Weitere Kinderheime + Säuglingsheime
Steinaer Straße 13
Privat-Säuglingsheim [Entbindungsheim mit „Schwester Ch. v. Steinmetz“]
KLV-Lager Pension Dreger (Thür. 43), Pfaffenberg 5
„Kinder müssen mit den Erwachsenen
viel Geduld haben“
(Antoine de Saint-Exupéry)
In dieser Werbebroschüre [vermutlich 1976 herausgegeben; Slg. R. Boehm] äußert sich
Dr. med. Karg, Kinderarzt
(tätig insbesondere im „Borntal“)
über
„KINDER IN BAD SACHSA“


Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
„Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung“ angeregt worden ist
[Vorsitzende: Anja Röhl, http://www.verschickungsheime.de]
Neuigkeit zur Petition 09.04.2025
Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
Aufarbeitung der Kinderverschickungen ist Teil des Regierungsprogramms von CDU/CSU und SPD
Anja RöhlBerlin, Deutschland
09.04.2025
Liebe Verschickungskinder, liebe Interessierte,
soeben wurde in der Pressekonferenz der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vorgestellt. Wir haben es geschafft: Unsere Forderung nach Aufarbeitung der Kinderverschickungen ist Teil des Regierungsprogramms geworden und unser Anliegen klar benannt. In Zeile 3212/3 heißt es wörtlich:
„Wir unterstützen die Aufarbeitung der Misshandlungen von Kindern bei Kuraufenthalten zwischen 1950 und 1990 durch die ‚Initiative Verschickungskinder‘.“
Damit ist für uns, die Initiative Verschickungskinder, nach sechs Jahren ein großer Schritt gelungen: Endlich bekennt sich auch die Bundesregierung zu ihrer Verantwortung für die Geschehnisse und die notwendige Aufarbeitung.
Wir möchten uns ausdrücklich bei den Mitgliedern von CDU/CSU und SPD in der AG „Familie, Frauen, Jugend, Senioren und Demokratie“ bedanken, dass wir jetzt eine Chance erhalten, die Aufarbeitung der Kinderverschickungen auf Bundesebene wirklich voranzubringen. In den nächsten Monaten werden wir das Gespräch mit der neuen Bundesregierung suchen, um geeignete Wege zur Umsetzung zu finden.
Das ist ein großer Schritt für den Kinderschutz in Deutschland, und es ist ein wichtiges Zeichen für die Betroffenen. Endlich werden wir gehört, endlich wird uns geglaubt!
Voll Freude und Zuversicht grüßen euch sehr herzlich eure
Anja Röhl, Christiane Dienel, Ilona Yim und Uwe Rüddenklau
[persönliche Anmerkung Ralph Boehm: Wir hoffen auf die Umsetzung!]
Einrichtungen für Kinder des 20. Jahrhunderts
in Bad Sachsa.
Zusammengestellt im Februar 2017 von Ralph Boehm
für den Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften Martin Völz
Im Zuge der Verdreckung der Großstädte durch die Industriealisierung wie auch durch die rasant steigende Zahl der Ofenheizungen, sehnten sich die Vermögenden um die Wende zum 20. Jhd. nach der Sommerfrische. So wandelte sich Bad Sachsa (parallel auch z.B. Bad Harzburg) zum bevorzugten Städtchen für, und sie wurden gezielt mit günstigen Konditionen und bester Luft am Walde gelegen beworben, Adlige, Hohe Offiziere, Höhere Beamte, Rentiers (und damit auch ihrer Witwen!). Rund ein halbes Jahrhundert sprossen die Villen jeweils im 2-Jahres-Rhythmus in Bad Sachsa auf dem Pfaffenberg und auf dem Brand wie die Pilze aus dem Boden.
Die hiesigen Bauunternehmer konnten diese Villen bereits in der Bauphase verkaufen und weitere Projekte angehen. Es entwickelte sich hier vor Ort eine Spielart der „Bäderarchitektur“. Nach den Verlusten des I. Weltkrieges und den sich anschließenden wirtschaftlichen Schierigkeiten zu Beginn der 1920er Jahren wurden viele dieser Villen umgenutzt. In erster Linie wurden die prächtigen Anwesen zu touristischen Häusern als Hotel betrieben, andere Häuser wurden für
Einrichtungen mit geringem Aufwand umgebaut, um sich mit den Jüngsten der Gesellschaft auseinandersetzten.
