Bis 1899 wird das Bier auf dem Gelände Marktstraße 52 gebraut.


Dort befindet sich dann auch ein Eiskeller, wie er bspw. auch im Hotel Schützenhaus und in der Stadtparkschänke vorhanden war.

[XII.n.16: Gebäude allgemeines/ Widerruflich genehmigte Anlagen (S. 11 Lageplan einer Anlage für Kellner),
V.q.30: Handwerk, Handel usw (Genehmigung der Brauerei – blaue Skizze)
XX.c.5: Foto einer Herrengruppe (erhalten von Frau Creutzberg. Personen auf dem Foto: Friedrich Pfeffer, Otte Heise, Karl Wand, Malermeister Schäfer, Hermann Schäfer, Dräger, K. Recht, Friedrich Kälz, Leopold Nicolaus, Karl Wiegmann, Wilhelm Kellner, Friedrich Weber, Creutzberg, Karl Wiedemann, Ferdinand Adam, Kahelberg, Fritz Wiedemann)].

Sachsa. d. 20. Mai 1903
gez. v. Rob. Kälz Mmstr.
Gebr. Kellner

„Zeichnung zum Neubau eines Schuppens für die Bierbrauereibesitzer Gebr. Kellner in Sachsa.“

inkl. Lageplan

Die „Brauerei, Stall und Neubau befinden sich in einem Dreieck, welches gebildet wird aus dem „Sandweg“ im Osten [heute Sachsensteinstaße], der „Strasse nach Ellrich“ im Norden [heute Walkenrieder Straße] und der Bahnhofsstraße/Uffe im Westen. Die eigentliche Brauerei befindet sich im langgezogenen schmalen Baukörper oberhalb des künstlich angelgten „Teich“es zur Eisgewinnung
[„bis nach dem Krieg. Das Eis wurd auch vom Pferdeteich geholt.“ Lothar Gehlhaar auf Facebook 27.01.2022]; auf dem Gelände gab es einen Eiskeller.

Sachsa.
d. 28. September 1903
gez. v. Rob. Kälz Mmstr.
Gebr. Kellner

„Zeichnung zum Anbau einer Kartoffel-Dämpfer Anlage für die Bierbrauereibesitzer Herrn Gebr. Kellner in Sachsa.“

inkl. Situationsplan

„1905 wurden die dortigen [Anm.: am Ochsenplan] Anlagen bedeutend erweitert, wobei auch neuzeitliche Maschinen angeschafft wurden.

„Schon 1897 gründete
Wilhelm Kellner in seinem Gasthaus ZUR KRONE eine gute und billige Schülerherberge“.
[BSN 23./24.06.1962]

„ff. Biere aus reinem Malz
und Hopfen aus der
Leipzig-Reudnitzer Brauerei…
Flaschenbierhandlung.
Für Schüler ermäßigte Preise.“

22.06.1900 [Kur= und Fremdenliste No. 5]

1938 wird im Reichsanzeiger 1933/1940 veröffentlicht: „Gebrüder Kellner, Sachsa. Die Firma ist wie folgt geändert: Brauerei Sachsenstein Gebrüder Kellner. Der Brauereibesitzer Wilhelm Robert Kellner ist aus der Gesellschaft ausgeschieden. An seiner Stelle ist der Brauer Fritz Kellner in die Gesellschaft eingetreten“ [Deutscher Reichsanzeiger 08.04.1938].

Gebraut
vom Thüringer Brauer
aus Gerste
vom Thüringer Bauer

THÜRINGER BIER
AUS DER BRAUEREI SACHSENSTEIN
Gebrüder Kellner,
Bad Sachsa
[AK: Slg. R. Boehm]

Aber kurz darauf:
Ein tragisches Geschick ließ die Brüder die Ernte ihrer Arbeit nicht einholen. Die männlichen Erben der Familie starben aus – der letzte Fritz Kellner, Sohn des Robert Kellner und der Frau Bertha,…, kehrte aus Stalingrad nicht zurück. Übrig blieb ihre Tochter Bertha Kleemann, geb. Kellner, in Leipzig und die Enkelin Gudrun Kellner, die zur Zeit eine Hotelfachschule besucht.“ [so 1957 in den BSN 21./22.09.1957].

Nach dem Krieg endet deshalb die Brautätigkeit.

Zwischenzeitlich sind auch Gudrun Kellner und ihr späterer Ehemann, Herr Sobota, verstorben.


