Die Verwendbarkeit der Landschaftsanalyse im Gebiet von Bad Sachsa (Südharz)
von Dr. Sophie Wichers, Hamburg 1932



„Frau Amalie Potthoff zugeeignet.“

Mehr Informationen finden Sie
hier zur

Talstraße 6 + 7 und der Potthoffschen Villa

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Hier Auszüge der Schrift, soweit
sie sich mit Grundsätzlichem und Wasser auseinandersetzen.

4. Wasserverhältnisse [S. 20 bis 23]
[S. 28 bis 33]

6. Der Mensch und seine Werke im Landschaftsbild. [S. 28 bis 33]
Siedlungen.
Bei der Durchwanderung des Gebietes fällt an den drei Ortschaften Steina, Sachsa und Wieda trotz mancher gemeinsamen Züge doch der Unterschied ihres Bildes auf.

Steina, dessen Straßendorfanlage durch die schmale zwischen den steilen Grauwackenrücken ausgebildete Talsohle bedingt ist, hat ganz das Aussehen eines fränkischen Dorfes: mehr oder weniger regelmäßig reihen sich die geschlossenen, mittelgroßen Gehöfte mit quer oder längs zur Straße gestellten Wohnhäuser auneinander. Die Wohnhäuser sind mit Keller und zwei Stockwerken versehen. Haussockel und Hofmauer sind aus Hausteinen ausgeführt, darüber folgt Fachwerk mit Lehm oder Ziegelausfüllung. die Wände sind weiß getüncht, das Fachwerk hat gedunkelte Naturfarbe. Das Giebeldach ist mit Ziegeln, seltener mit Schiefer gedeckt. Einige Neubauten schieben sich am unteren Ende des Dorfes ein. An die Gehöfte schließen sich auf der Talsohle Gärten an, die im unteren Teil auch auf die flacheren Hänge übergreifen.
Die kleine Stadt Sachsa nimmt heute einen verhältnismäßig großen Raum ein durch die im oberen Teil über Täler und flache Rotliegendhänge zerstreuten, von großen Gärten umgebenen Villen= und Hotelbauten, die dem Orte das besonders anmutige Aussehen verleihen. Der untere Teil bildet auf der ziemlich breiten Uffetalsohle eine geschlossene Siedlung. Die Hauptzeile zeigt Straßendorfanlage: quer zur Straße reihen sich die Wohnhäuser ununterbrochen aneinander. Mit ihren Nebengebäuden zeigen sie oftmals noch die fränkische geschlossene Gehöftanlage, die jedoch durch Umbauten immer mehr verschwindet.
Einen strengen Eindruck macht Wieda…

Wirtschaft, Verkehrswege und Wasserbauten
Landwirtschaft haben nur die Harzrandorte Steina und Sachsa in größerem Maße, wenn auch nur in kleineren Betrieben. Bezeichnenderweise liegen ihre Felder und Wiesen aber fast ausschließlich auf dem flacheren Gelände des Vorlandes. Hier soll nur gesagt werden, daß der Kleinlandwirtschaft entsprechend die Flur in kleine Parzellen aufgeteilt ist, und daß man bei der Bewirtschaftung neben dem Pferdegespann auch häufig das Kuhgespann sieht….

Die Gartenwirtschaft ist in Steina und Sachsa auf den Talsohlen und Hängen anschließend in die Wohnsitze gut ausgebildet. In Sachsa ist die häufige S=Exposition der flachen Hänge besonders günstig, sodaß hier auch seine Obst= und Gemüsesorten gut gedeihen und zum

Teil in Plantagenbau angepflanzt werden…
Der Forstbetrieb ist entsprechend seiner Ausdehnung die wichtigste Wirtschaftsform des Gebietes. Der Wald wird als Hochwald in Beständen von gleichen Altersklassen gezogen. Die Pflanzgärten sind an den günstigsten Standorten angelegt, in ebener, nicht zu hoher Lage und auf tiefgründigem Boden (bei Whs. Steinatal und am Knicking auf einer Terrasse, am Sandberg und am Moseberg z. B. auf breiten, flachen Rücken). Die Wälder haben örtlich oft ein sehr einheitliches Aussehen. Der Blick dringt weit durch die gleich hohen und gleich starken Stämme. Doch wirkt die Landschaft deshalb nicht monoton, da die starke Bewegung der Oberflächenformen und die wechselnden Ausblicke das Bild immer ändern.