So entstanden aufgrund der auch damals vorbildlichen klimatischen Bedingungen
1) Entbindungs-und Säuglingsheime,
2) Kinderheime und
3) Töchterheime
[auf 4) Kindergärten wird hier nicht eingegangen],
die kurz jeweils in alphabetischerReihenfolge genannt seien:
- Entbindungsheime (E) + Säuglingsheime (S)
Mönkemann, Borntal (E), Borntal (1947 bis 1950er Jahre)
Müller von der Lehr (S), Steinaer Str. 13 (1933 bis 1940)
von Steinmetz (S), Glasebergstr. 14 (1930 bis 1937) - nachgewiesene Kinder(kur)heime
Bergfrieden, Steinaer Str. 24 (1955 bis in die 1990er Jahre)
Borntal (1936 bis 1992)
„Kinderheim Böttcher-Ramdohr“, Glaseberg 3 (1935 bis >= 1951, Dr. Deimler)
„Pension Dreger“, Pfaffenberg 5 (KLV, 1941ff)
„Kinder-Kurheim Haus Kern“, Walkenrieder Str. 1, Ringstr. 48 (1957 bis 2001)
„Kinderheim der Inneren Mission – Konsul-Albert-Heim“ (seit 1929ff, u.a. 1962)
„Evang. Kinderkurheim Krüsmann“, Kinderheim der Luftwaffe u.a. (1940 bis 1960er)
Lüding, Walkenrieder Str. 1, Bahnhofstr. 54 (<=1945 bis 1971, seit 1942: Frl. Richter)
„Kinderheim Pfaffenberg“, Pfaffenberg 19 (1940 bis >=1947)
„Kinderheim Frl. Richter“, Walkenrieder Str. 1 (wohl 1935 bis ca. 1945, dann LÜDING)
Kinderheim „Haus Sonneneck“, auch Kindergarten (1930er Jahre, Dr. Stöhr)
„Kinderheim Sonnenschein“ (um 1925, Wohlfahrtspflege)
„Kinderheim Thieke“, Schillerstr. 7, auch Kindergarten (1943 bis 1950)
„Kinderheim Warteberg“, Steinaer Str. 30 (<=1942 bis >= 1971) - Töchterheime
Im Volkmund als „Pudingschulen“ verulkt, boten sie doch eine umfassende wissenschaftliche, künstlerische wie auch sprachliche Bildung, die auch mit anerkannten Abschlüssen beendet werden konnte:
FRANZISKA, Frl. Goebel, Glaseberg (um 1921)
HUWE-POTTHOFF, Talstr. 7 + Steinaer Str. (1896 bis 1931)
MARIA ERIKA, Waldsaumweg 15 (<=1916 bis >=1921)
Martha Hirschberg, auch Kindergarten (1917 bis 1919)
Scheller-Witzell, Bismarckstr. (1916 ff)
von Knobelsdorff, Haushaltungsschule (1916 bis >=1940)
Drei bedeutenste Kinderheime, aufgrund Langlebigkeit und überregionalem Ruf, waren sicherlich die Häuser, die mit den Namen Dr. Wilhelm und
Dr. Köbrich in Verbindung gebracht werden können, sie werden nun etwas ausführlicher dargestellt:
Während seiner Ausbildung zum Kinderarzt arbeitete Dr. Fritz Wilhelm an der Kinderheilanstalt Dresden als Assistenz- und Oberarzt. 1941 wurde ihm die Leitung dieser Anstalt übertragen, die er bis zum Bombenangriff im Februar 1945 innehatte. Der Rest der zerbombten Klinik wurde mit den Patienten nach Mittweida und später nach Bad Sachsa evakuiert. Nach anfänglicher Unterbringung im Sanatorium Kronberg auf Eulingswiese in Bad Sachsa
übersiedelte die Klinik im Oktober 1945 ins Borntal, wo auch Dr. Wilhelm mit seiner Familie seine Wohnung hatte. Er leitete das Kinderkrankenhaus im Borntal mit einem Stab von Mitarbeitern, die von der Assistenzärztin (Dr. Erika Kronberg, s.o.) über die Schwestern bis zu den Putzfrauen und natürlich den kranken Kindern aus Dresden (40 Säuglinge, 19 elternlose Kinder) mitgenommen waren.