Aufgrund dieser Verhältnisse wurden die Brauerei Sachsenstein samt Anlagen am Ochsenplan wie auch die Gaststätte „Zur Krone“ langfristig in 1940 an die Nordhäuser Aktienbrauerei und nach Kriegsende an

o.D. Das ehemalige Brauerei-Gelände an der heutigen Sachsensteinstraße[Foto: Fam. Krautz]

die Göttinger Brauerei verpachtet. Zu den Betreibern der renommierten Gastwirtschaft gehören u.a. seit 1912 die aus Braunlage stammenden Großeltern des heutigen [2016] Bad Sachsaer Bürgermeisters Dr. Axel Hartmann [auf Facebook 01.02.2021, BSN 03.07.1986];
1936 der Gastwirt Kurt Mollenhauer, der 1953 die Krone nach erheblichen Umbau und Verschönerung wieder eröffnete [links: BSN 25.04.1953]:

„Im Verein mit hiesigen Handwer-kern und Arbeitern hat Dr. Stolberg, Goslar, früher Nordhausen, der auch die berühmte FINKENBURG in Nordhausen umbaute, dieses alte Gebäude in Raumaufteilung und Raumschönheit in den vergangenen Wochen so umgestaltet, daß man die Lösung der gestellten Aufgabe als wirklich glücklich bezeichnen kann. Schon die neuen Fenster geben dem Aeußeren ein gemüt-liches Aussehen. Alles, einschließ-lich der neuen Fremdenzimmer, strahlt Gemütlichkeit und Wärme aus. Unser Kurort ist damit um ein Schmuckkästchen reicher geworden…
… Der jetzige Pächter der KRONE, Gastwirt Kurt Mollenhauer, bewirt-schaftet die Gaststätte seit 1936.“
Kurt Mollenhauer wird von seinem Namensvetter Kurt Karlstedt in den 1950/1960er Jahren abgelöst.




Das ehemalige Brauerei-Gelände an der heutigen Sachsensteinstraße

[1975:
4 Fotos: Fam. Krautz]

Nachdem Dieter Lückmann auch hier ein Gastspiel abgab, übernahm der heute noch sehr vielen gut in Erinnerung verbliebene Grieche Konstantin Dritsos, genauer „Der Grieche“, mit seiner Familie um 1975 das Lokal und brachte mit seinem „DIONYSOS“ griechische Spezialitäten in unsere Kurstadt [Häufig war sein Freund und Sänger Costa Cordalis bei ihm zu Besuch]

1960er Jahre:

Die Göttinger Brauerei als Pächter der
Brauerei Sachsenstein.
[Foto: Horst Möller Facebook 12.5.2024].
„Sachsensteinstraße.
Da wo Frotschers Werkstatt ist,
der Hof von Abendroth
[K.-F. Borchling Facebook 12.5.2024].
Ein Begriff für Qualität
GÖTTINGER
Pils Export Edel-Pils
Die beliebten und bevorzugten Spezialbiere der
Städtischen Brauerei zu Göttingen
Niederlage Bad Sachsa

1975: Stadtarchivarin Eckhardt hält fest:
„Das ehemalige Brauereigelände befand sich hinter einem zuge-schütteten, flachen Teich, dem man früher das Eis im Winer für Kühlungszwecke entnahm.“ Heute: Firma Frotscher W.u.K. Audi-NSU-Auto Union.


Zu guter Letzt noch 2 Anmerkungen:

  1. 1847 lassen sich im Stadtarchiv der Wunsch nach einem Neubau einer Brauerei belegen: ein gewisser Sondermann stellt den Antrag auf Errichtung einer Brauerei auf seinem Grundstück in der Marktstraße heute Nr. 42 (den Sachsaern bekannt als zur Familie Oberthür gehörig) und
  2. muß erwähnt werden der Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Reinhardt, als Sohn eines Seifensieders 1844 in Sachsa geboren, stieg er auf zum Leiter der Riebeck-Brauerei in Reudnitz=Leipzig; wurde 1911 Ehrenbürger unserer Stadt, sein Sohn wurde Generaldirektor dieser Brauerei und welche bedeutende Rolle er im Brauwesen spielte, soll in einem gesonderten Beitrag erörtert werden.
  3. DANKE

Der „Geschichte des Brauereiwesens von Bad Sachsa“, verfasst von Horst Möller ist zu entnehmen:
Geschichte der Brauer – Familie Kellner aus Bad Sachsa
Brauerei Sachsenstein

1752      In Sachsa gibt es nun einen Verein mit 72 brauberechtigten Bürgern, dessen Existenz  im Verlauf der Geschichte noch eine Rolle spielen wird.