Der Wald liefert das Meterial für die wenige einheimische Industrie, die heute nur noch in kleinen Sägewerken lebendig ist und sich im Siedlungsbild kaum ausprägt. Andere Holzverarbeitungsbetriebe rentieren sich nicht. In der Zündholzfabrik Wieda ist gegenwärtig eine Sackfabrik eingerichtet, die ausländisches Material verarbeitet. Dazu kam früher in den beiden Orten Wieda und Sachsa Bergbau und Hüttenbetrieb. Doch ist er in Sachsa schon seit Jahrhunderten, in Wieda nach dem Kriege aufgegeben worden…
…Steinbrüche haben nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Die Aufschlüsse haben überall nur kleinere Ausmaße. Aeltere Hausbauten in Sachsa und Wieda zeigen die reichliche Verwendung von Grauwacke und Diabas, in Steina von Dolomit. Der gewerbliche Bruchbetrieb hat aufgehört, nur für den Wegebau wird noch gebrochen.
Während alle Zweige der bodenständigen Industrie zurückgehen, hat der Fremdenverkehr in dieser landschaftlich sehr schönen Gegend in den letzten Jahren eine lebhafte Entwicklung genommen. Sachsa, das am Eingang zu vielen kleineren Tälern liegt, und dessen Neubauten sich über viele sonnige Waldhänge hinziehenm ust dazu besonders geeignet; aber auch Wieda und Steina stellen sich mehr und mehr durch Ausbau der Häuser darauf ein. Ueberall werden Ruhe= und Aussichtsplätze geschaffen, alte Wege gepflegt und viele neue, bequeme Fußwege angelegt.
So ist im Steinatal jetzt eine gepflasterte Landstraße im Entstehen. Sonst ist das Gebiet arm an Chausseen…
Zum Schluß ist noch kurz auf die Wasserbauten einzugehen. Für Hütten= und wenige Mühlenwerke wurden in Sachsa und Wieda Bachableitungen und Wasserstauanlagen geschaffen. Uffe und Wieda speisen solche am Hang entlanglaufenden Wassergräben. Der Schmelzteich diente früher zur Wasserversorgung der Sachsaer Hütte, heute ist er wegen seiner besonderen landschaftlichen Schönheit ein Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr und wird, wie auch die meisten anderen Stauteiche des Gebietes, für die Fischzucht [Karpfen und Forellen) genützt.
Die Versorgung der einzelnen orte mit Trinkwasser ist verschieden. In Wieda schöpfen Pumpen aus dem reichlichen Talsohlengrundwasser, eine Häuser haben private Wasserleitung, die aus den Bächen der Nebentäler oder aus Hangquellen gespeist werden, Steina wird duch eine Wasserleitung aus dem Talsohlengrund-wasser der Steina versorgt. Schwierigkeiten hat die Wasserversorgung Sachsas, das durch den Kur= und Fremdenbetrieb einen großen Verbrauch hat. Die Wasser-leitung wird aus dem Bachwasser und dem Talsohlen= wie auch dem Tiefengrund-wasser seiner Täler gespeist. Infolgedessen liegen die Betten der Uffequellbäche in der Nähe der Pumpstationen für den größten niederschlagsärmeren Teil des Jahre trocken. Dennoch wird der sommerliche Wasserbedarf nicht gedeckt. Hier macht sich die Grundwasserarmut der Täler (Salztal und Ostertal, vgl. S. 21) empfindlich bemerkbar.

4. Wasserverhältnisse [S. 54 bis 56]
…Grundwasser= und Quellenarmut scheinen in dem Vorland aneinander gebunden zu sein. Verhältnismäßig viele Quellen entspringen noch im Abdachungshügelland vor der Zechsteingrenze: aus den grundwasserhaltigen alluvialen und

rotliegenden Schichten um den Roßkopf und aus dem in den oberen Bodenschichten enthaltenen Sickerwasser (Zehngärtenbach) wie auch aus Schichtenwasser (Schwiebach und der Quellhorizont am nördlichen Gehänge der Trogsteinsenke) am Warteberggehängefluß. Im Gips=Dolomitgebiet hört nahezu jede Quellbildung auf, außer zwei kleinen im Mehholz gelegenen Quellen und den beiden Quellen des Tettenborns. Erst die über den Letten angesammelte n Grundwassermengen speisen wieder Quellen (der Quellhorizont am Fuße des Sudberg-Kirchholzrückens). Im herrschenden Buntsandstein sind Quellen äußerst selten und wohl meistens an das enige in den oberen Bodenschichten enthaltene Wasser gebunden.
Auch im Vorland führen alle Quellen kaltes Süßwasser. Die Ergiebigkeit wechselt mit den jahreszeitlichen Niederschlägen, sie ist aber im allgemeinen gering. Am kräftigsten sind die vom Talsohlengrundwasser gespeisten Sohlenquellen und die nahe der Stufenhöhe in dem durchlässigen Dolomit gelegenen Tettenborner Quellen, deren Beziehungen zum Grundwasser nicht zu erkennen sind. Am schnellsten versiegen die von dem in der Verwitterungsschicht enthaltenen Wasser gespeisten Quellen, z.B. in den Buntsandsteinwellen. Wie im Harz sind gerade solche spärlich fließenden Quellen in den ausgebildeten Talformen glegen (Hegental, bei Gihenkirchen, im Schaftal), während die kräftigsten Quellen auf der Talsohle oder an Hängen in höchstens schwach ausgebildeten Mulden liegen (Tettenborn, nordöstlich von Liebenrode, nordwestlich von Mackenrode).
Anderer Natur als die beschriebenen Quellen sind die Springen, die als besonders kräftige Quellen unter Steilhängen auf Talsohlen auftreten. Zwei Springen liegen am Fluß der Gips=Dolomitstufe, über ihnen steht der Gips, ein Wand bildend, an. Sie fließen beständig und ihre Ergiebigkeit scheint duch wechselnde Niederschläge kaum Schwankungen unterworfen zu sein. Eine dritte Springe liegt inden Letten der Nüxeier Mulde am Fuße eines von ihr angeschnittenen Steilhanges, der sie wie ein großer bachabwärts geöffneter Trichter umgibt. Sie fließt nur zu Hochwasserzeiten und fördert dann soviel Wasser, daß sie die vor ihr liegende kleine Senke überschwemmt…

Lebenslauf.
* 1902, Krautsand, Kreis Kehdingen, als Tochter des Hofbesitzers Joh. Wichers geboren….
Ostern 1922 legte ich die Reifeprüfung für Oberlyceen,
1923 die Lehramtsprüfung ab.

Von 1923 – 1926 unterrichtete
ich als Lehrerin an der höheren Privatmädchenschule in
Bad Sachsa/Harz.

…Hamburg, im Juli 1930
Sophie Wichers.