In der Folge standen insbesondere Tuberkulose-Nachbehandlung im Forder-grund, außerdem wurden dann eine Säuglings- und Entbindungsstation ange-schlossen. In 1952 versuchte Dr. Wilhelm das Krankenhaus zu erwerben, was ihm nicht gelang. Das Diakonissenhaus in Harzburg übernahm die Anstalt; die ärztliche Leitung blieb bei Dr. Wilhelm; 1967, Dr. Karg wird Chefarzt, wird das Kinderkrankenhaus Akut-Krankenhaus für den Landkreis Osterode am Harz. 1984 erfolgte der Anbau eines Kliniktraktes mit 30 Betten. Insbesondere mit der Behandlung von Mukoviszidose machte sich das Haus einen sehr guten Namen. Es wurde aus gesundheitspolitischen Gründen 1992 geschlossen. Neben seiner Praxis in Herzberg (seit 1955) betrieb Dr. Wilhelm von 1955 bis zu seinem Tode das Kinderheim „Haus Bergfrieden“ (verkauft durch seine Frau in 1992), anfangs wurden 45 Dauergäste – Kinder aus Berlin – versorgt. Später wurde die Einrichtung baulich erweitert, so daß schließlich mit 120 Kindern Kuren von 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden konnte.
Das Borntal mit seinen 10 Häusern wurde ursprünglich von der Daniel Schnakenberg-Stiftung (Bremen) gebaut und 1936 eröffnet zu Erholungs-zwecken für insbesondere bedürftige Bremer Kinder. Die NSV übernahm umgehend die Belegung des Kinderheims. Infolge des Attentats am 20. Juli 1944, es wird insbesondere mit dem Namen Stauffenberg verbunden, die Attentäter wurden teils noch in der Nacht hingerichtet, die Ehefrauen i.d.R. ins KZ verbracht, die Kinder 16 und älter ins KZ verbracht, wurden die Kinder 15 und jünger (das jüngste war 1 Monat alt!) in Sippenhaft in genau diese Gebäude im Borntal in Bad Sachsa untergebracht. Die Kinder konnten teilweise erst im November 1945 zu überlebenden Verwandten gebracht
werden. Eine öffentliche Dauer-Gedenkausstellung erinnert heute in Bad Sachsa an diese Vergangenheit.
Das Kinderheim Warteberg auf dem selbigen wurde 1942 (oder kurz davor) durch Dr. Rudolf Köbrich in dem ehemaligen Hotel Warteberg eröffnet. Anfänglich u.a. durch die Kinderlandverschickung (KLV) getragen wurde das Haus ab 1952 als „Kindergenesungsheim Warteberg“ durch Witwe Elfried Köbrich weitergeführt; ab 1965 wurde das „Haus Warteberg“ bis nach 1971 innerhalb der Familie weitergeführt von A. Köbrich.
In dem „Kindergenesungsheim Warteberg“ wurden beispielsweise 1950 durchschnittlich 125 Kinder betreut duch 1 Jugendleiterin, 5 staatl. geprüfte Kindergärtnerinnen, 1 staatl. geprüfte Kinderpflegerin, 1 Helferin
unausgebildet, 1 Köchin, 6 Haus- und Küchengehilfinnen, 2 Tagesfrauen für Wäscherei und Näherei, 1 Arbeiter für Landwirtschaft und Hausmannsarbeiten, 1 Krankenpflegerin nach Bedarf.(vgl. StABS 471/01).
KINDERHEIME
in Bad Sachsa
„Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal!“.
Auszüge einer Diskussion auf Facebook im März 2021
(unvollständig):
A: „Kann einer was über die Zustände in Kinderheimen [in Bad Sachsa] in den 50iger bis 80er Jahren erzählen? Ich habe einige Tatsachenberichte gelesen und wenn nur die Hälfte war ist, musste das ja erbärmlich gewesen sein…“.