1791      Am 01. Mai wird Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  im Kloster Walkenried geboren.

1793      Dorothea Caroline Friedrich  wird in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni in Gratzungen geboren, spätere Frau von Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner.

1823      Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  siedelt nach Sachsa über und kauft sich hier an.

1824      Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  heiratet am 28. Januar Dorothea Caroline Friedrich. In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober wird deren Tochter Ida Eilati  geboren.

1829      Am 26. September wird der Sohn von Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner  und dessen Frau Dorothea Caroline geboren und am 26. Oktober auf den Namen Heinrich Carl Robert  getauft.

1833      Seit dem 19. September wird von der Familie Kellner Bier gebraut. Der Sattlermeister Wilhelm Kellner  erhält die Genehmigung, in der Marktstraße 49 „Gasthaus Zur Krone“ Bier zu brauen. In dem dahinter liegenden Gehöft war früher eine Färberei untergebracht, somit musste der Maurermeister Gottfried Kälz  nur geringe bauliche Veränderungen vornehmen. Die Brauerei wird als Kesselbrauerei betrieben (siehe Beitrag über Verein der brauberechtigten Bürger).

1853      Am 04. August verstirbt Dorothea Caroline Kellner, geb. Friedrich

1857      Am 23. Januar übergibt Wilhelm Kellner sen. seinem Sohn Wilhelm die Brauerei in der Marktstraße 49, nachdem dieser das Brauhandwerk erlernt hat.

1862      Am 15. Juli verstirbt Ida Eilati Kellner  in Wieda. Am 28. Dezember heiratet Robert Kellner   Marie Auguste Karoline Reinhardt  aus Sachsa.

1867      Am 14. August wird Wilhelm Robert  als Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  in Sachsa geboren.

1869      Am 28. Januar wird Karl Friedrich Ferd. Wilhelm  als 2. Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  in Sachsa geboren.

1870      Als 3. Sohn von Robert Kellner  und seiner Frau Marie Auguste Karoline  wird Friedrich Adolph  am 27. Oktober in Sachsa geboren.

1875      Am 09. Oktober stirbt Heinrich Friedrich Wilhelm Kellner.

1890      Heinrich Carl Robert  stirbt im Alter von 61 Jahren an Schlaganfall und Gehirnblutung.

1893      Friedrich Adolph stirbt am 25. Juli im Alter von nur 23 Jahren.

1897      Wilhelm  und sein Bruder Robert Kellner  beginnen in der Walkenrieder Straße, Ecke Sachsensteinstraße, eine neue Brauerei aufzubauen. Die starken Wände des Eiskellers werden aus Steinen der Klosterruine in Walkenried errichtet.

1899      Bis zu diesem Jahr wird der Braubetrieb in der Marktstraße 49 weitergeführt.

1905      Die Anlagen der Brauerei Walkenrieder Straße, Ecke Sachsensteinstraße werden bedeutend erweitert und mit modernen Maschinen versehen.

1936      Am 23. November verstirbt Marie Auguste Karoline Kellner.

1945      Nach dem Krieg endet die Brautätigkeit. Der letzte männliche Erbe Fritz Kellner, Sohn von Robert  und Bertha Kellner kehrt aus Stalingrad nicht zurück. Es leben noch Bertha Kellner,  ihre Tochter Bertha Kleemann geb. Kellner  und die Enkelin Gudrun Kellner.

1949      Die ehemalige Brauerei in der Sachsensteinstraße wird als Brauerei-Niederlage der Städtischen Brauerei zu Göttingen einer neuen Nutzung zugeführt.

1957      Am 21. September feiert Bertha Kellner  ihren 80. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt existiert das „Gasthaus Zur Krone“ als altdeutsche Gaststätte, auf dem Hinterhof die Baustoffhandlung Schmidt als Pächter, in Wieda das Gasthaus „Zur Erholung“.

Zum Teil entnommen dem Göttinger Tageblatt / Bad Sachsaer Nachrichten vom 21/22. September 1957

neu zusammengestellt von  Horst Möller – Goethestraße 12 – 37441 Bad Sachsa

E-Mail-Adresse  horstmoeller@gmail.com

26.09.2026: http://www.bad-sachsa-geschichte.de/index.php?option=com_content&view=article&id=31&Itemid=50