B: „Diese Zustände gab es in fast allen Kinderheimen in Deutschland. Ich war über den Bund der Kinderreichen Familien 1960 zur Kinderverschickung an der Ostsee in Kellinghusen. Es war dort genauso, wie in der Reportage gezeigt.
Die Sachsaer Kinder kamen nach Lübeck Brodten oder Kellenhusen. Mich hat man mehrmals bestraft, weil ich morgens den Haferschleim nicht gegessen habe usw“.
C: „Ähnlich schlechte Erfahrungen im Solling 1964 gemacht“.
D: „1956 im Kinderheim Brodten an der Ostsee. Aus heutiger Sicht muss man so einiges kriminell nennen, was dort geschah. Dr. Loch hatte es empfohlen. Ich fuhr in einer Rotes Kreuz-Gruppe dorthin und sollte mich während vier Wochen erholen. Ich kam richtig krank zurück und musste mich in Bad Sachsa erholen!“.
E: „Es ist nicht schön, was so alles geschrieben wird. Ich bin in einem Kinderkurheim aufgewachsen. Meine Eltern würden sich sehr grämen, wenn sie dieses alles mitbekommen hätten. Das Kurheim was das Lebenswerk von Herrn und Frau Kern. Das Wohl der Kinder stand immer an erster Stelle und vor ihrem eigenen. ich habe noch viele Briefe von ehemaligen Kurkindern, die sehr gerne in Bad Sachsa waren und häufig zu Besuch kamen, oder zum erneuten Kuraufenthalt. Im Bezug zum HAUS KERN kann ich solche Vorwürfe nicht bestätigen!“.
F: „Wibke Bruns berichtet anderes aus Bad Sachsa. (Foto 1: Wilbke Bruhns, Nachrichtenzeit, Meine unfertigen Erinnerungen, Diogenes, Foto 2: …Außererdem war es gut, die anderen kennenzulernen. Viele von denen waren in Bad Sachsa gewesen, wohin die Nazis Kinder der Attentäter nach dem 20. Julie entführt hatten“)…
G: „Ging es hierbei nicht um das Borntal?“.
H: „Aus meiner Sicht sollte man die Themen ein wenig sortieren in
1) Kinder des 20. Juli und
2) Heimunterbringung in den Nachkriegsjahren…
…Zu 1) den Kindern des 20. Juli. Diese Kinder, zwischen wenigen Wochen und 15 Jahren alt, wurden ihren Familien entrissen, um sie als Faustpfand gegenüber ihren Eltern, insbesondere den Attentätern des 20. Juli, zu mißbrauchen, um insbesondere weitere Beteiligte und Strukturen zu erpressen. Einfach nur widerlich! Desweiteren wurden die nach Bad Sachsa verschleppten Geschwister von einander getrennt und ihnen neue Namen verpasst, denn Unsere wahre Identität sollte vernichtet werden (so der Buchtitel, hier bei der Tourist-Info für 5 Euro zu bekommen!!!, der die Thematik umfassend behandelt – und wer schon mal in der Tourist-Info ist, kann ja auch gleich die dortige Gedenk-Ausstellung besuchen, um sich zu informieren). Dieses Schicksal dieser Kinder prägt sie zeitlebens und ist grausam gewesen: von den Eltern getrennt, nicht wissend, wie es diesen geht – ob sie noch leben? etc… Körperliche Grausamkeiten hingegen sind ihnen NICHT angetan worden. Von all den 46 Kindern, mit denen ich habe sprechen können und die Schriftliches veröffentlicht haben, spricht lediglich ein Mädchen davon, daß sie schlecht behandelt worden sei – führt das aber nicht aus. In der Gedenk-Ausstellung in der Tourist-Info Bad Sachsa kann man nicht nur die Lebensläufe der Kinder sondern auch das Tagebuch der Christa von Hofacker, welches sich eben genau mit der Sachsaer Zeit beschäftigt, nachlesen. — Zum Personal im Borntal: in der Anfangszeit ist offensichtliche eine sehr strenge Schwester federführend gewesen, die aber alsbald abgelöst wurde. In den letzten Monaten vor Kriegsende war Frau Ferch die entscheidende Person, die sich um die verbliebenen Kinder (manche wurden nicht mehr als Druckmaterial gebraucht) gekümmert und eingesetzt hat! Diese Frau Ferch hat mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, den Kindern ein Überleben zu ermöglichen – auch und besonders gegenüber den Vorgesetzten!!! Und genau diese Frau Ferch hat der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister Willi Müller geheiratet. Dieses SPD-Mitglied, welches unter den Nazis sein Haus und seine Arbeit verloren hatte, welches im Rahmen der Verfolgung der Beteiligten am Attentat vom 20. Juli auf Hitler über kurze Zeit ins KZ Buchenwald gesteckt wurde war, dieses SPD-Mitglied hätte wohl kaum eine Nazi-Anhängerin und kindermisshandelnde Frau geheiratet!!! Zum heutigen Schluß dieser Stellungnahme der Satz, den Willi Müller 1945 am ersten Tag seines Amtes als Bürgermeister gegenüber den Kindern des 20. Juli sagte: …ihr brauch Euch Eurer Namen und Väter nicht zu schämen – denn sie waren Helden!. Um zur selben Überzeugung zu kommen brauchte die BRD und die DDR zweieinhalb Jahrzehnte – und manche wissen bis heute nicht, was Anstand, Respekt und Charakterstärke sind! Ralph Boehm“.
H: „zu 2) Der Heimverschickung nach Bad Sachsa nach dem Kriege: Im Stadtarchiv erreichen mich bedauerlicherweise regelmäßig Anfragen von ehemaligen Kindern, die in Bad Sachsa unter den Erziehungsmethoden der Nachkriegszeit – und das waren die Methoden der Vorkriegszeit!!! (bis in die 1970er Jahre hinein!!!) gelitten hatten! Dieses ist kein Ruhmesblatt der Bad Sachsaer Geschichte im Besonderen und der deutschen pädagogischen bzw. didaktischen Methoden im Allgemeinen. Auch hilft hier eine Verallgemeinerung in Bezug der hiesigen vielen Heime nicht weiter – die Erfahrungen sind von Heim zu Heim andere!!!! Einblicke und Aufschluß gibt der Blog https://blog.zeit.de/…/12/09/zeitsprung-bad-sachsa/…. und ganz aktuell insbesondere: http://www.anjaroehl.de/verschickungsheime/. Ralph Boehm“.
J: Siehe „Zeitsprung: Bad Sachsa. Hier sind viele Tatsachenberichte geschrieben… Nicht nur Negative…. aber sehr viele!“.
K: „Ich war 1957 in Bad Sachsa, glaube, es war das Haus Warteberg. Mein ganzes Leben habe ich diese schrecklichen Erinnerungen mit mir herumgetragen. Erst jetzt, mit fast siebzig Jahren, kann ich es aufarbeiten, weil es viele Andere gibt, die meine Bilder bestätigen“.
H: „Es ist gut zu wissen, dass man/frau nicht allein ist!“.
L: „Ich war zur Kinderverschickung Haus Kern 1986, es war die Hölle für mich, bin heut noch traumatisiert“.
K: „Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal. Es sind viele tausend ehemalige Verschickungskinder, die bis heut unter dem Erlebten zu leiden haben. Es gibt Akten in den Landesarchiven, die Quälerei lässt sich nicht leugnen. Ich freue mich für die Wenigen, die Glück bei ihrer Verschickung hatten“.
Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
„Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung“ angeregt worden ist
(Vorsitzende: Anja Röhl, http://www.verschickungsheime.de)
Aktuell in 2025 ist folgende Veröffentlichung
„Forschungsprojekt:
Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen
in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1989″
inklusive des
„Verzeichnis der Kindererholungs-, -kurheime und -heilstätten
in der Bundesrepublik 1945–1989″
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Berlin, 15. Mai 2025
Deutsche Rentenversicherung, Caritas, Diakonie und DRK arbeiten Geschichte des Kinderkurwesens auf und zeigen damalige Missstände auf. (Gemeinsame Presseerklärung vom 15.05.2025), Auszug:
„Zwischen 1951 und 1990 verbrachten laut Schätzung der Autorinnen und Autoren 11,4 Millionen Kinder und Jugendliche Aufenthalte in Kinderkur- und -erholungsheimen sowie -heilstätten. Ziel der damaligen Kinderkuren war in der Regel die gesundheitliche Stärkung bei guter Ernährung und an frischer Luft. Verschickt wurden Kinder aus allen sozialen Schichten. Das Kinderkurwesen der alten Bundesrepublik war durch eine komplexe Struktur von Trägern, Fach- und Interessensverbänden, Entsendestellen und nicht zuletzt durch eine große Zahl von Heimen geprägt. Die Kuren wurden meist von Ärzten verschrieben oder von der „Fürsorge“, zum Beispiel von Jugend- und Gesundheitsämtern, veranlasst. Die Kosten trugen meistens Krankenkassen und damalige Rentenversicherungen. Die Einrichtungen waren überwiegend in privater Trägerschaft oder wurden von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen oder anderen staatlichen Akteuren betrieben. „Auch wenn Kinder und Jugendliche positiv oder neutral von ihren Kuren berichten, war die Realität in den Heimen häufig eine andere. Das Kinderkurwesen erwies sich bis in die 1980er Jahre hinein als sehr beständiges Massenphänomen. Umso schwerer wiegt, dass sich erhebliche strukturelle Missstände ausmachen lassen, unter denen zahlreiche Kurkinder zu leiden hatten“, so Professor Nützenadel.
Viele Kinder hatten in den Kinderkureinrichtungen keine erholsame oder heilsame Zeit. Sie berichten von mangelhaften räumlichen und hygienischen Bedingungen und davon, dass sie kontrolliert, eingeschüchtert und zum Teil gedemütigt wurden. Manche waren Gewalt ausgesetzt.
Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass es sich bei den Missständen nicht um Einzelfälle handelte, sondern um strukturell bedingte Vergehen in zahlreichen Einrichtungen. Bedingt unter anderem durch häufig fehlende angemessene pädagogische Konzepte, Mangel an pädagogischem Fachpersonal und eine unzureichende Aufsicht gab es über Jahrzehnte Missstände in den Heimen. An vielen Stellen änderte sich daran über lange Zeit nichts, obwohl es entsprechende Hinweise und Beschwerden gab. Ab Mitte der 1970er Jahre läuteten einschneidende sozialpolitische und sozialrechtliche Veränderungen sowie soziostrukturelle Wandlungsprozesse das Ende der damaligen Kinderkuren ein.
Die Initiative Verschickungskinder, die den Forschungsbericht im Beirat begleitet hat, betonte: „In der Untersuchung der Humboldt-Universität zu Berlin wird das zahlenmäßige Ausmaß des Kinderverschickungswesens sehr deutlich. Forschungsergebnisse wie diese sind unverzichtbar, um den Wahrheitsgehalt und die Relevanz der Erlebnisberichte der vielen Betroffenen zu unterstreichen.“ Der Deutsche Caritasverband, die Diakonie Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Rentenversicherung sprechen in Bezug auf die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse ihr großes Bedauern über die damaligen Geschehnisse aus und stellen sich der Vergangenheit. Die Studie sei ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse, mit der man Verantwortung übernehmen wolle.“
Neben anderen wird Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland zitiert:
„Auch in Kinderkureinrichtungen der Diakonie haben Kinder und Jugendliche in der damaligen Zeit Gewalt und Erniedrigung erfahren. Das bedauere ich sehr. Mir ist wichtig, dass die vorliegende Studie im Dialog mit Betroffenen entstanden ist. Die wissenschaftliche Expertise und die Wahrnehmung erlittenen Leids – beides zeichnet diesen Beitrag zur Aufklärung der festgestellten Missstände aus. Die Kinder- und Jugendpädagogik hat sich seither sehr viel weiterentwickelt und stellt heute die Rechte und die Würde von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Das ist zentrales Leitmotiv diakonischer Kinder- und Jugendhilfe.“

















